Giovanni Battista Viotti

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Giovanni Battista Viotti

Giovanni Battista Viotti (* 12. Mai 1755 in Fontanetto Po; † 3. März 1824 in London) war ein italienischer Violinist und Komponist, er gilt als einer der Väter der modernen Violintechnik.

Leben[Bearbeiten]

1768 ging Viotti nach Turin und wurde dort 1770 Schüler von Gaetano Pugnani, der bei Giuseppe Tartini studiert hatte. 1775 wurde Viotti Mitglied der Königlichen Kapelle in Turin. Ab 1780 reiste der gefeierte Geigenvirtuose mit Pugnani durch ganz Europa bis nach Sankt Petersburg, wo er sich 1782 von Pugnani trennte. Danach lebte Viotti in Paris, hier gab er am 17. März 1782 sein Debüt bei den Concert spirituel. Auch stand er zeitweise im Dienst der Königin Marie Antoinette. In den Wirren der französischen Revolution zog Viotti nach London und war dort Mitbegründer der Royal Philharmonic Society.

Eine enge und lebenslange Freundschaft unterhielt er zu William und Margaret Chinnery. 1798 wurde Viotti des Landes verwiesen, weil er als Agent des revolutionären Frankreich verdächtigt wurde. Zeitgenössische englische Zeitungen vermuteten jedoch auch eine Intrige zugunsten von Viottis unterlegenem Rivalen, Wilhelm Cramer, und nennen einflussreiche Adlige, die gegen Viotti beim König intrigiert hätten. Trotz Fürsprache wichtiger Personen, auch aus dem Königshaus, musste Viotti am 8. März 1798 das Land verlassen und lebte bis 1799 oder 1801 zurückgezogen in Schenefeld bei Hamburg (heute: Schenefeld, Kreis Pinneberg) auf dem Landgut "Friedrichshulde", das einem reichen englischen Kaufmann, John Smith aus Altona, gehörte. Dort unterrichtete er mehrere Monate lang den erst dreizehnjährigen Friedrich Wilhelm Pixis. Nach mehreren Zeitungsberichten kehrte er im Sommer 1799 oder spätestens Anfang 1800 nach England zurück und lebte incognito auf dem Landgut der Chinnerys in Gillwell bei London. Ab dem Frühjahr 1801 erscheint er wieder selbstverständlich als dort lebender Angehöriger des Haushalts in der Korrespondenz der Chinnerys. Er zog sich ganz aus dem öffentlichen Musikleben zurück, konzertierte jedoch viel bei privaten Anlässen, v.a. in Gillwell. Bereits seit den 1790er-Jahren war er Teilhaber eines Weinhandels. Im Juli 1811 wurde er britischer Staatsbürger.

Nachdem William Chinnery 1812 wegen Veruntreuung einer großen Summe in Ungnade gefallen war, lebten Viotti und Margaret Chinnery zusammen.

Nach der Restauration 1818 kehrte er wieder nach Paris zurück. Inzwischen war der Weinhandel bankrottgegangen und hatte Viotti gewaltige Schulden hinterlassen. In der Hoffnung, diese abbezahlen zu können, nahm er die Leitung des Théâtre-Italien und dann der Opéra an. Von 1818 bis 1821 war er Direktor der Grand Opéra de Paris. 1823 kehrte er mit Margaret Chinnery nach London zurück, wo er mit ihr zusammen lebte und bald darauf verarmt und verschuldet starb. In seinem Nachlass fanden sich u.a. zwei Violinkonzerte (Nr. 28 und 29).

Schaffen und Wirkung[Bearbeiten]

Giovanni Battista Viotti

Viotti komponierte hauptsächlich für die Violine. Er übernahm klassizistische Strukturen. Die letzten Pariser Konzerte (Nr. 14-19, ab 1788) nahmen bereits frühromantische Züge an. Komponisten wie Pierre Rode, Pierre Baillot, Rodolphe Kreutzer und in Deutschland Louis Spohr folgten dem Stil und Modell seiner Konzerte, in geringerem Maße auch Ludwig van Beethoven. Wolfgang Amadeus Mozart fügte dem 16. Violinkonzert Viottis zwei Trompeten und Pauken hinzu (KV 470a). Am bekanntesten wurde Viottis 22. Violinkonzert in a-Moll, das Johannes Brahms in seinem Doppelkonzert in a-Moll op.102 zitierte. Der mit Brahms befreundete berühmte Violinist und Komponist Joseph Joachim schrieb für dieses Konzert Viottis Kadenzen, die auch heute noch gespielt werden. Viotti schrieb zehn seiner Violinkonzerte zu Klavierkonzerten um.

Sein Violinspiel war geprägt durch eine sehr differenzierte, teils kraftvolle, energische, teils weiche Bogenführung. Bezeichnend hierfür ist sein Ausspruch: Le violon c'est l'archet. Zeitzeugen berichteten von seinem für die damalige Zeit kräftigen Vibrato.

Werke[Bearbeiten]

29 Violinkonzerte, davon zwei im Nachlass:

  • 1: C-Dur, 1782
  • 2: E-Dur, 1782
  • 3: A-Dur, Bln. 1781; mit neuem 2. Satz 1782
  • 4: D-Dur, 1782
  • 5: C-Dur, 1782
  • 6: E-Dur, 1782
  • 7: B-Dur, ca. 1783-86
  • 8: D-Dur, ca. 1783-86
  • 9: A-Dur, ca. 1783-86
  • 10: B-Dur, ca. 1783-86
  • 11: A-Dur, 1787
  • 12: B-Dur, 1787-88
  • 13: A-Dur, 1788
  • 14: a-moll, ca. 1788-89
  • 15: B-Dur, ca. 1788-89
  • 16: e-moll, ca. 1789-90 (Mozart schrieb für den 1. und 3. Satz Trompeten- und Paukenstimmen, KV470a)
  • 17: d-moll, ca. 1790-91
  • 18: e-moll, ca. 1790-93
  • 19: g-moll, 1791; revidiert von Viotti, 1818 (das letzte von Viottis Pariser Konzerten)
  • 20: D-Dur, ca. 1792-95
  • 21: E-Dur, ca. 1792-97
  • 22: a-moll, ca. 1803
  • 23: G-Dur, ca. 1793-94
  • 24: h-moll, ca. 1793-97
  • 25: A-Dur, ca. 1795-96
  • 26: B-Dur, ca. 1793-97
  • 27: C-Dur, ca. 1794-96
  • 28: a-moll, ca. 1803-12
  • 29: e-moll, ca. 1801-17
  • 2 Konzertante Sinfonien für zwei Violinen und Orchester
  • 70 Violinsonaten
  • Zahlreiche Duos, Trios und Quartette

Rezeption, Sonstiges[Bearbeiten]

Der italienische Geiger Franco Mezzena spielte von 1990 bis 2004 alle 29 Violinkonzerte ein.[1] Daneben waren 2011 über 20 weitere CDs mit Werken von Viotti erhältlich.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Die beiden Musikwissenschaftler Remo Giazotto und Chappell White schrieben Viotti-Biografien und katalogisierten seine Werke. Den Werksziffern stehen jeweils die Buchstaben G oder W voran.

  • Warwick Lister: Amico : the life of Giovanni Battista Viotti, New York ; Oxford : Oxford University Press, 2009, ISBN 978-0-19-537240-3
  • Denise Yim: Viotti and the Chinnerys: A Relationship Charted Through Letters (Music in Nineteenth-Century Britain); Ashgate Publishing Limited, 2004, ISBN 978-0754631613
  • Chappell White: Giovanni Battista Viotti : (1755 - 1824); a thematic catalogue of his works, New York : Pendragon Pr., 1985, ISBN 0-918728-43-6
  • Remo Giazotto: Giovan Battista Viotti, Mailand : Edizioni Curci, 1956
  • Anke Gerbeth: Die Geiger Wilhelm Cramer und Giovanni Battista Viotti, in: http://www.geigenmacher.at/images/LEGATO%20Ausgabe%201,%20web.pdf

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rezension
  2. [1]

Weblinks[Bearbeiten]