Gugel (Kleidung)

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Ein Gugelherr: Georgius Macropedius in der Tracht der Brüder vom gemeinsamen Leben

Die Gugel, mittelhochdeutsch auch: gogel, kogel, kugel (aus althochdeutsch cucula, zu lateinisch cucullusTüte“, „Kapuze“, „Kappe“), ist ein ab dem Hochmittelalter nachweisbares Kleidungsstück, das fast ausschließlich von Männern getragen wurde. Die Gugel war eine kapuzenartige Kopfbedeckung, die auch die Schultern bedeckte und meist aus verschiedenen Stoffen, vor allem aus Wolle, angefertigt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Der früheste Fund, der als Gugel interpretiert wurde, stammt aus einer Grabung in Haithabu, jedoch ist die genaue Konstruktion der Fragmente unklar, neuere Analysen legen nahe, dass es sich bei den Textilfragmenten um eine Hose gehandelt haben kann.

Gugel, Bild aus Meyers

Während es sich zunächst wohl primär um ein Gebrauchskleidungsstück der Bauern, Jäger und Reisenden gehandelt hat, wurde das Tragen der Gugel durch Männer ab dem 14. Jahrhundert modisch, zunächst in Deutschland, später auch in Frankreich und Italien. Im Zuge dessen wurde die eng anliegende Gugel mit Perlen und Edelsteinen besetzt, mit Wahlsprüchen bestickt, oder mit einem überlangen Zipfel, der Sendelbinde verziert, sowie ab etwa 1365 auch vorzugsweise durch Zaddeln, später auch durch Glöckchen, was jedoch wieder abebbte, und sich schließlich nur als Zeichen von Unterhaltern wie z. B. Narren erhielt.

Die verwendeten Stoffe waren in leuchtenden Farben gehalten, auch Mi-Parti. Für die Zeit um 1390 sind nach zeitgenössischen Bildquellen rot gefärbte Gugeln belegt, so in den Wandmalereien auf Schloss Runkelstein bei Bozen.[1] Der Kragen war gewöhnlich vorne offen, aber mit (damals noch recht neumodischen) Knöpfen am Hals verschließbar, gelegentlich mit einer Knopfleiste auf ganzer Länge.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Tragweise als Kapuze von den höheren Ständen aufgegeben und nur noch vom einfachen Volk beibehalten. Statt dessen etablierten sich im Verlaufe der Spätgotik zahlreiche alternative Trageweisen, bei der unter anderem die des Tragens mit dem Kopfloch voraus auf dem Kopf zur Entwicklung einer eigenen Kopfbedeckung, dem Cappuccio in Italien oder dem Chaperon in Frankreich, führte. Hierbei konnte der Nackenschutz und die Sendelbinde locker um Kopf und Schultern herabhängen, oder zu turbanartigen Gebilden zusammengerollt werden. Späte Varianten, wie die süddeutsche Fransengugel, führten in ähnlicher Trageweise zu dem vom Bildnis des Albrecht Dürers bekannten Hut mit Fransen um 1500.

Parallel entwickelten sich offene Haubenformen, die von Frauen ohne Abnehmen ihrer leinernen oder seidenen Haube getragen werden konnten, jedoch eher im linksrheinischen und norddeutschen Raum verbreitet waren. Gugeln im Allgemeinen, und geschlossene Gugeln im Besonderen, lassen sich anhand von Stadtverordnungen und fehlenden Bildquellen jedoch recht deutlich als männliches Kleidungsstück einordnen, dessen Tragen bei Frauen als verpönt und unrechtschaffen angesehen wurde.

Im 15. Jahrhundert entwickelten sich aus der Gugel zwei separate Kleidungsstücke: aus dem Kragen der Goller, aus dem Kopfteil die Zipfelmütze. In der ländlichen Bevölkerung wurde die Gugel daneben aber auch noch bis in das 16. Jahrhundert getragen, zum Teil als Trauerkleidung.

Der Name der bayerischen Geheimgesellschaft Guglmänner leitet sich von diesem Kleidungsstück ab, sie tragen noch heute bei rituellen Zusammenkünften eine schwarze Kapuze, die Kopf und Schultern zur Gänze bedeckt.

Heraldik[Bearbeiten]

Gugel im Wappen von Güglingen

Diese Kopfbedeckung ist auch in der Heraldik im Wappen als gemeine Figur anzutreffen. In der Stadt Güglingen ist es ein redendes Wappen. Ein altes Münchner Siegel zeigt einen Mönchskopf mit Gugel.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Katrin Kania: Übersehen – verkannt – vergessen: Die Gugel in Wort, Bild, Fund und Experiment. Bamberg 2003 (Magisterarbeit).
  •  Ingrid Loschek: Gugel. In: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5. erw. Auflage. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schloss Runkelstein abgerufen auf www.runkelstein.info am 17. April 2014

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]