Heidelberger Frühling

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Das Internationale Musikfestival Heidelberger Frühling ist ein seit 1997 jährlich im März und April in Heidelberg stattfindendes klassisches Musikfestival mit über 100 Veranstaltungen und 37.000 Besuchern (2014)[1]. Neben den Produktionen des Festivals und dem Konzertbetrieb mit international etablierten Interpreten, Ensembles und Orchestern konzipiert und veranstaltet der als gemeinnützige GmbH organisierte "Heidelberger Frühling" weitere Projekte wie das Streichquartettfest Heidelberg, die Heidelberg Festival Akademie für Liedgesang, Kammermusik, Komposition und Musikjournalismus sowie die Heidelberg Music Conference, eine jährliche Tagung der bedeutenden europäischen Festivals und Konzerthäuser. Geschäftsführender Intendant ist Thorsten Schmidt.[2] Der Heidelberger Frühling gehört zur Festivalregion Rhein-Neckar.

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste "Heidelberger Frühling" fand 1997 statt. Nach den ersten beiden Jahren beim Philharmonischen Orchester wurde das Musikfestival eigenständig. Im März 2006 wurde die Heidelberger Frühling gGmbH gegründet. 2010 wurde die Stiftung Heidelberger Frühling ins Leben gerufen und 2011 feierte der Freundeskreis des Heidelberger Frühling sein 10-jähriges Bestehen.

Streichquartettfest[Bearbeiten]

Seit 2005 schafft das Streichquartettfest Heidelberg eine Atmosphäre der konzentrierten Entschleunigung, des Miteinanders von Künstlern und Besuchern, des Eintauchens in die Beschäftigung mit der Gattung Streichquartett. Von morgens bis in die Nacht gestalten herausragende Ensembles das anspruchsvolle Programm aus Workshops, Vorträgen und Konzerten. Fand das Streichquartettfest zunächst noch im Rahmen des Musikfestivals "Heidelberger Frühling" statt, ist es seit 2012 ein eigenes kleines Festival, das immer für vier Tage Ende Januar stattfindet. Eingeladen werden jedes Jahr vier bis fünf Ensembles, wobei etablierte Quartette auf junge Newcomer treffen. Die Workshops werden derzeit von Radiomoderator, Regisseur und Drehbuchautor Daniel Finkernagel und dem Geiger Oliver Wille gehalten und setzen sich vertiefend mit Fragen der Gestaltung und Interpretation auseinander. Spielort für das Streichquartettfest ist die zu diesem Zweck als Festivalforum bezeichnete Alte Pädagogische Hochschule Heidelberg, die neben einem Konzertsaal und Probenräumen auch eine Festivalcafeteria bietet, die zwischen und nach den Veranstaltungen als Treffpunkt für alle Künstler und Gäste dient.

Festival Akademie[Bearbeiten]

Die 2011 gegründete Festival Akademie ist das kreative Zentrum des Heidelberger Frühling. Hier kommen junge herausragende Musiker aus aller Welt zusammen, um gemeinsam zu musizieren, sich auszutauschen, Inspiration zu finden und weiterzugeben, nachzudenken und neue Kontakte zu knüpfen. Die Festival Akademie versteht sich als ein Ort der Verbindung, der Öffnung und der Vertiefung. Sie beschäftigt sich mit der Musik in ihrer gesellschaftspolitischen Dimension, macht Entstehungsprozesse sichtbar und regt zum Diskurs über ihre Bedeutung und Perspektiven an. Open Classes und Open Stages, Werkstattkonzerte und Gesprächsrunden – in diesen und anderen Formaten kann das Publikum die jungen Künstler bei ihrer Arbeit kennenlernen und den Mentoren über die Schulter schauen.

Die Festival Akademie des Heidelberger Frühling umfasst vier Bereiche: Lied (künstlerischer Leiter: Thomas Hampson), Kammermusik (künstlerischer Leiter: Igor Levit), Komposition (Nachfolge des Heidelberger Ateliers, künstlerischer Leiter: Matthias Pintscher) und Musikjournalismus (seit 2015, Leiterin: Eleonore Büning). Mentoren aktueller und vergangener Akademiejahrgänge sind Barbara Bonney, Ian Bostridge, Brigitte Fassbaender, Graham Johnson, Thomas Quasthoff, Wolfram Rieger, Veronika Eberle, Ning Feng, Matan Porat, Thorleif Thedéen, Frederic Rzewski, Manuel Brug und Sophie Diesselhorst. Hinzu kommen zahlreiche Fachreferenten aus geisteswissenschaftlichen Disziplinen.

Liedschwerpunkt[Bearbeiten]

Heidelberg gilt als Stadt des Liedes – nicht zuletzt durch Clemens Brentanos und Achim von Arnims Liedsammlung »Des Knaben Wunderhorn«. Deshalb macht es sich der »Heidelberger Frühling« zur Aufgabe, die von vielen als hermetisch empfundene Gattung des Kunstliedes wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Einen prominenten Mitstreiter hat das Festival dabei in dem amerikanischen Bariton Thomas Hampson, der Heidelberg und dem "Heidelberger Frühling" seit der „Wunderhorn-Woche“ 2006 eng verbunden ist. Unter seiner Leitung fanden in der Vergangenheit mehrfach Interpretationskurse und Symposien mit jungen Gesangsstudentinnen und -studenten statt, seit 2011 ist Hampson künstlerischer Leiter der Lied Akademie des "Heidelberger Frühling". Neben der Lied Akademie stehen seit jeher zahlreiche klassische Liederabende auf dem Programm. So waren in der Vergangenheit bereits fast alle großen Liedinterpreten in der Neckarstadt zu hören, unter anderem Annette Dasch, Jonas Kaufmann, Christine Schäfer, Christian Gerhaher, Christoph Prégardien, Thomas Hampson und viele andere. Neben etablierten Größen erhalten auch aufstrebende Neuentdeckungen in Heidelberg ein Podium, so etwa die Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller und der Bariton Andre Schuen. Ein besonderes Anliegen ist es dem Festival, Ansätze zu herauszuarbeiten, was die Tradition des Liedes in seiner mannigfaltigen Gestalt uns heute und in Zukunft noch zu sagen hat. Dies schlägt sich nieder im 2015 eingeführten Format »Lied.Lab«, bei dem jungen Sängerinnen und Sängern konzeptionellen Freiraum erhalten, ihre persönliche Vision davon zu entwickeln, wie für sie der Liederabend der Zukunft aussehen sollte. Ein Experiment mit neuen Formen, ungewöhnlichen Orten, überraschenden Kombinationen, Grenzaufhebungen.

Education[Bearbeiten]

Musikvermittlung von Jugendlichen für Jugendliche: Unter dem Namen "Classic Scouts" bringen sich seit 2008 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aktiv ins Festivalgeschehen ein, um ganz nah dran zu sein am »Frühling« und auch Gleichaltrige dafür zu begeistern. Sie geben Konzerteinführungen und begleiten junge Klassik-Neulinge bei ihrem ersten Konzertbesuch. Sie interviewen Festivalkünstler und verfassen Artikel für das »Classic Scouts Journal« der Rhein-Neckar-Zeitung. Künstler hautnah erleben sie bei Probenbesuchen, Künstlertreffen und Workshops – zum Teil auch in Schulen. Und schließlich gestalten sie im Rahmen des Festivals ihren eigenen Abend, von der Konzeption bis zur Ausführung. Gefördert wird das Projekt von Beginn an vom SAS Institute. Darüber hinaus stiftete der Trompeter Reinhold Friedrich das Preisgeld des 2014 an ihn verliehenen Pfalzpreises an das Jugendprojekt.

Heidelberg Music Conference[Bearbeiten]

Seit 2013 veranstaltet der Heidelberger Frühling im Festivalzeitraum eine zweitägige Fachtagung für die klassische Konzert- und Festivalbranche. Die Heidelberg Music Conference widmet sich jedes Jahr einem anderem Thema. 2013 fand die Tagung unter dem Titel "Festivals 3.0 - eine Möglichkeit Zukunft zu gestalten?" statt, die Eröffnungskeynote hielt Gerard Mortier. 2014 äußerte sich zum Thema Innovation unter dem Titel "Neues schaffen statt Copy & Paste" unter anderem der Architekt und ausgebildete Musiker Daniel Libeskind. Titel der Heidelberg Music Conference 2015 ist "Die Kunst ist frei - aber wie lange noch?".

Musikpreis des Heidelberger Frühling[Bearbeiten]

Seit 2013 gibt es den Musikpreis des Heidelberger Frühling. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und wird jährlich im Wechsel an Kulturschaffende oder Kulturjournalist*innen vergeben, die sich substanziell und nachhaltig für die Vermittlung von klassischer Musik einsetzen. Bisherige Preisträger*innen sind der Klarinettist, Komponist und Dirigent Jörg Widmann (2013), die Musikjournalistin Eleonore Büning (2014) und der österreichische Pianist und Kulturmanager Markus Hinterhäuser (2015).

Motti[Bearbeiten]

  • 1997 Brahms-Fest
  • 1998 Text und Takt
  • 1999 Wendezeichen I
  • 2000 Wendezeichen II
  • 2001 Vom Eise befreit
  • 2002 Zwischen Zeit und Ewigkeit
  • 2003 Schein und Spiel
  • 2004 Aus der Neuen Welt
  • 2005 Dialoge
  • 2006 Die Gedanken sind frei
  • 2007 Das Eigene und das Fremde
  • 2008 Zwischentöne
  • 2009 Identität
  • 2010 Ach Europa
  • 2011 Zeitenwechsel
  • 2012 Metamorphosen
  • 2013 Perspektiven
  • 2014 Parallelgeschichten
  • 2015 Freiheit wagen

Spielstätten[Bearbeiten]

Der Heidelberger Frühling hat seit seiner Gründung fast 50 Orte in Heidelberg und in der Metropolregion Rhein-Neckar bespielt. Festivalzentrum ist die Kongresshaus Stadthalle Heidelberg aus der Gründerzeit, weitere aktuell bespielte Orte sind unter anderem die Aula der Alten Universität Heidelberg, die Alte Pädagogische Hochschule Heidelberg, die HebelHalle und die Halle02 und das Altes_Hallenbad_(Heidelberg). Die Spielstätten sind während des Festivals durch die grünen Fahnen zu erkennen. Als ungewöhnliche Konzertorte dienten dem Festival in der Vergangenheit das Atrium des Forschungs- und Entwicklungszentrums der Heidelberger Druckmaschinen AG, das Operon Auditorium Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie, das Studio Villa Bosch, das Restaurant Stadtgarten, das Gesellschaftshaus der BASF SE Ludwigshafen, die Backstube der Bäckerei Mantei.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Stadt Heidelberg ist Gesellschafterin der Heidelberger Frühling gGmbH und stellt über einen jährlichen Zuschuss ca. 27% des Etats von rund 2,7 Mio Euro (Stand: Oktober 2014). 73% des Etats erwirtschaftet der "Heidelberger Frühling" über Eigeneinnahmen (v.a. Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten, Medienrechten und Anzeigen in den Druckerzeugnissen), Fundraising und Sponsoring.

Wesentliches Element des Fundraising ist der Freundeskreis des Heidelberger Frühling e.V., der seit 2001 besteht und in dem sich Unternehmen und Privatpersonen zusammengeschlossen haben, um das Festival von Seiten der Heidelberger Wirtschaft und Bürgerschaft zu unterstützen.

Hauptförderer des Heidelberger Frühling sind HeidelbergCement als Gründungspartner, die MLP AG und Octapharma.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heidelberger Frühling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karsten Füllhaase: Internationales Musikfestival „Heidelberger Frühling“ 2015. 21. März bis 25. April 2015. Pressemappe. Heidelberg, Internationales Musikfestival Heidelberger Frühling gGmbH. Stand: 17. Oktober 2014. Seite 6 ([1]).
  2. Stipendiaten für “Heidelberger Frühling” 2012 ausgewählt, musik-heute.de (abgerufen am 10. Dezember 2011)