Giulio Antonio Santorio

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Marmorbüste von Kardinal Santorio in der Lateranbasilika (1634)

Giulio Antonio Santorio, auch: Santori, Santoro (* 6. Juni 1532 in Caserta; † 28. Mai oder 7. Juni[1] 1602 in Rom) war ein Kardinal und Großinquisitor der römisch-katholischen Kirche.

Leben[Bearbeiten]

Nachdem er in Neapel Zivilrecht studiert hatte und Rechtsanwalt wurde, gab er seinen Beruf bald auf, um Priester zu werden. Nach seiner Priesterweihe 1557 war er von 1560 bis 1563 als Generalvikar seines Heimatbistums Caserta tätig und anschließend für ein Jahr Generalvikar des Erzbischof von Neapel, Kardinal Alfonso Carafa. Schon hier war er Teil der Inquisition, drohte jedoch bald selbst ihr Opfer zu werden: Er wurde als Attentäter auf das Leben des Papstes Pius IV. angeklagt, aber freigesprochen, auch durch die Fürsprache der Kardinäle Carlo Borromeo und Michele Ghisleri, O.P., des späteren Papstes Pius V. Nach seiner Wahl zum Papst machte Pius V. ihn zu seinem Ratgeber und verlieh ihm 1566 das Erzbistum Santa Severina in Kalabrien. Am 12. März 1566 wurde er von Scipione Rebiba zum Bischof geweiht.

Im Konsistorium vom 17. Mai 1570 erhielt er von Pius V. den Kardinalshut und wurde noch 1570 zum Kardinalpriester mit der Titelkirche San Bartolomeo all'Isola erhoben. Er siedelte an die Kurie nach Rom über und gab in einer 32-jährigen Tätigkeit wirksame Impulse im Sinne der Gegenreformation. Außer an dem von 1572 nahm er an insgesamt fünf Konklaven teil: 1585, 1590 (zweimal), 1591 und 1592. Als papabile geltend, wurde seine Wahl zum Papst in den Konklaven Papst Sixtus V. und Papst Clemens VIII. von den gemäßigteren Kardinälen bekämpft, die seine energischen Reformen fürchteten.

Als Präsident der Kongregation für die Griechen setzte sich Santorio für die Reform bei den dem griechischen Ritus folgenden Basilianermönchen ein. 1586 wurde er Nachfolger Guglielmo Sirletos als Kardinalprotektor des Basilianerordens. Schon zuvor war er Kommendatarabt des griechischen Klosters Sant’Elia di Carbone geworden und ließ 1581 lateinische Übersetzungen der griechischen Urkunden des Klosters anfertigen. Auch die Schaffung eines päpstlichen Kollegs für Alumnen aus Griechenland und dem Nahen Osten sowie aus den griechischen Sprachgebieten Süditaliens, heute griechisches Kolleg (Pontificio Collegio Greco) genannt, geht auf ihn zurück. 1584 weihte er die Jesuitenkirche Il Gesù in Rom. 1595 erhielt er von Clemens VIII. die Titelkirche Santa Maria in Trastevere.

Als Leiter des Heiligen Offiziums war er Großinquisitor und ermittelte u. a. gegen Kardinal Giovanni Morone, gegen den Philosophen Tommaso Campanella, gegen König Heinrich IV. von Frankreich und verantwortete die Verurteilung Giordano Brunos.

Clemens VIII. ernannte 1592 bei seinem Amtsantritt Santorio zu seinem Nachfolger als Großpönitentiar, einen Posten, den er bis zu seinem Tode innehatte. 1597 wurde er als Bischof des suburbikarischen Bistums Palestrina zum Kardinalbischof erhoben. Als Leiter der Congregatio super negotiis Sancta Fidei et Religionis Catholicae, der Vorgängereinrichtung der Kongregation für die Ausbreitung des Glaubens (Propaganda Fide), setzt er sich sehr für deren Gründung ein, die er allerdings nicht mehr erlebte.

Santorio war ein Mann hoher Bildung und Kultur und der Berater von sieben Päpsten. Er hinterließ zahlreiche liturgische, geschichtliche und kirchenrechtliche Schriften, ebenso Tagebücher, von denen ein Teil noch immer nicht veröffentlicht ist, welche eine wichtige Quelle für die Kirchen- und Zeitgeschichte des ausgehenden 16. Jahrhunderts bilden. 1586 veröffentlichte er ein Handbuch für Priester (Sacerdotale), dem als einem Vorläufer des erst 1614 veröffentlichten Rituale Romanum eine wichtige Funktion bei der Umsetzung der liturgischen Reformen des Tridentinums zukam.

Santorio wurde in einer von ihm gestifteten Kapelle in der Basilica San Giovanni in Laterano beigesetzt. Sein Grabmal wird geschmückt von seiner lebensgroßen Büste, geschaffen von dem Bildhauer Giuliano Finelli[2] um 1633/34.

Filmische Rezeption[Bearbeiten]

2002 entstand ein Dokudrama des FWU unter dem Titel Die geheime Inquisition: Feuer des Glaubens, das die Inquisition am Beispiel des Lebenslaufs von Santorio beschreibt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hubert Jedin: Die Autobiographie des Kardinals Giulio Antonio Santorio (+ 1602) (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse. Jg. 1969, Nr. 2). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz 1969.
  • John Krajcar: Cardinal Giulio Antonio Santoro and the Christian East. Santoro's Audiences and Consistorial Acts (= Orientalia Christiana Analecta. Bd. 177, ISSN 1590-7449). Pontificium Institutum Studiorum Orientum, Roma 1966.
  • Saverio Ricci: Il Sommo Inquisitore. Giulio Antonio Santori tra autobiografia e storia (1532–1602) (= Piccoli Saggi. Bd. 15). Salerno, Roma 2002, ISBN 88-8402-393-9.
  • Johannes MadeySantori, Giulio Antonio. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 8, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0, Sp. 1342–1344.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Eubel: Hierarchia Catholica Medii et Recentioris Aevi, III, 44; deutsche Quellen wie Zedler haben den 28. Mai; sein Epitaph trägt die Inschrift: OBIIT SEPT. IDUS IUNII, und dementsprechend starb er entweder am 6. oder wahrscheinlicher am 7. Juni, da die Iden des Juni auf den 13. Juni fielen. (nach fiu.edu)
    Santoro, Julius Anton. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 33, Leipzig 1742, Spalte 2089–2091.
  2. Abbildungen auf hu-berlin.de