Flugplatz Neuhardenberg

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Flugplatz Neuhardenberg
BW
Flugplatz Neuhardenberg (Brandenburg)
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Kenndaten
ICAO-Code EDON
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 2 km nördlich von Neuhardenberg,
55 km östlich von Berlin
Basisdaten
Betreiber Airport Berlin-Neuhardenberg GmbH
Start- und Lande-Bahn
08/26 2400 m × 50 m Beton

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Der Sonderlandeplatz Neuhardenberg ist der Flugplatz des Ortes Neuhardenberg östlich von Berlin. Er liegt im Landkreis Märkisch-Oderland und ist als Sonderlandeplatz klassifiziert. Er besitzt eine Start- und Landebahn, welche auch für Großraumflugzeuge geeignet wäre.

Geschichte[Bearbeiten]

1930er Jahre und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Der Bau des Flugplatzes Neuhardenberg begann 1934 als geheim gehaltener Militärflugplatz. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden hier 1937 die ersten raketengetriebenen Flugzeuge aus den Heinkel-Werken getestet. Außerdem wurde der Flughafen als militärische Basis genutzt. Hier befand sich vom November 1939 bis zum Juli 1944 die Flugzeugführerschule Fürstenwalde, die die Pilotenausbildung auf mehrmotorigen Flugzeugen wie der Do 17, Do 23, Ju 52, Ju 86 und He 111 betrieb. Während des „Polenfeldzugs“ nutzte die II./KG 27 „Boelcke“ den Platz höchstwahrscheinlich als Einsatzhafen. Gegen Ende des Krieges verlegte Ende November 1944 die 1.(F)/122 (Aufklärungsgruppe 122) nach Neuhardenberg und flog bis Anfang Februar 1945 mit Ju 88D-Aufklärern Einsätze gegen die sowjetischen Truppen. Vom 23. Januar bis 2. Februar 1945 lag die III./JG 11 am Platz. Am 17. April 1945 nahm die Rote Armee den Platz ein und nutzte ihn umgehend als Frontflugplatz während der Berliner Operation.[1] Die vorhandenen Gebäude, darunter eine Flugzeughalle, wurden nach Kriegsende im Auftrag der SMAD abgerissen und der Platz den deutschen Behörden übergeben.

Nachkriegszeit und NVA-Nutzung[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Dorf 1957, das seit 1949 Marxwalde hieß, zu einem Garnisonsstandort der NVA, wobei auch der Flugplatz weiter ausgebaut wurde. Im März 1959 wurde die DDR-Regierungsfliegerstaffel (Transportfliegergeschwader 44) nach Marxwalde verlegt. Die Maschinen wurden durch ihre bewaffneten Besatzungen, bzw. Einheiten des MfS 24 Stunden am Tag bewacht.[2] Im Juni 1969 kam die mit Mi-8 ausgerüstete Hubschrauberkette des TG-44 ebenfalls nach Neuhardenberg.

1960 wurde das Jagdfliegergeschwader 8 vom Flugplatz Preschen nach Neuhardenberg verlegt. Für dieses Geschwader befand sich am westlich gelegenen Dolgensee auf einer Fläche von 6,9 Hektar eine Außeneinrichtung.[3] Zudem bestanden an dem See ein 2800m-Punkt (Navigationspunkt der Funknavigation) und eine Funksendestelle für die DDR-Regierungsstaffel TG-44.[4]

Nach dem Ende der DDR wurde hier 1990 bis 1993 die Bundeswehr mit dem Lufttransportgeschwader 65 stationiert, die den Flugplatz bei dem Oderhochwasser 1997 als Basis der Transporthubschrauber nutzte. Der Ort Marxwalde erhielt 1991 seinen alten Namen Neuhardenberg zurück. Nach Abzug der Bundeswehr wurde der Flughafen privatisiert.

Am 6. Juli 2004 wurde eine Flugverbindung Neuhardenberg – Kraków (Polen) aufgenommen, die sich in erster Linie an Geschäftsreisende richtete und von der Private Wings Flugcharter GmbH durchgeführt werden sollte. Diese Fluglinie wurde aber einige Monate später wieder eingestellt.

Betreiber[Bearbeiten]

Der Flugplatz wird von der Airport Development A/S und deren Tochterfirma, der Airport Berlin-Neuhardenberg GmbH betrieben.

Fluggesellschaften und Ziele[Bearbeiten]

Bis auf eine sehr kurze Phase im Jahr 2004 (Ziel: Krakau) fanden noch keine Linienflüge statt.

Lage und Ausbau[Bearbeiten]

Der Flugplatz liegt nördlich Neuhardenbergs zwischen dem Ortsteil Quappendorf und dem Kietzer See. Wegen der hohen Bedeutung für die regionale Wirtschaft ist eine Einstufung als Verkehrslandeplatz vom Betreiber geplant.

Zukunft des Flugplatzes[Bearbeiten]

Seit 2003 bemühte sich der Flugplatzbetreiber zusammen mit der Bürgerinitiative „Pro Flughafen Neuhardenberg“, die von großen Teilen der betroffenen Bevölkerung gestützt wird, um eine Reaktivierung des Flugplatzes und die Einstufung als Verkehrslandeplatz. Nach Erlangen der Betriebslizenz sollte von hier die Billigfluggesellschaft Ryanair starten.

Die Genehmigung des Ausbaus und gleichzeitig die Lizenz als Verkehrslandeplatz wurden am 6. November 2003 dem bislang als „Sonderlandeplatz Neuhardenberg“ eingestuften Flugplatz von der Landesregierung Brandenburgs versagt, weil sie dem „Landesentwicklungsprogramm für den Ausbau Schönefelds“ entgegenstehen würden. Davon unabhängig haben sich verschiedene brandenburgische Landespolitiker aller im Landtag vertretenen Fraktionen für die Genehmigung des Ausbaus Neuhardenbergs ausgesprochen und dabei darauf verwiesen, dass kein öffentliches Kapital für den privaten Flugplatz benötigt würde.

Die offizielle Ablehnung des Landes folgte am 2. April 2004, wogegen der Betreiber Klage eingereicht hat.

Am 15. Juli 2004 wurde bekannt, dass die Fluggesellschaft Ryanair dem Flugplatz ein Ultimatum gestellt hätte und sich aus Neuhardenberg zurückziehen würde, wenn nicht bis spätestens September 2004 klar wird, dass der Flugplatz genutzt werden könne.[5]

Im Februar 2007 ging die damalige Betreibergesellschaft des Flugplatzes bankrott. Am 9. November 2007 wurde mit einer dänischen Investorengruppe und deren Airport Development A/S ein Kaufvertrag unterzeichnet; damit ging der Flugplatz an diese über.[6]

Seit Februar 2009 ist Uwe Hädicke als Bevollmächtigter/COO seitens der dänischen Eigner mit der Geschäftsführung auf dem Flugplatz Neuhardenberg betraut.

Solarpark auf dem Flugplatzgelände[Bearbeiten]

Auf 200 Hektar Flugplatzfläche entstand zum 30. September 2012 der zu diesem Zeitpunkt größte Solarpark Deutschlands mit einer installierten Leistung von 145 MW.[7][8] 600.000 Solarmodule wurde innerhalb von 5 Wochen von bis zu 2000 Arbeitskräften aufgebaut.[9] Der Netzanschluss wurde im März 2013 realisiert.

Batterie-Speicherkraftwerk auf dem Flugplatzgelände[Bearbeiten]

In einem 350 m² großen ehemaligen Flugzeughangar am Flugplatzgelände soll bis zum Jahre 2015 eine Lithium-Ionen Batterie realisiert werden, die 5 MWh Energie speichern kann. Diese soll zum Ausgleich kurzfristiger Netzschwankungen beitragen. Das System wird modular in Containerbauweise realisiert.[10]

Technische Daten[Bearbeiten]

Zurzeit ist der Flugplatz nur für Sichtflug (VFR) zugelassen.

Folgende Luftfahrzeuge sind auf dem Flugplatz zugelassen: Motorflugzeuge, Helikopter, Motorsegler, Segelflugzeuge, Ballone, Ultraleichtflugzeuge und Fallschirmspringer. Der Anflug mit größeren Flugzeugen wäre zwar möglich, ist zurzeit vom zuständigen Landesministeriums jedoch nur in besonderen Situationen zugelassen. Ein Linienflugverkehr etwa mit einer Boeing 737 wäre zurzeit nicht erlaubt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Thomas Bußmann: Stahlbeton, Gras und Bahnbefeuerung – Die militärisch genutzten Flugplätze der DDR. MediaScript, Cottbus / Berlin 2011, ISBN 978-3-9814822-0-1.
  •  Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Band 1. Berlin & Brandenburg, VDM, Zweibrücken 2001, ISBN 3-925480-52-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Stefan Büttner: Rote Plätze: Russische Militärflugplätze in Deutschland 1945–1994. Aerolit, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4, S. 106.
  2. Jürgen Ast, Dirk Kühlow: Honeckers „Air Force One“ – Die DDR-Regierungsflieger. TV-Dokumentation
  3. Flugplatz Neuhardenberg/Marxwalde (NVA LSK/LV JG-8, TG-44). Military Airfield Directory. Flugplätze im Kalten Krieg; Abschnitt Einrichtungen.
  4. Nachrichtenbetriebsamt. Jagdfliegergeschwader 8, NVA.
  5. Ryanair droht Neuhardenberg den Rückzug an. In: Berliner Zeitung, 15. Juli 2004
  6. tagesspiegel.de
  7. neuhardenberg.org
  8. solarserver.de
  9. airport-ost.de
  10. Nach Mega-Park kommt Mega-Batterie Märkische Oderzeitung, 10. Juli 2014