Friedrich Julius Richelot

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Friedrich Julius Richelot (* 6. November 1808 in Königsberg i. Pr.; † 31. März 1875 ebenda) war ein deutscher Mathematiker und Hochschullehrer in Königsberg.

Leben[Bearbeiten]

Richelot besuchte das Altstädtische Gymnasium in Königsberg. Bei einer Prüfung bescheinigte man dem 13-jährigen Schüler gute Kenntnisse in den alten Sprachen, bemängelte aber sein geringes Wissen in Geographie und erklärte seine mathematischen Kenntnisse für mittelmäßig.[1] Dessen ungeachtet studierte er ab Herbst 1825 Mathematik und Astronomie, die Paradefächer der Albertus-Universität Königsberg, und wurde er Mitglied des Corps Masovia.[2]

Als Schüler von Carl Gustav Jacob Jacobi promovierte er 1831 zum Dr. phil.. Die Dissertation befasste sich mit der Teilung des Kreises in 257 gleiche Teile (s. u.). Mit 24 Jahren, im September 1832, wurde er a.o. Professor. Nachdem er einen Ruf an die Ruprecht-Karls-Universität abgelehnt hatte, wurde er 1843 auf den Königsberger Lehrstuhl für Mathematik berufen. Er übernahm in dem Jahr von Carl Gustav Jacobi die Mathematische Abteilung des Franz Neumann-Seminars und verhalf dem Seminar mit dem Physiker Franz Ernst Neumann zur Talentschmiede (Gustav Robert Kirchhoff, Arnold Sommerfeld, David Hilbert). 1848 wählten ihn die Studenten zum Vorsteher der aus verschiedenen Studentengruppen zusammengesetzten Studentenwehr von etwa 300 Mann.[1][3] 1858/59 war er Prorektor der Albertina. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften wählte ihn 1854 zum korrespondierenden Mitglied, 1859 wurde er auswärtiges Mitglied.[4]

Richelot verfasste zahlreiche Veröffentlichungen auf Deutsch, Französisch und Lateinisch, darunter – mit seiner Dissertation – eine der ersten bekannten Anleitungen zur Konstruktion des regelmäßigen 257-Ecks mit Zirkel und Lineal (1822 veröffentlichte Magnus Georg Paucker ebenfalls dazu). Sie werden in Göttingen verwahrt.

1875 als amtierender Ordinarius einem Herzleiden erlegen, wurde er auf dem Gelehrtenfriedhof (Königsberg) begraben. „Treue Freunde und dankbare Schüler“ errichteten Richelots Grabstein aus dunklem Marmor mit einem bronzenen Rundrelief.[1] Der Friedhof im heutigen Kaliningrad wurde 1945 zerstört. [5]

Verheiratet war er mit Pauline geb. Bredschneider. Die Tochter Clara heiratete 1857 den Königsberger Physiker Gustav Robert Kirchhoff. Sie starb 1869 mit 35 Jahren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Julius Richelot: De resolutione algebraica aequationis x257 = 1, sive de divisione circuli per bisectionem anguli septies repetitam in partes 257 inter se aequales commentatio coronata. In: Journal für die reine und angewandte Mathematik. Nr. 9, 1832, S. 1–26, 146–161, 209–230 und 337–358. (Faksimile dieses Artikels siehe Weblinks.)
  • Moritz CantorRichelot, Friedrich Julius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 432 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Hans Lippold: Richelot. Corpszeitung der Altmärker-Masuren 55, Kiel 1974, S. 1209 f.
  2. Kösener Korps-Listen 1910, 141, 8
  3. Hans Lippold: „Verständig und von bestem Geist durchdrungen“. Die Königsberger Studenten im unruhigen Jahr 1848. Ostpreußenblatt, 22. Juni 1968
  4. Rückschau – verstorbene Mitglieder (R), BAdW
  5. Neumann-Redlin von Meding, E.: Die Gelehrten auf dem "Alten Neuroßgärter Friedhof", dem Gelehrtenfriedhof Königsberg. Königsberger Bürgerbrief 2012; 80: 54–56.