Ewald Rudolf Stier

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Ewald Rudolf Stier

Ewald Rudolf Stier (auch: Rudolf von Fraustadt; * 17. März 1800 in Fraustadt; † 16. Dezember 1862 in Eisleben) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe und Kirchenlieddichter.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn des aus Guhrau stammenden Steuerinspektors Friedrich Ernst Stier (* 29. September 1773 in Guhrau; † 1. Nov. 1852) und der Johanna Christiane (* 23. Februar 1778 in Stroppen; † 6. Oktober 1864 in Gumbinnen[1], die Tochter des Oberpfarrers und Konsistorialrates Karl Georg Langner (* 23. April 1750 in Wersingawe b. Wohlau; † 12. März 1821 in Fraustadt als Generalsuperintendent von Grosspolen))[1], hatte eine genügliche Ausbildung an den Schulen in Tarnowitz, Ratibor und Stolp genossen. Nach dem Besuch des Fürstin-Hedwig-Gymnasiums in Neustettin hatte er sich am 24. Oktober 1815 an der Universität Berlin als Student der Rechtswissenschaften immatrikuliert, wechselte aber 1816 zu einem Studium der Theologie. In Halle (Saale) setzte Stier sein Studium von Ostern 1818 bis März 1819 fort. Bis 1819 war Stier Vorsteher der Halleschen Burschenschaft. Im Oktober 1819 führte er sein Theologie-Studium in Berlin weiter.

Obwohl er kein theologisches Examen abgelegt hatte, wurde Ewald Rudolf Stier im April des Jahres 1821 Mitglied des Königlichen Predigerseminars in Wittenberg. Von Juli 1823 an arbeitete er im Schullehrerseminar in Karalene als Lehrer. In Basel wurde Stier im November 1824 Lehrer eines Missionshauses. Nach seiner Ordination, die am 13. Mai 1825 stattfand, unterrichtete Stier hauptsächlich Altes und Neues Testament, Hebräisch, Homiletik und Geschichte.

Ein weiteres Jahr verbrachte er ohne Amt in Wittenberg. Im Juli 1829 jedoch erlangte er eine Stelle als Pfarrer von Frankleben und Runstädt. Von November 1838 bis März 1847 war er Pfarrer in Barmen-Wichlinghausen. 1846 ernannte ihn die Theologische Fakultät der Universität Bonn zum Ehrendoktor der Theologie. Von Mai des Jahres 1850 bis August 1859 war Stier Superintendent und Oberpfarrer in Schkeuditz. Von August 1859 bis zu seinem Tod übernahm er diese Ämter in Eisleben.

Stier, der im Befreiungskrieg aufgewachsen war, hatte in Berlin engen Kontakt zum Turnvater Jahn gehabt. Theologisch wurde er durch August Tholuck für die Erweckungsbewegung begeistert und trat 1818 in Kontakt mit dem Berliner Kreis um Hans Ernst von Kottwitz (1757–1843), wo er sich zum Befürworter der Union entwickelte.

Familie[Bearbeiten]

Stier war zwei Mal verheiratet. Am 7. Oktober 1824 heiratete er in Wittenberg Ernestine Franziska (* 27. September 1797 in Wittenberg; † 30. April 1839 in Barmen)[1], die Tochter des Theologen Karl Ludwig Nitzsch (1751–1831). Aus erster Ehe stammen drei Söhne und drei Töchter. Seine zweite Ehe ging er am 26. Februar 1840, mit Alwine Luise Hoppe (* 6. Januar 1807 in Wiesenburg; † 13. Januar 1890 in Wernigerode)[1], die Tochter des Theologen Ernst August Dankegott Hoppe (* 3. Oktober 1774 in Leetza; † 10. Oktober 1835 in Eisleben) und dessen Frau Friedericke Wilhelmine Nitzsch, die Tochter des Karl Ludwig Nitzsch, ein. Von den Kindern wurde Friedrich Ewald Ludwig Stier (* 22. April 1829 in Wittenberg; † 1. April 1894 in Eisleben) als Oberpfarrer in Eisleben ebenfalls Theologe und der älteste Sohn Heinrich Christoph Gottlieb Stier (1825–1896) machte sich als Pädagoge, Philologe und Historiker einen Namen.[2]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Licht, das in die Welt gekommen (1827; MG 451)
  • Grundriß einer biblischen Keryktik, oder einer Anweisung, durch das Wort Gottes sich zur Predigtkunst zu bilden. Mit besonderer Beziehung auf Mission und Kirche. Verlag Carl August Kümmel, Halle 1830 (2. erweiterte Auflage 1844, Online)
  • Offene Anklage des neueren bergischen Gesangbuchs vor allen christlichen Gemeinden, die es noch kirchlich gebrauchen. Langewiesche, Barmen 1841. (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
  • Evangelisches Gesangbuch oder Neu bearbeitete Sammlung alter und neuer Lieder zum kirchlichen Gebrauch. 1835 (2. Auflage 1853)
  • Letztes Wort über die Apokryphen. Schwetschke und Sohn, Braunschweig 1855 (Online)
  • Polyglotten-Bibel zum praktischen Handgebrauch. Velhagen & Klasing, Bielefeld 1847 (Nebeneinanderstellung von Urtext, Septuaginta, Vulgata und Luther-Übersetzung)
  • Taufe und Kindertaufe. Langewiesche, Barmen 1855 (Online)

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Stammbaum der Stierschen Familie, 3. Ausgabe. Zusammengestellt von Ewald Stier, Kiel, Howaldtsche Buchdruckerei, 1935
  2. Gottlieb Stier, Ewald Stier, Karl Nitzsch Übersicht über die Nachkommen des Dr. Karl Ludwig Nitzsch. 1905, 1912, 1922, 1933