GAU-8/A Avenger

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GAU-8/A Avenger
Die Kanone, als Größenvergleich ein VW Käfer

Die General Electric GAU-8/A Avenger (Avenger, englisch für „Rächer“) ist eine siebenläufige Gatling-Kanone im Kaliber 30 mm, die im Erdkampfflugzeug Fairchild-Republic A-10 „Thunderbolt II“ der US-Luftstreitkräfte zum Einsatz kommt.

Die GAU-8/A wurde nur zum Zweck der Bekämpfung von Panzern aus der Luft entwickelt und verschießt sehr durchschlagsstarke Geschosse mit einer theoretischen Kadenz von 4200 Schuss pro Minute.
Abgesehen von den speziellen Artilleriewaffen der Schlachtflugzeuge vom Typ AC-130 Gunship ist die GAU-8/A die größte, schwerste und feuerstärkste strikt zweckgebunden gebaute Bordkanone aller Flugzeuge weltweit.

Geschichte[Bearbeiten]

GAU-8/A Avenger eingebaut in der A 10

Die Entwicklung der GAU-8/A war ein paralleles Programm zur „A-X“- Ausschreibung, welche die Entwicklung und den Bau eines Erdkampfflugzeuges zum Ziel hatte. Die beim „A-X“- Programm konkurrierenden Flugzeugmuster A-10 und Northrop YA-9 sollten in erster Linie als Träger der GAU-8/A ausgelegt sein und wurden buchstäblich um die Waffe herum konstruiert.

Da die GAU-8/A in der Fly-off-phase (Entscheidungsphase welche Flugzeugtype – YA 9 oder YA 10 – genommen werden sollte) des „A-X“-Programms noch nicht zu Verfügung stand, wurde vorübergehend die M61 Vulcan als Ersatz verwendet.

Bei der A-10, die schließlich in Serie ging, nimmt die GAU-8/A die Hälfte der Rumpflänge ein und macht knapp ein Fünftel des Leergewichts des Flugzeuges aus. Die Waffe ist mittig installiert, was ein seitliches Versetzen des Bugrades nötig machte.

Shoot off: Martin Marietta - Philco Ford und Oerlikon[Bearbeiten]

Die Anforderungen an die Waffe wurden während der späten 1960er Jahre erarbeitet und 1970 bekanntgegeben. Martin Marietta Division of GE (Martin Marietta war damals im Besitz von General Electric) und Philco-Ford bauten nach diesen Vorgaben des Verteidigungsministeriums jeweils 3 Prototypen für ein Shoot-off (zwei für das Schießen, eine als back-up bzw. für Ersatzteile). Die Schuss-Tests wurden vom 3. Januar bis 6. April 1973 abgehalten.

Von den 100.000 Schuss Test- Munition die jeder Hersteller zur Verfügung stellen musste, feuerten die Prototypen von Martin Marietta über 70.000 Schuss, während die Philco-Ford Prototypen weniger als 16.000 Schuss feuerten. Der Grund für diesen erhebliche Unterschied waren Ladehemmungen.
Die Martin-Marietta-Prototypen feuerten durchschnittlich 8.800 Schuss von einer zur nächsten Ladehemmung, während die Philco-Ford schon nach durchschnittlich 728 Schuss eine Ladehemmung hatten.

Damit hatte Martin Marietta jedoch noch nicht gewonnen, da auch noch die GAU-9/A (Oerlikon 304RK) ein Shoot-off mit dem Gewinner der ersten Tests absolvieren sollte. Die Ergebnisse am 5. Juni 1973 waren ähnlich.
Die Martin Marietta-Prototypen erreichten Ihre 8.800 Schuss, während die Oerlikon ähnlich wie die Philco-Ford abschnitt, und nach nur durchschnittlich 846 Schuss jeweils eine Ladehemmung hatte.

Die A-10 und damit die GAU-8/A wurden 1977 in Dienst gestellt. Die Kanone wird heute nicht mehr hergestellt; für den Service der Waffe ist heute noch immer Martin Marietta zuständig, wobei Martin Marietta nun nicht mehr Teil von GE ist.

Daten und Funktion[Bearbeiten]

Mündungsrohre einer GAU 8/A Avenger eingebaut in einer A 10
Urankern eines Geschosses PGU-14/B, Länge ca. 10 cm, angelegt an die Zollskala eines Lineals

Die GAU-8/A allein wiegt 281 kg und hat eine Länge von 285 cm. Das gesamte System aus Waffe, Munitionszuführungssystem und Munitionstrommel ist 5,06 m lang und wiegt voll geladen 1830 kg. Die Munitionstrommel hat einen Durchmesser von 87,6 cm, eine Länge von 181,6 cm und eine Maximalkapazität von 1350 Patronen, wird aber normalerweise mit nur 1174 Patronen aufmunitioniert.

Die Mündungsgeschwindigkeit der 430 g schweren Geschosse des Typs PGU-14/B API (API: armor-piercing incendiary – panzerbrechendes Brandgeschoss) beträgt 990 m/s, die Mündungsgeschwindigkeit der 360 g schweren Geschosse PGU-13/B HEI (HEI: high explosive incendiary – hochexplosives Brandgeschoss) beträgt 1036 m/s.
Die Streuung liegt nach Herstellerangaben bei 5 Milliradiant für 80 % der abgefeuerten Geschosse, was bedeutet, dass auf 1000 Meter Entfernung 80 % der Geschosse in einem Kreis von 5 Metern Durchmesser einschlagen.
Bei Standardbestückung enthält die Munitionstrommel eine Mischung aus PGU-13/B HEI und PGU-14/B API. Auf je vier PGU-14/B folgt dabei ein PGU-13/B. Das Geschoss PGU-14/B enthält einen Kern aus abgereichertem Uran zur Erhöhung der Durchschlagswirkung. Die Waffe ist sehr wirkungsvoll gegen jede Form gepanzerter Fahrzeuge.

Die Hülsen der verwendeten Munition bestehen statt aus Stahl oder Messing aus einer Aluminiumlegierung. Durch diese Neuerung kann aufgrund des dadurch eingesparten Gewichts ein um 30 % größerer Munitionsvorrat mitgeführt werden. Die Geschosse besitzen Führungsbänder aus Kunststoff, um die Lebensdauer der Läufe zu erhöhen. Die Länge der Patronen beträgt 290 mm, das Gewicht 694 g, je nach Geschosstyp auch etwas mehr.

Die maximale Kadenz der Waffe beträgt theoretisch 4200 Schuss pro Minute. Beachtenswert ist die sehr hohe Rückstoßkraft der Waffe (44,5 kN), welche über der Schubkraft eines einzelnen A-10-Triebwerks (40,32 kN) liegt. Vor allem deshalb wurden die Feuerstöße auf maximal 2 Sekunden Dauer beschränkt (mechanische Abriegelung), um eben die Abbremsung des Flugzeuges in Grenzen zu halten, und ein somit eventuell mögliches Überziehen zu verhindern. Diese 2-Sekunden-Beschränkung dient auch dazu um eine Überhitzung der Läufe zu vermeiden und den Munitionsverbrauch niedrig zu halten.
Diese Maßnahme soll auch die Lebensdauer der Läufe erhöhen, da die USAF eine minimale Lebensdauer von 21.000 Schuss pro Laufbündel vorgibt.

Jeder Lauf des Laufbündels ist relativ einfach als nichtautomatische Waffe mit je einem eigenen Verschluss aufgebaut. Alle Nachladefunktionen werden dabei durch die Rotation des Laufbündels betätigt, entsprechend dem Funktionsprinzip der originalen Gatling-Kanone. Das Laufbündel selbst wird durch das Hydrauliksystem der A-10 in Rotation versetzt.
Die Munition der GAU-8/A ist nicht gegurtet, wodurch weiteres Gewicht eingespart wird und eine mögliche Quelle von Funktionsstörungen entfällt. Da herumfliegende leere Hülsen verschossener Patronen das Flugzeug gefährden könnten, werden sie nicht ausgestoßen, sondern in die Vorratstrommel zurückgeführt. Das Munitionszuführungssystem ähnelt dem der neueren Versionen der M61 Vulcan, jedoch kommen durchweg verbesserte technische Lösungen und höherwertige Materialien zum Einsatz, in erster Linie mit dem Ziel der Gewichtseinsparung.

Entwicklungen auf Basis der GAU-8/A[Bearbeiten]

Eine vierläufige Version der GAU-8, die GAU-13, wurde ebenfalls entwickelt. Diese greift so weit als möglich auf die Verwendung von GAU-8-Komponenten zurück. Für die GAU-13 wurden Gun-Pods entwickelt (GPU-5/A), mit denen unter anderem die Erdkampf-Versuchsversionen der F-16 bestückt wurden (geplant war auch eine Bestückung der F-15). Die Pods waren für die Flugzeuge kein Erfolg, da beim Feuern das ganze Flugzeug vom Rückstoß durchgeschüttelt wurde, und so durch die Vibrationen die Treffgenauigkeit nicht mehr gegeben war. Man befürchtete auch, dass diese Vibrationen Schäden am Flugwerk der Maschine anrichten würden.
Der Gesamtbestand an GAU-13 und GPU-5/A wurde von der Air Force an die Marines verkauft, die diese für die Luftkissenboote LCAC 66 verwendeten.

Die Thailändische Luftwaffe verwendet für einige Ihrer F-5 beziehungsweise F-20 die GAU-13/A, allerdings in anderer Montageanordnung als die US-Air-Force.

Das niederländische CIWS Goalkeeper, ein Luftabwehrsystem für die Marine, basiert ebenfalls auf der GAU-8/A.

Auf der Grundlage der Technik der GAU-8/A wurde die 25-mm-Maschinenkanone GAU/U Equalizer entwickelt, die etwa so groß ist wie die M61 Vulcan, aber über eine deutlich höhere Feuerkraft verfügt.

Technische Daten[Bearbeiten]

GAU-8/A Avenger

  • Typ: siebenläufige Gatling-Kanone
  • Kaliber: 30 × 173 mm
  • Hersteller: General Electric
  • Antrieb: Fremdantrieb – elektrisch über zwei Hydraulikpumpen angetrieben; 57,4 kW
  • Kadenz: 1800 bis 3900 Schuss/Minute
  • Mündungsgeschwindigkeit: 1067 m/s (983 m/s bei API-PGU-14/B-Munition)
  • Munitionsvorrat: 1350 Schuss in Munitionstrommel
  • Munitionszuführung: gurtlos
  • Munition: API (Aerojet) 748 g, API (Honeywell) 717 g, TP PGU-15/B 694 g, HEI PGU-13/B 662 g
  • Waffengewicht: 281,2 kg
  • Gewicht der Munition: 936,9 kg
  • Gesamtgewicht: 1830 kg
  • Gesamtlänge: 6400 mm (mit Munitionstrommel)
  • Waffenlänge: 2900 mm
  • Rohrlänge: 2229 mm
  • Munitionstrommel: 870 mm Durchmesser, 1816 mm lang
  • Durchmesser des Rohrbündels: 356 mm
  • Durchschlagskraft: 69 mm auf 500 m; 38 mm auf 1000 m
  • Rückstoßkraft: durchschnittlich 44,5 kN bei Dauerfeuer mit 4200 Schuss/min.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: GAU-8 Avenger – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien