Unternehmensgruppe Freudenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Freudenberg Stiftung)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Unternehmensgruppe Freudenberg
Logo Freudenberg.svg
Rechtsform Kommanditgesellschaft/ Familienunternehmen
Gründung 1849
Sitz Weinheim, Deutschland
Leitung
Mitarbeiter 34.200 (2010)[1]
Umsatz 5,481 Mrd. Euro (2010)[1]
Branche Konglomerat
Produkte Dichtungen, schwingungstechnische Komponenten, Filter, Vliesstoffe, Produkte zur Oberflächenbehandlung, Trennmittel und Spezialschmierstoffe, medizintechnische sowie mechatronische Produkte, Softwarelösungen und IT-Dienstleistungen, Haushaltsprodukte
Website www.freudenberg.de
Stand: 31. Dezember 2010 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2010

Die Unternehmensgruppe Freudenberg ist ein Zulieferer verschiedener Branchen, wie der Automobil-, der Maschinenbau-, Textil-, Bau- und Telekommunikationsindustrie. Der Hauptsitz der Unternehmensgruppe befindet sich in Weinheim, wo sie unter der Leitung Carl Freudenbergs aus der Handelsgesellschaft und Gerberei Heintze und Sammet hervorging, dessen 20 %-iger Teilhaber Carl Johann Freudenberg bereits seit 1844 war.

Allgemein bekannte Produkte sind die Vileda-Reinigungsartikel. Häufig trifft man Freudenberg-Produkte eher unbewusst an, z. B. in Verkehrsmitteln oder Radialwellendichtungen in Pkw-Motoren. Die Unternehmen der Gruppe beschäftigen heute mehr als 34.000 Mitarbeiter in 59 Ländern.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Carl Johann Freudenberg und sein Partner Heinrich C. Heintze übernahmen 1849 eine Gerberei im Müllheimer Tal vor Weinheim. Das Unternehmen wuchs auf Grund des Exports von neumodischen Produkten wie Lack- und Satinleder in alle Welt. Der Sohn des Unternehmensgründers, Hermann Ernst Freudenberg entwickelte zwischen 1900 und 1904 als erster in Europa ein Verfahren zur Gerbung mit Chrombrühe statt mit vegetabilen Stoffen. So verkürzte sich die Produktionszeit um Monate und Freudenberg wurde eine der größten Gerbereien in Europa.

Das Unternehmen wurde durch den Ersten Weltkrieg, die Inflation und die Weltwirtschaftskrise 1929 hart getroffen, denn bis zu diesem Zeitpunkt wurde etwa 60 bis 70 Prozent des fertigen Leders exportiert, was nun nicht mehr möglich war. Aus diesem Grund entwickelten die Enkel des Firmengründers, Hans Freudenberg als Ingenieur, Richard Freudenberg als Verantwortlicher für Personal und Finanzen, Otto Freudenberg als Zuständiger für den Verkauf und Walter Freudenberg für den Einkauf, eine neue Strategie. Zunächst begann man Lederreste zu verwerten und in Folge dessen Ersatzstoffe zu entwickeln. Daraus gingen ab 1929 Dichtungen aus Leder und von 1936 an Radialwellendichtringe mit einer Dichtlippe aus Kunstkautschuk Perbunan hervor, die unter dem Namen Simmerringe ein Begriff wurden.

Die Chemiker und Ingenieure bei Freudenberg entwickelten aus dem Kunstkautschuk Buna S und Buna N Dichtungen und Fußbodenbeläge. Aber auch Vliesstoffe, die als Trägermaterial für das später gefertigte Kunstleder entwickelt wurden, erlangten bald eine eigenständige Nutzung als Ersatz und Erweiterung gewebter Stoffe. Durch die vielseitige Einsetzbarkeit der Vliesstoffe wurden sie bald sehr bekannt.

Es gibt seit 1948 Einlagestoffe aus Vliesstoffen unter dem Namen Vlieseline und Haushaltsprodukte der Marke Vileda. Seit 1957 gibt es ein immer weiter entwickeltes Programm von Filtern für Industrie und Konsum mit der Marke Viledon. Dichtungen und Formteile werden schon seit 1934 für die Kunden maßgerecht konstruiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man während des Wiederaufbaus von neuem im Ausland investieren. Bereits vor dem Krieg gab es schon Produktionsstandorte in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Großbritannien. Ab 1951 wurden Vliesstoffe in den USA zusammen mit einem amerikanischen Partner produziert. Von 1955 an gab es eine Fabrik für Formteile und ab 1968 beteiligte man sich an einem Dichtungshersteller.

Zudem wurde parallel weiter in Europa investiert. Es wurden Beteiligungen und eigene Werke in Großbritannien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Italien und anderen europäischen Ländern aufgebaut. 1960 kamen dann Investitionen in Japan hinzu. Von 1970 bis 1989 baute Freudenberg ein weltweites Netz von Produktions- und Vertriebsstandorten auf, zu dem Nord-, Mittel- und Südamerika, Australien, Südafrika und Ostasien gehören.

Währenddessen wurde auch die Produktpalette erweitert. Von 1962 bis 1965 wurde die Technik zur Herstellung von Spinnvliesstoffen entwickelt, die heute in der Medizin, der Landwirtschaft und der verarbeitenden Industrie verwendet werden. Der Schmierstoffhersteller Klüber Lubrication wurde 1966 erworben und man wagte ab 1982 mit den japanischen Partnern zusammen den Einstieg in die Produktion von flexiblen Leiterplatten.

2003 kaufte Freudenberg den Gleitringdichtungs-Hersteller Burgmann Industries aus Wolfratshausen auf. Mit der ebenfalls zu Freudenberg gehörenden Firma Eagle aus Japan bildet Burgmann die Allianz EagleBurgmann Industries.

2007 verkaufte Freudenberg den Bereich Bausysteme und Schuhkomponenten an ein Konsortium. Das Unternehmen firmiert seitdem unter nora systems GmbH.

2008 verkaufte Freudenberg die Freudenberg Produktionsservice KG und die Freudenberg Gebäudeservice KG an die Johnson Controls Global WorkPlace Solutions. Dieses Unternehmen firmiert seit dem 1. April 2009 unter Johnson Controls Industrial Services.

Im Jahr 2010 hat Freudenberg Chemical Specialities das Oberflächentechnik-Unternehmen SurTec International GmbH mit Hauptsitz in Zwingenberg übernommen. SurTec bietet Produkte und Lösungen für Oberflächenbehandlung und Galvanotechnik, beispielsweise für das Reinigen, Entlacken, Färben, Beschichten und Galvanisieren von Oberflächen aus Metall und Kunststoff.

Des Weiteren wurde im Jahr 2010 das Joint-Venture Unternehmen Freudenberg Schwab GmbH, welches 1999 in Kooperation mit der Schweizer Schwab AG gegründet wurde und zu 50% der Freudenberg Gruppe angehörte, vollständig aufgekauft und zum Teilkonzern vergrößert. Freudenberg Schwab stellt schwingungstechnische Lösungen für Schienenfahrzeuge, Industrie sowie Land- und Baumaschinen her.

[Bearbeiten] Unternehmensstruktur

Freudenberg ist ein Familienunternehmen. Die Führungsgesellschaft Freudenberg & Co. gehört 300 Nachkommen des Unternehmensgründers Carl Johann Freudenberg. Sie ist eine der größten Kommanditgesellschaften Deutschlands. Die Gesellschafter haben einen Gesellschaftsvertrag abgeschlossen, der im Juli 2001 für 30 Jahre verlängert wurde. Die Organisation des Unternehmens ist an die einer Aktiengesellschaft angelehnt.

Vorsitzender des Gesellschafterausschusses ist Wolfram Freudenberg, sein Stellvertreter Michael Rogowski. Die Unternehmensleitung besteht aus: Peter Bettermann, Ralf Krieger, Christoph Mosmann, Mohsen Sohi und Martin Stark.

Die Geschäftsleitungen der verschiedenen Geschäftsfelder berichten an die Unternehmensleitung. Unterhalb der Geschäftsleitungen sind die verschiedenen Unternehmen der Freudenberg Gruppe angesiedelt. Diese Unternehmen haben entweder die Geschäftsform GmbH oder KG. Zu den 100% Freudenberg-Unternehmen gesellen sich zahlreiche Mehr- und Minderheitsbeteiligungen mit verschiedenen Partnern.

[Bearbeiten] Geschäftsfelder

Dichtungs- und Schwingungstechnik Vliesstoffe Haushaltsprodukte Spezialitäten und Sonstige
Freudenberg Sealing Technologies Freudenberg Vliesstoffe Freudenberg Haushaltsprodukte Freudenberg Chemical Specialities
NOK-Freudenberg Group China Freudenberg Politex Vliesstoffe    
Vibracoustic Freudenberg Filtration Technologies   Freudenberg NOK Mechatronics
EagleBurgmann     Freudenberg IT
Dichtomatik     Freudenberg New Technologies
Freudenberg Oil & Gas     Freudenberg Service
Helix Medical     Freudenberg Immobilien Management
Freudenberg Schwab Vibration Control      

[Bearbeiten] Kennzahlen

Jahr 2002 2003 2004 2005 2006 2007[2] 2008 2009 2010[1]
Umsatz
in Mio
3918 3868 4418 4837 5053 5341 5050 4201 5481
Mitarbeiter 27.693 28.479 32.004 33.385 33.526 34.330 32.738 32.134 34.200

Zum 31. Dezember 2010 beschäftigte die Unternehmensgruppe Freudenberg 34.200 Mitarbeiter (= 2584 mehr als im Vorjahr).

In der Region Nordamerika stieg die Mitarbeiterzahl auf 6404 (Vorjahr: 5678), in der Europäischen Union (ohne Deutschland) auf 8537 (Vorjahr 8123), in der Region übriges Europa auf 639 (Vorjahr 567) und in Deutschland auf 10.804 (Vorjahr 10642 = plus 1,5 Prozent).[3]

[Bearbeiten] Gesellschaftliches Engagement

Freudenberg gewährte seinen Mitarbeiter bereits frühzeitig freiwillige Sozialleistungen. Bereits vor der gesetzlichen Einführung 1884 bestand eine Krankenkasse. Später wurden bedeutende Leistungen gewährt: ein Unterstützungsfonds für notleidende Mitarbeiterfamilien, Firmenrenten für Arbeitsinvaliden, Witwen- und Waisenfonds.

Die Familie Freudenberg gründete weiterhin am Ende des 19. Jahrhunderts in Schönau eine Krankenpflegestation, Kindergarten, sowie ein Wannenbad. Später genießt die Stadt Weinheim das Mäzenatentum der Familie. Es entstanden ein Hallenbad sowie ein Wohnbaufonds. Zum 150. Firmenjubiläum 1999 wurde auf Jubiläumsgaben für die Belegschaft verzichtet und stattdessen die Weinheimer Stadthalle mit Freudenberg-Mitteln renoviert.

1999 wurde das Jugend-Programm TANNER gestartet, mit dem Kinder und Enkel von Mitarbeitern weltweit an die Standorte von Freudenberg reisen können und bei Familien von Mitarbeitern zu Gast sind.

[Bearbeiten] Karl-Freudenberg-Preis

1986, zum 100. Geburtstag des Heidelberger Chemikers Karl Johann Freudenberg, stiftete das Unternehmen den Karl-Freudenberg-Preis zur Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses in Baden-Württemberg. Die Bildung der Jury und die Preisverleihung wurden der Heidelberger Akademie der Wissenschaften übertragen.

[Bearbeiten] Carl-Freudenberg-Preis

Der Carl-Freudenberg-Preis dient der Förderung des Hochschullehrernachwuchses an der Universität Karlsruhe (TH). Er ist mit 5000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre für die beste wissenschaftliche Arbeit mit naturwissenschaftlich-technischer Thematik unter dem Gesichtspunkt “wissenschaftliche Exzellenz und potenzielle industrielle Nutzbarkeit“ vergeben. Der Preis wird seit 1951 vergeben. Die Unternehmensgruppe Freudenberg hat ihn anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens im Jahr 1949 gestiftet. Er ist nach Friedrich Carl Freudenberg (1848-1942) benannt, der an der Polytechnischen Hochschule, der späteren Universität Karlsruhe und dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie, studierte.

[Bearbeiten] Freudenberg Stiftung

Logo der Freudenberg Stiftung

1984 wurde die Freudenberg Stiftung als gemeinnützige GmbH gegründet. Die Stiftung ist einerseits Gesellschafterin (Kommanditist) des Unternehmens, andererseits eine Fördereinrichtung für zivilgesellschaftliche Aufgaben. Mit ca. 1,75 Mio. Euro jährlich kann die Stiftung für Projekte vorwiegend für Kinder und Jugendliche in Deutschland und im Ausland einsetzen. Dies geschieht v. a. in folgenden Bereichen:

  • Integration von Zuwandererfamilien und kulturellen Minderheiten
  • Förderung demokratischer Kultur
  • Förderung von Jugendlichen mit sozialer Benachteiligung
  • Reintegration von psychisch Kranken in das Arbeits- und Berufsleben

Seit 2007 unterstützt die Freudenberg-Stiftung den Sächsischen Förderpreis für Demokratie.

Mitglieder der Gesellschafterversammlung der Freudenberg Stiftung gGmbH sind Peter Bettermann (Vorsitzender), Hans-Otto Bräutigam, Peter Frankenberg, Dr. Wolfram Freudenberg sowie Jutta Limbach. Im Kuratorium sind u. a. Reinhart Freudenberg, Yasemin Karakaşoğlu, Bischof Wolfgang Huber und Gabriele Müller-Trimbusch vertreten.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c Konzernbilanz der Freudenberg & Co. Kommanditgesellschaft zum 31. Dezember 2010 im elektronischen Bundesanzeiger, abgerufen am 17. Januar 2012
  2. Konzernbilanz der Freudenberg & Co. Kommanditgesellschaft zum 31. Dezember 2007 im elektronischen Bundesanzeiger
  3. Pressemitteilung vom 6. April 2011. [1]
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen