Rudolf Hans Bartsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rudolf Hans Bartsch (1925)

Rudolf Hans Bartsch (* 11. Februar 1873 in Graz, Steiermark; † 7. Februar 1952 in St. Peter bei Graz) war österreichischer Offizier und Schriftsteller.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Rudolf Hans Bartsch als k. u. k. Hauptmann1914

Bartsch schrieb seit 1908 Romane und Novellen, die nach Aussagen heutiger Kritiker das alte Österreich oft sentimental verklären. Nach Gero von Wilpert ein überaus fruchtbarer, unkritischer Erzähler aus dem alten Österreich mit gefühlsselig-liebenswürdigen Romanen und Novellen, herzigen und bittersüßen Liebesgeschichten von spielerischer Leichtlebigkeit... [1] Bereits für seine ersten Werke wurde er sehr positiv rezensiert, für "Zwölf aus der Steiermark" wurde er von dem einflussreichen Kritiker Hermann Bahr als die neue Stimme Österreichs gelobt: "Da steht vergnügt das neue Österreich da, um das wir mit zornigen Fäusten gerungen haben."[2] Für Willi Handl war Die Haindlkinder (1909) "unzweifelhaft der bemerkenswerteste Wiener Roman der letzten Zeit."[3] Sein Schubert-Roman Schwammerl, eines der erfolgreichsten Bücher vor dem Zweiten Weltkrieg, diente 1916 als Vorlage zu dem Singspiel Das Dreimäderlhaus des Komponisten Heinrich Berté, das auch verfilmt wurde.

Von Bartsch stammt u.a. das mythologisch geprägte Gedicht Herbstchor an Pan, das vom Schaffen des Flurgotts Pan und den Jahreszeiten als Symbole für den Kreislauf des Lebens und die Vergänglichkeit auf Erden im Sinne der wechselnden Jahreszeiten erzählt. Das Werk erlangte größere Bekanntheit, als es im Januar 1911 von Joseph Marx, zur damaligen Zeit der meistgespielte Liedkomponist Österreichs, als einsätzige Kantate für gemischten Chor, Knabenstimmen, Orgel und großes Orchester vertont wurde. Es handelt sich hierbei kurioserweise um das erste für Orchester geschriebene Werk von Joseph Marx. Der Herbstchor an Pan wurde im Juni 2008 vom BBC Symphony Orchestra & Chorus unter Jiří Bělohlávek zusammen mit den übrigen Chorwerken von Joseph Marx für das britische Label Chandos ersteingespielt.

In seiner Heimatstadt Graz sowie in Leibnitz und Mureck wurden Straßen nach ihm benannt.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • Zwölf aus der Steiermark, 1908
  • Elisabeth Kött, 1909
  • Schwammerl. Schubert-Roman, 1912
  • Das deutsche Leid. Ein Landschafts-Roman, 1912
  • Die Geschichte von der Hannerl und ihren Liebhabern, 1913
  • Der letzte Student, Ullstein, Berlin 1913
  • ER. Ein Buch der Andacht, 1915
  • Der Flieger, 1915
  • Frau Utta und der Jäger, 1915
  • Lukas Rabesam, 1917
  • Der junge Dichter. Roman, 1918
  • Heidentum. Die Geschichte eines Vereinsamten, 1919
  • Ewiges Arkadien!, 1920
  • Seine Jüdin oder Jakob Böhmes Schusterkugel, 1921
  • Ein Landstreicher, 1921
  • Die Haindlkinder
  • Das Tierchen. Die Geschichte einer kleinen Grisette, 1922
  • Die Salige
  • Venus und das Mädchengrab. Liebesgeschichte eines Sonderlings, 1926
  • Die Verliebten und ihre Stadt, 1927
  • Die Apotheke zur blauen Gans. Roman aus seltsamem Grenzland, 1928
  • Wild und frei. Thema mit Variationen, 1928
  • Der große alte Kater. Eine Schopenhauer-Geschichte, 1929
  • Die Verführerin. Eine Wiener Geschichte, 1930
  • Der große und der kleine Klaus, 1931
  • Das Lächeln der Marie Antoinette, 1932
  • Ein Deutscher. Zsgestellt aus Fragmenten der Erinnergen des Christoph Magnus von Raithenau, 1933
  • Der große Traum der kleinen Wienerin. Eine heitere Staatsaktion, 1936
  • Brüder im Sturm, 1940
  • Wenn Majestäten lieben, 1949

Erzählungen, Novellen[Bearbeiten]

  • Bittersüße Liebesgeschichten, 1910
  • Vom sterbenden Rokoko, 1909
  • Unerfüllte Geschichten
  • Frauen. 3 Novellen, 1918
  • Musik. 3 Novellen, 1923
  • Novellen, 1924
  • Histörchen, 1925

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • Ohne Gott. Die Tragödie einer Mutter, 1915
  • Fernes Schiff. 3 Akte (6 Bilder) aus dem Leben des großen Kolonisators John Smith, 1934

Essays[Bearbeiten]

  • Das Glück des deutschen Menschen, 1927

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Dolf: Rudolf Hans Bartsch. Bruder des großen Pan. Eine Studie über den Dichter mit einer Auswahl aus seinen Werken. Leykam, Graz 1964.
  • Theodor Lessing: Rudolf Hans Bartsch. Ein letztes deutsches Naturdenkmal. Staackmann, Leipzig 1927.
  • Sophie Rahaberger: Das religiöse Problem bei Rudolf Hans Bartsch. Univ. Diss., Graz 1959.
  • Kurt Vancsa: Bartsch, Rudolf Hans. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 613 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. s. Lexikon der Weltliteratur, Hrsg. Gero von Wilpert. Unter Mitarb. zahlr. Fachgelehrter, DTV, München 2004, ISBN 3-423-59050-5.
  2. Hermann Bahr: Woran ich Freude fand. Eine Umfrage über wertvolle neue Bücher. Nord und Süd, 32 (1908) #127/381 (Dezember), 529-530, hier: 530.
  3. Willi Handl: Neue Wiener Romane. In: Neue Revue und Morgen, 1909 #16, 582-584.