Oxfam

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Oxfam International
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Gründung 1942
Sitz Oxford, Vereinigtes Königreich
Personen

Winnie Byanyima

Aktionsraum Global
Schwerpunkt Entwicklungshilfe,
Katastrophenhilfe
Website www.oxfam.org

Oxfam [ˈɒksfæm] ist ein unabhängiger Verbund von verschiedenen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, die sich für eine gerechtere Welt ohne Armut einsetzen. Oxfam arbeitet weltweit dafür, dass sich Menschen in armen Ländern nachhaltige und sichere Existenzgrundlagen schaffen können, Zugang zu Bildung, gesundheitlicher Versorgung, Trinkwasser und Hygiene-Einrichtungen sowie Unterstützung bei Krisen und Katastrophen erhalten. Ein weiteres wichtiges Ziel ist Geschlechtergerechtigkeit.

Geschichte[Bearbeiten]

Gedenktafel an das erste Treffen von Oxfam in der Church of St Mary the Virgin in Oxford.

1942 wurde das Oxford Committee for Famine Relief (Oxforder Komitee zur Linderung von Hungersnot) in Großbritannien als Reaktion auf das Leid der Zivilbevölkerung im von Deutschland besetzten Griechenland gegründet. OXFAM war die telegrafische Abkürzung und wurde erst 1965 der offizielle Name der Organisation.[1] Nach Kriegsende engagierte sich die Organisation bei der Linderung der Not in Europa, auch in Deutschland – gegen den damaligen Willen der britischen Regierung. Seit Ende der 50er Jahre widmet sich Oxfam der Armutsbekämpfung in ehemaligen Kolonien und anderen armen Ländern.

In den 1960er und 1970er Jahren entstanden weitere Oxfam-Organisationen, unter anderem in Kanada, den USA, Neuseeland, Australien, Hongkong sowie mehreren europäischen Staaten. 1986 brachte eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger die britische Idee der Oxfam Shops nach Deutschland und eröffneten den ersten Shop in Bonn. Zunächst unterstützten die Erträge Projekte von Oxfam Großbritannien.

1995 gründeten sich die gemeinnützige Hilfsorganisation Oxfam Deutschland e. V. und die gewerbliche Tochterorganisation Oxfam Deutschland Shops GmbH. 2003 wurde Oxfam Deutschland Vollmitglied im internationalen Verbund Oxfam.[2]

Internationaler Verbund[Bearbeiten]

Länder mit nationalen Oxfam-Mitgliedsorganisationen.

Im internationalen Oxfam-Verbund, der 1995 gegründet wurde, setzen sich 17 Oxfam-Organisationen mit rund 3.000 lokalen Partnern in mehr als 90 Ländern als Teil einer globalen Bewegung für eine gerechte Welt ohne Armut ein.[3]

Die Mitgliedsorganisationen sitzen in Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Indien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Neuseeland, den Niederlanden, Spanien und den Vereinigten Staaten.

Mitgliedsorganisation Hauptsitz Gegründet Vollmitglied seit URL
Oxfam America Boston 1970 1995 www.oxfamamerica.org
Oxfam Australia Melbourne 1954 (als Food for Peace Campaign) 1995 www.oxfam.org.au
Oxfam Canada Ottawa 1966 1995 www.oxfam.ca
Oxfam Deutschland Berlin 1995 2003 www.oxfam.de
Oxfam France Paris 1988 2006 www.oxfamfrance.org
Oxfam Great Britain Oxford 1942 1995 www.oxfam.org.uk
Oxfam Hongkong Hongkong 1976 1995 www.oxfam.org.hk
Oxfam India Neu-Delhi 2008 2011 www.oxfamindia.org
Intermón Oxfam Barcelona 1956 (als Intermón) 1997 www.intermonoxfam.org
Oxfam Ireland Dublin 1971 1998 www.oxfamireland.org
Oxfam Italia Rom 1976 (als Ucodep) 2012 www.oxfamitalia.org
Oxfam Japan Tokio 2003 2012 www.oxfam.jp
Oxfam Mexico Mexiko-Stadt 1996 2008 www.oxfammexico.org
Oxfam New Zealand Auckland 1991 1995 www.oxfam.org.nz
Oxfam Novib Den Haag 1956 (als Novib) 1995 www.oxfamnovib.nl
Oxfam-en-Belgique/Oxfam-in-België Brüssel 1964 1995 www.oxfam.be
Oxfam-Québec Montreal 1973 1995 www.oxfam.qc.ca

Koordiniert wird die Arbeit durch das Oxfam International Sekretariat mit Sitz im englischen Oxford, Lobby-Büros befinden sich zudem in Washington, D.C., New York City, Brüssel und Genf.[4]

Arbeit[Bearbeiten]

Oxfam arbeitet partnerschaftlich mit Menschen in armen Ländern zusammen. Mit nachhaltigen Entwicklungsprojekten und durch Nothilfe in Krisen leistet die Organisation Unterstützung vor Ort. Aktionen und Kampagnen haben das Ziel, die Bedingungen zu ändern, durch die Armut entsteht.

Entwicklungszusammenarbeit[Bearbeiten]

Oxfam arbeitet grundsätzlich mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, die aufgrund ihrer guten Kenntnis der Situation vor Ort nachhaltige Projekte in den Bereichen Existenzsicherung, Bildung, Gesundheit und Frauenrechte entwickeln. Die Partnerorganisationen erhalten finanzielle und praktische Unterstützung, z. B. beim Projektmanagement.

Nothilfe und Katastrophenvorsorge[Bearbeiten]

In der internationalen Nothilfe ist Oxfam darauf spezialisiert, Menschen in Krisensituationen mit Trinkwasser und Hygiene-Artikeln zu versorgen sowie Latrinen und Waschgelegenheiten zu errichten. Auch Nahrungsmittel, Kochgeschirr oder Kleidung werden bereitgestellt. Zudem engagiert sich die Organisation in den Bereichen Wiederaufbau, Katastrophenvorsorge und Konflikt- und Krisenmanagement.

Aktionen und Kampagnen[Bearbeiten]

Mit Kampagnen und Bündnissen will Oxfam öffentliches Bewusstsein für die Ursachen von Armut schaffen und Politik und Wirtschaft zu entwicklungsgerechtem Handeln drängen. Zu diesem Zweck engagiert sich die Organisation zu Themen wie Ernährungssicherheit, Agrarpolitik, Klimawandel, Waffenhandel, Gesundheit und Bildung. Nationale und internationale Bündnisse bestehen beispielsweise für entwicklungspolitische Kampagnen wie Steuer gegen Armut oder die Globale Bildungskampagne.

2012 erzielte Oxfam Deutschlands Arbeit gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln im Rahmen der internationalen Kampagne Mahlzeit! (engl.: GROW) ein großes Medienecho. Im Fokus der Kritik stand der Versicherungskonzern Allianz, der den Zusammenhang seiner Börsenaktivitäten mit steigenden Nahrungsmittelpreisen in armen Ländern jedoch abstritt. Zahlreiche andere Banken und Versicherungen stiegen dagegen aus der Nahrungsmittelspekulation aus.

Oxfam veransteltet Demonstrationen unter dem Motto Wir haben es satt! gemeinsam mit anderen Organisationen. Anfang Januar jeden Jahres findet eine Veranstaltung mit mehreren zehntausend Menschen statt.[5]

Oxfam ist Mitglied des Tax Justice Networks.[6]

Politische Forderungen[Bearbeiten]

Oxfam setzt sich für die Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele ein, die im Jahr 2000 von der internationalen Staatengemeinschaft beschlossen wurden. Um diese Ziele, zu denen auch eine Reduzierung der weltweiten extremen Armut um die Hälfte gehört, bis 2015 umzusetzen, fordert Oxfam unter anderem:

Spenden[Bearbeiten]

Oxfams Arbeit wird überwiegend aus privaten Spenden finanziert. Einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung liefern in einigen Ländern, u. a. Großbritannien und Deutschland, die Oxfam-Shops. In mehreren Ländern werden Spenden auch durch die Geschenke von Oxfam Unwrapped (Deutschland: OxfamUnverpackt) und den 100km-Lauf Oxfam Trailwalker gewonnen.

Oxfam Deutschland e. V. trägt das DZI-Spendensiegel für transparente, sparsame und satzungsgemäße Mittelverwendung.

Oxfam-Shops[Bearbeiten]

Tafel zur Erinnerung an die Eröffnung des ersten Oxfam Shops in Oxford.
Oxfam Shop in Dortmund.

Der erste Oxfam-Shop eröffnete 1947 in Oxford. Seither eröffneten in insgesamt neun Ländern über 1200 Shops.[8] In Deutschland gibt es derzeit 42 Oxfam-Shops, in denen mehr als 2.400 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gespendete Second-Hand-Waren verkaufen, um mit den Erlösen die Arbeit von Oxfam zu finanzieren.

Mixshops bieten Kleidung, Bücher, Haushaltswaren, Spielzeug, Heimtextilien, Kurioses und Ausgefallenes an; Buchshops Bücher, Hörbücher, Schallplatten, CDs und DVDs. Die Fashion Shops führen hochwertige Kleidung und Accessoires. In allen Oxfam-Shops werden nur gut erhaltene Waren angenommen.

Im OxfamUnverpackt-Shop verkauft Oxfam Ziegen, Schafe, Brunnen, Latrinen und andere Geschenke, die direkt als Spende in arme Länder gehen.[9]

OxfamUnverpackt[Bearbeiten]

OxfamUnverpackt (Englisch: Oxfam Unwrapped) bietet die Möglichkeit, Spenden zugunsten von Oxfam an Dritte zu verschenken. Online und in den Oxfam-Shops werden z. B. Ziegen, Klassenzimmer oder Latrinen angeboten. Sie können in Form von Grußkarten mit Kühlschrank-Magneten oder als E-Card verschickt werden.

Jedes der Geschenke ist einem der vier Bereiche Bildung, Nothilfe, Gesundheitsfürsorge und Existenzsicherung zugeordnet, in denen die jeweilige Spende eingesetzt wird. Es wird nicht für jede gespendete Ziege eine echte Ziege gekauft, sondern das Geld geht dorthin, wo es innerhalb des zugehörigen Bereiches gerade am nötigsten gebraucht wird. Dadurch hält Oxfam auch die Verwaltungskosten niedrig.

2010 erhielt OxfamUnverpackt den Preis des Deutschen Fundraising-Verbandes für die beste deutsche Fundraising-Innovation.[10]

Oxfam Trailwalker[Bearbeiten]

Der Oxfam Trailwalker ist ein Spendenlauf, bei dem Teams von vier Personen 100 Kilometer joggen oder wandern und innerhalb von 30 Stunden gemeinsam das Ziel erreichen müssen. Jedes Team sammelt vor dem Start Spenden für Oxfams Arbeit. Die Idee für den Oxfam Trailwalker entstand 1981 in Hongkong. Heute findet der Spendenlauf in zwölf Ländern auf vier Kontinenten statt: Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Indien, Irland, Japan, Kanada, Neuseeland und Spanien (Stand Juni 2012).

Der erste Lauf in Deutschland startete 2010. Seitdem wird der Oxfam-Deutschland-Trailwalker jedes Jahr im September abgehalten. Start- und Zielpunkt ist jeweils Osterode am Harz. Die Strecke verläuft zum Teil über den Harzer Hexenstieg. Für das Jahr 2014 wurde der Trailwalker in Deutschland abgesagt.[11]

Prominente Unterstützer[Bearbeiten]

Zahlreiche internationale Stars engagieren sich für Oxfam – darunter Schauspieler/innen wie Antonio Banderas, Colin Firth, Helen Mirren oder Bill Nighy, Musiker/innen und Bands wie Coldplay, Angélique Kidjo, Annie Lennox oder Baaba Maal sowie weitere Prominente, unter anderem Erzbischof Desmond Tutu und das dänische Supermodel Helena Christensen. Deutsche Oxfam-Botschafter/innen sind Heike Makatsch, die sich u. a. 2005 für die Kampagne Make Trade Fair fotografieren ließ und in zwei Videos zur Kampagne Steuer gegen Armut mitspielt, und Die Toten Hosen, deren Touren von Oxfam Deutschland in den letzten Jahren begleitet wurden.[12]

Als die bis dahin ebenfalls mit Oxfam verbundene Scarlett Johansson 2014 einen Werbevertrag mit SodaStream einging, das auch ein Werk in der israelischen Siedlung Maale Adumim im besetzten Westjordanland betreibt, wurde sie dafür von Oxfam kritisiert. Die Organisation unterstützt den Boykott von Produkten aus den israelischen Siedlungen. Daraufhin beendete Johansson nach acht Jahren ihre Zusammenarbeit mit Oxfam wegen „fundamentaler Auffassungsunterschiede“.[13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oxfam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. History of Oxfam. Abgerufen am 3. Juni 2013.
  2. www.oxfam.de.
  3. Wer ist Oxfam? auf www.oxfam.org.
  4. Oxfam International Offices. Abgerufen am 26. April 2013.
  5. Kampagnenwebseite Wir haben es satt!
  6. Tax Jusice Network Deutschland, Blog, Liste der Mitglieder rechts am Rand
  7. Oxfam, Wir haben die Agrarindustrie satt!
  8. Oxfam International Annual Report 2012. Abgerufen am 26. April 2013 (PDF; 5,2 MB).
  9. unverpackt.oxfam.de.
  10. http://www.fundraisingverband.de/information/news/pressemitteilungen/deutscher-fundraising-preis-geht-an-amnesty,-oxfam-und-dr.-marita-haibach.html
  11. Oxfam Trailwalker. Oxfam.de, abgerufen am 4. März 2014.
  12. Oxfams Botschafter und Freunde. Abgerufen am 26. April 2013.
  13. Scarlett Johansson stepping down as Oxfam ambassador. In: Haaretz, 30. Januar 2014. Abgerufen am 30. Januar 2014.