Hubert Jedin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hubert Jedin (* 17. Juni 1900 in Groß Briesen bei Friedewalde, Oberschlesien; † 16. Juli 1980 in Bonn) war ein deutscher Kirchenhistoriker und römisch-katholischer Priester.

Leben[Bearbeiten]

Jedin genoss eine humanistische Bildung, studierte ab 1918 Theologie und Geschichte in München, Freiburg im Breisgau und Breslau, wo er 1924 zum Priester geweiht wurde. 1925 wurde er bei dem bekannten Kirchenhistoriker Franz Xaver Seppelt promoviert. 1930 später habilitierte er sich mit einer Biographie des Kardinals Girolamo Seripando. Diese Arbeit entstand während eines Studienaufenthalts in Rom von 1926 bis 1930. Jedin war Kaplan am Campo Santo Teutonico, dann Stipendiat der Görres-Gesellschaft. Bis 1933 lehrte er als Privatdozent an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Breslau, dann wurde ihm von den Nationalsozialisten die venia legendi entzogen, da seine Mutter jüdischer Abstammung war. Im Oktober 1933 ging er erneut nach Rom. 1936 berief ihn Kardinal Bertram zum Bistumsarchivar, die volle Einsetzung in dieses Amt wurde jedoch von der Regierung verhindert. Nach seiner vorübergehenden Verhaftung nach der Reichspogromnacht 1938 plante Jedin, nach Rom zurückzukehren, was ihm jedoch erst ein Jahr später möglich wurde. Dort widmete er sich, gefördert von Kardinal Giovanni Mercati, der Arbeit an der Geschichte und an der Edition der Akten des Konzils von Trient. Während seiner römischen Jahre stand er in enger Verbindung mit den ebenfalls aus Deutschland stammenden Kirchenhistorikern Hermann Hoberg und Friedrich Kempf SJ. Als die Wehrmacht 1943/44 Rom besetzte, konnte Jedin den Vatikan nicht verlassen.

1946 wurde er Honorarprofessor für Kirchengeschichte an der Katholischen Theologischen Fakultät in Bonn, 1949 nahm er den Ruf auf ein Extraordinariat in Bonn an und kehrte nach Deutschland zurück. 1951 wurde er zum Ordinarius für mittlere und neuere Kirchengeschichte ernannt, 1965 emeritiert. Am Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 nahm Jedin als sogenannter Peritus, d.h. als beratender Theologe teil, nachdem er vor dessen Eröffnung einer vorbereitenden Kommission angehört hatte.

1973 wurde auf Initiative des Istituto Trentino di Cultura von Hubert Jedin und Paolo Prodi das Italienisch-deutsche historische Institut (Isig) gegründet.[1]

Das Tagebuch von Hubert Jedin befindet sich im Besitz von Konrad Repgen, der 1984 einen von Jedin hauptsächlich zwischen 1960 und 1975 verfassten „Lebensbericht“ herausgab.

Wirken[Bearbeiten]

Seine bedeutendsten wissenschaftlichen Leistungen sind eine vierbändige (in 5 Teilbänden) Geschichte des Konzils von Trient und die Herausgabe und Mitautorenschaft des mehrbändigen Handbuches der Kirchengeschichte, das bis heute Standardwerk für diese Disziplin geblieben ist. Jedin gilt als einer der herausragendsten Kirchenhistoriker des 20. Jahrhunderts, sowohl wegen der Breite seines wissenschaftlichen Forschungsgebietes, wie auch wegen seiner Gabe als Wissenschaftsorganisator. Dem breiten Publikum wurde Jedin durch seine Kleine Konziliengeschichte bekannt, mit der er ein Standardwerk zum Einstieg in die Geschichte der Konzilien der Katholische Kirche geschaffen hat.

Hubert Jedin hat sich bei seinen Forschungen u.a. auch mit der Periodisierung und Begriffsbildung befasst. Wilhelm Maurenbrecher ersetzte den Epochenbegriff „Gegenreformation“ mit „katholische Reformation“, womit eben die Phase der innerkirchlichen katholischen Erneuerungsbewegung nach der Reformation gemeint war. Hubert Jedin (Katholische Reformation oder Gegenreformation. Ein Versuch zur Klärung der Begriffe nebst einer Jubiläumsbetrachtung über das Trienter Konzil, Luzern 1946) ersetzt nun den Begriff „katholische Reformation“ aufgrund einer Rezension von Hermann Baumgarten zu Maurenbrechers Hauptwerk von 1880 und eigenen Studien mit „katholische Reform“. Der Begriff von Jedin setzte sich nicht vorbehaltlos durch, vielmehr wird weiterhin von „Reformation-katholische Reform-Gegenreformation“ gesprochen. Der Periodisierungsbegriff Jedins wurde zunehmend durch den Begriff „Zeitalter der Konfessionalisierung“ von Wolfgang Reinhard und Ernst Walter Zeeden (1916–2011) verdrängt. Wobei dieser Begriff inzwischen die Epoche vom 16. bis 18. Jahrhundert umfasst und damit für die Phase zwischen Reformation und Abschluss des Westfälischen Friedens kein wirklicher Ersatzbegriff für „Gegenreformation“ geschaffen wurde. Der Begriff der Konfessionalisierung schließt das Modernisierungsparadigma mit ein.

Er hat mehr als 700 Titel publiziert, darunter über 40 Bücher und mehr als 250 Aufsätze. Weiterhin hat er zahlreiche Artikel in bedeutsamen theologischen und historischen Enzyklopädien verfasst. So enthält die zwischen 1957 und 1965 entstandene zweite Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche 76 von Jedin verfasste Artikel.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Jedin wurde mehrfach mit Ehrendoktoraten und weiteren Ehrungen ausgezeichnet. Unter anderem erhielt Jedin 1978 den Ehrenring der Görres-Gesellschaft. 1968 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei in Rom gewählt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Italienisch-Deutsches Historisches Institut“, Isig, abgerufen am 20. Januar 2012