Bukowina

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bukowina (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen des Herzogtums Bukowina

Die Bukowina (deutsch auch Buchenland[1]; rumänisch Bucovina, ukrainisch Буковина/Bukowyna) ist eine historische Landschaft im Grenzraum zwischen Mittel-, Südost- und Osteuropa. Die nördliche Hälfte gehört zur Ukraine und ist Teil des Bezirks Czernowitz. Die südliche Hälfte gehört zu Rumänien und ist Teil des Kreises Suceava. Hier liegen auch die Moldauklöster, die zum Weltkulturerbe der Unesco zählen. Die Bukowina, so wie das östlich davon liegende Bessarabien, war jahrhundertelang ein Teil des historischen Fürstentums Moldau. Im Nordwesten liegt Ostgalizien, im Südwesten Siebenbürgen.

Name[Bearbeiten]

Der Begriff „Bukowina“ stammt aus den slawischen Sprachen und bezeichnet ein mit Buchen bewaldetes Gebiet (buk = Buche). Vor allem im westslawischen Raum ist er als Toponym weit verbreitet. Dieser Begriff wurde im Laufe des Mittelalters auch von der rumänischen Sprache übernommen und mehrere buchenreiche Gegenden im Fürstentum Moldau wurden als bucovină benannt, einschließlich des Gebietes, das später von den Habsburgern annektiert wurde. Das Wappen des Kronlands Bukowina entstand auf der Grundlage des moldauischen Wappens.

Geographie[Bearbeiten]

Die Landschaft grenzt im Südwesten an die Karpaten. Den Übergang nach Siebenbürgen bildet der Tihuța-Pass, früher als Borgopass bekannt. In den Karpaten entspringen die Flüsse Siret und Moldova. Nach der Moldova sind Landschaft und Fürstentum Moldau benannt. Im Norden geht das Land in die Ebene über und reicht bis an den Dnister. Auch der Pruth, der östliche Grenzfluss Rumäniens, fließt durch die Bukowina.

Das Klima des Landes wurde 1895 als „gesund, aber rauh“ bezeichnet, die mittlere Jahrestemperatur in Czernowitz mit 8,3 °C, in den höheren Landesteilen mit 5,6 °C angegeben, die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge mit 580 mm.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Historische Hauptstadt ist Czernowitz (Cernăuți). Das Herzogtum Bukowina erstreckte sich im Jahr 1900 über 10.441 km² und hatte 730.000 Einwohner. Die Bevölkerung war sehr stark gemischt, wobei neben Ukrainern (damals als Ruthenen bezeichnet) und Rumänen auch Deutsche und Juden, vor allem im Gebiet um Czernowitz, stark vertreten waren.

Während der russischen Besetzung 1772 bis 1774 wurde eine erste Volkszählung durchgeführt. Dabei ging man jedoch nicht auf die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung ein. Im 20. Jahrhundert versuchten verschiedene rumänische Forscher, diese Zusammensetzung aufgrund der Familiennamen nachzuvollziehen.[3] Diese Art der Auswertung, die von heutigen Wissenschaftlern bezweifelt wird, erbrachte sehr unterschiedliche Zahlen, die zwischen einem Anteil 65 bis 85 % Rumänen schwanken.[4]

1910 bekannten sich 22 % der Bevölkerung zur deutschen Umgangssprache, wovon 96.000 Juden und 72.000 Christen (meist Buchenland- oder Bukowinadeutsche) waren.[5] Zur jüdischen Religion bekannten sich 1890 ca. 13 Prozent.[2] Dieser Anteil war in den Jahrzehnten zuvor stark gestiegen. So betrug er 1857 6,5 %, 1869 9,3 % und 1880 11,8 %.[6] Deutschsprachige Bevölkerungsmehrheiten gab es damals in mehreren größeren Ortschaften, neben Czernowitz auch in Radautz und Gura Humora.

Die Möglichkeit, als Umgangssprache Jiddisch anzuführen, war vom Wiener Ministerium abgelehnt worden. Vorhergegangene Volkszählungen hatten ein starkes Anwachsen des Deutschen ergeben; die getrennte Zählung Jiddischsprachiger hätte deutsche Besitzstände in Frage gestellt.[7]

Der Bevölkerungsanteil der Rumänen und Ukrainer in der Bukowina hat sich im Laufe der habsburgischen Herrschaft merklich geändert, wie die Ergebnisse folgender Volkszählungen zeigen:

Ethnische Gruppen (1930)
Jahr Rumänen Ukrainer Andere Insgesamt
1774 64.000 85,33 % 8.000 10,66 % 3.000 4,0 % ~ 75.000
1786 91.823 67,8 % 31.671 23,4 % 12.000 8,8 % ~ 135.000
1848 209.293 55,4 % 108.907 28,8 % 59.381 15,8 % 377.581
1869 207.000 40,5 % 186.000 36,4 % 118.364 23,1 % ~ 511.000
1880 190.005 33,4 % 239.960 42,2 % 138.758 24,4 % 568.723
1890 208.301 32,4 % 268.367 41,8 % 165.827 25,8 % 642.495
1900 229.018 31,4 % 297.798 40,8 % 203.379 27,8 % 730.195
1910 273.254 34,1 % 305.101 38,4 % 216.574 27,2 % 794.929

[2] 1895 kamen auf 1 km² 62 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Antike war das Gebiet der heutigen Bukowina von Dakern und Bastarnen bewohnt. Vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum Ende des letzten Dakerkriegs 106 n. Chr. gehörte es zu diversen Dakerreichen. Im 7. Jh. wurde die Region von Slawen besiedelt. Sie wurde später Bestandteil der Kiewer Rus sowie des ostslawischen Fürstentums Halitsch-Wolhynien. In diese Zeit fällt auch die Gründung von Czernowitz. Nach der Verwüstung der Rus durch die Mongolen wurde die Bukowina Teil des Fürstentums Moldau und im 14. bis 16. Jh., mit der Hauptstadt Suceava bis 1563, sogar dessen politisches Zentrum. Ab 1512 geriet das Fürstentum unter zunehmenden osmanischen Einfluss. 1769–1774 war die Bukowina von Russland besetzt.

Österreichische Herrschaft[Bearbeiten]

Seit langem strebte die Habsburger Monarchie nach einer besseren Verbindung von Siebenbürgen zum gerade erworbenen Galizien. Nach dem Friede von Küçük Kaynarca gelang es ihr 1775, bei der Hohen Pforte die Abtretung des 10.000 km2 großen Gebietes zu erreichen. In dem Vertrag wurde es zum ersten Mal als Bukowina – Buchenland – bezeichnet.[8]

„Als österreichische Regimenter in der Bukowina einrückten, war der kulturelle und wirtschaftliche Tiefstand dieses Landes unbeschreiblich. Hunderte Jahre lang war es, wie der ganze Balkan, unter türkischer Oberhoheit gestanden; vorher aber hatten hier Steppenvölker geherrscht, und die einheimische, überwiegend rumänische Bevölkerung stand lange unter dem Drucke der Kumanen, Petschenegen und Tataren, ausgebeutet später vom osmanischen Reich und von den Woiwoden eigenen Geblüts in wahrer Sklaverei gehalten. Das ganze Gebiet mit seiner spärlichen Bevölkerung war vorwiegend mit Wäldern bedeckt und wies nur zwei bedeutendere Städte auf: Sereth und Suczawa, welch letztere einmal sogar Residenzstadt der moldauischen Landesfürsten gewesen war. Dazu gab es, als die Österreicher ins Land kamen, nur noch einige befestigte Klöster, in denen die Bevölkerung bei Gefahr Schutz suchte. Lesen und Schreiben war für die autochthone Bevölkerung eine unbekannte Kunst.“

N.N. (1963) [8]

Der humanitär gesinnte Joseph II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und Erbe der Donaumonarchie, fand durch die Angliederung des Landes an das habsburgische Herrschaftsgebiet (nicht an das Reich!) eine dankbare Aufgabe. In allen deutschen Gauen ließ er Aufrufe zur Kolonisation der Bukowina veröffentlichen. Der Widerhall war stark. In wochenlangen Trecks zogen Bauernfamilien, vorwiegend aus Württemberg, die Donau hinab. Viele blieben im Banat, andere zogen über die Karpaten oder über Galizien weiter.

Die Schwabensiedlungen im Buchenland wurden zur Keimzelle neuen wirtschaftlichen und kulturellen Lebens. „Eine blühende Landschaft entstand in diesem von der Natur bevorzugten, von der Geschichte so stiefmütterlich behandelten Gebiet.“ Noch für Jahrzehnte blieb es ein Teil des Kronlandes Galizien; um 1848 war sein Eigengewicht aber so groß, dass man sich in Wien entschloss, es zu einem Herzogtum und Czernowitz zur Hauptstadt zu machen.[8]

Verwaltung[Bearbeiten]

Nach zehnjähriger Militärverwaltung wurde die Bukowina ab 1786 als Kreis Czernowitz (später Kreis Bukowina) des Königreichs Galizien und Lodomerien verwaltet. Seit 1804 war sie Teil des neu etablierten Kaisertums Österreich. 1849 wurde sie zum Kronland erhoben und zunächst noch von Lemberg aus regiert, erhielt sie aber schon 1850 eine eigene k.k. Statthalterei in Czernowitz. Sie teilte die Verwaltung in Bezirkshauptmannschaften auf:[9]

Gerichtsbezirke[Bearbeiten]
Bukowina (1774)
Erzbischöfliche Residenz in Czernowitz
  • Czernowitz mit den Gerichtsbezirken Czernowitz I, Czernowitz II, Sadagura und Strezents
  • Kotzmann mit den Gerichtsbezirken Kotzmann und Zastawna
  • Moldauisch Kimpolung mit den Gerichtsbezirken Kimpolung, Wadradorna und Gura Humora
  • Radautz mit den Gerichtsbezirken Sereth, Radautz und Seletin
  • Suczawa mit den Gerichtsbezirken Suczawa und Solka
  • Wischnitza mit den Gerichtsbezirken Wischnitz, Waszkoutz und Putilla
Verwaltungsbezirke und Landesordnung[Bearbeiten]

1854 wurde diese Ordnung revidiert und die Bukowina in folgende Bezirke unterteilt[10]:

  • Czernowitz (Umgebung)
  • Dorna
  • Gurahumora
  • Kimpolung
  • Kotzmann
  • Putilla
  • Radautz
  • Sadagura
  • Sereth
  • Solka
  • Storoschinetz
  • Suczawa
  • Waskoutz am Czeremosz
  • Wysznitz
  • Zastawna

Die Stadt Czernowitz unterstand dem Landeschef direkt und führte auf ihrem Gebiet auch die Agenden der Bezirkshauptmannschaft.

Mit der Reichsverfassung 1861 erhielt die Bukowina im Kaisertum Österreich eine Landesordnung, der zufolge in Czernowitz ein Landtag mit seinem Exekutivausschuss, dem Landesausschuss, errichtet wurde.[11] Diesen autonomen Landesorganen stand als Vertreter von Kaiser und Wiener Regierung der nun Landespräsident genannte k.k. Landeschef mit der hier Landesregierung genannten Statthalterei gegenüber. Bei der 1867 erfolgten Teilung des bisher einheitlichen Kaisertums in eine österreichische und eine ungarische Monarchie verblieb die Bukowina bei Österreich. 1868 wurde die Bezirkseinteilung abermals verändert.[12]

Im Landtag saßen 1895 der griechisch-orientalische Erzbischof von Czernowitz, der Rektor der 1875 gegründeten Franz-Josephs-Universität, zehn (vorwiegend rumänische) Abgeordnete der Großgrundbesitzer, fünf Abgeordnete der Städte, zwei der Handels- und Gewerbekammern und zwölf Abgeordnete der Landgemeinden.

In das Abgeordnetenhaus des Reichsrats in Wien wählte die Bukowina 1895 neun Mitglieder.[13] Mit der Wahlrechtsreform 1906 / 1907 erhöhte sich die Zahl der in der Bukowina (nunmehr von allen erwachsenen männlichen Staatsbürgern mit gleichem Stimmgewicht) zu wählenden Reichsratsabgeordneten auf 14.

Bezirkshauptmannschaften[Bearbeiten]
Czernowitz (1900)
Bukowina (1901)

1914 gab es folgende Bezirkshauptmannschaften:

  • Czernowitz
  • Gurahumora (seit 1. Oktober 1893[14])
  • Kimpolung
  • Kotzmann
  • Radautz
  • Sereth
  • Storoschynetz
  • Suczawa
  • Waschkoutz am Czeremosz (seit 1. Oktober 1903[15])
  • Wisznitz
  • Zastawna (seit 1. Oktober 1905[16])

In der Verwaltung, an deren Spitze die k.k. Landesregierung stand, und vor Gericht (1895: Landesgericht in Czernowitz; Kreisgericht in Suczawa; 15 Bezirksgerichte[13]) waren seit 1864 Deutsch, Rumänisch und Ruthenisch, wie das Ukrainische damals genannt wurde, gleichberechtigte Sprachen.[17]

Vielfalt und Aufschwung[Bearbeiten]

Deutsche Siedler und deutsch- bzw. jiddischsprachige Juden, die schon bald nach der Angliederung an Österreich einwanderten (Bukowinadeutsche), trugen zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Landes im 19. Jahrhundert bei. Sadagora wurde in dieser Zeit zu einem Zentrum des Chassidismus. 1776 hatte die Bukowina nur 60.000 bis 70.000 Einwohner. Ab 1776 und im Laufe des gesamten 19. Jahrhunderts übersiedelten viele Ukrainer aus Galizien dorthin; dennoch blieben die Rumänen die größte Bevölkerungsgruppe der Bukowina, bis sie 1880 von den Ukrainern überflügelt wurden.

Die Bukowina konnte sich in der Habsburgermonarchie nicht so gut entwickeln wie andere Regionen der Monarchie, weil sie von den wirtschaftlichen Zentren Österreichs weit entfernt war und jenseits der Ostgrenze der Monarchie auch keine starken Handelspartner zu finden waren. Verglichen mit dem damaligen Rumänien sah die wirtschaftliche Bilanz allerdings gut aus.[18]

Bukowiner Ausgleich[Bearbeiten]

Um die nationalitätenrechtlichen Probleme der Bukowina zu lösen, wurde 1910 die Wahlordnung im sogenannten Bukowiner Ausgleich reformiert. Er trat mit dem Gesetz zur Landtags-Wahlordnung für das Herzogtum Bukowina vom 26. Mai 1910 in Kraft.[19][20][21] Der Landtag bestand jetzt aus 63 Mitgliedern und die Einteilung der Mandate (eigentlich der Wahlbezirke) beruhte auf dem nationalen Prinzip. Infolge der ethnischen Vielfalt des Landes soll das Wahlsystem eines der kompliziertesten in ganz Europa gewesen sein.[22] Im Stadtparlament von Czernowitz wurden fünf Sprachen gesprochen. Dolmetscher brauchte man nicht.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schlacht in Galizien

Im Ersten Weltkrieg wurde die Bukowina zweimal von Russland besetzt: 1914 / 1915 und 1916 / 1917. Die k.u.k. Armee benötigte deutsche Unterstützung, um die russischen Truppen wieder aus dem Land zu treiben. Österreich-Ungarn zerfiel Ende Oktober 1918. Bei der vom k.u.k. Kriegsministerium in Wien angeordneten Demobilisierung der Armee wurden den entlassenen Soldaten in der Bukowina ihre Waffen belassen, was zu Schießereien führte. Rumänien hatte Ende Oktober 1918, gestützt auf historische Argumente, Anspruch auf die ganze Bukowina erhoben; die Ukrainer machten ihr Selbstbestimmungsrecht geltend und wollten das Land teilen.

Am 6. November 1918 übergab k.k. Landespräsident Josef Graf Ezdorf, der vergeblich auf Weisungen der bereits machtlosen k.k. Regierung in Wien gewartet hatte, die Landesregierung in Czernowitz an Vertreter der rumänischen und der ukrainischen Nation;[23] sie versprachen, bis zur Friedenskonferenz gemeinsam vorzugehen, konnten sich allerdings über die Aufteilung der Bukowina nicht einigen. In der Folge besetzte die rumänische Armee nach und nach das Land, das am 28. November 1918 von Rumänien annektiert wurde. Die Bukowina wurde ohne Autonomierechte oder dergleichen in das Königreich Rumänien eingegliedert. Die von den Ukrainern angestrebte Teilung wurde erst 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg vorgenommen.

Rumänische Herrschaft (1918–1940/1944)[Bearbeiten]

Verwaltungsgliederung des Gouvernements Bukowina innerhalb Großrumäniens

Nachdem es nach der faktischen Aufgabe der Bukowina durch Österreich-Ungarn zu einem Machtvakuum gekommen war, versuchten sowohl die Ukrainer als auch die Rumänen die Vormachtstellung zu gewinnen. Letztlich setzte sich Rumänien durch den Einmarsch von Truppenverbänden durch. Am 28. November 1918 wurde im Synodensaal der Erzbischöflichen Residenz in Czernowitz durch einen Rumänischen Kongress die Vereinigung der Bukowina (rumänisch Bucovina) mit dem Königreich Rumänien proklamiert.

Während der Friedensverhandlungen in Paris 1919 / 1920 verzichteten dann das republikanische Österreich und das verkleinerte Königreich Ungarn auch offiziell zugunsten Rumäniens auf die Bukowina; allerdings meldete Polen in der Konferenz vom 2. Juli 1919 Anspruch auf die Gemeinden des Czeremosz-Tales an. Nach Protesten der lokalen Bevölkerung wurde dieses Vorhaben wieder fallen gelassen, lediglich die fünf Gemeinden Babin, Luka, Prelipce, Swiniacze und Krisczatek im heutigen Rajon Sastawna wurden aus verkehrspolitischen Gründen der Zweiten Polnischen Republik zugeschlagen (hier verlief die Bahnstrecke von Horodenka nach Zaleszczyki durch Bukowinaer Gebiet). Eine polnisch-ukrainische Grenzkommission kam allerdings im Protokoll vom 26. Januar 1920 zu dem Schluss, dass auch auf dieses Gebiet verzichtet werden kann.[24] In der Folge kam es zu einer starken Romanisierungswelle. Vor allem die ukrainischen Bewohner der nördlichen Bukowina hatten unter starken Repressalien zu leiden.

Die Verwaltungsgliederung wurde zunächst beibehalten, die ehemaligen Bezirkshauptmannschaften wurden nun Präfekturen genannt und waren nicht mehr der Landesregierung, sondern einem Generaldirektorat in Czernowitz unterstellt. Am 14. Juni 1925 verfügte jedoch ein Gesetz zur Vereinheitlichung der Verwaltung die Auflösung der bisherigen Präfekturen und es wurden fünf neue Kreise gebildet:

Diese blieben bis 1938 unverändert, danach kam das Gebiet der Bukowina zum Ținutul Suceava (Gebiet Suceava), der Name Bukowina war somit analog zur Tilgung des Namens Österreich im Deutschen Reich nach 1938 nicht mehr existent.

Ab 1941 kamen die ehemaligen fünf Kreise zusammen mit dem Kreis Hotin und dem Kreis Dorohoi zum neugebildeten Gouvernement Bukowina als Teil Großrumäniens.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Die geteilte Bukowina

1939 schloss Deutschland mit der Sowjetunion vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurden die territorialen Interessenbereiche der beiden Diktatoren in Nord-, Ost- und Südeuropa festgelegt. In diesem Zusatzprotokoll war zwar nur die Rede von Bessarabien, aber die Sowjetunion besetzte am 28. Juni 1940 neben dem Territorium Bessarabiens auch den nördlichen Teil der Bukowina.

Am 5. September 1940 wurde in Moskau zwischen einer deutschen Kommission und dem Beauftragten des Außenkommissariats der UdSSR die „Vereinbarung über die Umsiedlung der deutschstämmigen Bevölkerung aus den Gebieten Bessarabiens und der nördlichen Bukowina in das Deutsche Reich“ unterzeichnet. Für die Umsiedlung wurde die Zeit vom 15. September bis 15. November 1940 vereinbart.

Die Bukowinadeutschen wurden in das Deutsche Reich oder in besetzte Gebiete in Polen umgesiedelt. Zehntausende Rumänen wurden getötet oder nach Zentralasien deportiert. Die Grenzziehung von 1940 folgte nicht ganz den ethnischen Siedlungsgebieten, so dass zahlreiche Rumänen und Ukrainer auf der jeweils anderen Seite verblieben. 1941 eroberten rumänische Truppen, die an der Seite des Deutschen Reichs gegen die Sowjetunion kämpften, das sowjetisch besetzte Gebiet zurück. Viele Juden wurden in den 1940er Jahren in das rumänische Besatzungsgebiet Transnistrien vertrieben und ermordet. 1944 wurde die Bukowina erneut von der Roten Armee besetzt; Rumänien erkannte am 10. Februar 1947 durch die Unterzeichnung der Pariser Friedensverträge die neue Grenze endgültig an. Der nördliche Teil gehört seitdem zur Sowjetunion bzw. zur Ukraine, der südliche Teil blieb bei Rumänien.

Kulturblüte und Untergang[Bearbeiten]

Aus wirtschaftlichen und historischen Gründen entstand in der Bukowina, ähnlich wie in Prag, im 19. / 20. Jahrhundert eine multikulturelle Gesellschaft und unter anderem bedeutende deutsche Literatur. Czernowitz wurde ein Zentrum intensiven Handels- und Kulturaustausches zwischen den benachbarten Ländern. Den Mittelpunkt bildete die 1875 gegründete Franz-Josephs-Universität mit griechisch-theologischer, juristischer und philosophischer Fakultät (1895: 40 Lehrer, 285 Hörer[13]). Der berühmteste Autor aus der Bukowina des späten 19. Jahrhunderts war Karl Emil Franzos (1848–1904), der erste Herausgeber der Gesammelten Werke Georg Büchners (1813–1837). In der gesamten Bukowina gab es eine umfangreiche deutschsprachige Presse, darunter das Wochenblatt Bukowinaer Post,[25] die Tageszeitungen Czernowitzer Morgenblatt, die Czernowitzer Allgemeine Zeitung,[26] die Czernowitzer Zeitung, Czernowitzer Deutsche Tagespost, die Bukowiner Nachrichten, die Bukowinaer Rundschau[27] und das zionistische Blatt „Ostjüdische Zeitung“.

Nach dem Ersten Weltkrieg, als die Bukowina Teil des rumänischen Königreiches war, erlebte die deutsche Kultur der Bukowina – um nur einige wichtige Lyriker deutsch-jüdischen Ursprungs zu nennen – mit Alfred Margul-Sperber (1898–1967), Rose Ausländer (1901–1988), Alfred Kittner (1906–1991), Paul Celan (1920–1970) sowie Selma Meerbaum-Eisinger (1924–1942) ihre zweite, letzte Blüte. Auch Ninon Hesse, geb. Ausländer, die dritte Ehefrau von Hermann Hesse, wurde 1895 in Czernowitz geboren. Der wachsende Nationalismus setzte dieser Kultur jedoch ein jähes Ende.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten jüdischen Bukowinaer 1941–1944 vom faschistischen Antonescu-Regime in die rumänischen Ghettos und KZs in Transnistrien deportiert.

Von den 800.000 jüdischen Rumänen überlebten etwa die Hälfte den Holocaust. Nur wenige von ihnen blieben danach im Land. Die jüdischen Kulturdenkmäler in der Bukowina verfallen.[28]

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Johann v. Mikulicz, bis heute der bedeutendste Chirurg
Mayer Ebner

Dichter[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

Städte und Siedlungen[Bearbeiten]

Denkmal für die Holocaustopfer in Sastawna

Siehe auch: Juden in Galizien

Nordbukowina (Ukraine)[Bearbeiten]

Südbukowina (Rumänien)[Bearbeiten]

Kathedrale in Radautz

Literatur[Bearbeiten]

  • Cécile Cordon (Hrsg.): An der Zeiten Ränder. Czernowitz und die Bukowina. Geschichte, Literatur, Verfolgung, Exil. Verlag Theodor Kramer, Wien 2002, ISBN 3-901602-16-X.
  • Dietmar Goltschnigg, Anton Schwob (Hrsg.): Die Bukowina. Studien zu einer versunkenen Literaturlandschaft. Francke Verlag, Tübingen 1990.
  • Mariana Hausleitner: Die Rumänisierung der Bukowina. Oldenbourg, München 2001 (Habilitationsschrift FU Berlin 1999), ISBN 3-486-56585-0.
  • Hannes Hofbauer, Viorel Roman: Bukowina, Bessarabien, Moldawien: vergessenes Land zwischen Westeuropa, Rußland und der Türkei. Promedia, Wien 1993, ISBN 3-900478-71-6.
  • Andrei Corbea-Hoișie, Michael Astner (Hg.): Kulturlandschaft Bukowina. Studien zur deutschsprachigen Literatur des Buchenlandes nach 1918. Hartung-Gorre, Jassy Konstanz 1990.
  • Andrei Corbea-Hoișie: Czernowitzer Geschichten. Über eine städtische Kultur in Mittelosteuropa. Böhlau, Wien 2003, ISBN 978-3205770343.
  • Andrei Corbea-Hoișie: La Bucovine. Éléments d’histoire politique et culturelle. Institut d’Études Slaves, Paris 2004.
  • Andrei Corbea-Hoișie: Politik, Presse und Literatur in Czernowitz 1890-1940. Kulturgeschichtliche und imagologische Studien. Stauffenburg, Tübingen 2013, ISBN 978-3860574980.
  • Ion Lihaciu: Czernowitz 1848–1918. Das kulturelle Leben einer Provinzmetropole. Parthenon Verlag, Kaiserslautern und Mehlingen 2012, ISBN 978-3-942994-00-2.
  • Erich Prokopowitsch: Der Adel in der Bukowina. Südostdeutscher Verlag, München 1983.
  • Peter Rychlo, Oleg Liubkivskyj: Literaturstadt Czernowitz. 2., verbesserte Auflage. Czernowitz 2009.
  • Kurt Scharr: Die Landschaft Bukowina. Das Werden einer Region an der Peripherie 1774–1918. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2010, ISBN 3-205-78463-4.
  • Kurt Scharr: Historische Region Bukowina. Entstehen und Persistenz einer Kulturlandschaft, in: Thede Kahl, Michael Metzeltin, Mihai-Răzvan Ungureanu (Hrsg.): Rumänien. Raum und Bevölkerung - Geschichte und Geschichtsbilder – Kultur – Gesellschaft und Politik heute – Wirtschaft – Recht – Historische Regionen. Verlag Lit, Wien/Münster 2006, ISBN 978-3-8258-0069-7, S. 873–891.
  • Kurt Scharr: „Czernowitz hat Konjunktur“. Die Gegenwart der Bukowina in Literatur und Medien seit 1991. In: Österreich in Geschichte und Literatur mit Geographie. 47/5 (2003), S. 292–310.
  • Claus Stephani: Zum jüdischen Handwerk in der Bukowina. Anmerkungen am Rande einer Statistik. In: Andrei Corbea-Hoișie, Michael Astner (Hg.): Kulturlandschaft Bukowina. Studien zur deutschsprachigen Literatur des Buchenlandes nach 1918. Contribuţii Ieşene de Germanistică. Jassyer Beiträge zur Germanistik. Editura Universităţii „Alexandru Ioan Cuza“: Iaşi, 1990. Bd. 5, S. 237-242.
  • Claus Stephani: Die Juden Rumäniens (Eine Rückschau). In: Die Stimme. Mitteilungsblatt für die Bukowiner (Tel Aviv), 59. Jg., N3. 633, Jan. 2003.
  • Claus Stephani: „Nimm hin mein Lied“. Zur Dokumentarschau deutsch-jüdischer Dichter aus der Bukowina. In: David. Jüdische Kulturzeitschrift (Wien), 23. Jg., Nr. 88/2011.
  • Claus Stephani: „Grüne Mutter Bukowina“. Deutsch-jüdische Schriftsteller der Bukowina. Eine Dokumentation in Handschriften, Büchern und Bildern. Katalog, München 2010, 46 S.
  • Emanuel Turczynski: Geschichte der Bukowina in der Neuzeit. Zur Sozial- und Kulturgeschichte einer mitteleuropäisch geprägten Landschaft (=Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund 14). Verlag Harrassowitz, Wiesbaden 1993, ISBN 3-447-03295-2.
  • Hugo Weczerka: Die Deutschen im Buchenland. In: Der Göttinger Arbeitskreis. Schriftenreihe Heft 51, Holzner Verlag, Würzburg 1954.

Dokumentarfilme[Bearbeiten]

  • Eine verschwundene Welt von Emil Rennert
  • Czernowitz, einstige Kronstadt der k.k. Österreich-Ungarischen Monarchie. Deutschland 2006, Dokufilm, 80 Min., Produzenten: Oksana Czarny und Reinhold Czarny.
  • Herr Zwilling und Frau Zuckermann, Volker Koepp (Regisseur) Produktionsjahr: 1999, Spieldauer: 127 Minuten[29]
  • „Dieses Jahr in Czernowitz“, Deutschland 2003/2004, Dokumentarfilm, 134 Min., Regie: Volker Koepp
  • Bukovina Style – Czernowitz, Gestern und Heute Deutschland 2008; medienpädagogisches Dokumentarfilmprojekt 36 Min. Regie: Stefan Koeck, Drehbuch und Redaktion: Michael Petrowitz

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bukowina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Information des Deutschen Historischen Museums über Umsiedlungen aus der Bukowina
  2. a b c Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 3. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1895, S. 664
  3. http://www.usv.ro/index.php/ro/1/Bucovina/122/0/2
  4. Frédéric Beaumont: Roumains et Ruthènes de Bucovine. Réflexions sur la formation du mythe de la ruthénisation. In Pierre-Yves Boissau (Hrsg.): La Roumanie aux marches du monde slave. Slavica Occitania, 27, 2008, S. 63-87.
  5. Eintrag zu Bukowina in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online (in AEIOU Österreich-Lexikon)
  6. Anson Rabinbach: The Migration of Galician Jews to Vienna. Austrian History Yearbook, Volume XI, Berghahn Books/Rice University Press, Houston 1975, S. 45 (Table 1, basierend auf Jacob Thon: Die Juden in Österreich. In: Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden. No. 4, Verlag L. Lamm, Berlin-Halensee 1908, S. 6–8; sowie Joseph Buzek: Das Auswanderungsproblem in Österreich. In: Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung, Vol. 10, 1901, S. 492)
  7. Emil Brix: Die Umgangssprachen in Altösterreich zwischen Agitation und Assimilation. Die Sprachenstatistik in den zisleithanischen Volkszählungen 1880 bis 1910. Verlag Böhlau, Wien 1982, ISBN 3-205-08745-3, S. 392
  8. a b c N.N.: Das Corpsleben auf der Universität Czernowitz im Buchenland. Erinnerungen eines Czernowitzer Corpsstudenten (aktiv 1920–1923). Einst und Jetzt, Bd. 8 (1963), S. 151–157.
  9. Reichsgesetzblatt Nr. 384 / 1850 vom 8. Oktober 1850 (= S. 1748)
  10. Reichsgesetzblatt Nr. 110 / 1854 vom 24. April 1854 (= S. 395)
  11. Reichsverfassung 1861, RGBl. Nr. 20 / 1861 (= S. 69); siehe beiliegende Landesordnungen
  12. Reichsgesetzblatt Nr. 101 / 1868 vom 10. Juli 1868 (= S. 287)
  13. a b c Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 3. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1895, S. 665.
  14. Reichsgesetzblatt Nr. 134 / 1893 vom 12. August 1893 (= S. 435)
  15. Reichsgesetzblatt Nr. 182 / 1903 vom 2. September 1903 (= S. 728)
  16. Reichsgesetzblatt Nr. 139 / 1905 vom 15. August 1905 (= S. 293)
  17. Mariana Hausleitner: Die Rumänisierung der Bukowina. Die Durchsetzung des nationalstaatlichen Anspruchs Grossrumäniens 1918–1944. Verlag Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-56585-0, S. 37 f.
  18. Mariana Hausleitner: Die Rumänisierung der Bukowina. Die Durchsetzung des nationalstaatlichen Anspruchs Grossrumäniens 1918–1944. Verlag Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-56585-0, S. 30
  19. http://www.verfassungen.eu/ro/bukowina/landtagswahlordnung10.htm
  20. Rudolf Wagner: Alma Mater Francisco Josephina. Die deutschsprachige Nationalitäten-Universität in Czernowitz. Festschrift zum 100. Jahrestag ihrer Eröffnung 1875. München 1979.
  21. John Leslie: Der Ausgleich in der Bukowina von 1910. Zur österreichischen Nationalitätenpolitik vor dem Ersten Weltkrieg, in: Emil Brix, Thomas Fröschl, Josef Leidenfrost: Geschichte zwischen Freiheit und Ordnung. Gerald Stourzh zum 60. Geburtstag. Styria Verlag, Graz (1991), S. 113–144.
  22. Gerald Stourzh: Der nationale Ausgleich in der Bukowina 1909/10, in: Ilona Slawinski: Die Bukowina. Vergangenheit und Gegenwart. Verlag Lang, Bern/Wien 1995, ISBN 3-906755-37-1, S. 35-52, hier: S. 49.
  23. Gemeinsame Kriegs-Ausgabe. Czernowitzer Allgemeine Zeitung / Tagblatt. Donnerstag, 7. November 1918, S. 1
  24. Erich Prokopowitsch: Das Ende der österreichischen Herrschaft in der Bukowina. Oldenbourg, München 1959, S. 60.
  25. Bukowinaer Post auf der Website der Österreichischen Nationalbibliothek
  26. Czernowitzer Allgemeine Zeitung auf der Website der Österreichischen Nationalbibliothek
  27. Bukowinaer Rundschau auf der Website der Österreichischen Nationalbibliothek
  28. Deutschlandfunk Europa heute vom 17. September 2008: letzten Juden im Schtetl – Rumänien und sein jüdisches Erbe
  29. Herr Zwilling und Frau Zuckermann, Volker Koepp
  30. zuerst in Deutsch: Hugo Gold (Hg.): Geschichte der Juden in der Bukowina. Ein Sammelwerk, 2 Bände. Olamenu, Tel Aviv 1958/1962 (Bd. 1, bis 1919, mit 172 S.; Bd. 2 1919-1944 mit 230 S.). Übers. ins Engl. von Isak Shteyn. Von vielen Verfassern