Giovanni Bellini

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Porträt des Dogen Leonardo Loredan, um 1501, National Gallery, London
Pietà, um 1469, Pinacoteca di Brera, Mailand
Madonna degli alberetti, Gallerie dell’Accademia, Venedig

Giovanni Bellini (* um 1437 in Venedig; † 29. November 1516 ebenda[1]), auch Giambellino, im deutschen Sprachraum mitunter auch Gian Bellin genannt, war ein venezianischer Maler.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Giovanni Bellini stammte aus einer venezianischen Malerfamilie. Er war der uneheliche Sohn Jacopo Bellinis, sein Bruder war Gentile Bellini. Sein Frühwerk stand unter dem Einfluss der Malerei seines Schwagers Andrea Mantegna, der mit seiner Schwester Nicolosia verheiratet war. Durch ihn lernten Gentile und Giovanni Bellini insbesondere bei Arbeitsaufenthalten in Padua die Schule des Francesco Squarcione kennen. Weiter wurden sie durch Arbeiten Donatellos beeinflusst, die sie ebenfalls in Padua kennenlernten. Zu den herausragenden Meistern im oberitalienischen Kulturraum zählend, begründete er mit seinem Bruder Gentile die venezianische Malerschule der Frührenaissance.
Einen großen Teil in seinem Werk nehmen Andachtsbilder wie Madonna mit Kind ein. Als Vorbild für seine Madonnenbilder dienten griechische und byzantinische Ikonen, die in Venedig weit verbreitet waren, und deren Stereotype er veränderte. Diese Bilder strahlen eine starke gefühlsmäßige und poetische Beziehung zwischen Mutter und Kind aus. Die Pietà und die Sacra Conversazione bilden einen weiteren Schwerpunkt bei den Andachtsbildern. Beeinflusst von Antonello da Messina seit dessen Aufenthalt in Venedig von 1474 bis 1476 ist Giovanni Bellini neben seinem Vater Jacopo und Bruder Gentile prägend für die Entwicklung des Porträts in der venezianischen Malerei unter Beibehaltung der Unnahbarkeit des frühen venezianischen Porträts. Die Porträtierten werden nunmehr überwiegend im Dreiviertelprofil dargestellt. Berühmt ist auch die im Hintergrund angelegte Darstellung der Landschaft, deren grünlich-goldenes Kolorit ein wesentliches Merkmal der venezianischen Malerei wurde. An die Stelle der zeichnerischen Härte der Frührenaissance tritt nun besonders im Spätwerk die malerische Weichheit, und die Farben erhalten Wärme und Leuchtkraft dank Übernahme der Ölfarben der niederländischen Malerei, die Antonello da Messina in Venedig einführte.
Um der starken Nachfrage nach seinen Bilder nachzukommen nutzte er seine große Werkstatt, aus der auch Giorgione, Tizian und viele weitere berühmte Künstler hervorgingen, zur wiederholten Produktion bereits gefundener Bildlösungen. Er erhielt Aufträge von Isabella d'Este und Francesco Gonzaga.

Zu seinen Hauptwerken zählt das Triptychon Thronende Madonna mit den vier Evangelisten (1488) in der Sakristei der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari in Venedig, welches Albrecht Dürer, der ihn für den größten Maler seiner Zeit hielt, zu seinem Gemälde Die vier Apostel anregte. Nach zahlreichen öffentlichen Aufträgen wird er 1483 zum offiziellen Maler der Republik Venedig ernannt, um sich der Ausmalung der Sala del Maggior Consiglio im Dogenpalast widmen zu können. Viele seiner Bilder verbrannten im Dogenpalast. 1993 wurde ein Bildnis der Madonna mit Kind (1480) aus der Cappella Valier der Kirche Madonna dell'Orto in Cannaregio gestohlen und bis heute nicht wiederaufgefunden.[2]

Einzelwerke (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oskar Bätschmann: Giovanni Bellini. Meister der venezianischen Malerei. Beck, München 2008. ISBN 978-3-406-57094-0.
  • Otto Pächt: Venezianische Malerei des 15. Jahrhunderts. Die Bellinis und Mantegna. Herausgegeben von Margareta Vyoral-Tschapka und Michael Pächt. Prestel, München 2002,.ISBN 3-7913-2810-7.
  • Anchise Tempestini: Giovanni Bellini. Hirmer, München 1998, ISBN 3-7774-7930-6.
  • Luitpold Dussler: Giovanni Bellini. Verlag Anton Schroll, Wien 1949.
  • Peter Humfrey: Das Portrait im Venedig des 15. Jahrhunderts In: Keith Christiansen, Stefan Weppelmann (Hrsg.): Gesichter der Renaissance. Hirmer, München 2011. ISBN 978-3-88609-706-7, S. 48–63, hier: 57, 59, 62f.
  • Keith Christiansen, Stefan Weppelmann: Gesichter der Renaissance. Hirmer, München 2011. S. 342ff, 359ff., 371ff. ISBN 978-3-88609-706-7,.
  • Norbert Huse: Malerei, Zwischen 1460 und 1505 in Norbert Huse, Wolfgang Wolters:Venedig Die Kunst der Renaissance. C.H.Beck, München 2.Aufl. 1996. S. 208ff. ISBN 3-406-41163-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giovanni Bellini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Bätschmann 2008, S. 18
  2. chorusvenezia, Madonna dell’Orto bei chorusvenezia.org abgerufen am 2. Dezember 2012. (englisch)
  3. Bild im digitalen Katalog des Staatsgalerie, abgerufen am 5. Dezember 2012