Fritz von Friedlaender-Fuld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Fritz von Friedländer-Fuld)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Friedrich (Fritz) Friedlaender, ab 1906 von Friedlaender-Fuld (* 30. August 1858 in Gleiwitz, Oberschlesien; † 16. Juli 1917 auf Gut Lanke, Mark Brandenburg) war ein deutscher Großindustrieller jüdischer Abstammung.

Familie[Bearbeiten]

Er war der Sohn des jüdischen Kaufmanns Emanuel Friedlaender, Inhaber der gleichnamigen Kohlengroßhandlung in Gleiwitz, selbst aber zum Protestantismus konvertiert.

Friedlaender war verheiratet mit Milly Fuld. Der beiden Tochter Marie-Anna (1892–1973), eine Briefpartnerin des Dichters Rainer Maria Rilke (1875–1926), war in erster Ehe mit dem englischen Adligen John Mitford (aus dem Haus der Barone Redesdale) verheiratet, heiratete in zweiter Ehe den Diplomaten und letzten Außenminister des deutschen Kaiserreichs Richard von Kühlmann (1873–1948) und schließlich in dritter Ehe Rudolph von Goldschmidt-Rothschild (1881–1962), den zweiten Sohn des Frankfurter Bankiers Maximilian Freiherr von Goldschmidt-Rothschild (1843–1940).

Friedlaender wurde am 27. Februar 1906 mit Diplom vom 7. Februar 1910 als königlich preußischer Geheimer Kommerzienrat und Fideikommissherr auf Gut Groß-Gorschütz im oberschlesischen Landkreis Ratibor in den preußischen Adelsstand erhoben mit Namensführung „von Friedlaender-Fuld“ (nach seiner Ehefrau).[1]

Leben[Bearbeiten]

Friedlaender war ein oberschlesischer Kohlenmagnat und gilt als Begründer der oberschlesischen Koksindustrie in Hindenburg. Auf dem Gelände der Königin-Luise-Grube entstanden 1884 an den Schächten „Poremba“ und „Skalley“ die ersten modernen Kokerei, die neben Koks auch Ammoniak und Benzol produzierten. Zusätzlich baute er mehrere Kohlengruben im Rybniker Steinkohlenrevier sowie Anlagen der chemischen Industrie in Oberschlesien. Mit Partnern gründete er später die Oberschlesische Kokswerke und Chemische Fabriken, die er an die Börse brachte. Ab 1894 verlegte er seine wirtschaftlichen Aktivitäten in die Niederlausitz, wo er sein Kapital in die Braunkohlenförderung investierte. Für ca. 900.00 Mk erwarb er in Poley die Braunkohlengrube "Bismarck" mit Nebenanlagen (Brikettfabrik, Ziegelei, usw.). 1897 investierte Friedländer in den Aufschluss der Grube "Milly" in Bockwitz, wo 1898 auch der Bau einer Brikettfabrik erfolgte. Beide Betriebe wurden zur Grundlage der von ihm im Jahre 1900 gegründeten Braunkohlen- und Brikettindustrie AG, kurz BUBIAG, mit Sitz in Berlin.

Mit seinem Vermögen von geschätzten 46 Millionen Goldmark galt er als einer der reichsten Menschen im deutschen Kaiserreich. Er war Mitglied zahlreicher Aufsichtsräte, unter anderen der Deutschen Bank (um 1912–1915), war Mitglied im „Zentralausschuss Reichsbank“ und niederländischer Generalkonsul. Außerdem war er in den Jahren 1916 bis 1917 eines der ersten Mitglieder jüdischer Abstammung im Preußischen Herrenhaus. 1891 trat er der Berliner Gesellschaft der Freunde bei. Seine wirtschaftspolitischen Erfolge fanden auch in der Verleihung des Titels 'Geheimer Kommerzienrat' ihre Würdigung.

In Berlin bewohnte Friedlaender am Pariser Platz 5a das 1895/96 vom Architekten Ernst von Ihne (1848–1917) gebaute „Friedlaender-Palais“.[2] Auch Haus und Grundstück Pariser Platz Nr. 6 gehörte ihm, das später seine Tochter Marie-Anna erbte. Zuvor hatte Friedlaender 1894 das Gut und Schloss Lanke von den Erben des Großgrundbesitzers Friedrich Wilhelm Graf von Redern (1802–1883) gepachtet, Generalintendant der „Königlichen Bühnen von Berlin“. Als das Gut Lanke mit dem größten Teil der gräflichen Redern’schen Besitzungen im Jahr 1914 an die Stadt Berlin verkauft wurde, blieb Friedlaender weiterhin Pächter dieses Gutes. Er verzichtete auf sein Vorkaufsrecht, ließ sich aber vom Magistrat der Stadt Berlin das Wohnrecht und das Pachtverhältnis auf 25 Jahre garantieren.

Die Urne mit der Asche von Friedrich (Fritz) von Friedlaender-Fuld wurde 1917 auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche in Berlin-Kreuzberg (heute Friedhöfe vor dem Halleschen Tor) in einem repräsentativen, 1910–1911 von William Müller entworfenen Mausoleum beigesetzt. Die Urne wurde 1947/48 von der Familie ins Ausland überführt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band III, Band 61 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1975, ISSN 0435-2408
  2. Friedlaender-Palais mit Foto

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Friedlaender: Fritz von Friedlaender-Fuld und die deutsche Wirtschaft, Verlag Ascher, Berlin 1918
  • 'o ewich is so lanck'- Die Historischen Friedhöfe in Berlin-Kreuzberg. Ein Werkstattbericht, hrsg. von Christoph Fischer und Renate Schein, Ausstellungsbegleitbuch des Landesarchivs Berlin 1987
  • Acta Borussica, Band 10 (1909–1918) (PDF-Datei; 2,74 MB)

Weblinks[Bearbeiten]