Geschichten vom Ursprung des Lebens

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Geschichten vom Ursprung des Lebens. Eine Zeitreise auf Darwins Spuren ist ein 2008 beim Ullstein Verlag erschienenes populärwissenschaftliches Sachbuch des englischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Das 800 Seiten starke Werk erschien im englischen Original unter dem Titel The Ancestor's Tale im Jahre 2004 beim Weidenfeld & Nicolson-Verlag.

Inhalt[Bearbeiten]

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Das Buch lehnt sich an die mittelalterlichen Erzählungen Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer an, in denen die Mitglieder einer Pilgergruppe auf ihrem Weg nach Canterbury ihre Geschichten erzählen. Die Pilger bei Dawkins sind die heutigen, rezenten Lebewesen, die sich im Evolutionsstammbaum auf den Weg über ihre Vorfahren zum gemeinsamen Ursprung des Lebens begeben. Ausgangspunkt sind wir Menschen, die an den Verzweigungen längs ihres Weges im Evolutionsstammbaum immer weiteren Mitfahren (dieser im Buch eingeführte Neologismus bezeichnet einen Vorfahren, der die Reise mitbestreitet) begegnen. Bei der ersten Begegnung vor ca. 250.000 Generationen stoßen die Schimpansen und Bonobos zu uns und damit treffen wir auf einen Mitfahren, der Vorfahre aller heute lebenden Schimpansen, Bonobos und Menschen war. Bei den insgesamt 40 Begegnungen behandelt Dawkins anhand einzelner Vertreter der immer größer werdenden Pilgergruppe unterschiedliche Themen der Evolutionstheorie, so etwa die sexuelle Selektion am Beispiel des Pfaus, die Pädomorphose bzw. Neotenie beim Axolotl oder das Problem der Artbildung am Beispiel der Buntbarsche. Weiter erläutert der Autor das Dollo-Gesetz in der Geschichte der Höhlenfische, die Problematik des Rassenbegriffs bei den Heuschrecken bis hin zu den Menschen und die Theorie der Hox-Gene am Beispiel der Taufliegen. Zusätzlich wird die "Domestizierung der Chloroplasten bzw. Mitochondrien" durch eukaryotische Zellen als große historische Begegnung beschrieben, obwohl dies keine Begegnung im Sinne der Pilgeranalogie ist. Der Ankunft in Canterbury entspricht das Erreichen der Wurzel des Evolutionsstammbaums und damit des Ursprungs des Lebens, dem ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Schließlich lässt Dawkins den Wirt der Pilgerreise zurückkehren und diskutiert dabei unter anderem die Wiederholbarkeit und Zwangsläufigkeit der historischen Evolution.

Der erste Teil des Pilgerpfades mit den ersten zwei Begegnungen

Begegnungen[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die im Buch behandelten Begegnungen zusammen mit den angegebenen Schätzungen über den Zeitpunkt der Begegnung.

Begegnung Mitfahren vor Mio. Jahren
0 Menschheit, archaischer Homo sapiens,

Ergasten, Habilinen, Affenmenschen

0
1 Schimpansen 6
2 Gorillas 7
3 Orang-Utans 14
4 Gibbons 18
5 Altweltaffen 25
6 Neuweltaffen 40
7 Koboldmakis 58
8 Lemuren, Buschbabys und ihre Verwandten 63
9 Spitzhörnchen und Riesengleiter 70
10 Nagetiere und Kaninchenartige 75
11 Laurasiatheren 85
12 Nebengelenktiere 95
13 Afrotheren 105
14 Beuteltiere 140
15 Kloakentiere 180
16 Sauropsiden 310
17 Amphibien 340
18 Lungenfische 417
19 Quastenflosser 425
20 Strahlenflosser 440
21 Haie und ihre Verwandten 460
22 Neunaugen und ihre Verwandten 530
23 Lanzettfischchen 560
24 Seescheiden 565
25 Ambulacraria 570
26 Protostomier 590
27 Plattwürmer: Acoelomorpha 630
28 Nesseltiere 680
29 Rippenquallen 730
30 Placozoa 780
31 Schwämme 800
32 Kragengeißeltierchen 900
33 DRIPs (?)
34 Pilze (?)
35 Amoebozoa (?)
36 Pflanzen (?)
37 Unsichere Kandidaten (Euglena beispielsweise) (?)
38 Archaea (?)
39 Eubakterien (?)

Rezensionen[Bearbeiten]

„Richard Dawkins erzählt farbig, gefühlvoll und kenntnisreich. In seinem Buch wimmelt das pralle Leben, jede Schnecke, jeder Fisch, jedes Insekt wird mit liebevollem, mitunter fast ehrfürchtigem Blick beschrieben. Stolz sei er, unterstreicht Dawkins immer wieder, solch wunderschönes und erstaunliches Getier zu seinen Vorfahren zählen zu dürfen. Der 800-Seiten-Wälzer ist auch ein Auftritt mit hohem Anspruch: Dawkins, Professor für "Public Understanding of Science", nimmt den selbst erklärten Kampf gegen Bibel, Koran und Co. auch in Umfang und Wuchtigkeit auf. Der Fürsprecher naturwissenschaftlicher Logik und Vernunft zielt mit seinem Buch unverhohlen aufs Gemüt.“

Susanne Billig vom Deutschlandradio Kultur[1]

„Gänzlich ablegen kann Dawkins seinen Konfrontationskurs dennoch nicht. So stichelt er wieder bis zum Überdruss gegen Schöpfungsgläubige und Vertreter des Intelligent Design. Dawkins bietet keinen großen konzeptuellen Wurf. Dies ist möglicherweise eine Stärke des Buches.“

Thomas Weber in FAZ.net[2]

„Richard Dawkins' "Geschichten vom Ursprung des Lebens" ist das zur Zeit lesens- und bedenkenswerte Buch über die Evolution überhaupt. [...] Er hat weder, wie in seinen Büchern über den "Gotteswahn" und das "egoistische Gen", die Religion in Bausch und Bogen verdammt, noch die Geschichte auf einen Molekülmotor eingedampft, der die Lebewesen zu Vehikeln der Gene macht, versehen mit der einzigen Anweisung, ihre eigenen Gene möglichst zahlreich in die Welt zu schleudern.“

Cord Riechelmann bei sueddeutsche.de[3]

Buch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/863082/ Abgerufen am 11. Juli 2011
  2. http://www.faz.net/artikel/C30405/wer-war-ich-frueher-30180154.html Abgerufen am 11. Juli 2011
  3. http://www.sueddeutsche.de/wissen/evolution-pilgerreise-zum-anfang-des-lebens-1.541427 Abgerufen am 11. Juli 2011