Piemont

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. In der Hundezucht ist Piémont eine Rassenvariante, siehe Berger des Pyrénées.
Piemont
Wappen der Region Piemont Flagge der Region Piemont
Basisdaten
Hauptstadt: Turin
Provinzen: 8
Fläche: 25.399,83 km²
Einwohner: 4.374.052 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 172 Einwohner/km²
Website: www.regione.piemonte.it
ISO 3166-2: IT-21
Präsident: Sergio Chiamparino (PD)
Karte
Sardinien Autonome Region Sizilien Kalabrien Kampanien Basilikata Molise Apulien Abruzzen Latium Marken Umbrien Toskana Ligurien Aostatal Piemont Lombardei Venetien Emilia-Romagna Trentino-Südtirol Friaul-Julisch Venetien San Marino Vatikanstadt Algerien Tunesien Malta Montenegro Bosnien und Herzegowina Kroatien Slowenien Ungarn Schweiz Österreich Schweiz Monaco Frankreich Frankreich FrankreichKarte
Über dieses Bild

Das Piemont (italienisch Piemonte, von lateinisch ad pedem montium ‚am Fuß der Berge‘) ist nach Sizilien die flächenmäßig größte Region in Italien.

Geografie[Bearbeiten]

Das Arnas-Tal bei Usseglio

Das Piemont umfasst eine Fläche von 25.399 Quadratkilometern und hat 4.374.052 Einwohner (Stand 31. Dezember 2012). Das Aostatal im Nordwesten der Region zählt historisch und naturgeografisch zum Piemont, bildet aber als autonome Region mit Sonderstatut eine eigene Verwaltungseinheit. Im Aostatal leben 127.844 Menschen auf einer Fläche von 3.263 Quadratkilometern.

Im Norden grenzt das Piemont an die Schweiz (Kantone Wallis und Tessin), im Westen an Frankreich (Rhône-Alpes bzw. Provence-Alpes-Côte d’Azur), italienische Binnengrenzen finden sich im Süden an die Region Ligurien, im Südosten an die Region Emilia-Romagna, im Osten an die Region Lombardei und im Nordwesten an die Region Aostatal.

Naturgeografisch gliedert sich die Region in drei Teile: Die Alpenregion zieht sich am Rande der Alpen entlang der Süd-, West- und Nordgrenze des Piemont. Hier liegen die okzitanischen Täler (Stura, Maira, Varaita, Po, Pellice, Chisone), das Valle di Susa, die drei Valli di Lanzo, das Valle dell'Orco, das Aostatal, das Valsesia und die Gegend rund um das Westufer des Lago Maggiore. Der höchste Berg des Piemonts ist der Monte Rosa mit 4618m, gefolgt von Gran Paradiso mit 4.061 Metern und Monviso mit 3.841 Metern.
In der Po-Ebene befinden sich die großen Städte des Piemont; hier leben auch die meisten Menschen.
Das Hügelland im Südosten der Region (Monferrato, Langhe, Roero) wird in erster Linie landwirtschaftlich und touristisch genutzt; hier wächst der berühmte Wein (Barolo, Barbera, Barbaresco) des Piemont. Das Hügelland befindet sich in einer Höhe zwischen 150 m und 750 m.

Hauptstadt und zugleich größte und bedeutendste Stadt des Piemont ist Turin. Novara, Alessandria, Asti und Cuneo sind weitere Zentren.

Sprache[Bearbeiten]

Haupt- und Amtssprache ist Italienisch. Weiterhin wird von vielen Einwohnern die Regionalsprache Piemontesisch verwendet. In den abgelegeneren Winkeln der Westalpentäler spricht man außerdem Okzitanisch und Frankoprovenzalisch. Eine weitere Minderheitensprache des Piemont ist Walserdeutsch – ein alemannischer Dialekt, der im oberen Tal der Sesia gesprochen wird.

Im nordwestlich angrenzenden Aostatal sind Italienisch und Französisch Amtssprachen, wobei Frankoprovenzalisch in dieser autonomen Region die einheimische Varietät ist.[2] In drei Ortschaften wird auch hier Walserdeutsch gesprochen.

Geschichte[Bearbeiten]

Spätantike[Bearbeiten]

Die eigenständige Geschichte des Piemont beginnt mit dem Rückzug der Römer beim Zerfall des römischen Reiches. Während der Völkerwanderung wurde die fruchtbare Gegend mehrfach von marodierenden Völkern durchzogen.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im 10. Jahrhundert wurde die Region von Arabern aus Fraxinetum überfallen.

Im Laufe der Zeit unterwarf das Haus Savoyen die Markgrafschaften des Piemont. In wechselnden Bündnissen wurde das Piemont zum Zankapfel zwischen Frankreich und Habsburg.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Im Frieden von Utrecht, der 1713 den Spanischen Erbfolgekrieg beendete, musste Spanien u. a. das Königreich Sizilien an das Haus Savoyen abtreten, woraufhin der Herzog den sizilianischen Königstitel annahm. Schon 1720 tauschten die Savoyer Sizilien gegen Sardinien und nannten sich hinfort Könige von Sardinien.

Nach der Französischen Revolution[Bearbeiten]

Kurz nach der napoleonischen Besetzung 1798 (nach der ebenso furiosen wie überraschenden Winterüberquerung des St.-Bernhard-Passes durch Napoleon Bonaparte) zog sich das Haus Savoyen auf seine Besitzung Sardinien zurück.

Piemontesische Republik (1798–1799)[Bearbeiten]

Die erfolgreiche Kanonade von Valmy erlaubte Frankreich seit dem Herbst 1792 ein offensives Vorgehen seiner Armeen im Ersten Koalitionskrieg. So rückten französische Truppen in den savoyischen Landesteil des Königreichs Sardinien-Piemont ein, um ihn zu befreien und zu annektieren, nachdem ein Nationalkonvent das Volk Savoyens für souverän erklärt hatte. Ab 1794 drang Frankreich auch ins Piemont vor, wurde aber vorerst von Österreich zurückgeschlagen. Der siegreiche oberitalienische Feldzug von General Napoléon Bonaparte ab 1796 zwang den König von Sardinien-Piemont zur Abtretung Savoyens und der Grafschaft Nizza an Frankreich. Zwar schlossen die zwei Staaten 1797 noch eine Allianz, doch veranlasste die bleibende Kriegsgefahr in Italien und die unsichere Lage der Cisalpinischen und Römischen Tochterrepublik Frankreich zu einer Ausdehnung seiner Macht; es zwang Sardinien-Piemont im Vertrag von Cherasco zur Aufgabe Piemonts, das unter französische Militärverwaltung kam. Am 10. Dezember 1798 wurde in der Hauptstadt Turin die Piemontesische Republik ausgerufen, die gemäß französischem Vorbild eine Direktorialverfassung erhielt. Nach dem Beginn des Zweiten Koalitionskriegs im Frühling 1799 führte der französische Zusammenbruch in Italien zu einem schnellen Vormarsch österreichisch-russischer Truppen, die am 20. Juni 1799 Turin besetzten und die Piemontesische Republik auflösten. Der König von Sardinien kehrte zurück.

Subalpinische Republik (1800–1802)[Bearbeiten]

1800 gelang es der französischen Armee, nun wieder unter dem Oberkommando Napoléons, Italien zurückzuerobern (Alpenübergang beim Grossen St. Bernhard-Pass und Sieg bei Marengo). Am 20. Juni 1800 fiel Turin, der König von Sardinien wurde ein zweites Mal für abgesetzt erklärt und die Republik erneut ausgerufen; diesmal unter dem Namen Subalpinische Republik, die unter französischer Militärverwaltung stand und deren Heer in das Frankreichs eingegliedert wurde. Von April 1801 bis September 1802 regierte den Staat nur noch eine provisorische Regierung, und am 11. September 1802 annektierte Frankreich seine Tochterrepublik im Rahmen der Neuordnung Italiens (Wiederherstellung des Königreichs Neapel und des Kirchenstaats, Verwandlung des Herzogtums Toskana ins Königreich Etrurien und der Cisalpinischen in die Italienische Republik). Piemont sowie Savoyen und Nizza wurden erst 1814/1815 nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft aus Frankreich herausgelöst und mit dem restaurierten Königreich Sardinien-Piemont wiedervereinigt.

Vom Wiener Kongress bis zur Gründung des Königreichs Italien[Bearbeiten]

1815 stellte der Wiener Kongress die volle Herrschaft des Hauses Savoyen über das Piemont, Savoyen und die Grafschaft Nizza wieder her und schloss das Gebiet der ehemals unabhängigen Republik Genua (Ligurien) an. Das Königreich Sardinien war zunächst eng mit der Habsburgermonarchie unter Fürst Metternich verbündet. Sardinien-Piemont, welches im Gegensatz zu anderen italienischen Staaten von einer angestammten Dynastie regiert wurde, wurde aber bald als Führungsmacht im Kampf für nationale Einheit und Unabhängigkeit angesehen und stellte sich an die Spitze der Einigungsbewegung. Ab 1847 begannen zunehmend Aufstände gegen die Österreicher, die 1859 in der Schlacht von Solferino gipfelten: die vereinten Piemonteser und Franzosen schlugen die österreichischen Truppen vernichtend.

1861 wurde der Savoyer Viktor Emanuel II. zum König von Italien erhoben und das zentralistisch organisierte Verwaltungssystem des Königreichs Sardinien auf ganz Italien ausgedehnt. Das Piemont verschwand als Verwaltungseinheit, denn ganz Italien wurde nach napoleonischem Muster in 60 Provinzen eingeteilt, in denen Präfekte im Auftrag der Zentralregierung die Herrschaft ausübten. Bis heute ist der italienische Nationalstaat in seinen Institutionen zutiefst piemontesisch geprägt. Da sich das zentralistische piemontesische System nicht für alle Landesteile Italiens eignete, entstanden zu dieser Zeit auch zahlreiche Probleme im wirtschaftlich rückständigen Süden Italiens.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit der Ausrufung der italienischen Republik im Jahre 1946 wurde das Haus Savoyen abgesetzt. Die italienische Verfassung von 1948 führte in Italien erstmals eine umfassende Dezentralisierung ein, die jedoch in den Jahren danach nur zögerlich umgesetzt wurde. 1948 wurde das Aostatal autonom und schied aus dem Piemont aus. Erst in den 1970er Jahren wurde die neue Region Piemont geschaffen. Die 1960er und 1970er Jahre waren durch vielfältige politische und soziale Spannungen gekennzeichnet. 1969 kam es in Turin zu blutigen Arbeiteraufständen, in deren Folge die Terror-Gruppe Rote Brigaden (Brigate Rosse) entstand. Die wirtschaftliche Entwicklung verlief besonders in den 1980er Jahren recht gut. Das Jahrzehnt danach war gekennzeichnet durch z. T. schmerzhafte wirtschaftliche Restrukturierungen und Neuorientierungen, die das von der Industrie geprägte Piemont mehr und mehr zu einem Wirtschaftsstandort für Dienstleistungsunternehmen machte. Auch der Tourismus hat in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle eingenommen. Der Wirtschaftsboom zog wie in anderen europäischen Ländern auch Einwanderer an, nachdem das Piemont im 19. und frühen 20. Jahrhundert eher Herkunftsland von Auswanderern gewesen war; so ist Turin ein Zentrum des Islam in Norditalien.

Politik[Bearbeiten]

Piemont war Vorreiter des Konstitutionalismus und des Laizismus (Trennung von Staat und Kirche) in Italien. Die Region ist traditionell eher bürgerlich und konservativ-liberal geprägt. Aus einer angestrebten weiteren Dezentralisierung Italiens könnte die Region Piemont in den nächsten Jahren politisch gestärkt hervorgehen. Im Gegensatz zur Lombardei und zu Venetien hat die zeitweise separatistische Lega Nord im Piemont nie eine besonders große Rolle gespielt. Das heutige Italien ist ein piemontesischer Abkömmling und dessen ist man sich im Piemont größtenteils bewusst.

Aus der Regionalwahl am 28./29. März 2010 ging jedoch der Präsidentschaftskandidat des Mitte-Rechts-Bündnisses Roberto Cota, Mitglied der Lega, als Sieger hervor und löste die bisherige Präsidentin Mercedes Bresso (Partito Democratico) ab. Im Januar 2014 annullierte das Verwaltungsgericht in Turin jedoch die Wahl. Bei der Regionalwahl am 25. Mai 2014 siegte der ehemalige Bürgermeister Turins, Sergio Chiamparino, von dem Partito Democratico.

Das Regionalparlament Consiglio Regionale del Piemonte hat 50 Sitze. Seit den letzten Wahlen verteilen sich diese wie folgt (Bündnis, Sitze insgesamt, Direktmandate, Sitze über Regionalliste):

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Provinzen der Region Piemont

Zur Region Piemont gehören die folgenden acht Provinzen:

Provinz Fläche (km²) Einwohnerzahl
(31. Dezember 2012)
Bevölkerungs-
dichte (Einw./km²)
Provinz Alessandria 3560 427.354 120
Provinz Asti 1504 217.978 145
Provinz Biella 913 181.426 199
Provinz Cuneo 6903 589.102 85
Provinz Novara 1339 367.022 274
Provinz Turin 6821 2.254.720 331
Provinz Verbano-Cusio-Ossola 2255 160.143 71
Provinz Vercelli 2088 176.307 84

Wirtschaft[Bearbeiten]

Das Piemont zählt zu den reichsten Gegenden Italiens. Im Jahr 2006 lag das regionale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, bei 114,0 % des Durchschnitts der EU-27.[3] Die Arbeitslosenquote liegt mit etwa 3 % deutlich unter dem italienischen Durchschnitt (11 %). Einige der wichtigsten italienischen Unternehmen haben hier ihren Sitz, darunter die Automobilhersteller Fiat und Lancia (beide in Turin), daneben der Nahrungsmittelhersteller Ferrero in Alba und das Elektronikunternehmen Olivetti in Ivrea. Neben moderner Industrie in und um Turin, der Wollverarbeitung in Biella und den Dienstleistungsunternehmen hat auch die Landwirtschaft eine große Bedeutung: in der Po-Ebene wird neben Reis (ein Drittel der europäischen Reisproduktion stammt von hier, Piemont ist das größte europäische Reisanbaugebiet), Obst und Gemüse angebaut, die Hügelgebiete liefern Wein (siehe hierzu auch den Artikel Weinbau im Piemont) und Haselnüsse, im nordwestlich angrenzenden, nicht zum Piemont gehörenden Aostatal wird Rinderzucht betrieben.

Tourismus[Bearbeiten]

Im Vergleich zu anderen Gegenden Italiens ist das Piemont touristisch noch nicht sehr erschlossen. Schwerpunkte des Tourismus liegen im Norden am Lago Maggiore und in den Langhe, wo gastronomisch Begeisterte Wein (insb. Barolo und Barbaresco) und Trüffel genießen. Die Hauptsaison beginnt mit der Trüffelernte im Oktober.

Wandern[Bearbeiten]

Der gesamte Alpenbogen des Piemont kann auf dem 55-tägigen Weitwanderweg Grande Traversata delle Alpi (GTA) und der Via Alpina begangen werden. Daneben existieren in der Region viele Rundwege um bekannte Gipfel, wie der Giro di Viso und der Giro del Marguareis, und Wanderwege, die bestimmte Talregionen erschließen wie die Percorsi Occitani im Mairatal und die Alta Via im Susatal.

Wintersport[Bearbeiten]

Die bedeutendsten Wintersportorte des Piemonts sind Limone Piemonte, Sestriere und Bardonecchia.

Kultur[Bearbeiten]

Palazzo Madama an der Piazza Castello in Turin

Das Piemont ist reich an Kunst- und Kulturschätzen. Zu den berühmtesten Bauten zählen die barocken Repräsentationsgebäude von Turin (Palazzo Reale, Palazzo Madama, die Kirche San Lorenzo). In Stupinigi befindet sich das Lustschloss Palazzina di Caccia. In der späten Renaissance entstand der Sacro Monte (dt: heiliger Berg) von Varallo. Aus dem Mittelalter erhalten ist die Abtei von Staffarda und die Burg von Manta. Aus romanischer Zeit blieb das Kloster San Giulio auf der Insel San Giulio im Ortasee erhalten. Am Lago Maggiore zählen die Borromäischen Inseln zu den größten Attraktionen, hier vor allem die Isola Bella – ein barocker Inselpalast mit mehrstöckigen Gartenanlagen, der die Reisenden von jeher in Erstaunen versetzt.

Berühmte Piemonteser sind etwa Prinz Eugen von Savoyen, der Mathematiker Joseph Louis Mozart Amadäos Jerremy Pascall Tiberius Volker Wolfgang Heiko Peter Olaf Günter Adolf Alfred Walter Lagrange, die Familie Agnelli (Fiat) und die Autoren Umberto Eco aus Alessandria und Primo Levi aus Turin, sowie Paolo Conte aus Asti. Aus Santo Stefano Belbo kommt Cesare Pavese, der die italienische Nachkriegsliteratur wesentlich beeinflusst hat und durch eigenständige Werke, die die piemontesische Heimat in ihrer Ländlichkeit und Turin in seiner Urbanität thematisieren. Seine Übersetzungen amerikanischer Literatur sind ebenso wichtig wie seine tragische Autobiographie.

Verwandte Themen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Piemont – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Piemont – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Minderheitensprachen in Italien (Italienisch)
  3. Eurostat Pressemitteilung 23/2009: Regionales BIP je Einwohner in der EU27 (PDF, 360 KiB)

45.257.9166666666667Koordinaten: 45° N, 8° O