Die Schöne und das Biest (Volksmärchen)

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Belle speist mit dem Biest, Illustration von Anne Anderson

Die Schöne und das Biest (Original: französisch La Belle et la Bête, englisch (The) Beauty and the Beast), dt. auch Tausendschön genannt, ist ein traditionelles Volksmärchen aus Frankreich. Die erste Veröffentlichung war eine Aufbereitung der Französin Gabrielle-Suzanne de Villeneuve, die 1740 im La jeune américaine, et les contes marins erschien. Diese griff wiederum auf Motive zurück, die sich in den Märchensammlungen von Giovanni Francisco Straparola finden.

Bekannter als die erste Version von Villeneuve ist allerdings eine gekürzte Version, die 1756 von der französischen Schriftstellerin Jeanne-Marie Leprince de Beaumont im Magasin des enfants, ou dialogues entre une sage gouvernante et plusieurs de ses élèves veröffentlicht wurde.

Inhalt nach Villeneuve[Bearbeiten]

Illustration von Walter Crane (1874)

Ein reicher Kaufmann hat sechs Söhne und sechs Töchter. Die jüngste Tochter, Belle genannt (frz. „schön“), ist bescheiden und freundlich; ihre Geschwister dagegen sind boshaft und selbstsüchtig. Eines Tages verliert der Kaufmann seinen ganzen Reichtum, als seine Schiffe auf hoher See in einen Sturm kommen, so dass seine Familie daraufhin in ein kleines Landhaus umziehen und für den Lebensunterhalt arbeiten muss. Nach einigen Jahren hört der Kaufmann, dass eines seiner Handelsschiffe dem Sturm entkommen sei und den Hafen erreicht habe. So macht er sich auf den Weg in die Stadt, um die Ladung zu sichten. Vor seiner Abreise fragt er seine Töchter, ob sie sich etwas von seiner Reise mitgebracht wünschten. Die älteren Töchter wünschen sich Schmuck und teure Kleider; Belle bittet ihn hingegen nur um eine Rose. In der Stadt angekommen muss der Kaufmann zu seiner Bestürzung feststellen, dass seine Ladung beschlagnahmt wurde, um seine Schulden damit zu begleichen, so dass ihm kein Geld bleibt, um seinen Töchtern die ersehnten Geschenke zu kaufen.

Auf seiner Rückreise verirrt sich der Kaufmann im Wald. Auf der Suche nach einem Unterschlupf gelangt er an ein prächtiges Schloss. Es ist menschenleer, doch er findet einen großen Tisch, festlich gedeckt mit Speisen und Getränken, die offenbar für ihn bereitgestellt wurden. Der Kaufmann isst und bleibt über Nacht. Als er am nächsten Morgen gerade das Schloss verlassen will, sieht er einen Rosengarten und erinnert sich an Belles Wunsch. Er pflückt eine Rose, da erscheint ein abscheuliches ‚Biest‘ vor ihm. Es sagt, er habe ihm seinen wertvollsten Besitz nehmen wollen, obwohl er so gastfreundlich empfangen worden sei, nun müsse er sterben. Der Kaufmann bittet inständig, freigelassen zu werden, und erzählt von seiner jüngsten Tochter, für die er die Rose pflückte. Das Biest gestattet ihm daraufhin, Belle die Rose zu schenken, aber nur, wenn der Kaufmann zurückkehre oder eine seiner Töchter an seiner Statt zum Schloss bringe.

Der Kaufmann nimmt die Bedingung erschüttert an. Das Biest gibt ihm Schmuck und Kleider für seine älteren Töchter mit, betont aber, dass eine Tochter wie versprochen in das Schloss kommen müsse. Zurückgekehrt versucht der Kaufmann das Geheimnis vor seinen Kindern zu verheimlichen, aber sie finden es dennoch heraus. Belle, traurig darüber, dass sie ihren Vater in diese Situation brachte, erklärt sich bereit, anstelle ihres Vater zu dem Schloss des Biestes zu gehen. Das Biest empfängt sie höflich. Es schenkt ihr großzügig Kleider, gibt ihr die besten Speisen zu essen und unterhält sie jeden Abend auf das Angenehmste. Jeden Abend bittet das Biest Belle, es zu heiraten, doch sie antwortet ihm jedes Mal mit Nein. In ihren Träumen erscheint Belle dagegen immer wieder ein schöner Prinz, der sie anfleht, ihm zu sagen, warum sie ihn abweist. Sie antwortet, dass sie das Biest nicht heiraten könne, weil sie es nur als einen Freund liebe. Belle sieht die Verbindung zwischen dem Biest und dem Prinzen nicht und beginnt zu glauben, dass das Biest den Prinzen im Schloss gefangen hält. Sie fängt an, ihn zu suchen, und findet mehrere verzauberte Räume, aber nie den Prinzen aus ihren Träumen.

Mehrere Monate lebt Belle ein luxuriöses Leben im Schloss des Biestes. Nach einiger Zeit bekommt sie Heimweh und bittet das Biest, ihre Familie besuchen zu dürfen. Es erlaubt es unter der Bedingung, dass sie in genau einer Woche zurückkehre. Belle willigt ein und macht sich auf den Weg, ausgestattet mit einem verzauberten Spiegel und einem Ring. Der Spiegel erlaubt ihr zu sehen, was im Schloss geschieht, mit dem Ring kann sie in einer Sekunde zum Schloss zurückkehren, wenn sie ihn drei Mal um ihren Finger dreht. Als sie zu Hause ankommt, sind ihre Schwestern überrascht, sie gut genährt und in edlen Kleidern zu sehen. Sie werden eifersüchtig auf ihr glückliches Leben im Schloss und überzeugen sie – mit falschen Tränen –, länger zu bleiben. Sie wollen, dass das Biest wütend auf Belle wird und sie lebendig verspeist. Belle ist gerührt von der falschen Liebe ihrer Schwestern und willigt ein zu bleiben.

Doch sie fängt an, sich schuldig zu fühlen, dass sie ihr Versprechen gebrochen hat und benutzt den Spiegel, um das Biest zu sehen. Sie ist entsetzt, als sie das Biest, halb tot vor Trauer, bei den Rosen liegen sieht. Sofort dreht sie den Ring, um zum Biest zurückzukehren.

Bei ihrer Rückkehr findet Belle das Biest fast tot. Sie weint um es und sagt ihm, dass sie es liebe. Als ihre Tränen auf sein Fell fallen, verwandelt sich das Biest in den schönen Prinzen. Er erzählt Belle, dass ihn vor langer Zeit eine Zauberin in das schreckliche Biest verwandelte, als er sich weigerte, ihr Unterschlupf zu gewähren. Sie belegte ihn mit einem Fluch, den nur wahre Liebe, die sich nicht von seiner Hässlichkeit abschrecken lasse, brechen könne. Belle und der Prinz heiraten und leben glücklich zusammen.

Inhalt nach Beaumont[Bearbeiten]

Gabrielle-Suzanne de Villeneuves Geschichte enthielt einige Elemente, die Jeanne-Marie Leprince de Beaumont aussparte. Vor allem erzählt Villeneuve die Hintergrundgeschichte von Belle und dem Biest ausführlicher. Beaumont kürzte hingegen die Geschichte und betonte dagegen eher die urbildliche Einfachheit.[1]

Zur Motivik[Bearbeiten]

In La Belle et la Bête erscheint das Märchen-Motiv, dass ein Vater von Töchtern in der Wildnis einer bedrohlichen Macht aus Not verspricht, ihm das erste Lebendige zuzueignen, das ihm bei der Heimkehr entgegenkommt. Der Vater nimmt dabei an, dass ihm ein Hund oder ein anderes Tier zuerst begegnen würde, stattdessen läuft ihm sein liebstes Kind entgegen. Dieses Motiv erscheint bereits im Alten Testament in der Geschichte von Jephtha, der Gott seine Tochter weihen muss.[2] Auch in dem deutschen Märchen der Brüder Grimm Das singende springende Löweneckerchen wird das Motiv weitergeführt. Die Motivkette der fleißigen Jüngsten mit den bösen, neidischen, älteren Schwestern verbindet die Märchen La Belle et la Bête und Aschenputtel. Daneben gibt es das Motiv des in eine Missgestalt verwandelten Prinzen nicht nur in Die Schöne und das Biest, sondern auch in Der Froschkönig. Hier wie dort muss der Prinz dieser Missgestalt zum Trotz die Liebe des Mädchens erringen und kann nur durch deren über die Gestalt hinaussehende Liebe von seiner Gestalt erlöst werden.

Der Stoff von La Belle et la Bête ist vielfach variiert worden. Eine besondere Abwandlung hat es in dem norwegischen Märchen Östlich von der Sonne und westlich vom Mond von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe erfahren. [3] Das Biest ist hier ein großer Eisbär. Die Hauptperson, das schöne Mädchen, muss die Gestirne und alle vier Winde aufsuchen und befragen, bevor sie mit dem Nordwind den Weg zum Prinz zurückfindet.

Eine andere Geschichte um die Schöne und das Tier berichtet das griechische Märchen Der goldgrüne Adler[4] in der Sammlung von Georgias Megas. Sehr nah an der französischen Fassung des Märchens bewegt sich zunächst Die Rosenknospe von Božena Němcová; im weiteren Verlauf von Němcovás Erzählung wird allerdings das Mädchen auf erstaunliche Weise gefordert: Sie muss drei Nächte lang quälende Geister schweigend über sich ergehen lassen, um das Ungeheuer zu erlösen.[5]

Literarische Motivtransformationen[Bearbeiten]

Jules Laforgue schreibt 1887 seine Moralités légendaires. In diesen verbindet er in seiner Erzählung Perseus und Andromeda oder der Glücklichste unter den Drein in überraschend motiventhüllender Weise den griechischen Mythos von Andromeda mit Motiven aus Die Schöne und das Biest. Die Weise in der Laforgue hier mit dem Thema umgeht zeigt auch einige Parallelen zu der Auffassung des Märchens von Jean Cocteau in seiner Verfilmung La Belle et la Bête.

Adaptionen[Bearbeiten]

Das Märchen findet Weiterformungen in zahlreichen künstlerischen Gattungen:

Bildende Kunst[Bearbeiten]

Drama[Bearbeiten]

Oper[Bearbeiten]

  • André Grétry: Zémir et Azor, Opéra-Ballet in vier Akten, 1771, Uraufführung in Fontainebleau.
  • Hans Huber: Die schöne Bellinda, Oper in drei Akten und einem Vorspiel von Gian Bundi, 1916, Uraufführung in Bern.

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Kabinett der Feen. Französische Märchen des 17. und 18. Jahrhunderts, hg. v. Friedemar Apel und Norbert Miller, München 1984.
  • Angela Carter: Mister Lyons Werbung, 1979 (Erzählung).
  • Elizabeth Shaw: Die Schöne und das Ungeheuer, Berlin 1987 (ISBN 3-358-02180-7).
  • Alex Flinn: Beastly, 2007.

Kunstfilm und Märchenkino[Bearbeiten]

Sonstiges aus Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Musik und Musical[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve: La belle et la bête, in: Le Cabinet des fées, ou collection choisie des contes des fées, et autres contes merveilleux, Bd. 26, Amsterdam und Paris 1786 (Slatkine Reprint, Genf 1978), S. 27–214.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Betsy Hearne: Beauty and the Beast: Visions and Revisions of An Old Tale. ISBN 0-226-32239-4.
  2. Bibel, Richter 11, 38–40.
  3. Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe: Östlich von der Sonne und westlich vom Mond
  4. Der goldgrüne Adler in Griechische Volksmärchen hrsg. von Georgias A. Megas, München 1965, S. 196–203.
  5. Božena Němcová: Der König der Zeit – Slowakische Märchen, Bratislava 1978, S. 29–33.
  6. imdb.de
  7. imdb.de
  8. imdb.de
  9. imdb.de
  10. Vgl. en:Beauty and the Beast (1983 film)
  11. Vgl. en:Beauty and the Beast (1993 film)
  12. Vgl. en:Beauty and the Beast (2003 film)
  13. Vgl. La Belle et la Bête
  14. Vgl. en:Beauty and the Beast Live on Stage
  15. Vgl. en:Disney's Beauty and the Beast (video game)