Schild (Schutzwaffe)

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Rekonstruierte römische Schilde (Scuta) um 70 n. Chr
Assyrische Krieger mit Rundschilden, 8. Jahrhundert v. Chr., Louvre, Paris

Der Schild (m., Plural: Schilde) ist eine von einem Kämpfer getragene Schutzwaffe. Er ist eine aus Flechtwerk, Holz, Leder oder anderem Material bestehende häufig leicht gewölbte Platte. Sie dient zur Abwehr von Nahkampfwaffen und Geschossen eines Angreifers.

Wortherkunft[Bearbeiten]

„Schild“, als Maskulinum auf den Artikel der, leitet sich von dem altgermanischen scilt, auch althochdeutsch scilt „Abgespaltenes“ (vergl. Schindel) her. Im 12. Jahrhundert ging das Wort dann über die Schildfarben auf den Wappenschild über. Erst im Mittelhochdeutschen findet sich ein Neutrum das Schild (Plural Schilder), „Zeichen“.[1] In der Umgangssprache wird im Wortumfeld von der Schild fälschlich häufig der sächliche Artikel, etwa „das Hitzeschild“, „das Schutzschild“, verwendet. Als Faustregel zur korrekten Verwendung des Genus kann man sich merken, dass ausschließlich das im strengen Sinne Informationen übermittelnde Schild sächlich ist. Bei allen anderen verwandten Begriffen, insbesondere auch beim Informationen übermittelnden Wappenschild, heißt es der Schild.

Das Wort hat Eingang in den germanischstämmigen Namensschatz gefunden und wurde zum Namensgeber der dänischen Wikingerkönige der Dynastie der Scylfings, die man auch Skioldinger nennt. Sie leiten sich von Scylt ab und regierten Dänemark zwischen 700 und 950. Vermutlich wollten sich die Wikinger mit dieser Namensgebung der dänischen Dynastie als Beschützer darstellen. Die Könige dieser Dynastie sind jedoch nicht nachweisbar, sie gelten daher als Sagenkönige, da sie im Beowulf und anderen Wikingersagas erwähnt werden. Daneben gibt es verschiedene Ortsbezeichnungen wie Schildau, Schilda usw. Berüchtigt sind jedoch für ihre Streiche die Schiltbürger. Leider ist nicht bekannt, wer sie eigentlich waren oder ob es sie tatsächlich gegeben hat, aber sie sorgen seit Jahrhunderten für Heiterkeit. Vornamen in dieser Bedeutung lauten auf das recht seltene -rand „Schild“ (Wolfrand).[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Schilde gehören zu den ältesten Schutzgegenständen der Kriegsgeschichte. Schon die ansonsten ungerüsteten Armeen der Pharaonen und Sumerer waren mit Schilden bewaffnet, bei denen Leder über einen Holzrahmen gezogen war. Die ersten Schilde waren stoffbespannte Weidengeflechte. Später wurden der Stoff durch Leder und die Flechtwerke durch Holz ersetzt. In der weiteren Entwicklung erhielten die Holzschilde Metall-Verstärkungen mittels eines Randes und Buckels. Schließlich wurden sie komplett aus Metall gefertigt (Bronzeschild vom Lough Gur, Bronzeschilde von Herzsprung). Schilde dienten auch als Zeremonialgegenstände.

Geführt werden Schilde entweder an einem zentralen Griff, der hinter dem Schildbuckel liegt (in der Regel bei Rundschilden), oder an Lederschlaufen für Unterarm und Hand (andere Schildformen wie z. B. Dreiecksschild). Zusätzlich hilft ein langer Lederriemen, die Schildfessel, den Schild auch ohne den Handriemen nur mit dem Unterarm zu dirigieren (die Hand bleibt dann frei, um die Zügel zu halten). Schilde existierten auch in zwei verschiedenen Bauweisen: Bei der einen wurde der Schild mit der Schildfessel, wie oben beschrieben, getragen, bei der anderen, z.B. bei den römischen scutae, wurde der Schild mittels einer waagerechten Stange hinter dem Buckel geführt.

Die Entwicklung der Schilde und Waffen beeinflusste sich gegenseitig: Je effektiver die Waffen wurden, desto stabiler wurden auch die Schilde. Auch verschiedene Kampfstile führten zu Änderungen in der Form der Schilde. So trugen zu Pferde kämpfende Krieger kleinere Schilde als Fußtruppen. Im späten Mittelalter entwickelten sich spezielle Turnierschilde, die für die verschiedenen Arten des Turniers angepasst waren. So wurden beim Lanzenstechen Schilde verwendet, die spezielle Aussparungen für die Lanze vorsahen.

Formen[Bearbeiten]

Zwei germanische Rundschilde des 3. Jahrhunderts aus dem Thorsberger Moor
Mittelalterlicher Ritter mit V-Schild; Bild: British Library, Sloane 2435, f. 85
Schildbuckel eines römischen Scutum
Ein Umbo (Schildbuckel) der Langobarden, Norditalien, 7. Jahrhundert
Setz-Tartsche mit dem Wappen der Stadt Deggendorf. Süddeutsch, um 1450. Bayerisches Nationalmuseum, München

Praktisch für jedes Einsatzgebiet wurden Schilde in verschiedensten Formen und Farben, je nach Anwendungszweck, gefertigt. Einige Formen waren:

  • Turmschilde – das römische Scutum, ein gewölbter, mehrlagiger Holzschild, konnte auch abgestellt und gleich einem Setzschild als Schutzwand verwendet werden. Die größte Bedeutung hatte er aber, wenn die Legionäre mit ihren scuta die Schildkrötenformation einnahmen und so trotz feindlichen Beschusses vorrücken konnten.
  • RundschildeWikinger-Schiffe und römische Kriegsschiffe (Triremen) wurden an den Ruderplätzen mit diesen Schilden ausgestattet, so dass die Besatzung sich dahinter vor dem Feind verstecken konnte und auch vor Spritzwasser geschützt war. Die Hopliten des antiken Griechenlands benutzten den Hoplon oder Aspis genannten Rundschild spätestens seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Im antiken Rom war außer dem Turmschild Scutum der Parma equestris verbreitet, ein runder oder ovaler Schild der Auxiliartruppen. In Persien und Indien wurde vor allem im 18. und 19. Jahrhundert der Sipar verwendet.
  • Buckler – diese kleinen Faustschilde, die Namen und Form vom Schildbuckel hatten, den es schon seit der Antike gab, waren vom 13. bis ins 17. Jahrhundert in Gebrauch.
  • Drachenschilde (auch Langspitz-, Mandel-, Kite- oder Normannenschilde) – Aus den Rundschilden entwickelte sich der Drachenschild, der im 11. Jahrhundert als der dominierende Schildtyp in Europa angesehen werden kann. Die untere Seite war gegenüber den Rundschilden stark verlängert, so dass er Reitern mehr Schutz gewährte. Er wurde jedoch auch von Fußkämpfern eingesetzt, da er das bei einem Ausfallschritt ungeschützte Bein abdecken konnte. Anders als durch den Namen „Normannenschild“ impliziert, wurde dieser Schildtyp auch von Völkern anderer Nationalitäten genutzt. Die Bezeichnung erhielt er durch die Darstellungen auf dem Teppich von Bayeux, der die normannische Eroberung Englands im Jahre 1066 darstellt.
  • Dreieckschild (auch V-Schild) - Im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts kamen die Dreieckschilde auf, deren Oberkante im Vergleich zum Drachenschild eine flachere Form aufwies. Auch fand eine zunehmende Verkleinerung der Fläche statt. Dies lässt sich zum einen auf ein Streben nach Gewichtserleichterung zurückführen, zum anderen hatte sich auch die Rüstung stark verändert. So waren Beinschienen aus Metall und der sogenannte Topfhelm aufgekommen. Diese Neuerungen machten die enorme Größe der Drachenschilde (50-75 Prozent der Körpergröße des Trägers) überflüssig.

Aus dem kleineren Dreiecksschild der Reiter entwickelte sich die konkav gewölbte Reitertartsche, die schließlich zu einer kleinen fest verbundenen Panzerplatte an der linken Brust der Gestechrüstung wurde.

  • Setzschilde – von der Antike an waren auch so genannte Setzschilde (im Mittelalter als Pavese oder Setztartsche bezeichnet) bekannt. Diese 1,5–2 Meter hohen Schilde boten einer oder mehreren Personen Schutz und bestanden oft aus Holz mit Rohhautbespannung. Insbesondere schützten sie Bogen- und Armbrust-Schützen der Belagerer bei Belagerungen vor Beschuss von der Mauer und ermöglichten Nachladen, teilweise auch den Abschuss aus der Deckung heraus. Pavesen wurden oft zu einer Art Schildwand aneinandergereiht und mit Stützen, Schießscharten und Sehschlitzen versehen. Die Hussiten setzen Pavesen in großem Umfang im Kampf ein. Ein weiterer Typ der Setzschilde ist die Pluteo, die im Mittelalter verwendet wurde.

Neuzeit[Bearbeiten]

Mit der Einführung der Feuerwaffen verloren Schilde ihre Bedeutung für das Kriegshandwerk. Bei verschiedenen Polizeitruppen werden Schilde heute noch verwendet, deren taktische Einsatzschilde vor allem als beschusshemmender Schild bei der Erstürmung von Gebäuden (Geiselnahme, Hausbesetzung) genutzt werden, sowie als zumeist durchsichtiger Schutzschild gegen Wurfgeschosse bei Straßenschlachten (gewalttätige Unruhen und Demonstrationen) Verwendung finden.

Einige Geschütze sind auch heute noch mit einem Schild versehen, um einen Schutz gegen Beschuss aus Handfeuerwaffen und Splittereinwirkung zu bieten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ansgar Nabbefeld: Römische Schilde. Studien zu Funden und bildlichen Überlieferungen vom Ende der Republik bis in die späte Kaiserzeit. Köln 2008. ISBN 978-3-89646-138-4
  • André Schulze (Hrsg.): Mittelalterliche Kampfesweisen. Band 2: Kriegshammer, Schild und Kolben. Zabern, Mainz am Rhein 2007, ISBN 3-8053-3736-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag Schild, m. und n. clypeus. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854-1960.
  2. Kapitel Rufnamen germanischer Herkunft, S. 16ff. In: Konrad Kunze: dtv-Atlas Namenkunde, dtv 2004, ISBN 3-423-03266-9