Georg von Vollmar

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Detail des Grabes von Georg von Vollmar; München, Waldfriedhof

Georg von Vollmar, eigentlich Georg Ritter von Vollmar auf Veldheim, (* 7. März 1850 in München; † 30. Juni 1922 in Urfeld am Walchensee, Haus Soiensaß, Oberbayern) war ein deutscher Politiker und erster Vorsitzender der bayerischen SPD.

Leben[Bearbeiten]

Vollmar stammte aus einer altadligen Beamtenfamilie und wuchs zunächst in Miesbach, der Heimat seiner Mutter, auf, wo er auch getauft wurde. Seine Schulbildung erhielt er im Gymnasium der Benediktiner an St. Stephan in Augsburg, wo er eine streng katholische Erziehung erhielt. Vollmar schlug zunächst 1865 eine militärische Laufbahn ein, nahm 1867 seinen Abschied und diente 1868 als Fremdenlegionär in der Armee des Kirchenstaates. 1869 wurde er Telegraphist bei der Eisenbahn. Für den Deutsch-Französischen Krieg wurde ihm eine Offiziersstelle in der bayerischen Armee verweigert, so dass er in den Dienst der Feldeisenbahn trat. 1871 kehrte er als Invalide zurück und wurde aus dem Staatsdienst entlassen.

Er beschäftigte sich in den Jahren der Genesung mit Politik, Philosophie und Literatur. Seit 1874 lebte er in Plauen und bekannte sich seit 1875 zum Sozialismus. 1877 wurde er Redakteur des Dresdener Volksboten. Wegen Majestätsbeleidigung zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, verbüßte er diese Strafe in der Haftanstalt Zwickau.

1879 bis 1880 war er Chefredakteur des Zentralorgans Der Sozialdemokrat, welches im Zürcher Exil während der Zeit des Sozialistengesetzes erschien. In Zürich versuchte Vollmar ein Zentrum der Sozialdemokratie einzurichten. 1881 musste er diese Tätigkeit aber wegen seiner radikal-revolutionären Ideen aufgeben. Mehrfach wurde er verhaftet und ausgewiesen. Er lebte in Berlin, Brüssel, Lüttich, Paris und Zürich.

1881 zog er für den sächsischen Wahlkreis Mittweida in den Reichstag ein. Vollmar war 1881 bis 1887 und 1890 bis 1918 Mitglied des Reichstags, ab 1884 für den Wahlkreis München II. Außerdem war er 1883 bis 1889 Mitglied des Sächsischen Landtags und 1893 bis 1918 Mitglied des bayerischen Landtags.

Vollmar wandte sich seit Mitte der 80er Jahre vom revolutionären Utopismus ab und wurde für den Rest seines politischen Wirkens ein Vertreter des reformistischen Parteiflügels. In dem Münchner Lokal „Eldorado“ sprach er sich am 1. und 6. Juli 1891 in zwei Reden für Verhandlungen aus, um auf der Grundlage der gegebenen Staats- und Gesellschaftsordnung Verbesserungen wirtschaftlicher und sozialer Art herbeizuführen. Vollmar wollte seine Ideen auch mittels Kooperation mit bürgerlichen Parteien verwirklichen. Im Revisionismusstreit stand er als Vertreter der Revisionismustheorie in Opposition zu August Bebel und anderen.

Er war entscheidend am Aufbau eines bayerischen Landesverbandes der SPD beteiligt, dessen erster Landesparteitag am 26. Juni 1892 in Regensburg stattfand. Dort erstatteten Vollmar und G. Löwenstein einen Bericht über die Bedeutung und die Thätigkeit des bayerischen Landtages, der zusammen mit dem Landtags-Wahlprogramm für die Wahlen im Jahre 1893 in einer Schrift Die Socialdemokratie und die Wahlen zum bayerischen Landtag veröffentlicht wurden (Nürnberg 1892). In diesem Wahlprogramm wurde u. a. folgende Forderung erhoben: „Pflege der Wissenschaft und Kunst, unbeschränkte Freiheit ihrer Lehre und Uebung. Schaffung eines Schulgesetzes auf folgenden Grundlagen: Unentgeltlichkeit des Schulunterrichts und der Lehrmittel, Bestreitung der Kosten durch den Staat, Verbesserung der Volksschule, insbesondere durch Ausdehnung der Schulzeit und Ersetzung der nutzlosen Feiertagsschule durch einen wirksamen Fortbildungsunterricht. Verpflegung bedürftiger Schulkinder auf öffentliche Kosten. Entlastung der Lehrer vom Kirchendienst und Aufbesserung ihrer Gehälter; weltliche Schulinspektion.“ 1894 bis 1918 war er Landesvorsitzender der bayerischen SPD. 1903 erklärte er sich bereit, in einer kaiserlichen Regierung mitzuarbeiten.

Vollmar, der seit 1885 in zweiter Ehe mit der schwedischen Großindustriellen Julia Kjellberg verheiratet war, lebte meist auf seinem Landsitz Soiensaß in Urfeld am Walchensee. Die Folgen zweier Unfälle 1903 und 1910 fesselten ihn jahrelang an Rollstuhl und Krücken. 1918 legte er aus gesundheitlichen Gründen seine Mandate nieder.

Sein Leichnam wurde auf dem Waldfriedhof in München/Alter Teil im Grab Nr. 90-W-11 beigesetzt.

Nach von Vollmar sind die Stiftung der bayerischen SPD für politische Bildung, die Georg-von-Vollmar-Akademie im Schloss Aspenstein in Kochel am See, sowie die höchste Auszeichnung der bayerischen SPD, die Georg-von-Vollmar-Medaille, benannt.

Werk[Bearbeiten]

  • Reden und Schriften zur Reformpolitik (= Internationale Bibliothek. Bd. 92). Ausgewählt und eingeleitet von Willy Albrecht. J. H. W. Dietz, Berlin u. a. 1977, ISBN 3-8012-1092-8.

Literatur über Vollmar[Bearbeiten]

Radio[Bearbeiten]

  • Zdenek Zofka, Karin Sommer: Grillenberger, Vollmar und Genossen. Zur Frühgeschichte der SPD in Bayern. Radiosendung vom 9. März 1986, Bayerischer Rundfunk

Weblinks[Bearbeiten]