Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo
Staatliche Ebene Bund
Stellung der Behörde Oberste Bundesbehörde
Gründung 1961
Hauptsitz Bonn, Nordrhein-Westfalen
Behördenleitung Gerd Müller (CSU), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Anzahl der Bediensteten ca. 800
Website www.bmz.de
Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist eine Oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Es hat seinen Hauptsitz in Bonn im ehemaligen Bundeskanzleramt, ein zweiter Dienstsitz befindet sich in Berlin im Europahaus.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit wurde 1961 zur Bündelung der bis dahin bei verschiedenen Ministerien angesiedelten Zuständigkeiten auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit gegründet. Angelehnt wurde es an das seit Bestehen der Bundesregierung existierende Bundesministerium für Angelegenheiten des Marshallplanes, das den Wiederaufbau im kriegszerstörten Europa zur Aufgabe hatte. Mit ähnlichen Methoden sollten nun unterentwickelte Gebiete vorangebracht werden. Seit dem 23. Januar 1993 trägt es seine noch heute gültige Bezeichnung Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Aufgaben und Aufbau[Bearbeiten]

Aufgabe des BMZ ist die grundsätzliche Konzeptionierung der Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland, die auch die Umsetzung demokratischer Prinzipien und der Menschenrechte in den Partnerländern berücksichtigen soll. Auf Basis dieser Grundsätze werden in bilateralen Verträgen mit den Partnerländern Ziele und Maßnahmen vereinbart, deren Ergebnisse vom Ministerium kontrolliert werden. Zur praktischen Durchführung der Maßnahmen werden die sogenannten Durchführungsorganisationen und nichtstaatliche Organisationen herangezogen und finanziell unterstützt.

Das BMZ steuert außerdem die deutschen Beiträge zu den internationalen, in der Entwicklungszusammenarbeit tätigen Organisationen wie Europäischer Entwicklungsfonds, Weltbank und regionale Entwicklungsbanken sowie Unterorganisationen der Vereinten Nationen. Zur Koordination der Maßnahmen auf internationaler Ebene ist das Ministerium in den Gremien der Organisationen tätig.

Wegen der globalen Bedeutung der Entwicklungspolitik und der dahinter stehenden politischen Zielsetzungen ist das BMZ seit 1998 im Bundessicherheitsrat vertreten.

Aufgaben der Abteilungen[1]

Die Abteilung 1 (16 Referate) ist für allgemeine Verwaltungsaufgaben zuständig sowie unter anderem für die Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Kräften wie Nichtregierungsorganisationen, Kirchen und politischen Stiftungen, für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, für das bürgerschaftliche Engagement und für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit. Der Abteilungsleitung zugeordnet ist die Erfolgskontrolle und Außenrevision.

Die Abteilung 2 (16 Referate) ist zuständig für die Themenbereiche Soziale Entwicklung, Good Governance, Menschenrechte, Bildung, Gesundheit, Frieden und Sicherheit. Außerdem für Grundsatzfragen und für die Organisation der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit – zum Beispiel die Koordinierung und Integration aller entwicklungspolitischen Maßnahmen und die Steuerung und Kontrolle der Projekte und Programme in den einzelnen Ländern.

Die Abteilung 3 (13 Referate) ist zuständig für die Entwicklungszusammenarbeit mit den Ländern und Regionen in Afrika und Lateinamerika sowie für globale und sektorale Aufgaben. Zu diesen Aufgaben gehören zum Beispiel die Bereiche Millenniumsentwicklungsziele, Klimaschutz, Wasser, ländliche Entwicklung und Ressourcennutzung.

Die Abteilung 4 (13 Referate) ist verantwortlich für die Entwicklungszusammenarbeit mit Europa und Asien sowie für europäische und multilaterale Entwicklungspolitik sowie Globalisierung und Handel.

Außenvertretung[1]

Neuer Dienstsitz des BMZ im ehemaligen Bundeskanzleramt
BMZ, Luftaufnahme
Buddy Bär One World vor dem BMZ in Berlin

Das BMZ entsendet Referentinnen und Referenten für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Partnerländer und zu internationalen Organisationen, um dort die entwicklungspolitische Arbeit zu koordinieren.

Das BMZ entsendet Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an folgende Botschaften: Accra, Addis Abeba, Bamako, Belgrad, Bischkek, Brasilia, Colombo, Dakar, Daressalam, Dhaka, Hanoi, Islamabad, Jakarta, Jaunde, Kabul, Kairo, Kampala, Kathmandu, Kigali, Kinshasa, La Paz, Lilongwe, Lima, Lusaka, Managua, Maputo, Nairobi, New Delhi, Ouagadougou, Peking, Phnom Penh, Pretoria, Rabat, Ramallah, Sanaa, Tegucigalpa, Tiflis, Windhuk.

Außerdem ist das BMZ in den deutschen Ständigen Vertretungen bei den folgenden internationalen Institutionen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertreten: Vereinte Nationen (Genf und New York), Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Paris), Europäische Union (Brüssel), Welternährungsorganisation (Rom), Welternährungsprogramm (Rom), Internationaler Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (Rom).

Darüber hinaus ist das BMZ in den Direktorien der Weltbank und der Afrikanischen, Asiatischen, Inter-Amerikanischen und Karibischen Entwicklungsbank ständig mit eigenem Personal vertreten.

Durchführungsorganisationen bis 2010

Das BMZ beauftragt die Durchführungsorganisationen mit der Umsetzung der entwicklungspolitischen Vorhaben der Bundesregierung. Zu den Aufgaben dieser Organisationen gehören unter anderem die Durchführung von Projekten der Finanziellen Zusammenarbeit und der Technischen Zusammenarbeit, die Vorbereitung und Entsendung von deutschen Fachkräften und Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfern und die berufliche Fortbildung von Fach- und Führungskräften aus den Partnerländern.

Die einzelnen Durchführungsorganisationen hatten spezialisierte Fähigkeiten entwickelt und kooperieren bei ihrer Arbeit in den Partnerländern miteinander. Hierzu zählen unter anderem die KfW-Entwicklungsbank, die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) und Internationale Weiterbildung und Entwicklung gemeinnützige GmbH (InWEnt). Untersuchungen der OECD legten wiederholt eine Reform der Durchführungsorganisationen aufgrund fehlender Effizienz und Steuerbarkeit nahe. In der 16. Wahlperiode scheiterte unter Heidemarie Wieczorek-Zeul ein entsprechender Reformversuch. [2]

Umstrukturierung 2011

Mit Wirkung ab dem 1. Januar 2011 fusionierten die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) und die Weiterbildungsgesellschaft InWent zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die neue Organisation soll weniger Mitarbeiter und mehr Geschäftsführer haben als die Einzelorganisationen zuvor.[3][4] Die Reform wird auch von der Opposition positiv bewertet. [5] Insgesamt werde der Bundeshaushalt - trotz eines Stellenaufbaus im Ministerium sowie der Einrichtung einer neuen Serviceagentur - durch die Umstrukturierung um rund 300 Stellen entlastet.[6][7]

Ziele[Bearbeiten]

  • Internationale Ziele, Millenniumsziele (Quelle BMZ):
    1. Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, halbieren
    2. allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen
    3. Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rechte von Frauen stärken
    4. Kindersterblichkeit verringern
    5. Gesundheit der Mütter verbessern
    6. HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen
    7. den Schutz der Umwelt verbessern
    8. eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen

Entwicklungszusammenarbeit soll Menschen die Freiheit geben, ohne materielle Not selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihr Leben zu gestalten. In diesem Sinne will die deutsche Bundesregierung mit ihrer Entwicklungspolitik dazu beitragen, dass Globalisierung zu einer Chance für alle Menschen wird. Deutsche Entwicklungszusammenarbeit wird sich künftig vor allem auf die Sektoren Bildung, Gesundheit, ländliche Entwicklung, gute Regierungsführung und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung konzentrieren. Leitprinzip ist dabei der Schutz der Menschenrechte. (Quelle: www.bmz.de)

Bundesminister seit 1961[Bearbeiten]

Gerd Müller (CSU) Dirk Niebel Heidemarie Wieczorek-Zeul Carl-Dieter Spranger Jürgen Warnke Hans Klein Jürgen Warnke Rainer Offergeld Marie Schlei Egon Bahr Erhard Eppler Hans-Jürgen Wischnewski Werner Dollinger Walter Scheel

Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit
1 Walter Scheel * 1919 FDP 14. November 1961 28. Oktober 1966
2 Werner Dollinger 1918–2008 CSU 28. Oktober 1966 30. November 1966
3 Hans-Jürgen Wischnewski 1922–2005 SPD 1. Dezember 1966 2. Oktober 1968
4 Erhard Eppler * 1926 SPD 16. Oktober 1968 8. Juli 1974
5 Egon Bahr * 1922 SPD 8. Juli 1974 14. Dezember 1976
6 Marie Schlei 1919–1983 SPD 16. Dezember 1976 16. Februar 1978
7 Rainer Offergeld * 1937 SPD 16. Februar 1978 1. Oktober 1982
8 Jürgen Warnke 1932–2013 CSU 4. Oktober 1982 11. März 1987
9 Hans Klein 1931–1996 CSU 12. März 1987 21. April 1989
10 Jürgen Warnke 1932–2013 CSU 21. April 1989 18. Januar 1991
11 Carl-Dieter Spranger *1939 CSU 18. Januar 1991 22. Januar 1993
Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
11 Carl-Dieter Spranger * 1939 CSU 23. Januar 1993 26. Oktober 1998
12 Heidemarie Wieczorek-Zeul * 1942 SPD 27. Oktober 1998 27. Oktober 2009
13 Dirk Niebel * 1963 FDP 28. Oktober 2009 17. Dezember 2013
14 Gerd Müller * 1955 CSU 17. Dezember 2013 im Amt

Parlamentarische Staatssekretäre[Bearbeiten]

Beamtete Staatssekretäre[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Organisationsplan des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (PDF)
  2. http://www.bpb.de/apuz/32912/mehr-kohaerenz-in-der-entwicklungspolitik-durch-geberkoordination?p=all; abgerufen am 9. Februar 2013
  3. Niebels Wasserkopf. In: Die Tageszeitung. 25. November 2010.
  4. Niebel strukturiert Entwicklungshilfe um. auf: rp online. 16. Dezember 2010.
  5. http://www.sueddeutsche.de/politik/entwicklungshilfe-niebel-vereint-hilfsorganisationen-1.1037080; abgerufen am 9. Februar 2013
  6. zeit.de 13. Januar 2012: Niebels Plan. Wie der Entwicklungsminister sein Ministerium umbaut – um es am Ende aufzulösen
  7. Pressemitteilung zur Personalstruktur des BMZ: http://www.dirk-niebel.de/17012012-Erklaerung-zur-Medienberichterstattung-ueber-die-Personalstruktur-des-BMZ/46600c1i1p/
  8. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - Gudrun Kopp. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Archiviert vom Original am 2. Oktober 2013. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  9. https://www.bmz.de/de/ministerium/leitung/index.html

50.7193617.119294Koordinaten: 50° 43′ 10″ N, 7° 7′ 9″ O