Racibórz

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Racibórz. Für weitere Bedeutungen von Ratibor, siehe Ratibor.
Racibórz
Wappen von Racibórz
Racibórz (Polen)
Racibórz
Racibórz
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Landkreis: Racibórz
Fläche: 74,96 km²
Geographische Lage: 50° 6′ N, 18° 13′ O50.09222222222218.219722222222Koordinaten: 50° 5′ 32″ N, 18° 13′ 11″ O
Höhe: 200 m n.p.m
Einwohner: 56.008
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 47-400 bis 47-445
Telefonvorwahl: (+48) 32
Kfz-Kennzeichen: SRC
Wirtschaft und Verkehr
Straße: OppelnOstrava
Schienenweg: OppelnOstrava
Nächster int. Flughafen: Katowice
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Einwohner: 56.008
(30. Jun. 2013)[2]
Gemeindenummer (GUS): 2411011
Verwaltung (Stand: 2007)
Stadtpräsident: Mirosław Lenk
Adresse: ul. Stefana Batorego 6
47-400 Racibórz
Webpräsenz: www.raciborz.pl

Racibórz [raˈʨibuʃ] (deutsch Ratibor, tschechisch Ratiboř) ist eine oberschlesische Stadt in der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Sie ist neben Ostrava Hauptort der Euroregion Silesia. Von 1173 bis 1336 war sie Residenzort des piastischen und von 1337 bis 1521 des přemyslidischen Herzogtums Ratibor.

Geografie[Bearbeiten]

Racibórz liegt an der oberen Oder im Südosten der Woiwodschaft Schlesien, etwa 23 Kilometer westlich von Rybnik und rund 60 Kilometer südwestlich der Woiwodschaftshauptstadt Katowice. Westlich verläuft die Grenze zur Woiwodschaft Oppeln und im Süden zu Tschechien. Die Grenzübergänge Pietraszyn, Krzanowice und Owsiszcze (Owschütz) sind jeweils rund 7 bzw. 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

Das Gebiet von Ratibor ist der südöstlichste Teil des Schlesischen Tieflands. Im Westen liegt das Oppagebirge, im Norden das Oberschlesische Hochland und im Süden die Mährischen Pforte. Auch wenn sich die historische Altstadt links der Oder befindet, erstreckt sich das Stadtgebiet über beide Oderufer.

Auf dem Gebiet der Stadt besteht seit 1957 das Naturschutzgebiet Łężczok. Es erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 400 Hektar und beherbergt seltene Pflanzen- und Tierarten.

Klima[Bearbeiten]

Monatliche sowie jährliche Durchschnittstemperaturen der Jahre 1848–1977
Monate Jahre
1848–1871 1881–1939 1955 1956 1958 1959 1960 1977
Januar -2,8 -2,1 -2,0 0 -2,5 -0,3 -1,8 -0,1
Februar -1,2 -1,0 -1,7 -12,2 -1,8 -2,0 -1,8 1,9
März 2,2 3,0 0,4 1,6 -1,7 -5,6 3,5 7,1
April 7,8 7,7 5,5 6,5 5,3 9,5 6,9 6,9
Mai 12,9 13,3 11,9 12,5 16,1 13,2 13,2 12,9
Juni 17,3 16,1 15,5 15,8 15,8 16,0 16,9 17,4
Juli 18,3 18,0 18,1 17,8 18,8 19,7 16,4 17,0
August 17,7 16,8 17,2 15,9 17,4 17,5 13,3 16,5
September 13,8 13,3 13,2 13,4 13,4 12,0 12,7 11,8
Oktober 9,0 8,4 8,6 8,2 9,7 7,5 10,2 10,3
November 2,4 3,1 3,9 -0,4 4,0 3,8 5,7 5,7
Dezember -2,0 -0,2 1,8 0,5 2,1 4,9 2,6 -0,7
Durchschnittliche Jahrestemperaturen 8,0 8,0 7,7 6,6 8,0 8,8 8,4 8,9

Stadtgebiet[Bearbeiten]

Kartenansicht der Stadt Racibórz

Die Stadt Racibórz gliedert sich in folgende Stadtteile:

  1. Centrum
  2. Nowe Zagrody (Neugarten)
  3. Ocice (Ottitz)
  4. Stara Wieś (Altendorf)
  5. Miedonia (Niedane; 1936–1945: Oderfurt)
  6. Ostróg (Ostrog)
  7. Markowice (Markowitz; 1936–1945: Markdorf )
  8. Płonia (Plania)
  9. Brzezie (Hohenbirken)
  10. Sudół (Sudoll; 1936–1945: Trachkirch)
  11. Studzienna (Studen)

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1909: Eingliederung der Landgemeinde Ober-Ottitz.
  • 1910: Eingliederung der Landgemeinde Plania und des gleichnamigen Gutsbezirks.[3]
  • 1927: Eingliederung der Landgemeinden Janowitz (teilweise), Hohenbirken (teilweise), Niedane (teilweise), Ostrog, Studen und Wilhelmstal (teilweise)
    • sowie der Gutsbezirke Altendorf, Czerwentzütz (teilweise), Hohenbirken (teilweise), Niedane (teilweise), Ottitz, Proschowitz, Ratibor, Schloss und Studen.
  • 1975 wurden die Nachbargemeinden Brzezie, Markowice, Miedonia sowie Sudół eingemeindet.

Wappen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wappen von Racibórz

Blasonierung: Auf rotem Schild rechts ein halber weißer/silberner Adler, links ein halbes gelbes/goldenes siebenspeichiges Rad. Vor dem Zweiten Weltkrieg war auch das Rad weiß gehalten.

Das älteste erhaltene Siegel Ratibors stammt aus dem Jahre 1296 und zeigt bereits diese Darstellung. In Siebmachers Wappenbüchlein von 1605 wird das Wappen erstmals in Farbe dargestellt. Schon damals war die Farbgebung rot-weiß. Auch wenn Ratibor bis 1202 zu Polen gehörte, ist die Bedeutung der Farbgebung des Adlers, bzw. der Ähnlichkeit zum polnischen Wappen nicht eindeutig geklärt, da die meisten oberschlesischen Städte den gelben Adler der oberschlesischen Piasten in ihrem Wappen haben. Das Rad im Wappen steht wohl für den deutschen Namen der Stadt Ratibor.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ratiborer Burg (um 1800)
Fürstenthum Ratibor um 1790
Die Westseite des Rings mit dem Torbogen

Mittelalter[Bearbeiten]

Ratibor, das an einer uralten Furt über die Oder entstand, gehört zu den ältesten Städten Oberschlesiens. Die rechts der Oder gelegene Wallburg sollte den Flussübergang schützen, der an einer Handelsstraße von der Mährischen Pforte nach Krakau führte. Die Burg wurde erstmals 1108 von dem Benediktinermönch Gallus Anonymus erwähnt, der über kriegerische Auseinandersetzungen zwischen dem polnischen Herzog Bolesław III. Schiefmund und den Mährern berichtete. Die wiederholt aufflammenden Kriege wurden erst mit dem 1137 abgeschlossenen Pfingstfrieden von Glatz beendet, der eine dauerhafte Grenzziehung festlegte. Da Ratibor links der Zinna lag, fiel es an Polen und nach dessen Teilung 1138 an das Herzogtum Schlesien. 1155 diente die Burg als Mittelpunkt einer Kastellanei. Nach der ersten Teilung des Herzogtums Schlesien spaltete sich 1173 das neu gegründete Herzogtum Ratibor ab, das 1202 um das Oppelner Land vergrößert wurde, das erst 1281 ein selbständiges Herzogtum wurde. Da 1202 das für Polen geltende Senioratsprinzip aufgegeben wurde, erlosch die staatsrechtliche Verbindung der schlesischen Gebiete zu Polen, wodurch die bis dahin eigenständigen schlesischen Herzogtümer auch die politische Unabhängigkeit erlangten.

Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts entstand unter Herzog Mieszko I., der auf der Burg residierte, neben der Burgsiedlung eine weitere Ufersiedlung, die 1217 über das Markt- und Schankrecht verfügte. Bereits damals wurden als Ansiedler „hospites“ (Gäste) erwähnt, womit deutsche und flämische Kaufleute gemeint waren. Während der Herrschaft des Herzogs Kasimir I. (1211–1230) wurde im Anschluss an die links der Oder bestehende Ufersiedlung die vermutlich schon von seinem Sohn Mieszko I. geplante Stadt Ratibor mit Siedlern aus dem Westen gegründet und mit flämischem Recht ausgestattet. Für das Jahr 1235 ist ein Stadtvogt Colin belegt. 1241 sollen sich Stadt und Burg erfolgreich gegen die Mongolen verteidigt haben. 1246 stiftete Herzog Miezko II. das Dominikanerkloster mit der St.-Jakobi-Kirche. 1255 und 1273 wurde die Stadt bei feindlichen Überfällen beschädigt. Beim Wiederaufbau wurde sie gleichzeitig nach Süden erweitert. 1275 ist ein erster Jahrmarkt belegt.

In einem jahrelangen Streit des Breslauer Herzogs Heinrich IV. mit dem Breslauer Bischof Thomas II. gewährte Herzog Primislaus von Ratibor im Jahre 1285 dem Bischof Schutz auf seiner Ratiborer Burg. Bei dem Streit ging es um die Immunitätsrechte sowie um die Zehntzahlungen der deutschsprachigen Dörfer im Neisser Bistumsland. Zum Dank für die gewährte Hilfe gründete Bischof Thomas bei der damals erneuerten Burgkapelle ein dem hl. Thomas von Canterbury geweihtes Kollegiatstift.

1286 wurde Ratibor Oberhof für die nach flämischem Recht bewidmeten Ortschaften des Herzogtums Ratibor. Die links der Oder gelegene Neustadt wurde 1294 mit Ratibor verbunden, das 1299 Magdeburger Recht erhielt. Vor dem Jahr 1300 verfasste der Mönch Peregrinus im Ratiborer Dominikanerkloster seine Predigtsammlung „Sermones de tempore et de sanctis“, die weite Verbreitung fand. Zwischen 1299 und 1306 wurde das von Herzog Primislaus gestiftete „Jungfrauenstift“ gegründet. Es wurde mit Dominikanerinnen besiedelt, deren erste Äbtissin die Herzogstochter Euphemia († 1359) war.

Nachdem 1327 Herzog Lestko dem böhmischen König Johann von Luxemburg gehuldigt hatte, wurden Stadt und Herzogtum Ratibor als ein Lehen der Krone Böhmen unterstellt. Die böhmische Lehenshoheit wurde 1335 mit dem Vertrag von Trentschin bestätigt. Bereits ein Jahr später, nach dem Tod des Herzogs Lestko, mit dem der Ratiborer Zweig der Schlesischen Piasten 1336 erlosch, trat der Heimfall an die Krone Böhmen ein. 1337 übergab der böhmische König Johann von Luxemburg beides, wiederum als ein Lehen, an den Troppauer Herzog Nikolaus II.. Er war mit einer Schwester Lestkos verheiratet und entstammte dem Troppauer Zweig der Přemysliden, die der Stadt eine größere Unabhängigkeit gewährten. Neben der Bedeutung als Handelsplatz waren im Mittelalter in Ratibor die Tuchmacherei, die Gerberei, das Brauwesen und der Getreidehandel wirtschaftlich herausragend. Bereits 1332 verfügte Ratibor über eine Salzniederlage. 1416 wurde das Kollegiatstift von der Burgkapelle an die Liebfrauen-Pfarrkirche übertragen.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Nach dem Tod des Herzogs Valentin, mit dem der Troppauer Zweig der Přemysliden erlosch, fielen Stadt und Herzogtum Ratibor durch einen 1512 abgeschlossenen Erbvertrag an den Oppelner Herzog Johann II. Nach dessen Tod 1532 fiel sein Besitz als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen, die seit 1526 die Habsburger innehatten. Von 1532 bis 1551 war Ratibor zusammen mit dem nun böhmischen Erbfürstentum Oppeln an die Markgrafen von Ansbach verpfändet. Von 1645 bis 1666 war es zusammen mit dem Erbfürstentum Oppeln als Ersatz für nicht bezahlte Mitgift mehrerer nach Polen verheirateter österreichischer Prinzessinnen an das polnische Königshaus der Wasa verpfändet[5]. Anschließend wurde die aus dem Kammergut hervorgegangene Herrschaft Ratibor an häufig wechselnde Besitzer vergeben. Zu einem wirtschaftlichen Niedergang Ratibors kam es durch den Dreißigjährigen Krieg und mehrere Stadtbrände.

Preußische Zeit[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Ratibor 1742 mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Ratibor seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 Sitz des Landkreises Ratibor, der im selben Jahr vom Regierungsbezirk Breslau zum neugebildeten Regierungsbezirk Oppeln umgegliedert wurde. Bereits 1812 wurde Ratibor mit der gleichnamigen Herrschaft, die um einige säkularisierte Kirchengüter vergrößert worden war, vom Kurprinzen von Hessen-Kassel erworben. 1820 erhielt es Viktor Amadeus von Hessen-Rothenburg, dem 1834 sein Neffe Viktor von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst folgte. Er wurde von seinem gleichnamigen Sohn Viktor II. beerbt, dem 1840 der preußische König den erblichen Titel „Herzog von Ratibor“ verlieh. Bereits 1821 hatte König Wilhelm I. die Herrschaft Ratibor zum Mediatfürstentum erhoben. Nachteilig für die Stadt Ratibor wirkte sich aus, dass die neuen Herzöge nicht auf dem Schloss Ratibor residierten. Sie verlegten ihre Hofhaltung in das 1810 säkularisierte Kloster Rauden.

Ein wirtschaftlicher Aufschwung erfolgte 1846 mit der Eröffnung der Eisenbahnverbindung von Berlin nach Wien, die über Ratibor führte. Mit dem Bau weiterer Nebenlinien wurde die Infrastruktur für die Ansiedlung wichtiger Industriebetriebe geschaffen.

Zum 1. April 1903 schied die Stadtgemeinde Ratibor aus dem Landkreis Ratibor aus und bildete nun den selbständigen Stadtkreis Ratibor.[6] Nachdem zum 8. November 1919 die Provinz Schlesien aufgelöst wurde, gehörte Ratibor nunmehr zur neu gebildeten Provinz Oberschlesien und war Sitz der Provinzialbehörde.

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 votierten im Stimmkreis Ratibor Stadt 25.336 Personen (87,98 % der Stimmberechtigten) für einen Verbleib bei Deutschland, 2.227 für Polen (8,79 %). Im Stimmkreis Ratibor Land sprachen sich 25.986 Personen (56,83 % der Stimmberechtigten) für einen Verbleib bei Deutschland und 18.403 (40,25 %) für Polen aus. Durch die östlich verlaufende Grenzziehung verlor Ratibor neben einem Landbesitz auch einen Teil seines wirtschaftlich bedeutenden Hinterlandes.

Mit der Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 bestand ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Die bisherige Stadtgemeinde Ratibor führte nun die Bezeichnung Stadt.

Volkssturmmänner aus Gleiwitz in Ratibor am 2. Februar 1945 im Einsatz, Aufnahme aus dem Bundesarchiv

Bis März 1945 flüchtete der Großteil der Bevölkerung der Stadt in Richtung Mähren. Pläne, Ratibor in eine Festung zu verwandeln, wurden nicht realisiert, zumal nur wenige Soldaten, bzw. Volkssturmangehörige in der Stadt waren. Die Rote Armee hatte bereits im Januar 1945 große Teile Oberschlesiens erobert. Da ihr Vorstoß zur Oder bei Ratibor abgewehrt werden konnte, blieb Ratibor vom direkten Kriegsgeschehen verschont. Am Karfreitag, dem 30. März 1945, setzte die Rote Armee zum Sturm auf die Stadt an. Da die Truppen kaum auf Widerstand der sich zurückziehenden deutschen Soldaten stießen, war am nächsten Tag bereits die ganze Stadt besetzt. Es folgten Vergehen an der Zivilbevölkerung und Plünderungen, bei denen viele Kunstschätze, wie die gotische Ratiborer Custodia[7] geraubt wurden. Schließlich zündete die Rote Armee die Altstadt an.

Geschichte seit 1945[Bearbeiten]

Als Folge des Zweiten Weltkriegs wurde Ratibor, wie ganz Oberschlesien, Teil Polens und trägt seither offiziell nur noch den polnischen Namen Racibórz. Die verbliebene deutsche Bevölkerung wurde größtenteils vertrieben. In den folgenden Monaten kamen nur 3000 Menschen aus Zentral- und Ostpolen als Neusiedler in die Stadt. Im kommunistischen Polen wurde die mutwillige Zerstörung der Stadt durch die Rote Armee verschwiegen. Laut offizieller Darstellung waren die Zerstörungen auf schwere Gefechte und eine Gegenoffensive der Wehrmacht zurückzuführen. Nach der politischen Wende 1989 wurden die tatsächlichen Geschehen mit Hilfe von bis dahin geheim gehaltenen Akten und Zeitzeugenberichten rekonstruiert. Seit Ende der 1990er Jahre wird am 31. März auch nicht mehr der „Tag der Befreiung“ gefeiert.

Ein Jahrzehnt nach Kriegsende wies die Stadt schon eine deutlich größere Bevölkerungszahl auf und die Wiederherstellung der zahlreichen Industriebetriebe wurde abgeschlossen. Beim Wiederaufbau wurde die teils gut erhaltene Bausubstanz, wie das Rathaus, abgetragen und durch Neubauten ersetzt. Die Wiederherstellung alter Gebäude beschränkte sich auf die Kirchen der Stadt sowie die Stadtmauer. Am Ring wurden neue Bauten errichtet. In den 1950er Jahren nahm die Kesselfabrik Rafako ihren Betrieb auf. Darüber hinaus entstanden an den Stadträndern neue Wohnsiedlungen.

Am 8. Juli 1997 wurde Racibórz vom Oderhochwasser heimgesucht, bei dem weite Teile der Stadt überschwemmt wurden. Damals stieg der Wasserstand der Oder auf bis zu 10,46 m, was die kritische Hochwassermarke um 4,5 m übertraf. Die großen materiellen Schäden wurden nach der Flut behoben. Am 21. Juni 2001 wurde in Racibórz, als erster polnischer und europäischer Stadt überhaupt, die Umweltmanagementnorm ISO 14001 eingeführt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Burgkapelle
Mariensäule vor der St.-Jakobi-Kirche
St.-Jakobi-Kirche
Stockhausturm
  • Die Burg Ratibor, die auch als Herzogsschloss bezeichnet wird, entstand an der Stelle der im Jahre 1108 erstmals erwähnten Wallburg, einer Befestigungsanlage mit Holz-Erde-Ringwall. Sie wurde ab dem 13. Jahrhundert durch einen Backsteinbau ersetzt und 1603–1636 neu errichtet und erweitert. Nachdem sie ab Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr als Residenz benutzt wurde, wurde der westliche Teil zu einer Brauerei ausgebaut und 1846 Büroräume eingerichtet. Nach einem Brand 1858 erfolgte ein Wiederaufbau des West- und Nordflügels sowie eine Erweiterung der Brauerei. Nach den Zerstörungen bei Kriegsende 1945 erfolgten Wiederherstellungsarbeiten.
  • Die dem hl. Thomas von Canterbury geweihte Burgkapelle wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts zusammen mit einem Kollegiatstift vom Breslauer Bischof Thomas II. gestiftet. Sie ist von großer kunsthistorischer und geschichtlicher Bedeutung. Es ist ein einschiffiger, dreijochiger Bau im hochgotischen Stil. Der kleine, rechteckige Bau (6,6 × 13,2 m) wird von einem steilen Satteldach bedeckt und an der Westfassade von einem schlanken neugotischen Dachreiter überragt. Ursprünglich war die Kapelle eine Doppelkirche wie die Kreuzkirche in Breslau. Seit dem Abriss des Zwischengewölbes sind die unterhalb der Fenster eingelassenen kunstvollen Sitznischen der Stiftskanoniker in der ehemaligen Oberkirche nicht mehr auf Bodenniveau. Trotz der vielen Umbauten und Renovierungen der vergangenen Jahrhunderte konnten sich im Innern noch qualitätvolle bauplastische Elemente der Gotik erhalten, wie die Kapitelle oder die Bogennischen mit Wimpergen.[8]
  • Die barocke Mariensäule auf dem Ring wurde aus Dank für das Überstehen einer Cholera-Epidemie in Ratibor von der Gräfin Gaschin gestiftet. Die mit reichem Figurenschmuck versehene Säule schuf der Bildhauer Johann Melchior Österreich 1725/27.
  • Die Mariä-Himmelfahrt-Kirche, die auch als Liebfrauenkirche bezeichnet wird, entstand nach 1300 an der Stelle eines Vorgängerbaus. Ihre gotische Gestalt mit dreischiffigem Langhaus und einschiffigem Chor erhielt sie im 14. Jahrhundert. Da sie seit 1416 als Kollegiatkirche diente, wurde 1416/17 ein Kapitelsaal mit Schatzkammer errichtet. 1426/46 wurde sie um die dem Stadtpatron hl. Marcellus geweihte Kapelle erweitert, die seit 1658, als sie dem polnischen Prediger zugewiesen wurde, auch als polnische Kapelle bezeichnet wurde. Den architektonischen Hauptaltar im Stil des Frühbarock schuf 1656/60 der Bildhauer Salomon Steinhoff, von dem auch das nicht mehr erhaltene Kanonikergestühl stammte. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erfolgte ein Wiederaufbau.
  • Die jetzt als Stadtmuseum dienende ehemalige Klosterkirche der Dominikanerinnen ist ein einschiffiger, frühgotischer Backsteinbau. Sie wurde zusammen mit dem Jungfrauenstift 1299/1306 von Herzog Primislaus gestiftet und erst 1335 geweiht. Nach einem Brand von 1637 wurde die Kirche wiederaufgebaut und mit einem barocken Dachreiter versehen. Nach der Säkularisation diente sie von 1813 bis 1916 als evangelisches Gotteshaus. Seit 1927 ist in ihr das Stadtmuseum untergebracht.
  • Die Filialkirche St. Jakobus d. Ä. (St.-Jakobi-Kirche) wurde 1246 von Herzog Mieszko II. gestiftet und 1258 geweiht. Die ehemalige Dominikaner-Klosterkirche ist eine gotische Backsteinkirche, die nach Bränden mehrmals wiederaufgebaut wurde. Sie enthält eine barocke Innenausstattung sopwie eine Gruft der Grafen Gaschin. Die Klostergebäude wurde nach der Säkularisation 1810 abgerissen.
  • Die Wallfahrtskirche St. Maria wurde 1723–1736 als Wandpfeilerkirche errichtet. Der neubarocke Hauptaltar stammt aus dem Jahr 1870, die vier spätbarocken Seitenaltäre und die Kanzel aus dem 18. Jahrhundert.
  • Die Pfarrkirche St. Nikolaus wurde 1900–1902 nach Entwurf des Architekten Ludwig Schneider anstelle einer gotischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert errichtet. Sie enthält eine einheitliche neugotische Innenausstattung.
  • Der Stockhausturm (baszta miejska oder baszta więzienna) ist ein Wehrturm, der zur Stadtmauer gehörte, die erstmals 1306 erwähnt und 1817/28 geschleift wurde. In seiner heutigen Form wurde der Stockhausturm 1574 im Stil der Renaissance gebaut. Der recht niedrige Wehrturm ist im oberen Bereich durch ein breites Gesims und darüberliegende Blendarkaden gegliedert. Den Stockhausturm zeichnen vier Flankierungstürmchen aus, die das flache Zeltdach überragen.
  • Das spätklassizistische Gerichtsgebäude wurde in den Jahren 1823-1826 nach Plänen Karl Friedrich Schinkels errichtet.
  • Der katholisch-evangelische Friedhof an der ulica Opawska ist heute ein nach der deutschen Partnerstadt Roth benannter Park. Nur ein Grabstein zeugt noch von der früheren Nutzung.
  • Das Eichendorff-Denkmal steht in der Nähe der Mariä-Himmelfahrt-Kirche (Liebfrauenkirche).
  • Die Nepomukfigur im Stadtteil Ostrog wurde um 1733 von Karl Heinrich Graf von Sobeck gestiftet und von Johann Melchior Oesterreich ausgeführt. Die spätbarocke Steinfigur auf einem hohen Postament mit Wappenkartusche und Chronogramm ist von Engeln umgeben.
  • Alte Lokomotive Halinka auf dem Bahnhofsvorplatz
  • Findling in Racibórz auf dem Freiheitsplatz

Kommunales[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen von Racibórz nach dem jeweiligen Gebietsstand:[9]

Jahr Einwohner
1749 1.564
1765 2.410
1786 2.940
1800 3.024
1818 4.655
1825 5.315
1834 6.288
1840 7.022
1843 7.424
1849 8.499
1855 9.962
1861 11.794
1880 18.373
Jahr Einwohner
1885 19.524
1890 20.737
1910 38.424
1919 36.994
1925 49.959
1933 51.680
1939 49.725
1975 45.900
1983 58.800
1990 63.000
1995 65.041
2000 60.741
2005 57.755

Bei der letzten Volkszählung von 2002 bekannten sich von den damals 59.495 Einwohnern 50.537, oder 84,94 % zur polnischen Nationalität, 3.448 gaben eine andere Nationalität an, davon bezeichneten sich 2.212 Personen (3,72 %) als Deutsche, weitere 1089 (1,83 %) als Schlesier“.[10]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Denkmal der Partnerstädte in Ratibor

Racibórz unterhält Städtepartnerschaften mit

Zudem besteht seit 1995 eine Freundschaft zu Rendsburg in Schleswig-Holstein sowie seit 2001 eine Partnerschaft zwischen dem Powiat Raciborski und dem Märkischen Kreis.

Kultur, Bildung und Sport[Bearbeiten]

Stadion des Vereins OSiR

Folgende Institutionen sind die Kulturzentren der Stadt:

  • Raciborskie Centrum Kultury
  • Dom Kultury Strzecha
  • Młodzieżowy Dom Kultury
  • Museum der Stadt Racibórz
  • Towarzystwo Miłośników Ziemi Raciborskiej
  • Miejska Biblioteka Publiczna

Neben 14 Grundschulen, 6 Gymnasien und 9 Oberschulen verfügt Racibórz auch über eine höhere Lehranstalt.

Sport gehört zu einem der wichtigsten Themen für die Bewohner der Stadt. Innerhalb des Stadtgebietes von Racibórz bestehen:

  • 3 Sporthallen,
  • 2 Hallenbäder,
  • 8 Tennisplätze,
  • 26 Gymnastikhallen,
  • eine Eisbahn und ein Schützenverein.
  • RTP Unia Raciborz

Alters- und Beschäftigungsstruktur[Bearbeiten]

2006 waren von den Einwohnern Racibórz' 18,78 % jünger als 17 Jahre, 66,08 % befanden sich im erwerbsfähigen Alter (19–65 Jahre) und 15,14 % waren älter als 65.[11] Die Arbeitslosenquote des Powiat Raciborski betrug im September 2008 5,2 % und lag damit unter den Werten der Woiwodschaft (6,7 %) und Polens (8,9 %).[12]

Verkehrswege[Bearbeiten]

Dworzec PKS

Folgende überörtliche Straßen verlaufen durch Racibórz:

  • droga krajowa nr 45: Chałupki – Racibórz – Opole – Kluczbork – Praszka – Wieluń – Złoczew
  • droga wojewódzka nr 416: Krapkowice – Głogówek – Głubczyce – Kietrz – Racibórz
  • droga wojewódzka nr 915: Racibórz – Zawada Książęca – Ciechowice
  • droga wojewódzka nr 916: Pietraszyn - Samborowice – Racibórz
  • droga wojewódzka nr 917: Krzanowice – Racibórz – Sudół
  • droga wojewódzka nr 919: Racibórz – Rudy -Sośnicowice
  • droga wojewódzka nr 935: Racibórz – Rydułtowy – Rybnik – Żory – Pszczyna

Bahnverkehr[Bearbeiten]

Schmalspurzug in Groß Rauden (Rudy)

Innerhalb des Stadtgebietes verkehren 27 Züge. Diese fahren größtenteils nach Rybnik, Kiędzierzyn-Koźle, Pszczyny, Chałupki, Ostrava Warschau und Olsztyn.

Vom 25. März 1899 bis zum Jahr 1993 war Gleiwitz durch eine Schmalspurbahn mit Ratibor verbunden. Die Spurweite betrug 785 mm. Im Jahr 2013 existierte davon noch ein Museumsbahnbetrieb in Groß Rauden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Postkarte mit dem Abbild des Eichendorffdenkmals aus dem Jahr 1909

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Augustin Bogislaus Weltzel: Geschichte der Stadt und Herrschaft Ratibor. Ratibor 1861. (Digitalisat)
  • Augustin Bogislaus Wentzel: Geschichte des Ratiborer Archypresbiteriates. Breslau 1885.
  • Georg Hyckel: Ratibor. Ein Führer durch die Stadt und ihre Geschichte. Oberschlesische Gesellschaftsdruckerei, Ratibor 1929.
  • Georg Hyckel: Ratiborer Geschichten. Bilder aus der Geschichte der Stadt Ratibor. Auf Grund von Urkunden aus alten Archiven. Verkehrsverein, Ratibor 1937.
  • Georg Hyckel: Geschichte der Stadt Ratibor:
    • Teil 1. Frühzeit bis 1336. Verkehrsverein, Ratibor 1937.
    • Teil 2. Das Mittelalter. Oberschlesischer Heimatverlag, Augsburg 1956.
  • Georg Hyckel: Die Verwaltung der Stadt Ratibor von 1532–1741. In: Kurt Engelberg (Hrsg.): Archiv für schlesische Geschichte. Bd. 2, August Lax Verlag, Hildesheim 1964.
  • Georg Hyckel: Chronik von Ratibor O/S. Ein Weg durch die Jahrhundert. In: Der Ratiborer, 1965.
  • Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 426–430. (Kröners Taschenausgabe 316).
  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 787–792.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Racibórz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 14. Dezember 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 14. Dezember 2013.
  3. territorial.de
  4. Vgl. Otto Hupp: Die Wappen und Siegel der Deutschen Städte. 1898
  5. Ludwig Petry, Josef Joachim Menzel (Hrsg.): Geschichte Schlesiens. Band 2: Die Habsburger Zeit, 1526–1740. 3. unveränderte Auflage. Thorbecke, Stuttgart 2000, ISBN 3-7995-6342-3, S. 64.
  6. Stadtkreis Ratibor
  7. Abteilung für polnisches Kulturerbe im Ausland im Polnischen Ministerium für Kultur und Nationalerbe: Im Zweiten Weltkrieg verlorene Objekte (Beim Internet Archive archivierte Version der Webresource vom 25. Juni 2007)
  8. Vgl. Beitrag über die Schlosskapelle in: Ewa Chojecka u. a.: Sztuka Górnego Śląska od Średniowiecza do końca XX wieku. Muzeum Śląskie, Katowice 2004, ISBN 83-87455-77-6.
  9. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1749, 1765, 1786, 1800, 1818, 1825, 1834, 1855, 1861: Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865 – 1840, 1843:: Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845 – 1885: Meyers Konversationslexikon, 1885-1892 – 1880, 1890: geschichte-on-demand.de – 1910: gemeindeverzeichnis.de – 1975: Klaus Ullmann: Schlesien - Lexikon, Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996 – 1983: Encyklopedia Powszechna PWN – 1990: Heinz Rudolf Fritsche: Schlesien Wegweiser, Adam Kraft Verlag, Würzburg 1991 – 1995, 2000, 2005: GUS
  10. Vgl. Polnisches Hauptstatistikamt (GUS)
  11. Vgl. Polnisches Hauptstatistikamt GUS
  12. Vgl. Arbeitsamt Kattowitz (poln.)