Transgener Mais

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Transgener Mais, von der Presse teilweise auch verkürzt Genmais genannt, bezeichnet gentechnisch veränderten Mais (Gv-Mais oder ganz allgemein GVO). Die Einschleusung bestimmter Gene aus Bakterien in das Mais-Genom soll unter anderem die Schädlingsbekämpfung erleichtern und verbessern.

Einige transgene Maissorten haben bereits zu einer Verminderung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln geführt, wodurch die Umweltbelastung durch Pestizide zurückging. Bei Bt-Mais kam es außerdem zu Ertragssteigerungen. Andere Sorten sind speziell auf bestimmte Herbizide abgestimmt, was deren Einsatz vereinfacht. Durch die Verwendung von transgenem Mais konnten Landwirte höhere Einkommen erzielen.[1]

Wie andere Anwendungen der Grünen Gentechnik ist auch transgener Mais umstritten. Kritiker berufen sich auf mögliche ökologische und gesundheitliche Folgen, die nur unzureichend abgeschätzt werden könnten. Befürworter argumentieren, dass es derzeit keine wissenschaftlich abgesicherten Nachweise für negative gesundheitliche Auswirkungen auf Menschen und Wirbeltiere oder Belastungen natürlicher Ökosysteme gebe.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Merkmale

Je nach gewünschter Eigenschaft können die Pflanzen folgende Merkmale (auch in Kombination) aufweisen:

Bei den derzeit kommerziell angebauten GVO wird diese Eigenschaft am häufigsten verwendet.
Bisher einziger Vertreter ist der Bt-Mais und die bekannteste Linie ist MON810
Als erster Vertreter dieser Zielgruppe von Gv-Pflanzen überhaupt wird Trockentoleranter Mais gezüchtet.
Das Ziel der Forschung hierbei ist zum Beispiel ein besserer Aufschluss der Maisstärke und damit mehr Effektivität bei der Herstellung von Bioethanol (→ Energiepflanzen)

[Bearbeiten] Bt-Mais

Raupe des Maiszünslers Ostrinia nubilalis, schwächt durch seine Fraßgänge die Standfestigkeit der Pflanze.

Der Bt-Mais ist eine Variante des Gv-Mais, in die ein Gen des Bakteriums B. thuringiensis eingeschleust wurde. B. thuringiensis ist ein weltweit verbreitetes Bodenbakterium, dessen Unterarten über 200 verschiedene Proteine (Bt-Toxine) produzieren, die jeweils spezifisch auf die Larven bestimmter Insektenarten der Ordnungen Käfer, Schmetterlinge, Zweiflügler und Hautflügler sowie Nematoden tödlich wirken. Hierunter fallen wichtige Mais-Schädlinge wie der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) und der westliche Maiswurzelbohrer. Die Pflanze bildet eine zunächst ungiftige Vorstufe des Toxins (Protoxin). Erst im Darm bestimmter Insekten wird es in das Protein Delta-Endotoxin umgewandelt. Nachdem es an bestimmte Rezeptoren an der Darmwand des Insekts gebunden hat, beginnt sich diese zu zersetzen, was zum Hungertod führt. Für Pflanzen, Wirbeltiere und den Menschen ist das Toxin unschädlich, da es im Magen vollständig abgebaut wird. Es ist vollständig biologisch abbaubar. Bt-Toxine werden als Präparate (Suspensionen) seit Jahrzehnten im biologischen Pflanzenschutz eingesetzt und sind auch im Ökolandbau zugelassen, zum Beispiel gegen den Maiszünsler unter dem Handelsnamen Dipel ES.[2][3]

Die konstante Präsenz des Protoxins im Feld ist der periodischen Anwendung von biologischen oder chemischen Insektiziden insofern überlegen, dass die Schadinsekten dem Gift ständig ausgesetzt sind. Ein weiterer Vorteil gegenüber der Verwendung von Bt-Suspensionen besteht darin, dass Schädlinge das Gift direkt mit ihrer Nahrung (Maispflanze) fressen, anstatt dass sie die Suspension separat aufnehmen müssen. Ein wichtiger Vorteil von Bt-Mais gegenüber konventionellem Mais in Verbindung mit chemischen Insektiziden ist die erhöhte Präzision: Schädlinge können gezielter bekämpft und Nichtzielorganismen leichter verschont werden, da diese nicht von der Pflanze fressen bzw. das Toxin bei ihnen wirkungslos ist.[3]

Aus der Perspektive des Landwirts stehen potenzielle Einsparungen bei konventionellen Insektiziden und Einkommenssteigerungen durch mögliche höhere Erträge den oft höheren Kosten des Bt-Maissaatguts im Vergleich zu konventionellem Saatgut gegenüber.

1997 kam erstmals Bt-Mais mit Resistenz gegen den Maiszünsler auf den Markt, 2003 folgte eine Variante gegen den Maiswurzelbohrer. Mittlerweile sind mehr als 100 Patente auf verschiedene gentechnische Varianten des Proteins, des Bakteriums und der veränderten Pflanzen angemeldet worden. Bt-Mais gibt es von den Herstellern Monsanto, Syngenta, Pioneer Hi-Bred (DuPont), Mycogen Seeds (Dow AgroSciences).

[Bearbeiten] MON810

Bt-Mais der Linie MON810 des US-amerikanischen Agrarkonzerns Monsanto ist eine der am häufigsten verwendeten Sorten weltweit. Inzwischen sinkt die Verbreitung zugunsten neuerer transgener Sorten mit kombinierter Insekten- und Herbizidresistenz.[4]

[Bearbeiten] StarLink

StarLink war eine auf die USA beschränkte Bt-Mais-Variante von Aventis CropScience. Die kommerzielle Nutzung des Saatguts wurde von den US-Behörden nur mit der Auflage gestattet, dass keine für den menschlichen Verzehr bestimmten Produkte daraus entstehen dürften, da ein in StarLink eingefügtes Protein möglicherweise Allergien hervorrufen könnte. Als StarLink-Mais im Herbst 2000 dann doch in Nahrungsmitteln nachgewiesen wurde, entwickelte sich ein PR-Desaster für Aventis, das schließlich zur kompletten Einstellung des Verkaufs von StarLink-Saatgut führte. In späteren Untersuchungen konnte eine allergene Wirkung nicht bestätigt werden. [5]

[Bearbeiten] Trockentoleranter Mais

Bei Bakterien der Gattung Bacillus subtilis, die extreme Kälte überlebten, wurde ein Gen identifiziert, welches auch Pflanzen über Stresssituationen wie Trockenheit helfen kann. In Feldversuchen erzielte mit diesem cspB-Gen ausgestatteter Mais von BASF und Monsanto eine Ertragssteigerung von sechs bis zehn Prozent. Die Produktzulassungen sind bei den entsprechenden Behörden in Nordamerika, Kolumbien und in der Europäischen Union beantragt. Mit der Markteinführung wird 2012 gerechnet.[6]

[Bearbeiten] Rechtliches, Praxis

[Bearbeiten] Zulassung in Europa

Hauptartikel Grüne Gentechnik

2009 sind in der EU 12 Linien Gv-Mais als Futter- und Lebensmittel zugelassen und 2 für den Anbau (MON810, T25). Anträge über weitere 14 Linien für den Anbau und 34 als Futter- und Lebensmittel sind in Bearbeitung.[7]

Auf Grund der in der Freisetzungsrichtlinie enthaltenen "Schutzklausel" ist in mehreren EU-Ländern (Deutschland, Österreich, Frankreich, Ungarn, Luxemburg und Griechenland) die Kultivierung von MON810 derzeit verboten.[8][9]

In der Schweiz ist kein Gv-Mais als Saatgut zugelassen. Drei Linien sind als Futter- und Lebensmittel bewilligt.

Auf Grund der noch herrschenden Rechtsunsicherheit bei GVO-Beimischungen kommt es immer wieder zu Berichten in den Medien, weil Behörden auf geringfügige Anteile von GVO-Saatgut in konventionellen Chargen uneinheitlich reagieren. 2009 wurden Spuren der Linie NK603 gefunden, die zwar als Lebens- und Futtermittel zugelassen ist, aber nicht zum Anbau.[10]

[Bearbeiten] Kennzeichnungspflicht

In der EU muss gentechnisch veränderter Mais in Lebensmitteln kenntlich gemacht werden, beispielsweise mit dem Hinweis genetisch veränderter Mais oder aus genetisch verändertem Mais[11]. Chemisch modifizierte Lebensmittelzusatzstoffe (Zusatzstoffe der zweiten Generation) aus gentechnisch verändertem Mais, wie etwa modifizierte Maisstärke, müssen nicht gesondert gekennzeichnet werden. Nicht ausgezeichnet werden bisher zudem tierische Produkte, die durch Verfütterung von gentechnisch verändertem Mais gewonnen werden. Dieser kann seit August 2005 zu diesem Zwecke in der EU importiert werden.

[Bearbeiten] Anbau

Anbau in der EU

Gv-Mais war einer der ersten GVO, die wirtschaftlich im großen Stil angebaut und als Nahrungspflanzen genutzt wurden. Die Anbaufelder liegen vor allem in den USA, wo im Jahr 2000 bereits über zehn Millionen Hektar angepflanzt waren. 2009 erfolgt der Anbau dort auf einer Fläche von 29,9 Millionen Hektar, was einem Anteil von rund 85% entspricht. Dabei entfallen 17% auf insektenresistente, 22% auf herbizidresistente Sorten und 46% auf eine Kombination aus beidem.[4] Für Bt-Mais bestehen strenge Regeln in den USA, um Resistenzentwicklungen bei Fraßinsekten zu vermeiden. Demnach müssen 20% der Fläche (in einigen Gegenden im Süden 50%) als Rückzugsgebiete mit für die Insekten unschädlichen Sorten angebaut werden.[12]

Das erste Pilotprojekt in Deutschland startete 1998 mit der Aussaat auf 350 Hektar im Rahmen der Sortenprüfung. In Europa wurden 2008 zusammen etwa 108.000 Hektar Gv-Mais angepflanzt, davon 80.000 in Spanien.

Weltweit findet der Anbau von GVO auf mehr als 125 Millionen Hektar statt (davon 35 Millionen Hektar transgener Mais, wobei Bt-Mais den größten Teil ausmacht).[13][14] Das entspricht dem 6,6-fachen der gesamten deutschen Landwirtschaftsfläche (18,9 Millionen Hektar [2007])[15] bzw. knapp 9% des weltweit nutzbaren Ackerlandes (1.404 Millionen Hektar [2002]).[16] Transgener Mais wurde 2008 in den USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Südafrika, Uruguay, den Philippinen, Spanien, Chile, Honduras, Tschechien, Rumänien, Portugal, Deutschland, Polen, der Slovakei und Ägypten angebaut.[17]

[Bearbeiten] Erfahrungen mit transgenem Mais

[Bearbeiten] herbizidtoleranter Mais

In den meisten Fällen wurden keine Ertragsvorteile gegenüber konventionellem Mais beobachtet. Jedoch zeigen sich in Studien für die USA, Kanada, Südafrika und Argentinien Kosteneinsparungen durch geringeren Einsatz von Herbiziden, Arbeit und Maschinen, die die höheren Saatgutkosten mehr als aufwiegen. Herbizidtoleranter Mais steigerte in allen untersuchten Ländern Deckungsbeiträge und Farmeinkommen.[1]

Der geringere Einsatz von Herbiziden wirkt sich positiv auf die Umwelt aus: Die Umweltbelastung durch Herbizide bei Einsatz von herbizidtolerantem Mais, gemessen im Environmental Impact Quotient (EIQ), lag 2005 in den USA um 4%, in Kanada 5% und in Südafrika um 0.44% unter dem Wert für konventionellen Mais.[1]

[Bearbeiten] Bt-Mais

Durch die verbesserte Schädlingskontrolle führte der Bt-Mais zu Ertragsvorteilen von mehr als 5% in den USA, Kanada und Spanien. In Argentinien werden die Ertragszuwächse auf 9% geschätzt. Auf den Philippinen wurden Ertragszuwächse von 24.5% plus eine Qualitätsverbesserung von 10% festgestellt. Die Kosteneinsparungen durch geringere Anwendung von Insektiziden sind höher als der Kostenanstieg beim Saatgut. Bt-Mais steigerte in allen untersuchten Ländern Deckungsbeiträge und Farmeinkommen.[1]

Der geringere Einsatz von Insektiziden wirkt sich positiv auf die Umwelt aus: Die Umweltbelastung von Pestiziden durch Bt-Mais, gemessen im EIQ, lag 2005 in den USA um 5%, in Südafrika um 2% und in Spanien um 30% unter dem Wert für konventionellen Mais.[1]

Neben dem internen Schutz der Pflanzen vor spezifischen Schädlingen haben Studien in mehreren Ländern ergeben, dass der Bt-Mais weit weniger mit Schimmelpilzen und den zugehörigen, meist krebserregenden Giften der Pilze belastet ist. Dies liegt an der verringerten Fraßschädigung, die zugleich ein Ansammeln von Wasser in den Fraßgängen und damit ein Wachstum der Pilze verhindert.[18][19]

[Bearbeiten] Kontroverse um Gv-Mais

[Bearbeiten] Deutschland

Zu Beginn des Jahres 2000 wurde der Anbau in Deutschland auf massiven Druck verschiedener Umweltschutzorganisationen (Greenpeace, BUND u.a.) durch die damaligen Grünen-Minister Jürgen Trittin und Andrea Fischer gestoppt. Im Zuge von Gesetzesänderungen wurde ab 2004 zunächst der Erprobungsanbau wieder aufgenommen. Durch Übernahme der EU-Freisetzungsrichtlinie in nationales Recht konnte ab 2006 auch kommerzieller Anbau erfolgen.

Am 14. April 2009 wurde die Zulassung für MON810 ausgesetzt.[9] Während diese Entscheidung von Gegnern der grünen Gentechnik und der CSU einhellig begrüßt wurde, protestierten zehn renommierte deutsche Wissenschaftsorganisationen (u.a. Helmholtz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft) in einer gemeinsamen Erklärung gegen die Entscheidung.[20] Am 5. Mai 2009 unterlag der Hersteller Monsanto in einer vorläufigen Entscheidung mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig gegen das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit verhängte Anbauverbot.[21]

Am 7. Juli 2009 veröffentlichte die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ihre Risikobewertung von MON810. Dabei wurde festgestellt, dass vom Anbau von MON810 keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt ausgehen. Die Studien, welche zum Teil maßgeblich herangezogen wurden für das Anbauverbot, umfassten zumeist Laboruntersuchungen und nicht die Situation unter Anbaubedingungen.[22][23] Zuvor hatten französische Forscher eine Auswertung von wissenschaftlicher Literatur zu Bt-Mais seit 1996 vorgenommen und waren zu dem Schluss gekommen, dass es keine wissenschaftliche Grundlage für ein Anbauverbot gäbe.[24]

[Bearbeiten] Umwelt

Nach Ansicht der Gegnern der Grünen Gentechnik besteht die Gefahr,

  • dass Krankheitserreger des Menschen durch den Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen vermehrt Antibiotikaresistenzen entwickeln können,
  • dass neben den Zielinsekten auch weitere Organismen geschädigt werden können,
  • dass die Schadinsekten mittelfristig ebenfalls Resistenzen durch das Bt-Gift entwickeln können und so das Bioinsektizid im Mais unwirksam wird und
  • dass ein Anbau von transgenem Mais in Mexiko durch Aukreuzungen auf wilde Artverwandte die Biodiversität verringern könnte.

Eine Studie der Universität Leeds mit Hühnern ergab, dass es keine höhere Wahrscheinlichkeit für den Übergang von Antibiotikaresistenz auf Bakterien gibt.[25]

Das Risiko der Schädigung weiterer Insekten neben dem Schadinsekt Maiszünsler wird je nach Untersuchung unterschiedlich eingeschätzt. Während die Studie der Cornell-Universität von 1999[26] eine mögliche Schädigung des Monarchfalters fand, wurden diese Wirkungen in Studien im Wissenschaftsjournal Proceedings of the National Academy of Sciences relativiert. Danach erreichte die Pollenkonzentration auf den Blättern der Seidenpflanzen selten ein für den Monarchfalter schädliches Niveau; nur ein Teil der Schmetterlinge ernährt sich demnach von Pflanzen nahe der Maisfelder und der Zeitraum des Pollenflugs der Maispflanze und der des Auftretens des Monarchfalter überlappten kaum.[27]

Es gibt zahlreiche weitere Untersuchungen zu Wirkungen von Gv-Mais auf verschiedene Organismengruppen[28] mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Während beispielsweise Honigbienen[29] und eine häufige Regenwurmart[30] bei Fütterungsversuchen mit Bt-Mais wenig geschädigt wurden, gab es bei Schmetterlingen deutlichere Effekte.[31] Der Maiszünsler, der durch den Bt-Mais bekämpft werden soll, gehört ebenfalls zu den Schmetterlingen. Raupen verschiedener Schmetterlingsarten wurden mit Pollen von Bt176, einer transgenen Maissorte mit sehr hohem Bt-Gehalt gefüttert. Die LD50, also die Dosis, bei der 50 % der Versuchstiere starben, lag etwa beim Tagpfauenauge bei 37–80 Maispollen, beim Kleinen Kohlweißling ähnlich wie beim Maiszünsler bei 39 Pollen und bei der besonders empfindlichen Kohlmotte bei nur 8 Maispollen; Auf die Pollen der Bt-Maislinie MON810, die einen sehr viel geringeren Toxingehalt aufweist, gab es allerdings auch bei mehr als 80 Pollen bei dieser Art keine erkennbare Schädigung. Die Forscher kamen in ihren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die 79 von ihnen in der Nähe des Bt-Maisfeldes kartierten Schmetterlingsarten bei einem Anbau von Bt-Mais mit hoher Toxin-Expression im Pollen potenziell gefährdet sind.

Eine Untersuchung der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft zeigte 2006, dass Beeinträchtigungen durch Bt-Mais auf Bodenorganismen, wenn sie überhaupt nachweisbar waren, weniger stark waren, als sie zum Beispiel durch Wettereinflüsse ganz natürlich hervorgerufen werden.[32]

2007 wurde in Nordrhein-Westfalen erstmals aufgrund des milden Winters Durchwuchs von Gv-Mais beobachtet – das heißt, im Jahr nach dem Maisanbau keimten aufgrund des milden Winters Maiskörner des Vorjahres, die bei der Ernte auf dem Feld verblieben waren, was eine unkontrollierte Ausbreitung transgener Pflanzen bedeuten könnte. Der Grund für das Auftreten von Gv-Durchwuchsmais auf dieser Fläche war laut Auskunft des Betreibers die Zerstörung der Freisetzungsversuche in 2006 durch Aktivisten.[33]

In Mexiko ist der Anbau von transgenem Mais seit 1998 verboten, um Landrassen und wilde Verwandte des Mais vor möglichen Auskreuzungen zu schützen. Nach Zeitungsberichten widersetzen sich mexikanische Bauern jedoch diesem Verbot und bauen Bt-Mais an. Eine 2009 veröffentlichte Studie fand in 1% von über 100 untersuchten Feldern in Mexiko Bt-Gene in Mais-Landrassen. Dabei ist unklar, ob eine gentechnische Einbringung des Bt-Gens in Landrassen illegalerweise vorgenommen wurden, oder ob die Gene von regulären, illegal angebauten Bt-Maissorten unbeabsichtigt ausgekreuzt wurden.[34]

Bei allen durchgeführten Laborversuchen zu Gv-Mais sind die Bedingungen ganz andere als im Freiland und bei Anbau von großen Flächen. Letzten Endes kann daher die Auswirkung von Gv-Mais auf die Umwelt durch Laborversuche nicht vorhergesagt werden.

[Bearbeiten] Imkerei

Im Mai 2007 hat das Verwaltungsgericht Augsburg den Betreiber eines Ackers mit MON810 verpflichtet, den Mais am Blühen zu hindern – durch frühzeitige Ernte oder Abschneiden der einzelnen Blütenstände. Nur so könne verhindert werden, dass Bienenvölker in der Nähe des Maisackers auch transgene Maispollen einsammeln. Honig, der MON810-Pollen enthält, sei nicht als Lebensmittel zugelassen, argumentierte das Gericht.[35] Einen Monat später wurde dieser Entscheid durch das Bayerische Verwaltungsgericht aufgehoben.[36]

Der Gesamtpollenanteil im Honig beträgt maximal 0,5 Prozent. Somit liegt ein möglicher Anteil aus Gv-Mais in jedem Fall unter dem maßgebenden Schwellenwert von 0,9 Prozent und wird nach aktuellem Recht als "technisch unvermeidbare" Beimischung angesehen.[37]

[Bearbeiten] Fütterungsexperimente

2005 wurden in einer Fütterungsstudie zwei Gruppen von Schweinen für 35 Tage mit transgenem Mais (MON810) oder, zum Vergleich, mit konventionellem Mais gefüttert [38]. In beiden Gruppen konnten anschließend Bruchstücke von Mais-Genen in mehreren Geweben nachgewiesen werden. In der mit MON810 gefütterten Gruppe wurden außerdem Bruchstücke, aber in keinem Fall funktionstüchtige Abschnitte der transgenen DNA nachgewiesen. Eine statistische Analyse der Ergebnisse ergab, dass die DNA konventioneller und transgener Pflanzen in gleichem Maße im Gewebe der gefütterten Tiere zu finden war. Es ergaben sich ebenfalls keine Hinweise, dass das Transgen mit höherer Wahrscheinlichkeit in Tiergeweben zu finden ist als andere Abschnitte des Mais-Erbguts. Zusammenfassend halten die Autoren es für unwahrscheinlich, dass Erbgut aus transgenen Pflanzen in stärkerem Maße auf Tiere übergeht als die DNA von nicht-transgenen Pflanzen.

In einer Langzeitstudie an Schafen konnten 2008 keine nachteiligen Auswirkungen auf Verhalten, Gewichtszunahme, Immunsystem, Verdauungssystem, Kreislauf, Atmung, Fortpflanzung oder Anzahl der Lämmer beobachtet werden.[39]

In einer Studie an der Veterinärmedizinischen Uniklinik Wien an Mäusen wurden potentielle Langzeitfolgen der Fütterung mit transgenem Mais untersucht.[40] Die Ergebnisse dieser Anfang 2008 abgeschlossenen Studie wurden bisher nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht, von fachkundigen wissenschaftlichen Gutachtern bestätigt oder von Dritten reproduziert. Laut Berichten in der Tagespresse[41] wurden die Versuchsmäuse über 20 Wochen und vier Generationen mit einer aus NK603 und MON810 gekreuzten Maissorte gefüttert. Diese Sorte ist seit 2007 in der EU als Lebens- und Futtermittel zugelassen. In der dritten Mäusegeneration sind laut Berichten über die Studie „statistisch signifikante“ Unterschiede bei der Anzahl der Nachkommen zwischen den Versuchstieren und einer Kontrollgruppe aufgetreten. Auch in der vierten Generation hatten die mit transgenem Mais gefütterten Tiere weniger Nachkommen. Kritisiert wurde, dass ein Mäusepaar bereits von Anfang an steril war, aber trotzdem in der Versuchsgruppe blieb, und dass auf die Begutachtung vor der Veröffentlichung der Ergebnisse verzichtet wurde. Ohne dieses Paar wäre der von den Forschern vermutete negative Einfluss von Gv-Mais auf die Fruchtbarkeit nicht mehr nachweisbar gewesen.[42] Der leitende Professor erklärte bei einer Fachtagung, dass es sich um eine Einzelfallprüfung gehandelt habe, deren Ergebnisse keinesfalls direkt auf den Menschen übertragen werden könnten und Bedarf an weitern Studien bestehe.[43]

[Bearbeiten] Naturschutzgebiete

In Naturschutzgebieten, in denen die Ausbringung von Bioziden untersagt ist, kann die Naturschutzbehörde den Anbau untersagen. Ein entsprechendes Urteil erließ im Jahr 2007 das Verwaltungsgericht Frankfurt an der Oder.[44] Danach ist der Anbau von Bt-Mais mit der im NSG verbotenen Ausbringung von Bioziden gleichzusetzen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c d e Brookes, G. & Barfoot, P. (2006): Global impact of biotech crops: Socio-economic and environmental effects in the first ten years of commercial use. AgBioForum, 9(3), 139-151.
  2. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Zugelassene Pflanzenschutzmittel
  3. a b Bravo A, Gill S, Soberón M (2007). "Mode of action of Bacillus thuringiensis Cry and Cyt toxins and their potential for insect control". Toxicon 49 (4): 423-35. doi:10.1016/j.toxicon.2006.11.022. PMID 17198720
  4. a b USA: Anbau gv-Pflanzen 2009
  5. Untersuchungen zum StarLink-Mais: Allergie-Verdacht nicht bestätigt
  6. Monsanto und BASF legen Entdeckung eines Gens offen, das Mais vor Trockenheit schützt
  7. Zulassungspraxis in der EU
  8. Aigner verbietet Anbau von „Genmais“ Süddeutsche Zeitung vom 14. April 2009
  9. a b Pressemitteilung des BMEVL vom 14. April 2009
  10. Ergebnisse von bundesweitem GVO-Saatgut-Monitoring liegen vor
  11. Europäische Regelungen zur Gentechnikkennzeichnung von Lebensmitteln
  12. Insect Resistance Management Fact Sheet for Bacillus thuringiensis (Bt) Corn Products
  13. Bt-Mais: Der Stand der Dinge (transgen-kompakt) (PDF)
  14. NZZ am Sonntag, 12. April 2009: Für eine Welt ohne Hunger
  15. Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Flächennutzung
  16. FAO: Summary of World Food and Agricultural Statistics, c 3.1 (englisch)
  17. [1]James, C. (2008): Global Status of Commercialized Biotech/GM Crops: 2008. ISAAA Brief No. 39. ISAAA: Ithaca, NY.
  18. Bt-Mais: Weniger Schädlingsfraß, weniger Mykotoxine
  19. Fungal Growth and Fusarium Mycotoxin Content in Isogenic Traditional Maize and Genetically Modified Maize Grown in France and Spain (englisch)
  20. Gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsorganisationen zur Grünen Gentechnik
  21. Verwaltungsgericht lehnt Eilantrag von Monsanto ab
  22. Stellungnahme der ZKBS zur Risikobewertung von MON810 – Neue Studien zur Umweltwirkung von MON810
  23. Keine neuen Hinweise auf Umweltrisiken durch Gentechnik-Mais MON810
  24. Französische Forscher kritisieren MON810-Verbot
  25. The fate of antibiotic resistance marker genes in transgenic plant feed material fed to chickens
  26. Studie der Cornell Universität
  27. PNAS – Monarchfalter
  28. Biosicherheit.de
  29. Biosicherheit.de – Honigbiene
  30. Biosicherheit.de – Regenwurm
  31. Felke und Langenbruch
  32. FAL-Daten zeigen keine Gefahr von Gen-Mais für Bodenmikroorganismen
  33. Transgener Mais überwintert erstmals in Deutschland
  34. Dalton, R. (2008): Modified genes spread to local maize. Nature, Vol. 456, online veröffentlicht am 12. November 2008.
  35. taz-Artikel vom 12. Mai 2007 über den Konflikt einer Imkerei mit dem Anbau von „Genmais“
  36. Bayerischer Verwaltungsgerichtshof: Beschluss vom 21. Juni 2007 (Aktenzeichen: 22 CE 07.1294)
  37. Gen-Mais: Eine Gefahr für Bienen und Honig?
  38. Mazza et al. - Assessing the transfer of genetically modified DNA from feed to animal tissues, Transgenic Research 2005 Oct;14(5):775-84
  39. InterNutrition - GVO-Futtermittel: Keine Nachteile für Tiergesundheit in Langzeitversuch mit Schafen (vierter Absatz)
  40. The Investigation of Potential Diet Related Risks of Bt Corn in a Long-Term Feeding Study with Laboratory Mice
  41. taz-Artikel vom 14. November 2008: Weniger Mäusenachwuchs durch Gentech-Mais
  42. Gentech-Mais: Gesundheitsgefahr oder Panikmache?
  43. Klarstellung zu neuen Erkenntnissen zur Fütterung mit GVO-Mais
  44. Zeitschrift „Natur und Recht“ (2007) 29: 626-628
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