Havelock Ellis

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Havelock Ellis

Henry Havelock Ellis (* 2. Februar 1859 in Croydon; † 8. Juli 1939 in Hintlesham, Suffolk) war ein britischer Sexualforscher, Sozialreformer und Fabianer.

Leben[Bearbeiten]

Havelock Ellis interessierte sich bereits in jungen Jahren für die wissenschaftliche Erforschung sexueller Probleme. Er studierte Medizin und promovierte, hatte aber nie eine ärztliche Praxis. Ellis widmete sich bevorzugt dem Schreiben und leistete im Laufe der Jahre wichtige Beiträge zum besseren Verständnis der menschlichen Sexualität.

Studies in the Psychology of Sex, das er zwischen 1896 und 1928 in sieben Bänden veröffentlichte, gilt als sein wichtigstes Werk. Bereits als der erste Band in England erschien, wurde er von Kritikern als obszön bezeichnet und rief alsbald die Gesetzeshüter auf den Plan. Ein Buchhändler wurde daraufhin angeklagt, welcher sich zu seiner Verteidigung auf den wissenschaftlichen Wert des Werks berief. Der Richter verwarf jedoch diese Argumentation mit der Begründung es handle sich nur um einen Vorwand, um eine schmutzige Publikation zu verkaufen. Die Folge dieses Skandals war, dass das Werk in England und den USA nicht legal zu erhalten war und der Öffentlichkeit bis 1935 vorenthalten blieb. Nur Ärzten war es gestattet ein Exemplar zu erwerben.

Dennoch nahm der Ruf und Einfluss des Autors in vielen Ländern zu. Er korrespondierte mit Freud, der einige seiner wissenschaftlichen Begriffe übernahm und er beteiligte sich aktiv an der Bewegung zur Sexualreform. Er war einer der entschiedensten Verfechter allgemeiner Sexualerziehung und vertrat die für seine Zeit neue Auffassung, dass Schamhaftigkeit bzw. Anstand ("modesty") und Nacktheit sich nicht ausschließen, sondern viele Kulturen, in denen öffentliche Nacktheit nicht tabuisiert ist, dennoch einen ausgeprägten Sinn für Scham/Anstand haben. Die naturistische Bewegung (FKK) bezog sich teilweise auf Ellis.

Ellis galt als Vertreter der sexuellen Befreiung und unternahm Selbstversuche mit Meskalin. Er trat 1883 der Fabian Society bei und pflegte Freundschaften unter anderem zu Olive Schreiner und Radclyffe Hall, für deren Roman The Well of Loneliness er sogar das Vorwort verfasste. Als dieses jedoch im November 1928 wegen obszönen Darstellungen angeklagt wurde, trat Ellis auch auf Bitten der Autorin nicht in den Zeugenstand um das Buch zu verteidigen. Maßgeblich hierfür waren unter anderem der Prozess um die Veröffentlichung Ellis "Studies in the Psychology of Sex".

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Studies in the Psychology of Sex (1897–1928)
  • The Criminal (1890)
  • The New Spirit (1890)
  • The Nationalisation of Health (1892)
  • Man and Woman: A Study of Secondary and Tertiary Sexual Characteristics (1894) (revised 1929)
  • Sexual Inversion (1897) (with J.A. Symonds) [1]
  • Affirmations (1898)
  • The Evolution of Modesty, The Phenomena of Sexual Periodicity, Auto-Erotism, (1900) [2]
  • The Nineteenth Century, (1900)
  • Analysis of the Sexual Impulse, Love and Pain, The Sexual Impulse in Women, (1903) [3]
  • A Study of British Genius (1904)
  • Sexual Selection in Man (1905) [4]
  • Erotic Symbolism, The Mechanism of Detumescence, The Psychic State in Pregnancy (1906) [5]
  • The Soul of Spain (1908)
  • Sex in Relation to Society (1910) [6]
  • The Problem of Race-Regeneration (1911)
  • The World of Dreams (1911)
  • The Task of Social Hygiene (1912)
  • Impressions and Comments (1914-1924) (3 Vol.) [7]
  • Essays in War-Time (1916) [8]
  • The Philosophy of Conflict (1919)
  • On Life and Sex: Essays of Love and Virtue (1921)
  • Kanga Creek: An Australian Idyll (1922) [9]
  • Little Essays of Love and Virtue (1922)
  • The Dance of Life (1923) [10]
  • translator: Germinal (by Zola) (1924)
  • Sonnets, with Folk Songs from the Spanish (1925)
  • Eonism and Other Supplementary Studies (1928)
  • The Art of Life (1929) (ausgewählt und zusammengestellt v. Mrs. S. Herbert)
  • More Essays of Love and Virtue (1931)
  • Hrsg.James Hinton: Life in Nature (1931)
  • Views and Reviews (1932) [11]
  • Psychology of Sex (1933)
  • Hrsg.: Imaginary Conversations and Poems: A Selection, by Walter Savage Landor (1933)
  • Chapman (1934)
  • My Confessional (1934)
  • Questions of Our Day (1934)
  • From Rousseau to Proust (1935)
  • Selected Essays (1936)
  • Poems (1937) (selected by John Gawsworth; Pseudonym von T. Fytton Armstrong)
  • Love and Marriage (1938) (zusammen mit anderen)
  • My Life (1939)
  • Sex Compatibility in Marriage (1939)
  • From Marlowe to Shaw (1950) (Hrsg. by J. Gawsworth)
  • The Genius of Europe (1950)
  • Sex and Marriage (1951) (Hrsg. J.Gawsworth)
  • The Unpublished Letters of Havelock Ellis to Joseph Ishill (1954)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Havelock Ellis – Quellen und Volltexte