Friedrich Karl Johannes Thiele
Friedrich Karl Johannes Thiele (* 13. Mai 1865 in Ratibor; † 17. April 1918 in Straßburg) war ein deutscher Chemiker.
Inhaltsverzeichnis |
Leben [Bearbeiten]
Er begann an der Universität Halle ein allseitig naturwissenschaftliches Studium und wurde im weiteren Verlauf von seinem Förderer Jacob Volhard für die „reine Chemie“ begeistert. 1890 promovierte er bei Volhard mit einer analytischen Arbeit „Zur Scheidung und Bestimmung des Antimons“[1]
1892 habilitierte er sich bei Volhard mit einer Arbeit „Ueber Nitro- und Amidoguanidin“[2]
1893 nimmt er den Ruf von Adolf von Baeyer auf das Extraordinat für Organische Chemie an der LMU München an. Diese Position war bis dahin nur kurz von Eugen Bamberger besetzt, der dann an die ETH Zürich berufen wurde. Der spätere Nobelpreisträger Eduard Buchner hatte auf dieses Extraordinat in München gehofft.
1902 übernahm Thiele den Lehrstuhl für Chemie in Straßburg. Am 17. April 1918 verstarb er völlig unerwartet an einer "Herzerkrankung".
1918 wurde die deutsche Universität nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wieder französisch. 1872 deutsche Mitarbeiter und Professoren mussten die Kaiser-Wilhelm-Universität verlassen, der Pharmakologe Oskar Schmiedeberg blieb als letzter bis Jahresende. 0,2 Mio Deutsche waren im Elsaß von dieser Umsiedelung betroffen.[3]
Dies war der Grund, warum Heinrich Wieland das Angebot vom 18. Juli 1918 auf die Nachfolge für J. Thiele weder abgelehnt noch angenommen hatte.[4] Am 10. August war Mülhausen noch umkämpft und am 22. November marschierte die Französische Armee in Straßburg ein.
Thiele forschte an organischen Stickstoffverbindungen und erdachte die Theorie der Partialvalenzen (Thielesche Theorie, 1899). Er arbeitete an der Synthese von Azomethan (1909), Nitroharnstoff, Nitramid, Semicarbazid und Fulvenen. Thiele gehörte 1911 zu den ersten, die für Diazomethan - abweichend von der damals vorherrschenden Meinung einer Ringstruktur - eine lineare Struktur postulierten. Diese Struktur konnte erst 1963 endgültig bewiesen werden.
Die allgemein bekannte Apparatur zur Schmelzpunkt-Bestimmung nach Thiele wird noch heute benutzt.
Schriften [Bearbeiten]
- Reine und technische Chemie, Rede zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers am 27. Januar 1904 in der Aula der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg
- Über die räumliche Deutung der Partialvalenzen in: Justus Liebigs Annalen der Chemie, Bände 311-312, S. 241ff (1900)
- Über den Verlauf chemischer Reaktionen Rede gehalten am Stiftungsfest der Kaiser Wilhelms-Universität am 30. April 1910 von dem derzeitigen Rektor, Dr. Johannes Thiele," (1911)
Literatur [Bearbeiten]
- W. R. Pötsch, A. Fischer, W. Müller, H. Cassebaum: Lexikon bedeutender Chemiker, 1. Aufl., S. 420, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Leipzig, 1988.
- Zeitschrift für angewandte Chemie, Bd. 31, Teil 1, S. 117 (1918)
- Wilhelm Prandtl: Die Geschichte des chemischen Laboratoriums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München, S. 87 (1952)
- Holm-Dietmar Schwarz: Schwabe, Willmar. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 778 f. (Digitalisat).
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Friedrich Karl Johannes Thiele im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Nachruf http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/cber.191805101107/abstract
- Chemistry Tree: Johannes Thiele Details und Family Tree
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ J. Thiele in Liebigs Annalen 263, 361 (1891)
- ↑ J. Thiele in Liebigs Annalen 270, 1 (1892)
- ↑ Situation 1918 in Straßburg, siehe unten im Text unter „1918“
- ↑ B. Witkop, Principiis obsta: Erinnerungen an Heinrich Wieland., Chemie in unserer Zeit 1977, S. 143-149, VCH Weinheim (PDF; 4,7 MB)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Thiele, Friedrich Karl Johannes |
| ALTERNATIVNAMEN | Thiele, Johannes |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Chemiker |
| GEBURTSDATUM | 13. Mai 1865 |
| GEBURTSORT | Ratibor |
| STERBEDATUM | 17. April 1918 |
| STERBEORT | Straßburg |