Gilgel Gibe III

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Gilgel Gibe III

BW

Zuflüsse: Omo
Abflüsse: Omo
Gilgel Gibe III (Äthiopien)
Gilgel Gibe III
Koordinaten 6° 30′ 44″ N, 37° 10′ 53″ O6.512222222222237.181388888889Koordinaten: 6° 30′ 44″ N, 37° 10′ 53″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: - 2013 (geplant)
Höhe des Absperrbauwerks: 243 m
Kronenlänge: 610 m
Kraftwerksleistung: 1870 MW
Daten zum Stausee
Wasseroberfläche 210 km²
Speicherraum 11.750 oder 14.000 Mio m³
Einzugsgebiet 35.141 km²

Das Wasserkraftprojekt Gilgel Gibe III ist eine in Bau befindliche Talsperre am Fluss Omo in Äthiopien mit einem Wasserkraftwerk. Es besitzt ein 243 m hohes Absperrbauwerk aus RCC-Walzbeton und steht 470 km südwestlich von Addis Abeba. Bei Fertigstellung wird es die höchste Talsperre Afrikas und mit einer Leistung von 1870 Megawatt (MW) auch das zweitgrößte Wasserkraftwerk in Afrika sein (übertroffen nur vom Assuan-Staudamm). Die derzeitig in Äthiopien installierte Wasserkraft-Kapazität, die 2007 bei 814 MW lag, wird damit mehr als verdoppelt.[1] Im Dezember 2009 war nach Angaben des Bauherrn das Projekt zu 35 % fertiggestellt.

Omo-Ausbau[Bearbeiten]

Gibe III ist ein Teil des Omo-Ausbaus, der insgesamt fünf Stauanlagen umfasst: Gilgel Gibe I (184 MW) und II (420 MW) existieren bereits, Gilgel Gibe IV (1472 MW) und V (560 MW) sind geplant. Betreiber ist die staatliche äthiopische Stromversorgungsgesellschaft (Ethiopian Electric Power Corporation). Die Kosten des Projekts werden auf 1,55 Milliarden Euro bzw. 2 Milliarden Dollar geschätzt. Die Finanzierung ist noch nicht ganz gesichert. Dazu kommen Kosten für die Stromleitungen in die Nachbarländer.

Die Bauarbeiten wurden 2006 an Salini Costruttori aus Italien vergeben. Mit der Ingenieurplanung wurde das Studio Pietrangeli beauftragt und ELC-COB (ELC Electroconsult - Coyne et Bellier) mit der Bauüberwachung.

Nutzen und Nachteile[Bearbeiten]

Die Talsperre dient als Wasserspeicher des angeschlossenen Wasserkraftwerkes und somit der Stromerzeugung. Es wird erwartet, dass die Hälfte des produzierten Stroms in Äthiopien genutzt wird und die andere Hälfte nach Kenia (500 MW), Sudan (200 MW) und Dschibuti (200 MW) exportiert werden wird.[2] Da Äthiopien nach dem Human Development Index (HDI) als eines der ärmsten Länder der Welt eingestuft wird und auf internationale Hilfe angewiesen ist, erwartet das Land durch den Export von Strom eine positive Einnahmequelle.

Örtliche und internationale Gruppen erwarten negative Auswirkungen auf die Umwelt, vor allem auf den Omo-Nationalpark im Unterlauf und den Turkana-See, in den der Omo mündet, und kritisieren das Projekt.

Eine Reihe von lokalen und internationalen Organisationen kritisiert zudem die Auswirkung des Damms auf den natürlichen Überflutungszyklus des Omo. Der Bau des Damms würde diesen Zyklus beenden und somit die Lebensgrundlage von 200.000 Menschen in Äthiopien und weiteren 300.000 Menschen in Kenia gefährden. [3] Die Organisation Survival International weist darauf hin, dass mindestens acht indigene Gruppen davon betroffen sind. Sie wurden nicht in die Planung des Projektes einbezogen, obwohl die äthiopische Verfassung besagt, dass „Menschen das volle Recht auf Konsultation und Meinungsäußerung bei der Planung und Durchführung von […] Projekten haben, die sie direkt betreffen werden“ (Artikel 92, Nr.4). Als Folge auf die Kritik an dem Projekt hat die Europäische Investitionsbank (EIB) sich von dem Vorhaben abgewandt, den Bau von Gibe III finanziell zu unterstützen. [4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gibe III Wasserkraftprojekt, Offizielle Website, aufgerufen am 17. Juni 2009
  2. "Ethiopia, Italian Company Sign $2 Billion Hydro Power Project" (All Africa), aufgerufen am 18. Juni 2010
  3. "Internationale und lokale Organisationen rufen zum Protest gegen Gibe III auf"
  4. "Indigene Völker im Omo Tal haben keine Stimme erhalten"Äthiopien attackiert Kritiker von Gibe III