Isabella d’Este

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Verjüngendes Porträt Isabella d’Este 1536 von Tizian. Zu dieser Zeit war Isabella bereits 62 Jahre alt und verlangte von Tizian ein Jugendbild basierend auf einem Porträt von Francesco Raibolini, gen. Francia, das dieser bereits 1511 auf einer fremden Vorzeichnung (wahrscheinlich von Lorenzo Costa oder Leonardos berühmte Profilzeichnung) und gemäß mündlicher Beschreibung ihrer Halbschwester angefertigt hatte – ohne Modellsitzung.[1] Die Augenfarbe (hellgrau) weicht von den anderen Porträts (braun) ab; die Identifizierung wird von einigen Tizian-Experten angezweifelt.[2]
Porträt Isabellas von Leonardo da Vinci

Isabella d’Este (* 18. Mai 1474 in Ferrara; † 13. Februar 1539 ebenda) war eine der wichtigsten Personen in der Kultur und Politik der italienischen Renaissance. Unter Zeitgenossen galt sie als „La prima donna del mondo“.[3]

Leben[Bearbeiten]

Isabella d’Este war die Tochter von Ercole I. d’Este, Herzog von Ferrara, und Leonora von Neapel, der Tochter von König Ferdinand I. von Neapel. Antonio Tebaldeo war ihr Erzieher. Ihre jüngere Schwester war Beatrice d’Este, Herzogin von Mailand als Ehefrau von Ludovico Sforza, ihre jüngeren Brüder waren der Herzog Alfonso I. d’Este von Ferrara, Modena und Reggio nell’Emilia und der Kardinal Ippolito I. d’Este.

Isabella d’Este hatte – wie ihre umfangreiche Korrespondenz aus Mantua zeigt – eine sehr gute Bildung erfahren. Dafür sorgte schon ihre gebildete Mutter, die nicht nur die Harfe spielen konnte und mit großer Leidenschaft die Bilder der bekanntesten Maler sammelte, sondern auch eine kleine Bibliothek besaß. Unterrichtet wurde Isabella wie ihre Geschwister in Latein, Musik (sie konnte perfekt die Laute und die Flöte spielen und soll eine herrliche Singstimme besessen haben), in Tanz, in der griechischen und römischen Geschichte und in der klassischen Literatur. Mit besonderem Interesse studierte sie Landkarten und beschäftigte sich mit der Astrologie. Ihre Zeitgenossen beschrieben sie schließlich als äußerst redebegabt, hochintelligent, sehr belesen, schlagfertig, sehr temperamentvoll und als eine leidenschaftliche Schach- und Kartenspielerin. Sie konnte sich fließend in Latein unterhalten. Sie wird als ausgesprochen schön beschrieben, neigte aber wie ihre Mutter zur Korpulenz.

Sie wurde später eine leidenschaftliche, fast gierige Sammlerin römischer Skulpturen und Auftraggeberin für moderne Skulpturen im antiken Stil.

Im Alter von 16 Jahren, am 12. Februar 1490, wurde sie mit Gianfrancesco II. Gonzaga, Markgraf von Mantua, verheiratet. Sie verstand sich sehr gut mit der Familie ihres Mannes, jedoch nicht so gut mit ihrem misstrauischen und seit 1512 schwer an der Syphilis leidenden Gemahl.

Am 31. Dezember 1493 brachte Isabella ihr erstes Kind auf die Welt, eine Tochter, die sie nach ihrer kurz davor verstorbenen Mutter Eleonora nannte. Ihre Enttäuschung, dass sie keinen Sohn geboren hatte, war sehr groß, die Beziehung zu ihrer Tochter, dem späteren Liebling ihres Vaters, blieb stets kühl. Ihre zweite Tochter, Margherita, verstarb nach zwei Monaten.

Am 17. Mai 1500 gebar sie ihren ersehnten Sohn Federico II. Gonzaga, der nach dem Großvater benannt wurde.

1502 kam Livia (starb als Kind) und 1503 Ippolita zur Welt, zu denen sie ebenfalls gefühlsmäßig keinen Zugang fand. Im November 1505 und im Januar 1507 gebar sie ihre Söhne Ercole (ab 1527 Kardinal) und Ferrante (Feldherr unter Kaiser Karl V. und Begründer der Herzöge von Guastalla). 1508 wurde ihr letztes Kind Livia (nach ihrer Schwester benannt, die im gleichen Jahr starb) geboren. Ihre Söhne liebte sie über alles, aber Spötter behaupteten, dass bei ihr noch ihre Hunde vor ihren Töchtern kämen.

Ihre älteste Tochter musste aus politischen Gründen Francesco Maria I. della Rovere heiraten, den Neffen des Papstes Julius II., Ippolita und Livia mussten Nonnen werden.

Erst im Alter versöhnte sie sich mit ihren Töchtern und bedachte sie auch in ihrem Testament. Vor allem das unglückliche Leben ihrer ältesten Tochter ging ihr sehr nahe.

Wirken als Mäzenin[Bearbeiten]

Isabella und ihr Mann unterstützten Ludovico Ariosto als Mäzene, während er seinen Orlando Furioso schrieb, und beide wurden stark von Baldassare Castiglione, dem Autor von Il Cortigiano (Der Höfling), als Vorbild für aristokratisches Verhalten für die nächsten 200 Jahre, beeinflusst. Auf Castiglione ist es auch zurückzuführen, dass Giulio Romano nach Mantua gerufen wurde, um das Castello und andere Bauwerke zu erweitern. Unter ihrer Schirmherrschaft wurde der Hof zu Mantua einer der kultiviertesten in ganz Europa. Unter den Künstlern, Autoren, Gelehrten und Musikern, die angezogen wurden, waren Raffael, Andrea Mantegna und die Komponisten Bartolomeo Tromboncino und Marchetto Cara. Tizian malte sie zweimal, Leonardo da Vincis Porträtzeichnung von ihr hängt im Louvre. Ihr Studierzimmer (studiolo) ließ sie mit Zyklen von Mantegna, Perugino, Lorenzo Costa und Correggio ausmalen. Ihr Ehrgeiz bezüglich der Ausstattung ihres studiolo machte allerdings auch nicht davor Halt, sich Kunstobjekte vertriebener Verwandten anzueignen.

Vorbild in der Mode[Bearbeiten]

Die von Isabella kreierten Parfüms oder Parfümarmbänder waren geschätzte Geschenke unter den Renaissance-Fürstinnen und -Königinnen. In stärkerem Maße galt sie in der Mode auch über Italien hinaus als Vorbild. Lucrezia Borgia ließ sich über die neuesten Kreationen Isabellas berichten, die französischen Könige Ludwig XII. und Franz I. nannten Isabella ihren Ehefrauen jeweils als modisches Vorbild, das allerdings kaum zu übertreffen sei.[4] Als Vorbild galt Isabella d' Este auch als Schöpferin besonderer Kopftrachten. Ihr „Capigliari“, ein Kopfschmuck in der Form eines Rippenkürbis, aus Haaren, kostbaren Stoffen und Juwelen, wie im Porträt Tizians dargestellt, wurde über Jahre hinweg in ganz Italien kopiert.[5]

Wirken als Politikerin und Regentin[Bearbeiten]

Während der Abwesenheit ihres Ehemanns als Militärkommandeur in Diensten Venedigs (1489 bis 1498) regierte Isabella Mantua für ihn, desgleichen während seiner venezianischen Gefangenschaft (1509/1510), die sie erfolgreich mit diplomatischen Mitteln beendete, sowie nach seinem Tod am 29. März 1519 für ihren Sohn Federico II. Gonzaga. Auch während der Anwesenheit des Markgrafen verfolgte sie ihr Ziel, Mantuas gefährdete Stellung in der Zeit der Päpste Alexander VI und Julius II. im Kräftefeld zwischen den französischen Königen, den deutschen Kaisern, den Päpsten und der Republik Venedigs zu behaupten, dies bisweilen im Konflikt zu ihrem Ehemann.[6] Nach dem Tod von Gianfrancesco II. Gonzaga konnte sie offen eine wichtige Rolle in der italienischen Politik spielen, in der sie ständig Mantuas Position verbesserte. Ihren Fähigkeiten ist es auch zu verdanken, dass Mantua 1530 zum Herzogtum erhoben wurde sowie ihr jüngerer Sohn Ercole 1527 zum Kardinal ernannt wurde. Sie bewies großes diplomatisches Geschick in ihren Verhandlungen mit Cesare Borgia, der den Ehemann ihrer Freundin und Schwägerin Elisabetta Gonzaga, Guidobaldo da Montefeltro, den Herzog von Urbino, 1502 enteignet hatte.

Eines ihrer wichtigsten Ziele war immer, Mitglieder der Familie, dabei besonders die eigenen Söhne, in ihrer Karriere zu fördern. Während der älteste Sohn Ercole 1510 noch bedingt durch die äußeren Umstände, als Geisel für den in Venedig gefangenen Vater, an den Hof Julius II. nach Rom gegeben werden mußte, sich dies aber positiv für die Erziehung Ercoles und das Aufbauen von Verbindungen entwickelte, formte sich hieraus das Muster, die Söhne zur Erziehung an die wichtigsten europäischen Höfe zu senden. Ercole wurde später an den Hof des französischen Königs gesandt, der dritte Sohn Ferrante ging 1524 mit 17 Jahren an den Hof Karls V., um eine, wie Isabella hoffte, erfolgreiche Karriere vorzubereiten.[7] Der Nebeneffekt dieses Vorgehens war die Vernetzung der Familie Gonzaga mit den wichtigsten Machtzentren.

1525 reiste sie mit einem kleineren Gefolge nach Rom, um sich dort bei Papst Clemens VII. zugunsten eines Kardinalstitel für ihren Sohn Ercole einzusetzen. Da der Papst aus dem Haus der Medici extrem hinhaltend agierte, zog sich die Angelegenheit bis 1527 hin. Für die Reise gab es allerdings auch andere Gründe. Isabella suchte den Abstand zu ihrem inzwischen selbstständig als Markgraf agierenden Sohn Federigo, der zudem über viele Jahre unter dem Einfluß seiner Geliebten Isabella Boschetti stand, die sich zeitweilig erfolgreich bemühte, Isabella am Hof an die Seite zu drängen.[8]

Obwohl der Kardinalstitel Ercoles diesem im Geheimen schon vorher verliehen war, blieb Isabella gegen den drängenden Rat ihres Sohnes Federigo auch im Frühjahr 1527 in Rom, wo sie das kulturelle und gesellschaftliche Leben genoß und die weite Reise scheute, zu einer Zeit, als sich nach dem zu spät geschlossenen Abkommen zwischen Clemens VII. und Karl V. die außer Kontrolle geratenen Söldnertruppen Karls V. von der Lombardei aus in Richtung Rom bewegten. Als den Römern klar wurde, dass sich diese marodierenden Truppen nicht durch die üblichen Verhandlungen aufhalten ließen, organisierte Isabella den Palazzo Colonna zu einer Verteidigungsbastei um und nahm insgesamt über 2000 Adlige und deren Bedienstete in den Mauern des Palastes auf, darauf setzend, dass ihr Sohn Ferrante, der als Höfling Karls V. im Heer zwischenzeitlich aufgestiegen war, sie zusammen mit anderen, teilweise verwandten Heerführern schützen sollte. Als am 6. Mai 1527 die auf Beute hoffenden Soldaten vor der Stadt standen und abends die Verteidigungslinien überwunden hatten, brach jedoch ein unvorstellbar grausames Chaos aus. Die seit Monaten ohne Sold gebliebenen Söldner aus verschiedenen Ländern ließen sich endgültig nichts mehr von ihren Vorgesetzten sagen und plünderten und mordeten über Wochen im Sacco di Roma die Stadt.

In der ersten Woche des Sacco di Roma schaffte es Isabella, u.a. mit Hilfe zweier „Capitani“ aus dem außer Kontrolle geratenen kaiserlichen Heer, den Palast von Plünderern frei zu halten und die Leben der Flüchtlinge zu retten. Als Preis mußten unter anderem etliche zehntausend Golddukaten als Lösegeld gezahlt werden, was eine der Absichten der beiden Capitani beim Betreten des Palastes war. Mit Hilfe ihres damals zwanzigjährigen Sohnes Ferrante gelang schließlich mit einem großen Teil der adligen Eingeschlossenen am 14. Mai die Flucht über einer Reihe von Barken, die am Tiberufer bereitgestellt waren. Nach einem durch Stürme bedingten Zwangsaufenthalt in Ostia brachte Andrea Doria auf genueser Schiffen die Flüchtlingsgruppe nach Genua in Sicherheit. Isabella traf schließlich Ende Mai oder Anfang Juni (unbekannt) in Mantua ein. Unter den Flüchtlingen war u.a. der bei den Soldaten verhasste Gesandte Venedigs in Rom, Domenico Vernier, der verkleidet als Lastenträger und unter der Ankündigung eines hohen Lösegeldes den Palast verlassen konnte. Nach allgemeiner Einschätzung hätte diese Flucht keine zwei Tage später kommen dürfen, da die beiden Capitani die beutesuchenden Söldner nicht länger von diesem unberührten Palast hätten fernhalten können. Der Palazzo Colonna blieb der einzige Palast in Rom, der nicht geplündert wurde.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gli studioli d'Isabelle d’Este. Paris 1975 (Ausstellungskatalog).
  • V. Brosio: La rosa e la spada. Isabella d’Este e Francesco Gonzaga. Turin 1980.
  • Sylvia Ferino-Pagden: „La prima donna del mondo“ Isabella d’Este. Fürstin und Maezenatin der Renaissance. Kunsthistorisches Museum, Wien 1994 (Ausstellungskatalog).
  • Jan Lauts: Isabella d’Este. Fürstin der Renaissance. 1474–1539. Hamburg: Marion von Schröder Verlag, 1952.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Isabella d'Este – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sally Hickson, G. F. Zaninello of Ferrara and the portrait of Isabella d’Este by Francesco Francia, Renaisance Studies Vol. 23 No. 3 (2009), S. 288–310
  2. Corrado Cagli, Tizian, Rizzoli Editore, Mailand 1969
  3. Jan Lauts, Isabella d’Este, Fürstin der Renaissance, Hamburg 1952, S. 320, sowie diverse andere Textstellen. Der Ehrentitel wurde ihr erstmals von Bewunderern 1494 zugesprochen, dann von Giangiorgio Trissimo 1514 in seinen Ritratti schriftlich verbreitet.
  4. Jan Lauts, Isabella d’Este, Fürstin der Renaissance, Hamburg 1952, S. 326 ff
  5. Jan Lauts, Isabella d’Este, Fürstin der Renaissance, Hamburg 1952, S. 329
  6. Jan Lauts, Isabella d’Este, Fürstin der Renaissance, Hamburg 1952, S. 274, sowie diverse andere Textstellen
  7. Jan Lauts, Isabella d’Este, Fürstin der Renaissance, Hamburg 1952, S. 364
  8. Jan Lauts, Isabella d’Este, Fürstin der Renaissance, Hamburg 1952, S. 356
  9. Jan Lauts, Isabella d’Este, Fürstin der Renaissance, Hamburg 1952, S. 391 ff