Heiducken

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Harambaša (Hajduken-Hauptmann) aus dem westherzegowinisch-dalmatinischen Grenzraum mit typischer Ausstattung (Bauchbinde: Kubura und Handžar. Linke Hand: Čibuk. Linke Schulter: türk. Muskete)

Als Heiducken, Sg. Heiduck (auch Haiduck, Heiducke, Hayduke oder Hajduke; osman.-türk. haydut; albanisch hajdut/-i; ungarisch hajdú; serbokroatisch hajduk; rumänisch haiduc; bulgarisch chajduk u. chajdutin) bezeichnete man im 15./16. Jahrhundert, zur Zeit der osmanischen Herrschaft auf dem Balkan, in Südosteuropa und im Osmanischen Reich Wehrbauern im Grenzbereich zum Osmanischen Reich. Im Osmanischen Reich selbst wurden diese als Gesetzlose und Räuber diffamiert.

Bedeutung[Bearbeiten]

Das türkische Wort Haydut beschreibt heutzutage ebendiese Art von räuberischen Personen, die sich gegen das System auflehnen, und womöglich daher wurde der Ausdruck, auch abgewandelt als Haiduck, ab Mitte des 16. Jahrhunderts, zum Synonym für derartige Individuen. Ursprünglich bezeichnete es möglicherweise ungarische Viehhirten (ungarisch hajtó für Ochsentreiber) und später auch Söldner, die für das Osmanische Reich die Grenzkontrolle übernahmen und sich vielleicht später gegen diese auflehnten.

Der Begriff fand Einzug in verschiedene südosteuropäische Sprachen wie z.B.: kroatisch und serbisch hajduk, bulgarisch chajduk und chajdutin, rumänisch haiduc. Im Albanischen wird heute mit hajdut (unbestimmte Form; bestimmte Form: hajduti) ein gewöhnlicher Räuber bezeichnet.[1]

Ursprünglich mag Heiduck eher einen Räuber oder einen Abgefallenen gegenüber der staatlichen Obrigkeit gemeint haben. Während der nationalen Befreiungskämpfe der südosteuropäischen Völker im 19. Jahrhundert hat sich in diesen Nationen vermehrt ein romantisch verklärtes Bild der Heiducken als Volkshelden und Vorkämpfer für die nationale Befreiung und/oder soziale Gerechtigkeit verbreitet. In Südosteuropa kann das Wort sowohl Aufständische und Freiheitskämpfer und ebenso Räuber und Gesetzlose meinen. Der Begriff ist demnach mehrdeutig. Er bezeichnet sowohl einfache Räuber, die Leute ohne Unterschied auf Herkunft und sozialen Status überfallen und gemordet haben, wie auch irreguläre Milizen oder Freiheitskämpfer bis hin zu sozialistischen Revolutionären.

Als solche sind die Heiducken noch heute Gegenstand der Volksverehrung und werden bspw. vor allem bei Serben aber auch von den Kroaten in Bosnien-Herzegowina von Guslaren in „Hajdukenliedern“ besungen.[2]

Die Historikerin Suraiya Farokhi erwähnt, dass es auf dem Balkan im 17. und 18. Jahrhundert ebenfalls zahlreiche Räuberbanden gab, diese jedoch auf etwas andere Weise entstanden sind, als jene im türkischen Kernland Anatolien. Sie vermutet, dass auf dem Balkan ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung und damit auch der Söldnerbanden aus Nichtmuslimen bestand, daher ging es jenen Personen nicht so sehr um die feste Anstellung irregulärer Soldaten.

Dafür hätten manche Militärs, die in den Grenzbezirken keine Arbeit (mehr) fanden, sich ihren Lebensunterhalt durch Raub und Brandschatzung zu sichern versucht. Jedenfalls sei es nicht realistisch, in den sogenannten Haiduken protonationalistische Kämpfer für lokale Autonomie zu sehen, wie das in der älteren Literatur häufig geschehen ist. Diese „balkanischen“ Heiducken seien weit davon entfernt gewesen, als «edle Räuber» von den Reichen zu nehmen, um die Armen zu beschenken, statt dessen griffen die meisten Räuber(banden) jene Leute an, welche sie gerade vorfanden.[3]

Neben Söldnern und Nomaden gab es aber noch andere Leute, die periodisch oder aufgrund besonderer Lebenskrisen ihre Wohnsitze verließen. Erbstreitigkeiten, Epidemien, Überforderung durch den Steuereinnehmer und Raubüberfälle trieben immer wieder junge Bauern aus ihren Dörfern und diese dann somit oft zu einem der berüchtigten Heiducken wurden.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Herkunft des Wortes ist nicht ganz geklärt. Der Begriff mag sich aus dem türkischen haydut für Räuber, Gesetzloser, entwickelt haben; oder aber auch vom ungarischen hajtó (plural hajtók) für Ochsentreiber. Diese beiden Thesen müssen sich nicht ausschließen, da es ursprünglich möglicherweise vom Ungarischen ins Türkische gelangt sein könnte und ungarische Viehhirten beschrieb, welche auch als Söldner die ungarisch-türkische Grenze für das Osmanischen Reichs sicherten, als Ungarn unter osmanische Herrschaft kam. Möglich ist auch, dass sich diese Söldner irgendwann gegen die Fremdherrschaft auflehnten und es so zum negativ konnotierten Begriff gekommen ist.

Eine These geht davon aus, dass das deutsche Wort Haudegen von Kämpfern in Freikorps in österreichischen und anderen Armeen zur Zeit der Türkenkriege aufgeschnappt worden sein könnte. Wahrscheinlich hat das Wort Heiduck sich aus mehreren Quellen gebildet.

Geschichte[Bearbeiten]

Heiduck, aus dem damaligen ungarischen Einflussgebiet (1703)

In Österreich und im Königreich Ungarn bezeichnete Heiduck Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts besoldete Infanteristen, die den Grenzschutz versahen, sowie später bewaffnete Wachen in Städten, Gespanschaften und auf Gütern Adliger. Die Habsburgermonarchie benannte 1740 die drei regulären ungarischen Infanterieregimenter Hayduken.[4] Das Heiduckentum in Südosteuropa nahm seinen Aufschwung Ende des 16. Jahrhunderts, nach ersten militärischen Misserfolgen der Osmanen.

Im Österreichisch-Türkischen Krieg 1716–1718 waren Heiducken österreichische Fußsoldaten in Serbien und im Banat. Heiducken im Dienst Venedigs (Uskoken) fielen im 17. Jahrhundert als semi-reguläre Truppen in das Osmanische Reich ein. Der Heiducken-Anführer wurde, ebenso wie bei den Haramija, harambaša genannt.

Einige Gründe für das Heiduckenleben waren: Widerstand gegen die osmanische Gewalt und Ausbeutung, bessere Verdienstmöglichkeiten, Rache für erfahrene Ungerechtigkeit, Entkommen vor drohender Vergeltung. Heiducken hielten sich überwiegend in entlegenen Gebieten auf, die dem Zugriff des Rechts entzogen waren (Gebirge, Wälder, Sümpfe), und genossen manchmal die Unterstützung lokaler osmanischer Sicherheitsbehörden (Panduren, Martologen, Derbendschi).

In Serbien, das mit wichtigen osmanischen Handelsstraßen durchzogen war, stellte das Heiduckenwesen eine Form der Raubwirtschaft dar. Das Räuberwesen hatte jedoch meist nur wenig mit der vor allem in der Romantik und den späteren Nationalgeschichtsschreibungen geprägten Vorstellung eines permanenten „Kampfes gegen die Türken“ zu tun.

In den griechischen Gebieten agierten die Klephten, wie die Räuber dort genannt wurden .[5]

Zu Beginn des Österreichischen Erbfolgekrieges 1741 übernahm Erzherzogin Maria Theresia drei regulierte ungarische Infanterie-Regimenter und errichtete weitere drei Einheiten: Ujvary (1769: No. 2), Leopold Pálffy (No. 19), Haller (No. 31), Forgach (No. 32), Andrassy (No. 33), Vettes (No. 34). Allen Regimentern war wohl gemeinsam, dass sie zu Beginn nur aus Kriminellen und Gesindel gebildet wurden. So wird vom Regiment Haller berichtet, dass es auf dem Marsch nach Peterwardein einen Offizier ermordete und eine lokale Räuberherrschaft eröffnet habe, „bis Komitatsmilizen es entwaffnen und vor Gericht bringen“.[6] Dennoch weist schon das Infanterieregiment Forgach 1746/47 in Italien einigen Erfolg auf. Vor allem im Siebenjährigen Krieg treten die Heiducken diszipliniert auf, vor allem die Esterházy-Regimenter (1769: No. 33 und No. 37).[7]

Gegenwart[Bearbeiten]

Das Wort haiduc wurde auch von der rumänischen Bewegung Haiducii Muscelului, die in den Jahren 1947 und 1959 den Aufstand gegen die Sowjets probte, benutzt.

Die serbischen Fußballclubs Hajduk Kula, Hajduk Belgrad oder der kroatische Fußballclub HNK Hajduk Split, die rumänischen Musikgruppen Taraful Haiducilor und Haiducii sowie der Familienname der Schauspielerin Stacy Haiduk und des ehemaligen US-amerikanischen Fußballspielerls Frankie Hejduk tragen das Wort im Namen.

In Ungarn gibt es mehrere Toponyme, die auf Hajduk basieren, wie Hajdú-Bihar, Hajdúdorog, Hajdúhadház, Hajdúnánás, Hajdúböszörmény, Hajdúszoboszló.

Bekannte Heiducken[Bearbeiten]

Typische Waffen und Ausstattung von Heiducken (Militärhistorisches Museum, Belgrad)

Einige der in der folgenden Liste genannten Heiduken in Südosteuropa waren vor der Nationenbildung aktiv. Die Zuordnung gibt die gegenwärtige – teils die heutigen Staatsgrenzen übergreifende – Verehrung bei den genannten Völkern wieder, die sich in Südosteuropa wie die Nationalität auch, zumeist maßgeblich durch die Religionszugehörigkeit herausgebildet hat.

Bulgarische Hajduten[Bearbeiten]

Kroatische Hajduci[Bearbeiten]

Rumänische Haiduci[Bearbeiten]

Serbische Hajduci[Bearbeiten]

Ungarische Hajdúk[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Wissenschaftliche Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans Bleckwenn: Der Kaiserin Hayduken, Husaren und Grenzer : Bild und Wesen 1740–1769. In: Joachim Niemeyer (Hrsg.): Zum Militärwesen des Ancien Régime. Drei grundlegende Aufsätze. (Neugedruckt zu Ehren des Verfassers anläßlich seines 75. Geburtstags am 15. 12. 1987). Biblio Verlag, Osnabrück 1987, S. 23–42.
  •  Fikret Adanir: Heiduckentum und osmanische Herrschaft : Sozialgeschichtliche Aspekte der Diskussion um das frühneuzeitliche Räuberwesen in Südosteuropa. In: Südost-Forschungen. Nr. 41, 1982, S. 43–116.
  •  Georg Rosen: Die Balkan-Haiduken : Ein Beitrag zur innern Geschichte des Slawenthums. F. A. Brockhaus, Leipzig 1878 (Online).

Belletristik[Bearbeiten]

  •  Mile Budak: Hajdukenrache. In: Novellen. Hrvatski izdavalački bibliografski zavod, Zagreb 1942, S. 5–26.
  •  Leopold Vukelić: Der Heiduk Rade. In: Mavro Spicer (Hrsg.): Kroatische Lieder und Erzählungen. 2. Auflage. Verlag von Eduard Moos, Zürich/Erfurt/Leipzig 1896, S. 443–462.
  •  Konstantin Petkanow: Die Heiducken. 2. Auflage. Verlag der Nation, Berlin (Ost) 1980, S. 206.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Armin Hetzer: Albanisch-deutsches und deutsch-albanisches Taschenwörterbuch. Mit rd. 12 000 Stichwörtern und Redewendungen. Helmut Buske Verlag, Hamburg 1990, ISBN 3-87118-946-4, S. 123.
  2. Vgl. die Lieder des kroatischen Guslaren Željko Šimić: Smrt Mijata Tomića [Der Tod des Mijat Tomić] und Hrvatski narodni junak hajduk Andrijica Šimić [Der kroatische Volksheld Hajduk Andrijica Šimić], 2001.
  3. Suraiya Faroqhi: Kultur und Alltag im osmanischen Reich. Vom Mittelalter bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. München 1995. S. 69 f
  4. Bleckwenn 1987: 31f
  5. Konrad Clewing, Oliver Jens Schmitt: Geschichte Südosteuropas. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2012, S. 251
  6. Bleckwenn 1987: 31.
  7. Regimentshinhaber: Nikolaus Joseph Esterházy und Joseph Esterházy. Zu den Stammlisten: Liste der Infanterieregimenter der kaiserlich-habsburgischen Armee der Frühen Neuzeit