Freilichtmuseum am Kiekeberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

53.4402777777789.9019444444444Koordinaten: 53° 26′ N, 9° 54′ O

Reliefkarte: Hamburg
marker
Freilichtmuseum am Kiekeberg
Magnify-clip.png
Hamburg
Eingangsgebäude des Museums

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg ist ein ehemals hamburgisches Museum am Kiekeberg im Gebiet der Harburger Berge. Es liegt zwischen den Ortsteilen Ehestorf und Vahrendorf der Gemeinde Rosengarten im Landkreis Harburg.

Museumsbestände[Bearbeiten]

Das Museum, das derzeit 33 historische Gebäude des 17. bis 20. Jahrhundert auf einem zwölf Hektar großen Areal umfasst, beschäftigt sich mit der Kulturgeschichte der nördlichen Lüneburger Heide und der angrenzenden Elbmarschen. Darüber hinaus verfügt das Museum über ein modernes Ausstellungsgebäude und einem Sonderausstellungsbereich. Im Außengelände gibt es neben einer Reihe von historischen Gärten auch verschiedene alte Haustierrassen zu bewundern. Dazu gehören Bunte Bentheimer Landschweine, Ramelsloher Blaubeine (Hühner), Schleswiger Kaltblüter, Bentheimer Landschafe und Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind. Im „Haus des Handwerks“ werden auf 500 m² die wichtigsten ländlichen Gewerke präsentiert. Ferner gibt es regelmäßig Vorführungen traditioneller Handwerkskunst, wie beispielsweise Schmieden und Spinnen. 2012 eröffnete auf dem Gelände das Agrarium, ein interaktives Schaumagazin zu Landwirtschaft und Ernährungsindustrie.

Geschichte[Bearbeiten]

Eingangsgebäude des Museums
Hallenhaus aus dem 17. Jahrhundert
Pferdegöpel im Freilichtmuseum am Kiekeberg
links vorn das Göpelgetriebe, im Hintergrund eine Häckselmaschine, die über eine Welle angetrieben wird
Pilzkiosk aus den 1950er Jahren

Die Umgebung des Museums am Kiekeberg war schon zur Kaiserzeit ein beliebtes Ausflugsziel für die Hamburger und Harburger Bevölkerung. Auf dem Berg befand sich zum Gedenken an Otto von Bismarck ein Bismarckturm, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 von deutschen Truppen gesprengt wurde.

Das Freilichtmuseum wurde 1953 von Willi Wegewitz, dem damaligen Direktor des Helms-Museums in Hamburg-Harburg, gegründet. Inhaltlicher Ausgangspunkt für seine Planung waren die rasanten Veränderungen in der Landwirtschaft und in den Dörfern der Region. Um die Tradition zu wahren, sollte eine komplette Hofanlage der Heide aufgekauft, zum Kiekeberg umgesetzt und so der späteren Generation präsentiert werden. Wegewitz baute das Museum mit großem Fleiß auf und übergab seinem Nachfolger Claus Ahrens im Jahr 1966 nicht nur eine Hofanlage, sondern ein kleines Heidedorf. Ahrens setzte die Aufbautätigkeit fort, erweiterte die Freiflächen und Gärten und integrierte Aspekte der Museumspädagogik in den Museumsbetrieb. 1987 erwarb der Landkreis Harburg das Museum von der Stadt Hamburg. Im selben Jahr wurde Rolf Wiese Direktor des Freilichtmuseums. Neben dem zentralen Standort Kiekeberg wurden Außenstellen aufgebaut, um Kultur in der gesamten Region zu präsentieren.

Im Jahr 2003 wurde das Freilichtmuseum aus der Trägerschaft des Landkreises Harburg in eine gemeinnützige Stiftung privaten Rechts überführt.

Schwerpunkte[Bearbeiten]

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg setzt verschiedene thematische Schwerpunkte: das Leben auf dem Lande, die Technisierung in der Landwirtschaft oder Wasser als kostbares Gut. Im Detail:

Agrarium
Das Agrarium ist eine Ausstellungshalle auf drei Etagen mit einer Dauerausstellung zu den Themen Landwirtschaft und Ernährung. Es zeigt die Hintergründe der historischen und modernen Lebensmittelproduktion sowie den Weg der Lebensmittel zum Verbraucher, beispielsweise bei Gemüse und Getreide. Mitmachstationen, Exponate und multimediale Elemente gehören zur Ausstellung. Auch wird die Technisierung der Landwirtschaft dargestellt.
Landwirtschaftlicher Entdeckergarten
Ein neuartiges Parkplatzkonzept wurde 2012 im Freilichtmuseum am Kiekeberg umgesetzt: Auf einer 40 Hektar großen Fläche entstand eine Nutzfläche für Obstbau, Viehzucht und Ackerbau. Auf dem Entdeckergarten wachsen die alten hochstämmigen Obstsorten neben den modernen Apfelbüschen, die bequem abgeerntet werden können. Entdeckertouren mit Mitmachstationen leiten Besucher über die Anlage und bringen ihnen die Themen nahe. Landwirtschaftliche Versuchsfelder dienen Schulklassen an Open-Air-Klassenzimmer, die sie in Eigenregie bewirtschaften können. An besucherreichen Veranstaltungstagen werden die Obst- und Weidewiesen geöffnet und als Parkplatz nutzbar gemacht.
Technisierung der Landwirtschaft
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzt die Technisierung auf dem Land ein. Viele Hilfsmittel (ohne Strom) erleichtern den Menschen den Alltag. Beispiele im Freilichtmuseum sind ein Göpelschauer, eine Windrad und eine Widderanlage (historisches Wasserwerk).
Industriezeit auf dem Dorf
Mitte des 19. Jahrhunderts entstehen auf dem Dorf ländliche Industriebetriebe. Eine nach Originalplänen rekonstruierte Ziegelei und eine Rekonstruktion eines Betonfertigteilewerkes stehen auf dem Museumsgelände.
Nachkriegszeit auf dem Lande
Die 1950er Jahre stehen für die Zeit des Wirtschaftswunders in Deutschland, für bunte Mode, elektrische Haushaltsgeräte und moderne Bauernhöfe. Die Zeit ist aber auch geprägt von Not und Armut. Viele Menschen, vor allem Flüchtlinge, lebten auch etliche Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Notunterkünften. Eine Notunterkunft, die so genannte Nissenhütte, steht im Freilichtmuseum und zeigt die einfachen Lebensumstände.
Das Heidedorf
Die Bauern in der Nordheide lebten eher unter ärmlichen Verhältnissen. Die Bauern kümmerten sich um ihr Vieh und bewirtschafteten die kargen Böden. Nur wenige Feldfrüchte, wie Roggen, Buchweizen oder Kartoffeln wuchsen hier. Im Freilichtmuseum zeigen zahlreiche historische Häuser wie zum Beispiel Kleinbauern oder Häuslinge wohnten. Auch Scheunen für die Geräte und Stallungen für die Tiere gehören dazu. Alle Gebäude sind in der Zeit von 1600 bis 1900 erbaut.
Marschendorf
Anders als die Böden der Nordheide war das Gebiet der Winsener Marsch entlang der Elbe sehr fruchtbar mit ertragreichen Böden. Hier wurden Rinder und Pferde gezüchtet sowie Ackerbau und Gemüseanbau betrieben. Viele Familien lebten von der Schifffahrt, der Fischerei und dem Kleinhandel.
Wassererlebnispfad
Zusammen mit dem Wasserbeschaffungsverband Harburg hat das Freilichtmuseum am Kiekeberg einen Wassererlebnispfad aufgebaut, an dem die Besucher aktiv sein können. Sie erfahren mehr darüber, was Trinkwasser ausmacht und wie die Menschen früherer Zeiten zu ihrem Wasser kamen.
Gärten
An den historischen Häusern im Freilichtmuseum sind Versorgungs- und Ziergärten angelegt. Alte Sorten Obst und Gemüse werden hier angebaut. Obst- und Gemüsebau war in den vergangenen Jahrhunderten eine bedeutende Einnahmequelle. Auch die Bauerngärten aus der Zeit um 1900 sind am Kiekeberg in ihrer typischen Form zu bewundern. Nach dem in der Region bekannten Wunderheiler Schäfer Ast gibt es einen Kräutergarten in Hochbeeten.
Hof- und Museumsladen
Zum Freilichtmuseum am Kiekeberg gehört ein Museumsladen. Hier sind historische Haushaltsartikel, Textilien, Kinderbücher, Fachliteratur, Spielzeug, Naturkosmetik, ausgefallene Spezialitäten und auch die Schnäpse und Brände aus der Museumsbrennerei erhältlich. Das in der Museumsbäckerei hergestellte Brot kann man ebenfalls kaufen. Im Hofladen werden Lebensmittel aus eigenem Bioanbau am Kiekeberg und vom Museumsbauernhof Wennerstorf sowie von regionalen Anbietern verkauft. Im Museumsgasthof „Stoof Mudders Kroog“, dem hier wieder aufgebauten dem Pfarrwitwenhaus aus Marschacht, werden Gerichte nach alten und beliebten Rezepten angeboten. Im Rösterei-Café „Koffietied“ steht ein historischer Kaffeebohnenröster, wo die Bohnen noch heute vor den Augen der Besucher geröstet werden. Besucher können den Kaffee direkt im Café probieren.

Regelmäßige Veranstaltungen/Aktionstage[Bearbeiten]

Maschine zur Fertigung der Holzschuhe
Ausfräsen der Holzschuhe (beim Traktoren und Oldtimertreffen am 9. September 2012)
Living History Projekt am Kiekeberg: Die Darsteller der Gelebten Geschichte im Gespräch mit Besuchern

Das ganze Jahr über finden auf dem Museumsgelände Veranstaltungen wie ein historischer Jahrmarkt, ein Handwerkertag, zwei Pflanzenmärkte, ein Dampf- und Traktorentreffen, ein Oldtimertreffen sowie mehrere Konzerte statt. Eine besondere Attraktion des Freilichtmuseums am Kiekeberg ist das Living History Programm „Gelebte Geschichte 1804“. An einer Reihe von Wochenenden werden einige der historischen Gebäude von geschulten Darstellern in historischer Kleidung belebt, die einen Eindruck davon vermitteln, wie die Bauern in der Lüneburger Heide um 1804 lebten.

Regelmäßige Veranstaltungen sind: Das Schlachtfest im Januar, Feuer und Licht im Februar, der Kunsthandwerkermarkt und der im März, das Frühjahrsferienprogramm, das Ostervergnügen, der Pflanzenmarkt im April und August, der Käse- und Genussmarkt im Mai, der Sommerspaß, der Imkertag im August, das Dampf- und Traktorentreffen im September, der Pferdetag und der Historische Jahrmarkt im Oktober, das Herbstferienprogramm, der Weihnachtsmarkt der Kunsthandwerker sowie das Plattdüütsche Weihnachtskonzert.

Im Sommer findet der Tag der norddeutschen Braukultur im Freilichtmuseum am Kiekeberg statt, bei dem sich mehr als 20 handwerklich brauende Betriebe aus Norddeutschland präsentieren.[1]


Über das Jahr verteilt finden Familienkonzerte für Klein und Groß statt. Darüber hinaus kreiert das Freilichtmuseum jedes Jahr neue Veranstaltungen für seine Besucher.

Förderverein[Bearbeiten]

Der Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg e.V. wurde 1989 gegründet. Er beteiligt sich aktiv an der Arbeit im Freilichtmuseum und finanziert den Bau des Wohnheimes Wennerstorf, unterstützt den Museumsbauernhof Wennerstorf, den Museumsladen im Freilichtmuseum am Kiekeberg sowie die Museumsbrennerei. Außerdem vermarktet er das Softwaresystem „FirstRumos“ für datenintensive Arbeitsbereiche eines Museums[2]. Der Verein hat etwa 9000 Mitglieder (2013).

Forschung und Publikation[Bearbeiten]

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg ist eine wichtige Forschungseinrichtung für die Kultur und Geschichte der Winsener Elbmarsch und der Lüneburger Heide. Hier arbeiten hauptamtliche Wissenschaftler, die eng mit externen Forschern und Universitäten kooperieren. Ihre Forschungsergebnisse werden durch eine eigene Schriftenreihe des Freilichtmuseums am Kiekeberg, durch Fachtagungen und durch zahlreiche Aufsätze veröffentlicht. Die Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Bauen und Wohnen, Landwirtschaft und Landtechnik, Handwerk, Gewerbe und Industrie, Ernährung und Genussmittel sowie Spielen und Spielzeug.

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg verfügt über eine wissenschaftliche Bibliothek, die nach vorheriger Anmeldung geöffnet ist. Zum Bibliotheksbestand gehören Publikationen der Fachgebiete Volkskunde, historische Landeskunde (Landkreis Harburg/Lüneburger Heide), Landwirtschaft, Haus- und Bauforschung und Umweltschutz und Handwerk. Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Themenbereich Museums- und Kulturmanagement. Bücher der Bibliothek dürfen nach Absprache eingesehen und teilweise entliehen werden.

Der Arbeitskreis Museumsmanagement ist dem Museum angeschlossen und setzt sich aus Vertretern diverser Museen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen zusammen. Alle zwei Jahre organisiert er eine Tagung zu aktuellen Themen aus dem Bereich Museumsmanagement. Außerdem werden regelmäßig fachbezogene Publikationen veröffentlicht.

Außenstellen[Bearbeiten]

Museumsbauernhof Wennerstorf, links das ehemalige Bauernhaus

Zu den Außenstellen des Freilichtmuseums gehören:

Partner des Museums ist die Ziegelei Rusch in Drochtersen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Giesela Wiese / Rolf Wiese (Hrsg.): Ein Museum kommt in die Jahre. Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Freilichtmuseum am Kiekeberg, Ehestorf 2003, ISBN 3-935096-11-9, DNB 969954387.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.kiekeberg-museum.de/nc/aktuelles/aktuell/browse/4/article/1/bier-aus-dem-norden.html
  2. Informationen über FirstRumos (Softwarelösung für Museen)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Freilichtmuseum am Kiekeberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien