Fredy Sieg
Fredy Sieg (bürgerlich Alfred Gyss, * 28. September oder 29. September 1878; † 25. oder 26. Februar 1962 in Berlin) war ein deutscher Schauspieler, Kabarettist, Komiker und volkstümlicher Vortragskünstler. Der von Carows Lachbühne und dem Berliner Kammerbrettl bekannte Sieg lebte bis zu seinem Tod im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.
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[Bearbeiten] Leben
Fredy Sieg wurde als Alfred Gyss am 28. September 1878 in Berlin geboren. Obwohl er schon immer Komiker werden wollte, musste er sich zunächst dem Wunsche seiner Eltern fügen und einen "anständigen" Beruf erlernen. Er beendete eine Lehre bei der AEG als technischer Zeichner für Beleuchtungskörper, gab dann aber seiner Leidenschaft nach und schloss sich kleinen Sängergesellschaften an, mit denen er durch die gesamte Mark Brandenburg und weiter bis hinauf nach Pommern und ostwärts nach Schlesien zog. In kleinsten Ortschaften, oft in Gasthaussälen oder Schützenhäusern, brachten sie lustige Unterhaltung für kleine Leute. Kino und Radio als Konkurrenz für die Volkssänger lagen noch in weiter Ferne.
“Ich kam, sang und siegte” bekannte er einmal, und deshalb habe er sich Fredy Sieg genannt. Wahrscheinlicher ist aber, dass sein Künstlername durch Umdrehen der Buchstaben in seinem bürgerlichen Namen zustandekam: Aus Gyss wurde Syg oder, weil es besser klang: Sieg.
[Bearbeiten] Repertoire
Wie es Tradition bei den Volkssängern war, schrieb er sich seine Vorträge überwiegend selbst. Mehr als hundert Lieder hat er getextet und auch meist selbst vorgetragen. Ab 1924 war er Hauskomiker in Erich Carows “Lachbühne”, der er bis zu deren Zerstörung im Bombenkrieg 1943 treu blieb. Er kam stets im Straßenanzug auf die Bühne, als “feiner Herr” mit weißen Gamaschen, Stöckchen und Goggs. Sein Thema war das Leben der kleinen Leute in den Vororten, das er aus eigener Erfahrung kannte. Sieg zeichnete komische Genre- und Typenbilder wie 'den Doofen', den 'Angler' oder den 'Portier'. Zu seinen bekanntesten Vorträgen gehören “Das Lied von der krummen Lanke” und “Hochzeit bei Zickenschulze" aus Bernau; letztere dürfte das wohl turbulenteste Vortragsstück der Brettlkomik sein, verbaler slapstick - beinahe so berühmt wie der "Überzieher" von Otto Reutter oder der "Hermann" von Claire Waldoff.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Sieg weiter bei Erich Carow in dessen neuem Domizil in Berlin-Gatow auf. Ebenso in Hans Joachim Heinrichs “Kammerbrettl”, wo auch der junge Eberhard Cohrs als Komiker anfing. Und in Großvarietés wie dem Berliner Friedrichstadt-Palast oder dem “Steintor” in Halle/Saale. Auch im Berliner Rundfunk war er zu hören.
Fredy Sieg starb am 26. Februar 1962 im Ostteil Berlins gestorben.
[Bearbeiten] Werke
- Ach, die schöne Angelei
- Das Lied von der krummen Lanke (1923)
- Das liegt daran - sie hat die Hosen an
- Die Zille
- Ganz draußen an der Panke
- Hochzeit bei Zickenschulze
- Ick bin een'n Happen dämlich
- Ick bin ja doof
- Ick bin 'nen Gemütsmensch
- Ick bin Portier
- Reine Wäsche
[Bearbeiten] Tondokumente (Auswahl)
Sieg nahm mehrere Schallplatten auf: zuerst für das preiswerte Braun-Etikett der “Grammophon”, nach 1935 dann für Carl Lindströms “Odeon” und “Gloria”-Etikett.
- Gr braun 22 13 (mx. 2837 ½ GN) “Ach die schöne Angelei” (Sieg)
- Odeon O-28 483 (Be 14 886) Hochzeit bei Zickenschulze (Sieg)
- Odeon O-28 483 (Be 14 887) Ganz draußen an de Panke (Schwarz - Sieg)
- Gloria G.O.27 054 (Bi 2230/2231) Lied von der Krummen Lanke I und II (TuM.: F.Sieg) auch auf Odeon O-26 676 veröffentlicht.
- Gloria G.O.27 167 (Bi 2429) Ick bin ja doof (Max Schroeder - Fredy Sieg)
- Gloria G.O. 27 392 (Bi 2762) Ick bin Portier (Zehr - Oppermann)
[Bearbeiten] Filmografie
Laut www.filmportal.de hat Sieg in drei Spielfilmen mitgewirkt:
- Aafa-Kunterbunt I, D 1932, Kurzspielfilm, Regie Max Mack, Rolle nicht näher bezeichnet. Mit Sieg war auch die Sängerin Maria Collm zu sehen.
- Eine Nacht im Mai D 1938, Regie Georg Jacoby, Fredy Sieg: Akkordeonspieler im Autobus
- Corinna Schmidt DDR 1951, Regie Arthur Pohl. [Fredy Sieg: Mützell] (Nach dem Roman “Frau Jenny Treibel” von Theodor Fontane
[Bearbeiten] Literatur
- Helga Bemman: Berliner Musenkinder Memoiren. Verlag VEB “Lied der Zeit”, Ostberlin 1981, S.109–118.
- Berthold Leimbach: Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898–1945. Selbstverlag, Göttingen 1991, unpaginiert.
- Rainer Otto, Walter Rösler: Kabarettgeschichte – Abriss des deutschsprachigen Kabaretts. Henschel, Berlin 1977.
[Bearbeiten] Musikbeispiele
- Multimediaseite mit Liedtext, Foto, und MP3-Musikbeispiel von Das Lied von der krummen Lanke
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Fredy Sieg im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sieg, Fredy |
| ALTERNATIVNAMEN | Gyß, Alfred (bürgerlicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler und volkstümlicher Vortragskünstler |
| GEBURTSDATUM | 28. September 1878 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 25. oder 26. Februar 1962 |
| STERBEORT | Berlin |