Guðríður Þorbjarnardóttir

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abguss einer von Ásmundur Sveinsson geschaffenen Statue von Guðríður Þorbjarnardóttir und ihrem Sohn in Laugarbrekka, Island

Guðríður Þorbjarnardóttir – deutsch auch Gudridur Thorbjarnardottir – (* in Laugarbrekka auf Snæfellsnes) war eine Entdeckerin, die um das Jahr 1000 auf Island lebte.

Sie war möglicherweise die erste Frau, die (um 1004) ein Kind europäischer Abstammung in Amerika zur Welt brachte.[1]

Herkunft[Bearbeiten]

Gudridur wurde um 980 in Laugarbrekka in Island als Tochter von Thorbjorn Vifilson, einem isländischem Häuptling und heidnischen Priester (Gode) und der Hallveig, einer Tochter des Einar von Laugabrekka geboren. Ihr väterlicher Großvater war Vifil von Vifilsdale, ein Engländer aus vornehmer Familie, der jedoch als Sklave mit Aud Kettilsdotter (Altnorwegisch: Auðr djúpúðga Ketilsdóttir) vor dem Jahr 900 nach Island gekommen war, jedoch von Aud freigelassen und mit Land in Vifilsdale ausgestattet worden war.

Leben[Bearbeiten]

Gudridur war nach der Saga von Erik dem Roten eine schöne und in jeder Hinsicht außergewöhnliche Frau, die auch zu den ersten Christen in Island zählte. Nachdem sie in einen Heiratsantrag ausgeschlagen hatte, verließ sie mit ihrem Vater Island, der sein Land verkaufte, um sich mit 30 Männern Erik dem Roten in Grönland anzuschließen. Dieser gab Thorbjorn Land in Stokaness wo er sich niederließ.

Gudridur war in erster Ehe mit Thorir, einem Norweger, verheiratet, der jedoch mit seinem Schiff, auf dem sich Gudridur und 13 Mann Besatzung befanden, auf einem Riff vor Grönland Schiffbruch erlitt. Leif Eriksson, der gerade von seiner Entdeckungsreise aus Vinland in Nordamerika zurückkam, rettete die Mannschaft und nahm Gudridur und ihren Mann im Hof seines Vaters in Brattahlid auf. Durch eine Seuche verstarb jedoch Thorir und ein Großteil seiner Mannschaft bald darauf.

Gudridur heiratete in zweiter Ehe am Gutshof von Erik dem Roten in Brattahlíð (heute Qassiarsuk im Eriksfjord) dessen Sohn, Thorstein (Þorsteinn) Erikson. In Grönland bestand damals größtes Interesse an dem von Leif Erikson kürzlich (um das Jahr 1000) entdeckten Neuland in Neufundland im heutigen Kanada, dem sogenannten „Vinland“. Auch Gudridurs Mann, Thorstein Erikson, wollte daher die Chance nützen in Vinland ein neues Leben aufzubauen. Gudridurs Vater Thorbjorn Vifilson stellte ihm sein Schiff für diese Expedition zur Verfügung, an der auch Gudridur und 25 Mann teilnahmen. Die Expedition verlief jedoch wegen Schlechtwetter erfolglos. Bald darauf verstarb Thorstein in Grönland an einer Seuche, prophezeite aber zuvor Gudridur eine erfolgreiche Zukunft und eine zahlreiche Nachkommenschaft. Sie zog daraufhin an den Hof ihres Schwagers Leif Erikson nach Brattahlíð.

Im gleichen Sommer kam aus Norwegen ein Handelsschiff nach Grönland, dessen Eigentümer ein isländischer Häuptling aus Reynines im nordisländischen Skagafjord (Skagafjörður), Þorfinnur Karlsefni Þórdarson war, dessen Ahnenreihe nach der Saga von Erik dem Roten bis auf Björn Eisenseite, dem Sohn des legendären dänischen und schwedischen König Ragnar Lodbrok aus dem Haus der Ynglinger zurückreicht. Thorfinn wurde von Erik dem Roten in Brattahlid über den Winter aufgenommen und verliebte sich dort in dessen verwitwete Schwiegertochter. Bald darauf heiratete Gudridur in dritter Ehe Thorfinn Karlsefni. Auch Thorfinn wollte das viel versprechende Vinland besuchen, und organisierte eine Expedition mit zwei Schiffen und 160 Personen an Bord, darunter seine Frau Gudridur und sein Schwager Thorfinn Eriksson.

Gutridur gebar in Amerika ihren Sohn Snorri Thorfinnson. [2] Er ist vermutlich der erste in Amerika geborene Europäer, der in Island eine zahlreiche Nachkommenschaft hinterließ. Nach drei Jahren kehrte die Expedition nach Grönland zurück. Karlsefni reiste mit Gudridur und seinem Sohn Snorri über Norwegen nach Island und kehrte auf seinen Gutshof in Glaumbær nahe dem Skagafjörður[3] zurück.

Nach der Heirat ihres Sohnes unternahm Guðríður eine Pilgerreise nach Rom, wobei ihr Sohn Snorri während ihrer Abwesenheit eine Kirche in der Nähe des Gutes in Glaumbaer errichten ließ. Sie wurde nach ihrer Rückkehr Nonne und lebte als Eremitin.[4]

Kinder und Nachkommenschaft[Bearbeiten]

Gudridur hatte mit Thorfinn Karlsefni u. a. folgende Nachkommen:

  • Snorri Þorfinnsson aus Glaumbær im Skagafjörður
    • Hallfried Snorrisdottir
    • Thorgeir Snorrisson
      • Yngvild Thorgeirsdottir
        • Brandur Saemundsson 4. Bischof von Hólar (1163 – 1201)
    • Steinun Snorrisdottir ∞ Einar, Sohn von Grundar-Ketil
      • Thorstein der Ungerechte
        • Gudrun Thorsteinsdottir ∞ Jorund von Keldur
  • Thorbjorn Thorfinnsson
    • Thorunn Thorbjornsdatter
      • Bjorn Gilsson 3. Bischof von Hólar (1147 – 1162)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jón R. Hjálmarsson: Die Geschichte Islands von der Besiedlung bis zur Gegenwart.. Reykjavík 1994. ISBN 9979-51-093-5
  • Magnus Magnusson and Hermann Pálsson: "The Vinland Sagas, The Norse Discovery of America" Graenlendinga Saga and Eirik´s Saga, Penguin Classics, Middlesex, England, 1965

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Guðriðarkirkja í Grafarhólti: nafngift http://gudridarkirkja.is/sokn/kirkjuhusid/ Zugriff: 25. Mai 2010
  2. Árni D. Júlíusson, Jón Ólafur Ísberg (Hg.): Íslands sagan í máli og myndum. Reykjavík (Mál og Menning) 2005, S. 24
  3. vgl. Homepage des Museumshofes Glaumbær: http://wayback.vefsafn.is/wayback/20070503000148/www.skagafjordur.is/displayer.asp?cat_id=1894 Zugriff: 25. Mai 2010
  4. Árni D. Júlíusson, Jón Ólafur Ísberg (Hg.): Íslands sagan í máli og myndum. Reykjavík (Mál og Menning) 2005, S. 24
Island Anmerkung zu isländischen Personennamen: Isländer werden mit dem Vornamen oder mit Vor- und Nachnamen, jedoch nicht allein mit dem Nachnamen bezeichnet. Weiterführende Informationen finden sich unter Isländischer Personenname.