Gilles-Éric Séralini

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Gilles-Éric Séralini (* 23. August 1960) ist ein französischer Molekularbiologe. Er arbeitet als Professor an der Universität von Caen und stellt zusätzlich den CO-Direktor des universitären Pôle Risques[1]. Seine Hauptforschungsgebiete sind zum einen Untersuchungen zu Auswirkungen von Umweltfaktoren wie gentechnisch veränderte Organismen und Pestizide auf die Gesundheit, Sexualhormone, Fortpflanzung und Krebs. Zum anderen erforscht er schwerpunktmäßig die Themen Vorbeugung und Heilung von Brustkrebs und Endokrine Disruptoren.

Inhaltsverzeichnis

Wissenschaftliche Ausbildung und Tätigkeit [Bearbeiten]

Gilles-Éric Séralini studierte in Nizza. 1987 wurde er an der Universität Montpellier II zum Doktor für Biochemie und Molekularbiologie promoviert. Die folgenden vier Jahre betrieb er in zwei renommierten Forschungseinrichtungen, zuerst in Ontario und später Quebec, Grundlagenforschung. 1990 legte er das französische Auswahlexamen für Universitätsprofessoren ab. Seit 1991 ist Séralini am Institut de Biologie Fondamentale et Appliquée an der Universität Caen ordentlicher Professor für Molekularbiologie und leitet eine mit dem Centre National de la Recherche Scientifique verbundene Forschergruppe. Er ist Präsident des Wissenschaftlichen Rates des von ihm mitbegründeten Comité de recherche et d’information indépendantes sur le génie génétique (CRII-GEN).

Schwerpunkte des Wirkens [Bearbeiten]

Séralini gehörte zu den ersten Wissenschaftlern, die sich 1996/1997 für ein europäisches Moratorium gegen die kommerzielle Einführung gentechnisch veränderter Organismen einsetzten, bis diese besser erforscht seien. Von 1998 bis 2007 gehörte er zwei französischen Regierungskommissionen (Commission du Génie Biomoléculaire und Comité de Biovigilance) an, die die Auswirkung der Einführung gentechnisch veränderter Organismen untersuchten. Gemeinsam mit der ehemaligen französischen Umweltministerin Corinne Lepage und dem Botaniker Jean-Marie Pelt gründete Séralini das Comité de Recherche et d’Information Indépendantes sur le Génie Génétique (CRII-GEN), das unabhängige Untersuchungen zu Auswirkungen von gentechnisch veränderter Organismen ermöglichen soll. 2003 gehörte er dem Beratergremium des Rates der Europäischen Union an. Es ging hier um den vor der Welthandelsorganisation ausgetragenen Rechtsstreit zwischen den Vereinigten Staaten, Argentinien und Kanada und der Europäischen Union um das faktisch bestehende Moratorium, das eine kommerzielle Einfuhr gentechnisch veränderter Organismen in die Europäische Union unterband. Séralini war mit der Entwicklung der Verteidigungsstrategie betraut.

Ehrungen [Bearbeiten]

  • Für sein Werk: Le sursis de l'espèce humaine wurde ihm 1998 der Philipps Award for Scientific Popularization von Science Frontières überreicht.
  • Am 28. Mai 2008 wurde Séralini für seine Verdienste der Ordre national du Mérite (Chevalier) verliehen.

Kontroversen [Bearbeiten]

Im Januar 2011 gewann Séralini ein Verfahren wegen „übler Nachrede“, das er gegen Marc Fellous, Präsident der Association Française des Biotechnologies Végétales – Befürworter gentechnisch veränderter Organismen – angestrengt hatte. Hintergrund war, dass seine Neutralität im Zusammenhang mit einer Studie zu Auswirkungen von drei genetisch veränderten Maissorten auf die Gesundheit von Säugetieren in Zweifel gezogen wurde. Die 17. Kammer des tribunal correctionnel de Paris bestätigte, dass der Vorwurf, eine finanzielle Beteiligung von Greenpeace hätte die Studienergebnisse beeinflusst diffamierend gewesen ist, weitere Vorwürfe wurden von der Jury jedoch an den wissenschaftlichen Diskurs rückverwiesen.[2][3]

Séralinis vielbeachtete Studie "Long Term Toxicity of a Roundup Herbicide and a Roundup-tolerant Genetically Modified Maize" zur Auswirkung von genetisch modifziertem Mais auf Ratten wurde von Teilen der Wissenschaft und staatlichen Stellen als methodisch unzureichend kritisiert.[4][5]

Schriften (Auswahl) [Bearbeiten]

Bücher [Bearbeiten]

Zeitschriftenbeiträge [Bearbeiten]

Gilles-Éric Séralini veröffentlichte mehr als 150 wissenschaftliche Arbeiten.

  • Gilles-Éric Séralini, Dominique Cellier, Joël Spiroux de Vendomois: New Analysis of a Rat Feeding Study with a Genetically Modified Maize Reveals Signs of Hepatorenal Toxicity. In: Archives of Environmental Contamination and Toxicology. Band 52, Nummer 4, S. 596–602, DOI:10.1007/s00244-006-0149-5.
  • Joël Spiroux de Vendômois, François Roullier, Dominique Cellier, Gilles-Éric Séralini: A Comparison of the Effects of Three GM Corn Varieties on Mammalian Health. In: International Journal of Biological Sciences. Band 5, 2009, S. 706-726, (online).
  • Gilles-Éric Séralini, Joël Spiroux de Vendômois, Dominique Cellier, Charles Sultan, Marcello Buiatti, Lou Gallagher, Michael Antoniou, Krishna R. Dronamraju: How Subchronic and Chronic Health Effects can be Neglected for GMOs, Pesticides or Chemicals. In: International Journal of Biological Sciences. Band 5, 2009, S. 438–443 (online).
  • Céline Gasnier, Claire Laurant, Cécile Decroix-Laporte, Robin Mesnage, Emilie Clair, Carine Travert, Gilles-Éric Séralini: Defined plant extracts can protect human cells against combined xenobiotic effects. In: Journal of Occupational Medicine and Toxicology. Band 6, 2011 DOI:10.1186/1745-6673-6-3.
  • Gilles-Éric Séralini, Emilie Clair, Robin Mesnage, Steeve Gress, Nicolas Defarge, Manuela Malatesta, Didier Hennequin, Joël Spiroux de Vendômois: Long term toxicity of a Roundup herbicide and a Roundup-tolerant genetically modified maize. In: Food and Chemical Toxicology. (im Druck, doi:10.1016/j.fct.2012.08.005).

Nachweise [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Website des Pole risques
  2. Séralini gewinnt Prozess. In: Gen-ethischer Informationsdienst. April 2011, S. 40–42, (online)
  3. Marc Mennessier: Un chercheur condamné pour diffamation. Le Pr Fellous avait contesté l'«indépendance» d'un confrère anti-OGM. In: Le Figaro. 19. Januar 2011, (online, abgerufen 30. Oktober 2011).
  4. Butler, Declan. "Hyped GM maize study faces growing scrutiny." Nature 490.7419 (2012): 158-158.
  5. http://www.forbes.com/sites/henrymiller/2012/09/25/scientists-smell-a-rat-in-fraudulent-genetic-engineering-study/

Weblinks [Bearbeiten]