Fleischmann (Unternehmen)

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Gebr. Fleischmann GmbH und Co. KG
Firmenlogo Fleischmann
Rechtsform GmbH und Co. KG
Gründung 1887
Sitz Heilsbronn
Mitarbeiter 180 (2010)[1]
Umsatz 50,7 Mio. € (2010)[2]
Gewinn 1,5 Mio. € (2010)Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Branche Spielwarenindustrie
Produkte Spielzeug, ModelleisenbahnVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.fleischmann.de

Die Gebr. Fleischmann GmbH und Co. KG ist ein Spielzeughersteller mit Sitz in Heilsbronn im Landkreis Ansbach. Sie produziert ausschließlich Modelleisenbahnen und ist in Europa nach Märklin, Hornby und Roco der viertgrößte Anbieter mit einem Marktanteil von etwa 10 %[3] bei derzeit 18,2 Millionen Euro Jahresumsatz (Stand 2009).[1] Etwa 20 % der Produktion gehen in den Export. Seit 2008 ist Fleischmann eine Tochtergesellschaft der deutsch-österreichischen Modelleisenbahn Holding.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf das frühere Fabrikgelände am Nürnberger Kirchenweg im März 2012. Links das frühere Verwaltungsgebäude mit der Fassadenwerbung, rechts die für Wohnzwecke umgebauten Fabrikgebäude. Inzwischen (November 2013) stehen auf dem Grundstück im Vordergrund neue Wohnhäuser.

Das Unternehmen wurde 1887 von Jean Fleischmann gegründet und produzierte anfangs vor allem Blechspielzeug wie Schiffe, Flugzeuge oder magnetische Schwimmtiere. 1889 wurde die Fabrik am Kirchenweg 13 im Nürnberger Stadtteil St. Johannis bezogen.[4] 1938 übernahm Fleischmann im Zuge der Arisierung die Firma Doll & Co., Nürnberg, von ihrem jüdischen Eigentümer zu einem Bruchteil ihres Verkehrswerts.[5] Dadurch kamen Modelleisenbahnen der Spur 0 und Dampfmaschinen als neue Produktionsschwerpunkte hinzu. Noch im Winter 1938/1939 begann man mit der Entwicklung eigener originalgetreuer Eisenbahnmodelle. Bis zur kriegsbedingten, gesetzlich verordneten Einstellung der Spielwarenproduktion wurde auch das Spur-0-Programm von Doll weitergeführt. Nach dem Krieg wurden die Dampfmaschinen und Antriebsmodelle von Doll weitgehend weiterproduziert, zuerst unter dem Namen Doll, später unter eigenem Namen. 1969 wurde die Produktion von Dampfmaschinen eingestellt.

Im Jahr 1949 stellte das Unternehmen als erstes eine Spur-0-Modellbahn im Zweileiter-Gleichstrom-System vor. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Modelleisenbahnen mit unterschiedlichen Dreileiter-Systemen betrieben worden. Die Produktion wurde aber bereits 1959 wieder eingestellt, aufgrund des Erfolges der seit 1952 am Markt befindlichen Spurweite H0. In dieser verwendete Fleischmann anfangs einen Maßstab von 1:82, später dann 1:85. Inzwischen hat sich praktisch der gesamte H0-Markt auf 1:87 geeinigt. Nachdem die Firma Arnold 1960 in Deutschland als erster Großserienhersteller die Spurweite N präsentiert hatte, zog Fleischmann im Jahr 1969 mit seinem Piccolo-Sortiment im gleichen Maßstab nach.

1967 nahm das Unternehmen das Autorennbahn-System „Auto Rallye“ ins Sortiment, später „Rallye Monte Carlo“ genannt, das dem Marktführer „Carrera Universal“ ebenbürtig war. Bis 1969 wurden Modelle im Maßstab 1:24 und 1:32 gebaut, ab 1970 konzentrierte man sich nur noch auf die Nenngröße 1:32.[6] Das Schienensystem entsprach dem internationalen Zweileiter-Standard und war breiter als das von Carrera, bot jedoch weniger Radien und Sonderfahrbahnen. Die Schienenverbindungen waren besser und haltbarer. Das Schleifersystem bot deutlich besseren Kontakt, und die Modellqualität übertraf die Konkurrenz mit Ausnahme der Rennbahn „Sprint“ von Märklin. Gegen die billigere Konkurrenz von Carrera konnte sich Fleischmann jedoch nicht durchsetzen. Das System wurde 1989 vom Markt genommen.

Anfang 2008 wurde das Unternehmen von der deutsch-österreichischen Modelleisenbahn Holding, der Eigentümerin des Mitbewerbers Roco, übernommen und der Firmensitz von Nürnberg nach Heilsbronn verlegt.[7] Seitdem wird das Unternehmen restrukturiert, was mit einem Arbeitsplatzabbau von ehemals 340 (Stand 2007) auf zurzeit 180 (Stand 2010) verbunden ist.[3] Ein weiterer Personalabbau auf 130 Mitarbeiter ist angekündigt.[8] Die Nürnberger Liegenschaft wurde verkauft, die Fabrikgebäude wurden für Wohnzwecke umgebaut sowie auf den freien Flächen Neubauten errichtet.[4]

Im Oktober 2012, zum 125. Firmenjubiläum, gelang dem Unternehmen die Produktion des längsten H0-Modellbahngleises der Welt und brachte ihm damit einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ein.

Produktsortiment[Bearbeiten]

H0-Modell einer BR 24

Fleischmann bietet Vollsortimente mit Fahrzeugen, Gleisen und Zubehör wie Drehscheiben oder Lokschuppen in folgenden Nenngrößen an:

  • Magic Train, 0e, Maßstab 1:45, eine robuste Spielbahn, die auf H0-Gleisen fährt und mittlerweile nicht mehr produziert wird.
  • H0, Maßstab 1:87, vorrangig Zweileiter-Gleichstrom-System
  • Piccolo, N, Maßstab 1:160

Daneben gab es mit einer Drehscheibe einen Versuch, in den TT-Markt einzusteigen. Im Gegensatz zu den meisten der großen Mitbewerber wird nur ein kleiner Teil der H0-Lokomotiven für das Mittelleiter-Wechselstrom-System von Märklin angeboten.

Das Sortiment zeichnet sich vor allem durch eine selbst für die eher gemächliche Modellbahnbranche sehr lange Verfügbarkeit der Produkte aus. So werden heute noch einige Loks und Wagen im Maßstab 1:85 angeboten – etwa die Baureihe 50. Auch das ältere der beiden H0-Gleissysteme mit 2,7 mm Profilhöhe stammt noch aus den 1960er Jahren. Das neuere ist gegenüber diesem zwar optisch verbessert, hat aber auch noch 2,5 mm hohe Schienenprofile − einige Mitbewerber haben in dieser Zeit schon zwei oder drei neue Gleissysteme auf den Markt gebracht. Die H0-Reisezugwagen werden inzwischen in einem Längenmaßstab von 1:93 angeboten, sind also im Regelfall 282 mm lang (26,4-m-Wagen). Bei längeren Vorbildern wird der Längenmaßstab beibehalten, während die Mitbewerber ihre 1:100-Modelle meist auf eine Länge von 264 mm begrenzen.

Der langjährige Werbespruch „Die Fleischmann-Bahn, das präg Dir ein, ist die Bundesbahn in klein“ spiegelt sich bis heute im Sortiment wider. Fahrzeuge ausländischer Bahngesellschaften werden in Deutschland im Vergleich zu den meisten Mitbewerbern kaum angeboten. Es gibt allerdings für viele Länder spezielle, nur dort verfügbare Serien. Hierbei spielt es keine erkennbare Rolle, ob die Vorbilder nach Deutschland gelangen oder nicht − einerseits gibt es Loks, die nur in Schweden liefen, im Standard-Sortiment, andererseits sind vor allem international laufende Güterwagen nur in ihren Heimatländern zu bekommen. Auch werden Loks von privaten Bahngesellschaften grundsätzlich nur als Einmalserie aufgelegt, wogegen selbst Bundesbahn-Einzelstücke, wie die blau/beige Baureihe 194, langfristig verfügbar sind.

Im Januar 2010 kündigte die Modelleisenbahn Holding an, dass Fleischmann sich in H0 auf historische Modelle bis etwa 1950 konzentrieren, in N jedoch das Vollsortiment weiterbetreiben werde.[1]

Digitale Zugsteuerung[Bearbeiten]

Im Jahr 1986 präsentierte das Unternehmen die digitale Mehrzugsteuerung Fleischmann-FMZ. Dieses System war jedoch nicht mit anderen Digitalsystemen kompatibel. Nicht einmal ein Einsatz von FMZ-Loks auf einer analogen Anlage ist möglich. Das System konnte sich am Markt nicht durchsetzen und wurde in Folge durch die Twin-Decoder und das Twin-Center ergänzt, die beide sowohl das FMZ- als auch das DCC-Protokoll unterstützen. Dadurch können auch Produkte anderer Hersteller, die das DCC-Format verwenden, auf einer Anlage mit dem Twin-Center gleichzeitig gesteuert werden und Fleischmann-Fahrzeuge mit Twin-Decoder können auch auf DCC-Anlagen betrieben werden. Mittlerweile bietet Fleischmann vermehrt reine DCC-Produkte an, die nicht mehr FMZ-kompatibel sind.

Ausstellung[Bearbeiten]

Im Schwabacher Stadtmuseum befindet sich auf 800 m² die weltweit größte Fleischmann-Ausstellung.[9]

Das Verkehrsmuseum Nürnberg besitzt ebenfalls eine Demo-Anlage, die stündlich für 10 Minuten in Betrieb genommen wird. Die Anlage ist 80 m² groß, wurde zwischen 1960 und 1970 erbaut und wird mit 5000 Relais gesteuert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fleischmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c „Fleischmann will Volldampf geben“, Nürnberger Nachrichten, 30. Januar 2010.
  2. http://www.modelleisenbahn-holding.com/fileadmin/holding_media/bilder/13.01.2011_Medienaussendung.pdf
  3. a b „Fleischmann muss Personal abbauen“ (PDF; 235 kB), Pressemitteilung, Modelleisenbahn Holding, 22. Oktober 2009.
  4. a b Wo Fabrikanten und Bankiers residierten, Artikel der Nürnberger Zeitung vom 4. Januar 2012
  5. siehe Begleittext zum Zeitzeugeninterview mit Dolls Tochter Elizabeth Miller
  6. http://www.slotcar-treff.de/
  7. „Modellbahn-Hersteller Fleischmann ist verkauft“, Nürnberger Nachrichten, 15. Februar 2008.
  8. „Sozialplan 2 bei Fleischmann wird umgesetzt“ (PDF; 222 kB), Pressemitteilung, Modelleisenbahn Holding, 14. Dezember 2009.
  9. Eine Zeitreise mit Fleischmann – Dauerausstellung zur Geschichte der Fa. Gebr. Fleischmann, Stadt Schwabach.