Franz von Gaudy

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Franz von Gaudy (* 19. April 1800 in Frankfurt (Oder); † 5. Februar 1840 in Berlin) war ein deutscher Dichter und Novellist.

Leben[Bearbeiten]

Franz Bernhard Heinrich Wilhelm Freiherr von Gaudy entstammte einer schottischen Familie, die zum preußischen Militäradel gehörte. Sein Vater, Friedrich von Gaudy (1765–1823), war Erzieher des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. und Generalgouverneur von Sachsen. Er besuchte das Französische Gymnasium in Berlin und die Fürstenschule in Schulpforta. Auf Wunsch des Vaters trat er 1818 ins preußische Heer ein (1. Garderegiment zu Potsdam) und wurde 1819 zum Leutnant befördert. Nach verschiedenen Disziplinarstrafen wegen Schulden und Duellen erhielt er 1833 seinen Abschied und lebte seither, durch eine Rente des Kronprinzen unterstützt, als Literat in Berlin. Adelbert von Chamisso förderte ihn, nachdem der Lyrikband Erato 1829 erschienen war. Er führte ihn ein in die Mittwochsgesellschaft, wo er mit Joseph von Eichendorff, Friedrich de la Motte Fouqué und Willibald Alexis und August Kopisch verkehrte. Neben Chamisso arbeitete er an der Redaktion des von Gustav Schwab begründeten Deutschen Musenalmanach mit. In den Jahren 1835 und 1838 unternahm er mit Franz Kugler ausgedehnte Reisen in Italien, von denen er in Reisefeuilletons und humoristischen Erzählungen berichtete. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Kirchhof I der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde in Berlin-Kreuzberg.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten]

Gaudy begann mit kleinen Beiträgen in schlesischen Zeitungen und schrieb, angeregt durch seine Breslauer literarischen Freunde Karl Schall und Karl von Holtei, dramatische Szenen. 1829 erschien ein Band mit Gedichten (Erato), die vom Stil Heinrich Heines beeinflusst waren. Zusammen mit Chamisso übersetzte er Chansons von Pierre-Jean de Béranger, deren leicht eingängigen Ton und deren Vorliebe für Themen des Alltags er in der Sammlung Korallen (1834) übernahm. In seinem Romanzenepos Kaiser-Lieder (1825) huldigte er Napoleon, was ihm beim Publikum Erfolg brachte, ihn zugleich aber zum "umstrittenen Autor" machte. Populär wurde er durch seine Reiseberichte und Erzählungen aus Italien, besonders durch die Venetianischen Novellen und die humoristische Erzählung Aus dem Tagebuch eines wandernden Schneidergesellen.

Wirkung[Bearbeiten]

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Gaudy ein vielgelesener Autor, geriet danach aber in Vergessenheit. Theodor Heuß vermutet einen Einfluss Gaudys auf Julius Stindes Buchholzens in Italien[1]. Rudi Schweikert hat eine Fülle von Zitaten und Motiv-Übernahmen aus Gaudys Werken bei Arno Schmidt nachgewiesen[2].

Die Gaudystraße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg wurde nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Erato (Glogau 1829)
  • Gedankensprünge eines der Cholera Entronnenen (Glogau 1832)
  • Schildsagen (Glogau 1834)
  • Korallen (Glogau. 1834)
  • Desengaño (Leipzig 1834)
  • Aus dem Tagebuch eines wandernden Schneidergesellen (Leipzig. 1836, neue Ausg. 1871)
  • Mein Römerzug (Berlin 1836, 3 Bände)
  • Novelletten (Berlin 1837)
  • Venetianische Novellen (Bunzlau 1838, 2 Bände)
  • Novellen und Skizzen (Berlin 1839)
  • Sämmtliche Werke, 24 Bände, herausgegeben von Arthur Müller. Berlin: Klemann, 1844 (Neue Ausgabe in 8 Bänden 1853)

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Geschichtliche Gesänge der Polen, von Jul[ian] Urs[yn] Niemcewicz, metrisch bearbeitet von Franz Freiherrn Gaudy (Leipzig. 1833, Digitalisat bei Google Books: [1])
  • Der Roman von Rollo und den Herzögen der Normandie von Robert Wace (Leipzig. 1835)
  • Clotilde von Vallon-Chalys, Dichterin des fünfzehnten Jahrhunderts (Berlin 1837, Digitalisat bei Google Books: [2])
  • Béranger's Lieder: Auswahl in freier Bearbeitung (Leipzig 1838, neue Ausg. 1873), in Zusammenarbeit mit Adelbert von Chamisso.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Theodor Heuß: Wilhelmine Buchholz. Julius Stinde. In: Theodor Heuss: Vor der Bücherwand. Skizzen zu Dichtern und Dichtung. Wunderlich, Tübingen 1961, S. 193–196.
  2. Rudi Schweikert (Hrsg.): Franz Freiherr Gaudy, Schwarze Siegel. München: text + kritik, 1986

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Füllmann: Die Pest, der Vampir und Venedig als Schreckensort:, Die Calvi’ von Franz Freiherr Gaudy. In: Dieter Petzold (Hrsg.): Inklings-Jahrbuch für Literatur und Ästhetik. Band 27, 2010, S.11–36
  • Karl Fulda: Chamisso und seine Zeit. Carl Reißner, Leipzig 1881, S. 200-207 (Lebensbeschreibung nach einer Mitteilung von Gaudys Schwester Constanze von Kalckreuth), S. 265f. (zu Gaudys franz. Übersetzung von Chamissos Gedicht Le Château de Boncourt)
  • Richard von MeerheimbGaudy, Franz Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 419.
  • Rainer Hillenbrand (Hrsg.): Halbzahm in einer Lumpenwelt: Briefe von und an Franz Freiherrn Gaudy. Lang, Frankfurt a.M. [u.a.] 2002, ISBN 3-631-39466-7
  • Fritz Martini: Gaudy, Franz Bernhard Heinrich Wilhelm Freiherr von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 95 f. (Digitalisat).
  • Hans-Rüdiger Merten: Recherchen zu Theodor Fontane, Leopold Friedrich Günther von Geockingk, Friedrich von Matthisson und Franz Freiherr von Gaudy. projekte verlag 188, Halle a.d.S. 2005, ISBN 3-938227-45-1
  • Johannes Reiske: Franz Freiherr von Gaudy als Dichter. Mayer & Müller, Berlin 1911 (= Palaestra, 60); Kapitel I-II zuvor bereits als Dissertation, Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, Mayer & Müller, Berlin 1906
  • Franz Freiherr von Gaudy: Frau Venus Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Heiko Postma. jmb, Hannover 2010. ISBN 978-3-940970-75-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Franz von Gaudy – Quellen und Volltexte