Hans Lutz Merkle

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Hans Lutz Merkle (* 1. Januar 1913 in Pforzheim; † 22. September 2000 in Stuttgart) war ein deutscher Manager. Er war Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH.

Leben[Bearbeiten]

Von 1942 bis 1945 war Merkle Hauptgeschäftsführer des NS-Lenkungsverbandes Reichsvereinigung Textilveredelung, deren Hauptziel „die Rationalisierung des Kartellsystems in der Textilfertigwarenbranche, insbesondere in der Fusion bestehender Kartelle“ war.[1][2]

Bis 1958 war Merkle Mitglied des Vorstandes der Ulrich Gminder AG in Reutlingen. Als Nachfolger von Hans Walz war er ab 1963 Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Danach war er Vorsitzender des Aufsichtsrats der GmbH und wurde später Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG . Sein Nachfolger als Bosch-Geschäftsführer wurde 1984 Marcus Bierich.

Merkle galt als öffentlichkeitsscheu, war aber einer der letzten Industriemanager, die nahezu uneingeschränkt und allein Entscheidungen trafen. 1976 wurde er Ehrenmitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Im Jahre 1994 wurde er mit der Ehrenbürgerwürde der Universität Stuttgart ausgezeichnet. Dies galt seinerzeit als eine ganz besondere Ehre, da die Universität zuvor 30 Jahre lang diese Würde nicht verliehen hatte.

Am 13. Juli 1988 konnte Merkle einen Vortrag an der Universität Frankfurt/Main im Rahmen der Vortragsreihe Beruf als Erfahrung nur unter Schutz einer polizeilichen Hundertschaft halten, da studentische Gruppierungen von ihm verlangt hatten, auf seine Beteiligung an der nationalsozialistischen Wirtschaftsorganisation in den angekündigten autobiographischen Ausführungen einzugehen,[3] was Merkle mit dem Hinweis „das ist alles schon bekannt“[4] vehement ablehnte.[5]

Erst nach seinem Tode wurde der Öffentlichkeit bekannt, dass Merkle Zeit seines Lebens ein nahezu besessener Bücherfreund gewesen war. Seine Bibliothek umfasste 17.000 Bände, darunter bibliophile Raritäten wie ein Exemplar der Erstausgabe von Goethes Das Römische Carneval .

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Stabilität in der Wirtschaftspolitik - Dynamik in der Wirtschaft. Vortrag. Stuttgart, 1966, 36 S.
  • Hermann J. Abs mit einer Einführung und einem Beitrag von Hans L. Merkle: Lebensfragen der Wirtschaft. Econ, München, 1976, ISBN 3-430-11011-4
  • Bruchzonen der Gegenwart. Gedanken über Politik und Wirtschaft. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1984, 321 (3) S.
  • Kultur der Wirtschaft. Betrachtungen am Rande der Politik. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1988, 304 Seiten, ISBN 3-421-06483-0
  • Hans L. Merkle, Hans Ullrich Gallwas: Zum Thema Stiftung. Der Einzelne und das Gemeinwesen. Verfassungsrechtliche Anmerkungen zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Hrsg. Robert Bosch Stiftung. Stuttgart; 1991, 35 S.
  • Der steinige Weg. Erfahrungen eines Unternehmers. Manesse Verlag GmbH München, 1993, ISBN 3-7175-8199-6, 2. Auflage. Manesse Verlag, Zürich 1994, 135 S.
  • Ein deutsches Unternehmen in Frankreich. Die Bosch-Gruppe und der Neubeginn in den deutsch-französischen Beziehungen ab 1945. Bonn: Bouvier 1995, 56 S.
  • Dienen und Führen - Erkenntnisse eines Unternehmers. Vorwort in englischer Sprache von Henry A. Kissinger und H. Scholl. Stuttgart; Leipzig: Hohenheim-Verlag, 2001, 351 S., ISBN 3-89850-058-6 (Auswahl seiner Vorträge und Aufsätze)

Literatur[Bearbeiten]

  • Heide Ziegler (Hrsg.): Hans L. Merkle. Reden bei der Festveranstaltung aus Anlass der Ernennung von Prof. Dr. h.c. Hans L. Merkle zum Ehrenbürger der Universität Stuttgart, 4. Februar 1994. Anhang: Verzeichnis der Ehrenbürger der Technischen Hochschule bzw. der Universität Stuttgart. [Ulrich Sieber]. [Universität Stuttgart]. Stuttgart: Universität, 1994, 48 S., ISBN 3-926269-13-8 (Reden und Aufsätze / Universität Stuttgart; 47)
  • Verleihung der Freiherr-vom-Stein-Medaille in Gold an Professor Dr. phil. h.c. Hans L. Merkle, Stuttgart am 23. Oktober 1973, Hamburg: Stiftung F.V.S. 1973, 32 Seiten

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. (Franz Neumann, Behemoth. Struktur und Praxis de Nationalsozialismus 1933-1944, Frankfurt/Main, Fischer, 1988, S. 629: „Die Reichsvereinigung Textilveredelung unterscheidet sich von den anderen Reichsvereinigungen, da sie der Kontrolle des Wirtschaftsministeriums am wenigsten unterliegt. Ihr Hauptziel ist die Rationalisierung des Kartellsystems in der Textilfertigwarenbranche, insbesondere in der Fusion bestehender Kartelle - eine von dieser Reichsvereinigung erfolgreich gelöste Aufgabe.“)
  2. Vgl. auch die Teile der erhalten gebliebenen Akten der Reichsvereinigung Textilveredelung im Deutsche Bundesrachiv: BArch R 10-IV/...
  3. „Das höchste Gut, was uns keine Macht der Welt rauben kann, ist reine Gesinnung, die ihren Ausdruck findet in gewissenhafter Pflichterfüllung” (Flugblatt), Frankfurt/Main, Juli 1988.
  4. Selbst Jahre später steht diese Aussage im Widerspruch zum Allgemeinwissen: So vermerkt an seinem hundersten Geburtstag die Stuttgarter Zeitung zu Merkle schlicht dass er „von 1942 an in Berlin für die Reichsvereinigung Textilveredlung tätig wurde. Diese Organisation war in die Kriegswirtschaft eingebunden. Was genau Merkle dort gemacht hat, ist nicht bekannt.”(Stuttgarter Zeitung, 1.1.2013)
  5. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Juli 1988: Furcht um Harmonie zwischen Geist und Geld. Streit an der Universität über Vorlesunsgreihe geht weiter. Studenten halten an Kritik fest.