Spielzeug

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Dieser Artikel behandelt das zum Spielen verwendete Objekt. Zur französischen Filmkomödie aus dem Jahr 1976 siehe Das Spielzeug.

Ein Spielzeug ist ein Objekt, das zum Spielen verwendet wird. Der Begriff Spielzeug wird üblicherweise mit Kindern oder auch Haustieren assoziiert, es ist aber auch nicht ungewöhnlich, dass Erwachsene oder nicht domestizierte Tiere mit Spielzeug spielen. Ein Spielzeug wird um seiner selbst willen geschätzt, bzw. wegen der Freude am Spiel (Spieltrieb), die es ermöglicht. Sprachlich gehört der Begriff zur Gruppe der Kollektiva.

Im Handel allgemein und über die verschiedenen Betriebsformen des Handels vertriebenes Spielzeug wird unter dem Begriff Spielwaren zusammengefasst.

Steckspielzeug

Zweck[Bearbeiten]

Im Unterschied zu einem Werkzeug, das primär der Herstellung oder Bearbeitung eines anderen Dinges dient, liegt der Zweck des Spielzeugs in sich selbst. Ein Spielzeug dient dem Erwerb und Erlernen verschiedener Fertigkeiten und Fähigkeiten. Bei Kindern dient es auch zur Vorbereitung ihrer Geschlechterrolle und ihrer Sozialisation in der Gesellschaft. Mit Spielzeugen werden bestimmte Vorgänge des Alltages nachgeahmt und nachgespielt. Schon seit Urzeiten werden Spielzeuge von Kindern verwendet.

Edukatives Spielzeug – Lernspielzeug[Bearbeiten]

Das kindliche Spiel und damit auch das in diesem verwendete Spielzeug dienen nicht allein der Unterhaltung des Kindes. Spielen und Spielzeug ist Raum und Mittel, Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern. Im Spiel werden physische, kognitive und soziale Fähigkeiten und Kompetenzen entwickelt und trainiert. In diesem Sinne wäre jedes Spielzeug, das Anstoß dazu gibt, oder sich in irgendeiner Weise eignet, die eben genannten Fähigkeiten zu entdecken und zu trainieren, ein Lernspielzeug zu nennen. Neben einer derart weiten Definition finden sich daher akademische Definitionen, wie etwa nach dem Spieldidaktiker Klaus Kube. Hier heißt es, ein Lernspiel wären all jene Spielformen zu nennen, „mit deren Hilfe im ursprünglichen Sinn das Lernen von Zeichen, Begriffen und Fakten sowie deren regelhaften Ordnungsbeziehungen provoziert werden sollen.“[1] Lernspielzeuge wären demnach solche Spielzeuge, welche obligatorischer Teil dieser Spielformen sind, oder welche sich eignen, derartige Spielformen zu initiieren. Lernspielzeuge im akademischen Sinne sind also Spielzeuge mit deren Hilfe ein Kind Sprechen, Lesen, Rechnen und das Zuordnen und erkennen abstrakter Qualitäten (Form, Farbe etc.) erlernen kann. Das alltägliche Verständnis des Terminus Lernspielzeug weicht daher nicht unerheblich von der akademischen Definition ab. Dennoch ist der edukative und pädagogische Zweck, den ein Spielzeug haben kann, in der elterlichen Wahrnehmung verankert und spielt eine entscheidende Rolle bei der Auswahl von Spielzeugen. Wie zwei kürzlich erschienene Studien[2], der Gesellschaft für angewandte Sozialforschung (GEFAS) und der Universität Erlangen-Nürnberg aufzeigen, werden Spielzeuge vor allem hinsichtlich ihrer pädagogischen und edukativen Eignung ausgesucht. Weit gewichtiger als monetäre oder ästhetische Aspekte zahlen Aspekte der Funktionalität, der Eignung als Lernmittel und der pädagogische Wert auf die positive Wahrnehmung eines Spielzeugs ein. (Siehe dazu auch Kinderspiel, Spiel (Pädagogik) und Spielpädagogik)

Geschichte[Bearbeiten]

Steinzeit[Bearbeiten]

Römischer Spielzeugvogel als Grabbeigabe in Contiomagus

Als das älteste Spielzeug ist die Puppe anzusehen. Bereits aus der jüngeren Steinzeit lassen sich puppenähnliche Gebilde aus Ton nachweisen. Spielzeug wurde zunächst auf einfachste Weise selbst gefertigt, z. B. durch Schnitzerei. In vorgeschichtlichen Kindergräbern hat man als Beigaben kleine keramische Lärminstrumente, insbesondere Klappern, Rasseln und Pfeifen gefunden. Sie dienten zwar auch der Abwehr von bösen Geistern, eine mögliche Spielzeugdeutung kann aber nicht geleugnet werden.

Altertum[Bearbeiten]

Etwa 200 v. Chr. gab es in Ägypten bereits hölzerne Krokodile und Löwen mit beweglichem Unterkiefer. Auch waren Puppen mit beweglichen Gliedmaßen aus Holz, Ton, Terrakotta, Knochen und Gips im gesamten antiken Mittelmeerraum bekannt. Auf griechischen Vasen sind häufig Kinder mit Spielzeug abgebildet. Im antiken Rom gab es gar vollständige Puppenmöbelgarnituren.

Spielwarenverkäufer zogen von Dorf zu Dorf.

Mittelalter[Bearbeiten]

Einfach gefertigtes Schaukelpferd (19. Jahrhundert)

Messingpferdchen, Holz- und Tontiere waren im 12. Jahrhundert von kleinen Jungen ebenso begehrte Spielsachen wie gewappnete Ritter im Kleinformat. Auch Schaukelpferde erfreuten sich großer Beliebtheit, hatten sie doch neben der beruhigenden Wiegefunktion auch den Zweck, das Reiten vorzubereiten. Nicht nur, aber auch durch den Einfluss der das soziale Leben bestimmenden Kirche, fand man nun in der privilegierten Adelsschicht und im aufkommenden Bürgertum vermehrt geschlechtsspezifisches Spielzeug. Mädchen wurden bereits spielerisch auf ihre Rolle als Mutter (Puppe, Puppenhaus) und Bewahrerin der häuslichen Ordnung (Stick-, Spinn- und Schmuckarbeiten) vorbereitet.[3] Die Kinder der sogenannten niederen Stände hatten hingegen weniger Spielzeit und das Spielzeug beschränkte sich oft auf selbstgefertigte Murmeln, Bälle aus Bast und Holzkreisel.

Industrie[Bearbeiten]

Im Zuge der Industrialisierung hat sich die Spielzeugindustrie entwickelt. Seit dem 15. Jahrhundert ist Nürnberg ein Mittelpunkt des Handels und der Produktion von Spielzeug. Der sogenannte Nürnberger Tand, worunter man vollständig eingerichtete Puppenstuben, Holzsoldaten, Steckenpferde, Trommeln und sogar kleine Messingkanonen verstand, eroberte den bis dahin bekannten Weltmarkt.

Seit Endes des 17. Jahrhunderts wird Holzspielzeug von hausindustriellen Spielzeugmachern des Erzgebirges, v.a. aus Seiffen über Hausierer vertrieben. Noch vor 1800 gelangten sie in den Welthandel. Seit ca. 1905 wurden in Seiffen immer mehr miniaturisierte Figuren, Häuser und Fahrzeuge im Nürnberger Maß produziert. Kleinstspielzeug wurde sogar in Zündholzschachteln angeboten. Ursächlich für diesen Trend waren neben steigenden Holzpreisen veränderte Zollbestimmungen wichtiger Importländer, die Gewichtszölle anstelle von Warenwertzöllen einführten. Schweren, sperrigen Großspielzeugen war damit eine Ausfuhr stark erschwert. In Seiffen machte sich besonders der Verleger H.E.Langer um die Förderung des Prozesses der Miniaturisierung verdient.[4]

Im 19. Jahrhundert wurde Sonneberg zum Zentrum der Spielzeugherstellung und des Spielwarenhandels. Die Sonneberger Verleger und Kaufleute beherrschten Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihren überwiegend in Heimarbeit[5] hergestellten Spielwaren den Weltmarkt und machten Sonneberg zur Weltspielwarenstadt.

Für die Herstellung von Holzspielzeug war vom 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts im Grödnertal in Südtirol eine sehr aktive Heimindustrie tätig.[6]

Noch heute befinden sich etwa 70 % der bundesdeutschen Spielwarenindustrie im süddeutschen Raum. (Siehe auch: Spielzeugmuseum Nürnberg)

Raumschiff, gebaut mit Material aus einem Konstruktionsbaukasten

Die Gestaltung des Spielzeugs spiegelt die unterschiedlichen natürlichen und kulturellen Lebensbezüge wider. Auch Erwachsene beschäftigen sich mit Spielzeug, z. B. Modellbau.

Heute wird der Großteil allen Spielzeugs in der Volksrepublik China hergestellt (siehe Weblinks).

Sicherheitsprüfung von Spielzeug[Bearbeiten]

Spielzeug, das in der EU in Verkehr gebracht wird, muss den (Sicherheits-) Anforderungen der Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG genügen. Es ist keine Vorschrift, dass Spielzeug getestest worden sein muss, bevor es in der EU in Verkehr gebracht wird. Allerdings muss jedes Spielzeug ein CE Zeichen tragen, zusammen mit der (innereuropäischen) Adresse des Herstellers bzw. Inverkehrbringers. Dieser steht strafrechtlich dafür ein, dass das von ihm in Verkehr gebrachte Spielzeug der Spielzeugrichtlinie genügt. Das CE-Zeichen hat in Bezug auf Schadstoffgehalt der Spielzeuge jedoch nur wenig Aussagekraft, da eine unabhängige Kontrolle in der Regel nicht erfolgt.[7]

Aufgabe der Marktüberwachungsbehörden ist es u.a., Spielzeug auf die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie zu prüfen. Werden hierbei Unstimmigkeiten festgestellt, muss der Inverkehrbringer nachweisen, dass er die Sicherheit seines Spielzeugs zuvor überprüft hat. Dies kann er nur tun, indem er Prüfberichte zertifizierter Prüfinstitute vorweist, die auf Basis harmonisierter Normen[8] das Spielzeug getestet haben. Hat er diese Prüfberichte zur Verfügung, droht bei erstmaligem Vergehen nur ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, andernfalls ein Strafverfahren.

Die Sicherheitsprüfungen für Spielzeug umfassen neben mechanisch/physikalischen Tests auf Basis der Normen EN 71-1 und EN 71-2 auch chemische Tests, hauptsächlich auf Basis der EN 71-3 - 71-12, aber auch weiterer.

Neben den Anforderungen zur speziellen Spielzeugsicherheit muss Spielzeug darüber hinausgehenden Anforderungen entsprechen, wie z.B. der REACH-Verordnung, die bestimmte Stoffe in allen Produkten verbietet.

Giftiges Spielzeug und Verschärfung von EU-Grenzwerten[Bearbeiten]

Nachdem es im Dezember 1996[9], im Mai 1999[9], im August[10] und November[11] 2007, im Dezember 2008[12], im April[13] und Dezember[14] 2009, im Oktober 2010[15] und zuletzt im November 2011[16] zu Skandal-Meldungen über Gift in Spielwaren gekommen ist, sollen nun auf EU-Ebene gesetzliche Regelungen in Bezug auf Grenzwerte von Blei, Cadmium, Nickel, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Organozinnverbindungen und Duftstoffen in Spielzeug verschärft werden.[17]

Beispiele von Spielzeug[Bearbeiten]

Junge mit Reifen
Puppenherd
Modelleisenbahn
Blechspielzeug: Knackente
Selbstgebauter Fußball in Osttimor

Museen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

DVD[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Staudinger: Kind und Spielzeug. (=Entschiedene Schulreform Heft 4), Verlag Ernst Oldenburg, Leipzig 1923
  • Karin Hildegard Balk: Kinder und ihr Spielzeug, 2007, Sutton Verlag, ISBN 978-3-86680-186-8.
  • O. Kopetzky: Das Nürnberger ABC. Attenkofer, Straubing 1912, Digitalisat (durchgängig mit Illustrationen von Nürnberger Holzspielzeug bebildertes ABC-Buch).
  • Ebenezer Landells/Alice Landells, The girl's own toy-maker, and book of recreaton. London 1860, Digitalisat (illustrierter Do-it-yourself-Ratgeber zur Herstellung von Mädchenspielzeug).
  • Hein Retter, Spielzeug – Sozialschicht – Erziehung, Finken-Verlag, Oberursel 1973.
  • Hein Retter, Handbuch zur Geschichte und Pädagogik der Spielmittel, Beltz-Verlag, Weinheim 1989.
  • Hein Retter, Spiel und Spielzeug auf der Schwelle eines neuen Zeitalters oder: Quo vadis?, homo ludens? International Council for Children’s Play 2001 (Erfurt, 6. bis 8. Juni 2001), Eröffnungvortrag, Nostheide Verlag Memmelsdorf bei Bamberg 2001.
  • Hein Retter, Postmodernity – what about toys? In: Berg/Nelson/Svensson (Hgg.): Toys in educaltional and socio-cultural contexts. Toy research in the late twentieth century, Tl. 2.,Stockholm International Toy Research Centre (SITREC), Stockholm 2003, S. 25–37, ISBN 91-974811-2-2
  • Laura M. Knüsli, Ruth Holzer-Weber: 100 Jahren Schweizer Spielzeugfabrikation. Zum 125-Jahr-Jubiläum der Firma Franz Carl Weber, Zürcher Spielzeugmuseum / Chronos, Zürich 2006, ISBN 978-3-0340-0843-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spielzeug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Spielzeug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Spielzeug – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kube, K.: „Spieldidaktik“, 1977, S. 41
  2. http://www.gadsumo.de/studien-eltern-lernspielzeug.html
  3. http://www.ausgraeberei.de/spielzeug/index.htm
  4. http://www.spielzeugmuseum-seiffen.de/spm1.htm Website des Erzgebirgischen Spielzeugmuseums in Seiffen
  5. Oskar Stillich: Die Spielwaren-Hausindustrie des Meininger Oberlandes. Verlag Fischer, Jena 1899 | (Neuausg. Nabu Press 2010)
  6. Beispiele der Grödner Holzindustrie der 30er Jahre
  7. Marktjagd: Schadstoffe im Kinderspielzeug. In: Marktjagd Verbrauchertipps, abgerufen am 30. Januar 2013
  8. http://ec.europa.eu/enterprise/policies/european-standards/harmonised-standards/toys/index_en.htm Verzeichnis harmonisierter Normen im Europäischen Amtsblatt
  9. a b Monitor (Fernsehmagazin), 2010: Schädliche Spielzeuge bleiben im Handel, Monitor Nr. 615 vom 9. Dezember 2010, abgerufen am 15. Dezember 2010.
  10. Seith, Anne, 2007:Gefährliches Spielzeug. Risiko made in China in Der Spiegel vom 15. August 2007, abgerufen am 15. Dezember 2010.
  11. AFP/bica, 2007: Gift-Ware auch in Deutschland in Süddeutsche Zeitung vom 11. November 2007, abgerufen am 15. Dezember 2010.
  12. Kurfer, Tobias, 2008 Gift im Spielzeug in Focus vom 20. November 2008, abgerufen am 15. Dezember 2010
  13. dpa/cor, 2009: Jedes fünfte Spielzeug ist giftig und gefährlich in Die Welt vom 5. April 2009, abgerufen am 15. Dezember 2010.
  14. Kuhr, Daniela, 2009:Gift im Spielzeug. Gefährliche Billigware in Süddeutsche Zeitung vom 7. Dezember 2009, abgerufen am 15. Dezember 2010
  15. Stiftung Warentest: Alarm im Kinderzimmer Mehr als 80 Prozent der von der Stiftung Warentest untersuchten Spielwaren sind belastet. Auch Holzspielzeug und Markenwaren fallen durch. test.de vom 21. Oktober 2010
  16. Stiftung Warentest: Jedes sechste Spielzeug mangelhaft test.de, 11. November 2011
  17. Lahrtz, Stephanie, 2010:Gift im Spielzeug. In der EU und der Schweiz soll eine neue Richtlinie mit strengeren Regelungen eingeführt werden in Neue Zürcher Zeitung vom 15. Dezember 2010, abgerufen am 15. Dezember 2010.