François de Neufville, duc de Villeroy

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François de Neufville, Marschall von Frankreich.

François de Neufville, duc de Villeroy oder Villeroi (* 7. April 1644; † 18. Juli 1730 in Paris) war ein französischer General und Marschall von Frankreich.

François de Neufville war ein Sohn des Marschalls Nicolas de Neufville, duc de Villeroy. Er war mit Ludwig XIV. erzogen worden, wurde aber bald wegen Liebesintrigen mit einer Kammerzofe Ludwigs und einer bis heute unbekannten Herzogin nach Lyon verbannt. Erst 1680 erhielt er die Erlaubnis zur Rückkehr an den Hof. Als enger Freund des Königs, vollendeter Höfling, leader of society und Mann von großer Galanterie, wurde Villeroi zu einer Karriere in der Armee bestimmt, die er zwar sehr liebte, für die er aber kaum geeignet war.

1693 nahm er an der Schlacht bei Neerwinden teil und wurde, ohne sich besonders ausgezeichnet zu haben, zum Marschall ernannt. 1695-96, nach Luxembourgs Tod 1695, befehligte er in den Niederlanden, bewies aber große Unfähigkeit. Trotzdem erhielt er im spanischen Erbfolgekrieg (im Sommer 1701) an Stelle Catinats das Kommando der in Italien gegen den Prinzen Eugen kämpfenden Armee, an deren Spitze er am 1. September den unklugen und misslungenen Angriff auf Chiari unternahm und geriet am 1. Februar 1702 während der Schlacht von Cremona in österreichische Gefangenschaft.

Witzbolde in der Armee dichteten einen berühmten Spottvers auf Villerois Kosten:

„Par la faveur de Bellone,
et par un bonheur sans égal,
Nous avons conservé Crémone
--et perdu notre général.“
Durch die Gunst der Bellona,
und durch ein unvergleichliches Glück
konnten wir Cremona behalten,
verloren aber unseren General.

Wieder in Freiheit gesetzt, erhielt er Anfang 1706 den Oberbefehl über die Armee in den Niederlanden, wurde aber von Marlborough bei Ramillies geschlagen und daraufhin von Vendôme abgelöst. Auf Betreiben der Maintenon bestimmte ihn Ludwig XIV. in seinem Testament zum Gouverneur des jungen Ludwig XV. Nachdem letzterer die Mündigkeit erlangt hatte, ließ der Herzog von Orleans Villeroy am 12. August 1722 wegen Intrigen verhaften und verbannte ihn auf sein Gut Villeroy. Später erlaubte man ihm, das Gouvernement von Lyon zu übernehmen.

Nach Ludwigs XV. Volljährigkeitserklärung erschien er wieder in Paris und starb dort am 18. Juli 1730.

Literatur[Bearbeiten]

  • Louis de Rouvroy, duc de Saint-Simon: „Mémoires de Saint-Simon“ Nouvelle édition collationnée sur le manuscrit autographe, augmentée des additions de Saint-Simon au Journal de Dangeau. Hachette, Paris 1879. (online auf: gallica.bnf.fr)
  • Jean de Viguerie: Histoire et dictionnaire du temps des Lumières. 1715–1789. Robert Laffont, coll. Bouquins, Paris 2003, ISBN 2-221-04810-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: François de Neufville, duc de Villeroy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien