Franz von Bayros

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Franz von Bayros 1898

Franz von Bayros (* 28. Mai 1866 in Zagreb; † 2. April 1924 in Wien) auch bekannt als Marquis de Bayros, war ein österreichischer Grafiker, Illustrator und Maler des Fin de siècle. Er veröffentlichte seine Werke auch unter dem Pseudonym Choisy Le Conin.

Häufig wird Bayros mit Aubrey Beardsley und Félicien Rops, den beiden anderen großen Erotomanen, verglichen. Im Unterschied zu jenen war Bayros jedoch häufig auch gezwungen, sein Talent den Gegebenheiten des Marktes unterzuordnen. Seine Illustrationen zu den Klassikern der erotischen Literatur zeichnen sich durch Kompositionstalent, subtiles Spiel mit dem Ornament und Lust am prunkenden Milieu aus. Zu seinen zahlreichen erotischen Werken gehören viele mit SM-Motiven.

Leben[Bearbeiten]

Erotisches Werk von Franz von Bayros

Franz von Bayros’ Lebensweg entspricht fast schon exemplarisch den Vorstellungen, die sich gemeinhin mit dem Leben eines echten décadent verknüpfen. In ihm spiegeln sich Aufstieg und Fall eines begnadeten Künstlers, aber auch die Irrungen und Wirrungen einer ganzen Epoche, vor denen kaum ein Künstler seiner Generation verschont blieb, wider.

Herkunft[Bearbeiten]

Franz von Bayros entstammte einer alten Adelsfamilie, die mit Karl VI. Spanien verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Seine Vorfahren standen fast alle als Offiziere im Dienst der Habsburger. Bayros’ Vater, Otto von Bayros, quittierte indes schon früh den Militärdienst, um eine Karriere bei der österreichischen Bahn anzustreben. Für Bayros, dessen Leidenschaft für die Malerei seit seinem sechsten Lebensjahr immer offener zutage tritt, boten die wiederholten beruflichen Versetzungen seines Vaters immer neue und abwechselnde Inspirationen.

Verbürgt ist z.B. ein Zusammentreffen des zehnjährigen Franz’ mit einer Gruppe von Zigeunerinnen im damals noch türkischen Bosnien, das bleibenden Eindruck auf den jungen Bayros haben sollte. In seinen Versuchen, die sinnliche Schönheit und Harmonie dieser jungen Frauen festzuhalten, äußert sich bereits ein wichtiges Motiv seines späteren Werks.

Die frühen Jahre in Wien[Bearbeiten]

Nach Abschluss der Realschule in Wien und Linz besteht Bayros mit 17 Jahren die Aufnahmeprüfung an der Wiener Akademie bei Eduard von Engerth. Seine damaligen Lehrer, die Historienmaler Christian Griepenkerl und August Eisenmenger, können ihm jedoch kaum Anregungen vermitteln, so dass Bayros längere München-Aufenthalte als regelrechte Befreiung empfindet. Der frühe Tod seines Vaters im Jahr 1888 zwingt ihn zum Umdenken und kurzzeitig steht die Überlegung im Raum, die Malerei ganz aufzugeben.

Ab 1890 setzt Bayros seine Studien verstärkt fort, u.a. arbeitet er mit dem Porträtisten Eugen Felix, später mit dem Landschaftsmaler Gottfried Seelos zusammen. Bayros verkehrt in der eleganten Welt und bald gehört er zum Freundeskreis Johann Strauß’, dessen Stieftochter Alice er 1896 heiratet. Die Ehe war alles andere als glücklich und wurde bereits nach einem Jahr für ungültig erklärt.

München[Bearbeiten]

Exlibris, um 1900

1897 kehrt Bayros Wien den Rücken und übersiedelt nach München, der damaligen Kunstmetropole des Deutschen Reichs. München bot dem Künstler in jener Zeit vielfältigste Möglichkeiten – in der Malerei war die Stadt eines der Hauptzentren des deutschen Naturalismus und auch Heimat zahlreicher bedeutender Impressionisten. Gleichzeitig herrschte ein emsiger Literaturbetrieb und es entstanden zahlreiche neue Verlage, u.a. verlegten hier Albert Langen und Georg Müller.

Für Bayros war dieses Parkett perfekt geeignet: Er studierte in der Spezialschule von Adolf Hölzel in Dachau und in Heinrich Knirrs Schule in München (wo nicht zuletzt auch Paul Klee ausgebildet wurde). Bayros sagt über diese Zeit: „Ich müsste am Anfange meiner Biographie schreiben: ich wurde in meinem 31. Jahre in der Knirrschule zu München geboren.“ Tatsächlich fällt in diese Phase seiner Entwicklung der Durchbruch zu einem individuellen und eigenständigen Ton.

Gleichzeitig findet er Anschluss an die Künstlerkreise der Stadt und ist bald Mitglied einer Gesellschaft, die sich „Vornehme Beobachter“ nennt und zu der auch Thilo von Seebach, Karl Georg von Maassen und der Kunsthistoriker Dr. Hanns Floerke gehören.

Auch auf künstlerischem Feld geht es in großen Schritten voran – er setzt sich mit Impressionismus und Naturalismus auseinander und wendet sich mehr und mehr von der Porträtmalerei ab und dem Zeichnerischen zu.

1904 hat Bayros in München seine erste große Ausstellung, die sehr erfolgreich wird. In schneller Folge gibt es nun Aufträge für Buchillustrationen und Exlibris, darunter seine Illustrationen zur Manon Lescaut des Abbé Prévost, die 1905 im Insel Verlag, Leipzig, erscheinen oder zu den Geschwätzigen Kleinoden von Denis Diderot (1906 bei Georg Müller, München). Zwischen 1911 und 1913 erfolgt schließlich die Herausgabe einiger Exlibris-Mappen und drei Bayros-Mappen bei K. Th. Senger, München.

In diese Zeit (1904-08) fallen auch Bayros’ ausgedehnte Studien Louis XV., die der weiteren Vervollkommnung seines Stils dienen, sowie Reisen nach Paris und Italien zu Studienzwecken. Besonders das Studium des Rokoko erschließt ihm die Welt der raffinierten Erotik und in der Folge wird er als Zeichner erotischer Illustrationen zusehends bekannt – und im Jahr 1911 schließlich gar berüchtigt, als die Zensur eingreift und er München verlassen muss.

Die zarte Linienführung, die ihm eigen ist, seine Phantasie in der Ausgestaltung der Ornamente, sein subtiles Spiel mit nicht allzu subtilen Anspielungen prädestinierten ihn tatsächlich zum Zeichner des Galanten, des Frivolen, des Erotischen und nicht zu Unrecht nennt man ihn in jenen Münchener Tagen den „wunderbaren Zeichner des reinsten Rokoko“.

Rückkehr nach Wien[Bearbeiten]

Zurück in Wien, fühlt er sich fremd. Es fällt Bayros schwer, Anschluss an den Wiener Kunstmarkt zu finden, und er plant wohl auch deshalb eine Übersiedlung nach Rom, die aber durch den Ausbruch des Weltkriegs vereitelt wird. Zwar findet er einen neuen Kreis guter und interessanter Freunde, darunter Rudolf Hans Bartsch, Anton Wildgans und Dr. Hugo Markus Ganz und heiratet erneut; dennoch nennt er den erneuten Aufenthalt in Wien oft seine „Verbannung“.

Die Auftragslage hatte sich nach dem spektakulären Münchener Prozess naturgemäß etwas verschlechtert, doch allmählich fanden sich wieder Bestellungen auf Buch- und Zeitschriftenillustrationen, Exlibris und Plakate – vor allem aus Österreich, Ungarn und Italien. Ein Beispiel für diese Periode sind seine Illustrationen zu Hans Ludwig Roseggers „Von Königen und Jakobinern“.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs bedeutet einen weiteren Rückschlag in der Entwicklung des Künstlers. Nicht nur durchkreuzt er Bayros’ Pläne, sich in Italien niederzulassen und einen Neuanfang zu wagen; viel schlimmer wiegt die ideologische Verblendung, die ihn bis zum äußersten sich mit der Sache des Deutschen Reiches identifizieren und den Zusammenbruch von 1918 im Zustand tiefster Depression erleben lässt.

Die letzten Jahre[Bearbeiten]

Erst der 600. Todestag des von ihm sehr verehrten Dante im September 1921 gibt ihm neuen Antrieb. Für diesen Tag wollte er, wie er selbst sagte, „sein Meisterwerk als Buchillustrator“ schaffen. Tatsächlich würden die 60 Aquarelle zur Göttlichen Komödie, die vom Amalthea-Verlag in Wien in einer imposanten Fest-Ausgabe des Dante-Werks veröffentlicht wurden, das reifste Dokument seiner Auffassung von Buchillustration abbilden, die niemals nur leere Textillustration, sondern Weiterdichtung des literarischen Werks sein sollte.

Der Erfolg der Arbeiten zu Dante war enorm und Ausstellungen der Aquarelle in Deutschland und Italien brachten Bayros’ Namen wieder in aller Munde. Doch der materielle Erfolg wog gering. Eineinhalb Jahre hatte Bayros fieberhaft an seinem Werk bis hin zum körperlichen Zusammenbruch gearbeitet, doch die Entwertung der österreichischen Krone fraß das Entgelt auf. Rastlos musste Bayros für Brotaufträge weiterarbeiten, gezeichnet von seiner schleichenden Krankheit. Am 2. April 1924 starb der Künstler an einer Gehirnblutung. Die Arbeiten zur Göttlichen Komödie würden sein letztes bedeutendes Werk, sein Vermächtnis gewesen sein.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Illustrationen zu:

Weitere Ausgaben:

  • Ex Libris die sie nicht tauschten unter dem Pseudonym Venu de Bonestoc (Privatdruck 1906)
  • Die Bonbonnière. Galante und artige Sammlung erotischer Phantasien (1907)
  • Geschichten aus Aretino (Privatdruck 1907)
  • Die Genouillière Mappenwerk mit 15 Zeichnungen (1907)
  • Erzählungen am Toilettentische Mappenwerk mit 15 Zeichnungen (Privatdruck 1908)
  • Bilder aus dem Boudoir der Madame CC Mappenwerk mit 30 Zeichnungen (Privatdruck 1912)
  • Lesbischer Reigen Mappenwerk mit 6 Zeichnungen (Privatdruck Budapest 1920)
  • Garten der Aphrodite Mappenwerk mit 18 Zeichnungen (ohne Orts- und Zeitangaben)
  • 1001 Nacht 5 Zeichnungen (Verlag Wilhelm Borngräber; Berlin 1913)

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz von Bayros: Das galante Werk. Gala Verlag 1967,
  • Franz von Bayros: Die Purpurschnecke. Gala Verlag 1971,
  • Franz von Bayros: Zeichnungen. Gala-Verlag 1978, ISBN 3-8201-0028-8
  • Franz von Bayros: Im Garten der Aphrodite. Erotische Zeichnungen und Illustrationen. Heyne-Verlag 1980, ISBN 3453501942
  • Rudolf Brettschneider: Franz von Bayros, Bibliographie und beschreibendes Verzeichnis seiner Exlibris. Leipzig 1926

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz von Bayros – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien