Corinne Lepage

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Corinne Lepage (2014)

Corinne Lepage (* 11. Mai 1951 in Boulogne-Billancourt, Département Hauts-de-Seine) ist eine französische Politikerin, Gründerin und Vorsitzende der Partei Citoyenneté Action Participation pour le XXIe siècle (CAP 21) seit 1996, Mitgründerin und stellvertretende Vorsitzende der Partei Mouvement démocrate (MoDem). Sie ist ebenfalls Gründungsmitglied des Vereins CRII-GEN, der Auswirkungen von Gentechnik auf Lebewesen untersucht. Seit Juni 2009 ist Lepage Mitglied des europäischen Parlaments in der Fraktion ALDE[1].

Leben[Bearbeiten]

Als junge Anwältin gründete sie 1978 die erste Anwaltskanzlei mit ihrem Ehemann, die auf Umweltrecht spezialisiert ist. Sie wurde durch die Verteidigung der vom Ölunglück des Tankers Amoco Cadiz an der Küste der Bretagne (Frankreich) betroffenen Kommunen berühmt.

1989 wurde sie in den Stadtrat von Cabourg (Département Calvados) gewählt und kandidierte dann 1993 für die Assemblée Nationale. Nach der Präsidentschaftswahl 1995 und nachdem Alain Juppé neuer Ministerpräsident geworden war, wurde sie zur Umweltministerin berufen. Mit der Auflösung der Nationalversammlung im Jahre 1997 verlor sie ihr Amt.

Sie ist Mitbegründer verschiedener nicht-staatlicher Organisationen für den Umweltschutz:

  • Comité de Recherche et d’Informations Indépendantes sur le Génie Génétique (CRII GEN); eine wissenschaftliche Organisation, die die Auswirkung von gentechnisch veränderten Organismen auf die Gesundheit und die Umwelt untersucht.
  • Observatoire de Vigilance et d'Alerte Écologique; diese Organisation kämpft unter anderem für die Transparenz bei Unfällen und Kontamination in den Kernkraftenergieanlagen Frankreichs.

Sie ist ebenfalls im Kampf gegen Korruption in Politik und Wirtschaft als Vorstandsmitglied des Transparency International France engagiert.

2002 kandidierte sie für die Präsidentenwahl und erzielt 1,88 % der Stimmen im ersten Wahlgang[2]. Bei der Regionalwahl 2004 führte sie die Liste der UDF in Paris; nahm aber nach der Fusion der Listen UDF und UMP am zweiten Wahlgang nicht mehr teil.

2007 trat sie nicht als Kandidatin an, sondern unterstützte François Bayrou[3]. Nach den Wahlen war CAP 21 an der Gründung der von François Bayrou geführten Partei Mouvement démocrate (MoDem) beteiligt; Corinne Lepage wurde stellvertretende Vorsitzende. Sie wurde bei der Europawahl in Frankreich 2009 als Europaabgeordnete der Partei Modem im Wahlkreis Nord-Ouest gewählt.

Im Dezember 2009 begründete sie ein Think Tank namens Terre Democrate, in dem alle Bürger, die daran mitteilen möchten, bis zum Dezember 2010 neue politische und soziale Ideen kreieren sollen.

Im Jahre 2009 kritisierte Corinne Lepage aus ökonomischen, sozialen und ökologischen Gründen die massive Nutzung der Atomkraft in Frankreich: "Bei der Atomkraft handelt es sich in Frankreich quasi um eine Religion [...] Ich bin nicht von vornherein gegen Nukleartechnik. Doch ich denke, sie wirft viele Probleme auf. Und ich bin nicht sicher, ob sie wirtschaftlich rentabel ist. Sicher bin ich aber, dass sie an vielen Übeln in der französischen Gesellschaft schuld ist. Wegen der undurchsichtigen Heimlichtuerei, in die sich das System hineinmanövriert hat, die auf viele andere Bereiche übergegriffen hat, weil man geheim halten musste, dass sie für die Atomkraft geschahen. Zweitens verursacht sie einen Teil unser aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Denn dadurch, dass wir allein auf die Atomkraft gesetzt haben, haben wir keine erneuerbaren Energien entwickelt, keine neuen Materialien, etc. etc. Und unsere Industrie hinkt hinterher."[4]

Schriften[Bearbeiten]

  • Code annoté de procédures administratives contentieuses. 1990.
  • Les Audits d'environnement. 1992.
  • On ne peut rien faire, madame le Ministre. 1998.
  • Bien gérer l'environnement, une chance pour l'entreprise. 1999.
  • La Politique de précaution. mit François Guéry. 2000.
  • Oser l'espérance. 2001.
  • De l'Écologie hors de l'imposture et de l'opportunisme. Kollektion Temps critique. 2003, ISBN 2-87781-074-7.
  • Santé & Environnement: l'ABCdaire. 2005.
  • J'arrive. 2005. (mit dem Pseudonym Catherine Médicis)
  • L'Entreprise responsable. Sociale, éthique, "verte"… et bénéficiaire? von Cécile Jolly, Vorwort von Corinne Lepage, Verlag Éd. du Félin, 2006, ISBN 2-86645-617-3.
  • Et si c’était elle. Éditions Michalon, 2006, ISBN 2-84186-320-4.
  • Constitution pour une nouvelle République. 2006, ISBN 2-35310-000-7.
  • On efface tout et on recommence. 2006. (mit dem Pseudonym Catherine Médicis)
  • Vivre autrement. Verlag Grasset, 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Corinne Lepage – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Eintrag zu Corinne Lepage in der Abgeordneten-Datenbank des Europäischen Parlaments
  2. Ergebnis der Präsidentschaftswahl am 21. April und 5. Mai 2002, www.wahlrecht.de (Quelle: Ministère de l'Intérieur)
  3. Le Monde (französisch)
  4. Corinne Lepage im Interview in dem Film Alptraum Atomkraft von Eric Guéret, gesendet am 15. Oktober 2009 auf ARTE