Gallaeker

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Galläker)
Wechseln zu: Navigation, Suche
keltisch-römische Synthese: lateinisch beschrifteter Gedenkstein für Galläker

Die Gallaeker, oder Gallaker (Kallaiker, vom altgriechischen kaleikói (καλλαικοι), lateinisch Gallaici oder Gallaeci) waren im Altertum ein keltisches Volk.

Der griechische Stammesname kaleikói wurde vermutlich vom vorindogermanischen Stammwort *kalla- abgeleitet. Es bedeutet Höhe, Berg, also hieße *kallaiko- „Bewohner einer Höhe, Bergbewohner“. Diese Etymologie wird auch durch Strabon (Geôgraphiká, III,3,2) bestätigt, der „die Gallaeker, die hauptsächlich in der Gebirgsgegend leben” erwähnt.

Siedlungsgebiet[Bearbeiten]

Die Gallaeker siedelten im Nordwesten der Iberischen Halbinsel und gaben einem Teil dieser Region den Namen. Ihr Wohngebiet, seit Diokletian Gallaecia genannt, erstreckte sich auf das heutige Galicien, den Norden Portugals bis zum Duero, den Westen Asturiens und das westliche León. Dies entspricht der Ausdehnung der eisenzeitlichen Castrokultur.

Die Römer teilten das Gebiet in zwei Verwaltungseinheiten, im Norden conventus Lucensis mit der Hauptstadt Lucus Augustus und im Süden conventus Bracarensis mit der Hauptstadt Bracara Augusta (heute Braga). Insgesamt gab es 105 Städte in der Region, darunter Citânia de Briteiros (bei Guimarães), Citânia de Sanfins (bei Paços de Ferreira) und die Cividade de Monte Mozinho (bei Penafiel). Bei den antiken Autoren wir die Einwohnerzahl der Bracarensis mit 285.000 genannt, die Lucensis wird mit 16.000 erwähnt, wobei hier nur die „Freien“ (Männer) gezählt wurden. Mit Frauen und Kindern sollen die Lucenser nach derselben Quelle 166.000 Personen gezählt haben.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Um 139 v. Chr., in der Zeit von Quintus Servilius Caepio, kamen die Römer erstmals mit den Gallaekern in Kontakt; der Prokonsul Decimus Iunius Brutus Callaicus kämpfte von 138 bis 136 v. Chr. gegen den Stamm, den er allerdings nicht völlig unterwerfen konnte. weitere Feldzüge fanden von 96 bis 94 v. Chr. durch Publius Licinius Crassus und von 27 bis 14 v. Chr. durch Gaius Iulius Caesar statt. Eine Romanisierung wurde eingeleitet, aber nie vollständig vorgenommen, da die Römer vor allem an den Wegen zu den Gallaecischen Erzlagerstätten und am reibungslosen Abtransport interessiert waren. Vor allem die lucensischen Gallaeker blieben weniger romanisiert als ihre bracarensischen Stammesgenossen, da sie in einem unwirtlichen Gebiet wohnten und wegen ihrer Kriegstüchtigkeit gefürchtet waren.

Bei den Gallaekern handelte es sich um ein in viele populi aufgesplittertes Stammes- oder Völkergemisch, wobei jeder populus rund zehn- bis zwölftausend Personen zählte. Von den Gallaekern wurde gesagt, dass sie keinen eigenen Gott hätten.[2] Strabon (Geographika 3, 4, 16) erwähnt dies, allerdings auch einen „namenlosen Gott“, dem die Keltiberer opfern und für ihn bei Vollmond Kulttänze aufführen.[3] Außerdem sind verschiedene Naturgottheiten sowie die Matres Gallaicae (Inschrift aus Clunia, dem heutigen Peñalba de Castro in Huerta de Rey) zu erwähnen.[4] In der Römerzeit gab es einige galaico-römische Gottheiten, wie den Iupiter Candamius, auch der ägyptische Serapis und der iranische Mithras wurden verehrt.

Bei den durch Verwandtschaft verbundenen autarken Wohnorten war die Wirtschaft auf Ackerbau, Viehhaltung und Fischfang aufgebaut. Der Bergbau in den Erzminen und eine berühmte Goldschmiedekunst waren ebenfalls wichtige Erwerbszweige. Anführer war ein Kriegshäuptling, der von einem Ältestenrat unterstützt wurde, die Krieger hatten eine bedeutende Stellung im Stamm inne. Die Frauen spielten in den Familien und Clans eine wichtige Rolle, es dürfte vorwiegend matrilineare Erbfolge gegeben haben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3, S. 154, 159.
  • Susanne Sievers, Otto H. Urban, Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A-K (= Mitteilungen der prähistorischen Kommission Bd. 73), Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 588-590.
  • Antonio Tovar: Iberische Landeskunde. Zweiter Teil: Die Völker und die Städte des antiken Hispanien. Koerner, Baden-Baden 1974, ISBN 9783-8732-0812-4.
  • Alain Tranoy: La Galice romaine. Recherches sur le nord-ouest de la péninsule ibérique dans l'Antiquité. Boccard, Paris 1981.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Plinius: Naturalis Historia 3, 3, 28.
  2. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 162.
  3. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 591.
  4. CIL II, 2776 T(erentius?) Fraternus / Matribus / Gallaicis / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito); Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 516.