Gavi, die Impfallianz

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Gavi, die Impfallianz
Gründung 2000
Personen

Seth Berkley, Dagfinn Høybråten

Aktionsraum Entwicklungsländer weltweit
Schwerpunkt Steigerung von Impfraten
Website Gavi, The Vaccine Alliance

Die Impfallianz Gavi (früher ’’Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung’’, engl. ’’Global Alliance for Vaccines and Immunisation’’, dann ’’GAVI Alliance’’) ist eine weltweit tätige öffentlich-private Partnerschaft mit Sitz in Genf. Ihr Ziel ist es, den Zugang zu Impfungen gegen vermeidbare lebensbedrohliche Krankheiten in Entwicklungsländern zu verbessern.[1][2]

Mitglieder der Allianz sind Regierungen von Industrie- und Entwicklungsländern, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), UNICEF, die Weltbank, die Bill & Melinda Gates Foundation, Nicht-Regierungsorganisationen, Impfstoffhersteller aus Industrie- und Entwicklungsländern sowie Gesundheits- und Forschungseinrichtungen und weitere private Geber.[3] Vorstandsvorsitzender der Impfallianz Gavi ist Dagfinn Høybråten, der diese Position im Dezember 2010 von Mary Robinson übernahm. Seth Berkley ist seit August 2011 Geschäftsführer der Impfallianz Gavi.

Gründung[Bearbeiten]

Die Impfallianz Gavi wurde im Jahr 2000 gegründet, um den bereits seit Ende der 1990er Jahren stagnierenden, zum Teil sogar rückläufigen Impfraten in den ärmsten Ländern der Welt zu begegnen.[4] Die Bill & Melinda Gates Foundation stellte anfänglich 750 Millionen US-Dollar zur Verfügung, um Kinder in Entwicklungsländern mit Impfstoffen zu versorgen.[5]

Engagement[Bearbeiten]

Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 hat Gavi die Impfung von 440 Millionen Kindern gegen lebensbedrohliche Krankheiten wie Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis), Hepatitis B, Gelbfieber und Haemophilus influenzae Typ b (Hib, einem Erreger von Meningitis (Hirnhautentzündung) und Lungenentzündung) finanziert. Auf diese Weise wurden schätzungsweise sechs Millionen Todesfälle verhindert.[6]

Darüber hinaus hat Gavi 2010 damit begonnen, zwei neue Impfstoffe in Entwicklungsländern einzuführen: Die Pneumokokkenimpfung schützt vor Lungenentzündung, der Impfstoff gegen Rotavirus vor einem Haupterreger von Durchfallerkrankungen. Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen sind die Haupttodesursachen bei Kindern unter fünf Jahren in Entwicklungsländern. Die beiden Erkrankungen zeichnen für fast 40 Prozent aller Todesfälle verantwortlich.[7][8]

Nach einer Geberkonferenz im Juni 2011, auf der insgesamt fast 3 Milliarden Euro (4,3 Milliarden US-Dollar) für Impfprogramme zugesagt wurden, kündigte die Impfallianz an, den Zugang zu neuen Impfstoffen noch zu beschleunigen und bis 2015 weitere vier Millionen vorzeitige Todesfälle zu verhindern.[9] Zum Erreichen des Millennium-Entwicklungsziels Nr. 4 (Senkung der Kindersterblichkeit von Unter-Fünf-Jährigen um zwei Drittel bis 2015) leisten Impfungen einen entscheidenden Beitrag.[10]

Arbeitsweise[Bearbeiten]

Gavi arbeitet nach eigenen Angaben nach dem Prinzip ’’country-owned, country-driven’’: Das bedeutet, dass die Entwicklungsländer selber festlegen, welche Impfungen sie benötigen, deren Finanzierung beantragen und die Umsetzung überwachen. Gavi verlangt zudem, dass die Empfängerländer die Kosten für die Impfprogramme mittragen. Auf diese Weise will man das Verantwortungsgefühl der Länder stärken und die Nachhaltigkeit der Impfprogramme sichern.[11] 2011 haben 50 Länder die Finanzierung von Impfstoffen bei Gavi beantragt.[12] Langfristig wird jedoch von einem abnehmenden Bedarf ausgegangen, da bis zum Jahr 2020 Gavis Förderung in 22 Ländern auslaufen wird.[13]

Gavi bündelt die Nachfrage nach Impfstoffen und kann auf diese Weise große Mengen einkaufen. Insgesamt fragt UNICEF 40 Prozent des globalen Impfstoffvolumens nach, rund die Hälfte davon im Auftrag von Gavi.[14] Indem Gavi den Herstellern eine Abnahme des Impfstoffs und feste Preise für die ersten Chargen garantiert, sollen mehr Hersteller, auch aus Schwellenländern, dafür interessiert werden, geeignete Impfstoffe für Entwicklungsländer zu produzieren.[15] Der hieraus resultierende Wettbewerb zwischen den Unternehmen soll dafür sorgen, dass die Preise für Impfstoffe sinken.[16][17] Gavi hat sich verpflichtet, diese Entwicklungen auch weiterhin zu fördern und hat die Beeinflussung der Impfstoffmärkte zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit erklärt.[18]

Gavi und Deutschland[Bearbeiten]

Deutschland ist seit 2006 Gavi-Geberland. Anfangs lagen die Finanzierungszusagen bei 4 Millionen Euro pro Jahr.[19] Seitdem hat Deutschland seine jährlichen Zusagen kontinuierlich erhöht; im Jahr 2012 betrugen sie 30 Millionen Euro.[20] Im Januar 2015 wird Deutschland unter der Schirmherrschaft von Kanzlerin Angela Merkel die Gavi-Geberkonferenz ausrichten.[21] Verschiedene Nichtregierungsorganisationen fordern, dass dort die deutschen Zusagen auf 100 Millionen Euro jährlich erhöht werden sollen.[22][23]

Kritik[Bearbeiten]

Verschiedene Organisationen, so u.a. Ärzte ohne Grenzen und die internationale Hilfsorganisation Save the Children, haben Kritik an der Fokussierung von Gavi auf die Entwicklung teurer Impfstoffe und der damit verbundenen Bevorzugung großer US-Konzerne wie Pfizer und Glaxo Smith Kline geäußert. Anstelle einer raschen und effektiven Hilfe werden von Gavi nur neue Märkte für teure Impfstoffe gesucht. Selbst innerhalb der Organisation gebe es heftige Interessenskonflikte zwischen Marketingstrategien und effektiver Hilfe, heißt es in einem Bericht von Save the Children.[24] Als einer der Hauptempfänger der Spenden entsandte Glaxo Smith Kline bis 2011 Vertreter in den Vorstand von Gavi. Die Preise für die Impfstoffdosen seien gegenüber den Herstellkosten weit überhöht.[25] Die Finanzierung wissenschaftlicher Studien, mit denen der Nutzen der Impfkampagnen untermauert wird, durch GAVI oder ihre Träger wird als Interessenkonflikt angesehen.[26]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website der Impfallianz Gavi (engl.): Gavi’s mission http://www.gavi.org/about/mission/ abgerufen am 1. Oktober 2014
  2. Informationen zur Impfallianz Gavi auf der Website des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/wege/multilaterale_ez/akteure/wio/GAVI_Alliance/index.html, abgerufen am 1. Januar 2012
  3. Website der Impfallianz Gavi (auf Engl.): Governing Gavi http://www.gavi.org/about/governance/, abgerufen am 1. Oktober 2014.
  4. Entwicklung der Impfraten weltweit seit 1980 im ’’UNICEF Immunization summary: The 2012 edition (data through 2010)’’, zu finden auf der Website der WHO http://www.who.int/immunization_monitoring/data/en/, abgerufen am 1. Januar 2012.
  5. Informationen auf der Website der Impfallianz Gavi (engl.): ’’2000-2015 – A decade of saving lives.’’, Stand: Dezember 2010, http://www.gavi.org/library/publications/gavi-fact-sheets/current/false/, abgerufen am 1. Oktober 2014
  6. Informationen auf der Website der Impfallianz Gavi (engl.): http://www.gavi.org/about/mission/facts-and-figures/
  7. Weltgesundheitsorganisation (WHO), ’’Millennium Development Goals: progress towards the health-related Millennium Development Goals’’, Informationen auf Englisch, http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs290/en/index.html, Stand: Mai 2011, abgerufen am 15. Dezember 2011
  8. Ärzte Zeitung online, vom 11. August 2010 ’’Kampf gegen Lungenentzündungen wird verstärkt - Pneumonien sind bei Kindern in Entwicklungsländern Todesursache Nummer eins’’, http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/lungenentzuendung/article/614798/kampf-lungenentzuendungen-verstaerkt.html, abgerufen am 1. Oktober 2014
  9. Pressemitteilung der GAVI Alliance vom 13. Juni 2011, http://www.gavi.org/library/news/press-releases/2011/donors-commit-vaccine-funding-to-achieve-historic-milestone-in-global-health/, abgerufen am 2. Oktober 2014
  10. Informationen zum Millennium-Entwicklungsziel Nr. 4 auf der Website des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/ziele/hintergrund/ziele/millenniumsziele/millenniumsentwicklungsziele/mdg4.html, abgerufen am 29. Dezember 2011
  11. Informationen zu Gavis Finanzierungsmodell auf der Gavi-Website (auf Englisch) http://www.gavi.org/about/gavis-business-model/, abgerufen am 1. Oktober 2014
  12. Presseinformation der Impfallianz Gavi vom 10. Juni 2011, ’’GAVI meldet Rekordnachfrage nach neuen Impfstoffen’’, http://www.gavialliance.org/library/news/press-releases/2011/german/gavi-meldet-rekordnachfrage-nach-neuen-impfstoffen/, abgerufen am 1. Januar 2012
  13. Informationen zur Gavi-Finanzierung von 2016-2020 (auf Englisch) www.gavi.org/Library/Publications/Publications-GAVI/The-2016-2020-GAVI-Alliance-Investment-Opportunity---Executive-Summary/, abgerufen am 1. Oktober 2014
  14. Vgl. hierzu Informationen auf der UNICEF-Website (auf Englisch) http://www.unicef.org/supply/index_gavi.html, abgerufen am 1. Januar 2012.
  15. Vgl. hierzu die Informationen (auf Engl.) auf der Website der Impfallianz Gavi, http://www.gavi.org/Library/News/ROI/2010/GAVI-model-increases-vaccine-manufacturers/, abgerufen am 2. Oktober 2014.
  16. Spiegel Online vom 6. Juni 2011, ’’Pharmachef liest seiner Branche die Leviten’’ http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,766885,00.html, abgerufen am 1. Januar 2012.
  17. Handelsblatt vom 6. Juni 2011, ’’Preisnachlässe für den guten Zweck’’ http://www.handelsblatt.com/politik/international/preisnachlaesse-fuer-den-guten-zweck/4257464.html, abgerufen am 1. Januar 2012.
  18. Pressemitteilung der Impfallianz Gavi vom 6. Juni 2011, ’’GAVI begrüßt Preissenkungen für lebensrettende Impfstoffe’’ (auf Englisch), http://www.gavi.org/Library/News/Press-releases/2011/GAVI-welcomes-lower-prices-for-life-saving-vaccines/, abgerufen am 1. Januar 2012.
  19. Pressemitteilung der Impfallianz Gavi vom 28. November 2006, „Germany joins GAVI Alliance as 17th donor government“ (auf Englisch), http://www.gavi.org/Library/News/Press-releases/2006/Germany-joins-GAVI-Alliance-as-17th-donor-government/, abgerufen am 1. Oktober 2014
  20. Informationen zur Partnerschaft zwischen Deutschland und Gavi auf der Internetseite des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/wege/multilaterale_ez/akteure/wio/GAVI_Alliance/index.html, abgerufen am 1. Oktober 2014
  21. Pressemitteilung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom 20. Mai 2014, http://www.bmz.de/de/presse/aktuelleMeldungen/2014/mai/140520_pm_048_Silberhorn-Deutschland-wird-naechste-GAVI-Wiederauffuellungskonferenz-ausrichten/index.html, abgerufen am 1. Oktober 2014
  22. Pressemitteilung der Stiftung Weltbevölkerung vom 24. Juli 2014, http://www.weltbevoelkerung.de/aktuelles/details/show/detail/News/gavi-wiederauffuellungskonferenz-im-januar-2015-in-deutschland.html, abgerufen am 1. Oktober 2014
  23. Pressemitteilung von ONE Deutschland vom 20. Mai 2014, http://www.one.org/de/presse/one-begruesst-deutschlands-gastgeberschaft-der-naechsten-gavi-wiederauffuellungskonferenz-und-stellt-neuen-impfbericht-in-bruessel-vor/, abgerufen am 1. Oktober 2014
  24. NGO Internet-Zeitung, 15. Januar 2002, abgerufen am 28. Oktober 2014
  25. ONE Zeitungsschau, 20. April 2010, abgerufen am 28. Oktober 2014
  26. Impfen ist auch gut fürs Image, Marc Engelhardt, 14.06.2011, ZEIT ONLINE