Freikorps

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die paramilitärischen Einheiten; zur Band siehe Freikorps (Band).

Als Freikorps (franz.: corps, „Körper(schaft)“; aus lat.: corpus, „Körper“) wurden bis zu Anfang des 20. Jahrhunderts paramilitärische Einheiten unabhängig von ihrer nationalen Herkunft benannt. Im deutschen Sprachraum wurden erstmals im 18. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Freikorps“ Frei-Regimenter aus einheimischen Freiwilligen, gegnerischen Überläufern, Deserteuren und Straffälligen aufgestellt. Die mitunter exotisch ausgerüsteten Truppen dienten als Infanterie und Kavallerie, seltener als Artillerie. Teils nur in Kompaniestärke, teils bis zu mehreren tausend Mann stark, existierten auch aus verschiedenen Waffengattungen zusammengesetzte gemischte Verbände bzw. Legionen. Das preußische Freikorps von Kleist umfasste Infanterie, Jäger, Dragoner und Husaren. Die französischen Volontaires de Saxe vereinten Ulanen und Dragoner.

Geschichte[Bearbeiten]

Freikorps im 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Eine erste Hochphase erlebten die Freiformationen im Österreichischen Erbfolgekrieg und vor allem im Siebenjährigen Krieg, als Frankreich und Preußen, aber auch der Habsburgermonarchie an einer Ausweitung des Kleinen Krieges und einer Schonung der regulären Regimenter gelegen war. Auch im letzten Kabinettskrieg, dem Bayerischen Erbfolgekrieg, wurden 1778 Frei-Formationen errichtet. Vor allem Deutsche, Ungarn, Polen, Litauer und Südslawen, aber auch Türken, Tataren und Kosaken waren bei sämtlichen Kriegsparteien als vermeintlich von Natur aus erprobte Kämpfer geschätzt. Die Herkunft vieler Soldaten lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei entschlüsseln, da die ethnische Herkunft in den Regimentslisten oft ungenau beschrieben wurde. Slawen wurden oft als „Ungarn“ oder „Kroaten“ bezeichnet, moslemische Rekruten (Albaner, Bosnier, Tataren) als „Türken“.

Für Preußen waren die Panduren und Kroaten durchaus Vorbild für die Organisation derartiger Freitruppen. Friedrich II. schuf vor allem zwischen 1756 und 1758 14 Frei-Infanterie-Einheiten, die für diejenigen attraktiv sein sollten, die zwar Lust am militärischen „Abenteuer“ hatten, aber von militärischem Drill frei sein wollten. Hiervon unterschieden werden die erst ab 1759 für die letzten Kriegsjahre gebildeten „Frei-Corps“, die ebenfalls unabhängig operierten und durch überraschende Angriffe den Feind störten. Im Gegensatz zur Frei-Infanterie bestanden sie aus mehreren Waffengattungen (etwa Infanterie, Husaren, Dragoner, Jäger) und wurden gemeinsam eingesetzt. Sie wurden vielfach zur Abwehr der Panduren Maria Theresias eingesetzt. Im Zeitalter der Lineartaktik hatten sich leichte Truppen für Vorposten-, Sicherungs- und Aufklärungsaufgaben erforderlich gemacht. Im Laufe des Krieges wurden mehrere solcher Freicorps aufgestellt, insgesamt acht:

Da sie mit Ausnahmen als undiszipliniert und wenig kampfstark galten, wurden sie für nachrangige Wach- und Garnisonsdienste verwendet. Im sogenannten Kleinen Krieg störten Freikorps in Guerillaaktionen die Nachschublinien des Gegners. Im Fall der Gefangennahme liefen ihre Angehörige Gefahr, als irreguläre Kämpfer getötet zu werden. In Preußen wurden die Freikorps, die Friedrich II. als „Geschmeiß“ verachtete, aufgelöst. Ihre Soldaten hatten keinen Anspruch auf Pensions- oder Invalidengelder.

In Frankreich existierten viele Corps bis 1776 fort. Dann wurden sie als Jäger-Schwadronen den regulären Dragoner-Regimentern angegliedert. Österreich rekrutierte während der Französischen Revolutionskriege diverse Freikorps slawischer Herkunft. Das slawonische Freikorps Wurmser kämpfte im Elsass. Der Kampfwert der sechs Wiener Freikorps (rund 37.000 Infanteristen und Kavalleristen) war dagegen gering. Einen Sonderfall stellten die Grenzregimenter aus Kroaten und Serben dar, die dauerhaft an der österreichisch-osmanischen Grenze standen.

Freikorps zur Zeit der napoleonischen Besatzung Deutschlands (1806–1815)[Bearbeiten]

Freikorps im modernen Sinne entstanden in Deutschland im Laufe der Napoleonischen Kriege. Sie kämpften weniger zum Broterwerb als vielmehr aus patriotischen Motiven. Nachdem die von Kaiser Napoleon I. geführten Franzosen die deutschen Staaten entweder erobert oder zur Kollaboration gezwungen hatten, setzten Reste der geschlagenen Truppen den Kampf fort. Berühmt wurde die King’s German Legion (Des Königs deutsche Legion), die für Großbritannien im französisch besetzten Spanien kämpfte und sich hauptsächlich aus Hannoveranern rekrutierte, das Lützowsche Freikorps und die Schwarze Schar. Zu den Freikorps gesellten sich vielfach national eingestellte Bürger und Studenten. Freikorpsführer wie Ferdinand von Schill, Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow oder Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels, genannt der „Schwarze Herzog“, gingen auf eigene Faust gegen die napoleonischen Besatzungstruppen in Deutschland vor. Regen Zulauf erlebten die Freikorps zur Zeit der Befreiungskriege 1813–1815.

Zwischen 1815 und 1871[Bearbeiten]

Auch in der Folgezeit wurden mit unterschiedlichem Erfolg Freikorps aufgestellt.

Während der Märzunruhen 1848 wurden in München Studentenfreikorps aufgestellt.

Im Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848 zeichneten sich die Freikorps von der Tann, Zastrow und andere aus.

In Mexiko bildeten die Franzosen 1864 so genannte Contreguerrillas unter dem ehemaligen preußischen Husarenoffizier Milson. In Italien bildete Garibaldi seine berühmten Freischaren, unter ihnen besonders die „Tausend von Marsala“, die 1860 auf Sizilien landeten.

Bereits vor dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 entwickelten sich in Frankreich Freikorps, die sich Franc-tireurs nannten.

Freikorps nach dem Ersten Weltkrieg (1918–1923)[Bearbeiten]

Angehörige der Marine-Brigade Ehrhardt während des Kapp-Putsches
Reichswehrminister Noske besichtigt das Freikorps Hülsen in Berlin im Januar 1919
Die Garde-Kavallerie-Schützen-Division zieht nach Zerschlagung der Münchner Räterepublik in die Stadt ein
Werbeplakat des Freikorps Hülsen
Plakat der Deutschen Schutzdivision (1919)
Jahrestag-Feier des Freikorps Lützow in Zossen 1920
Fahnen-Zeremonie des ehemaligen Freikorps Brüssow, 1934 in Berlin. Unter den Teilnehmern sind mehrere Mitglieder der Sturmabteilung in Uniform

Als der Erste Weltkrieg vorerst mit dem Anfang November 1918 unterzeichneten Waffenstillstand von Compiègne endete, brach das monarchische System im Deutschen Reich zusammen. Teile der Marine begannen zu meutern, ihnen schlossen sich Truppen im Reich an; so begann am 9. November 1918 die Novemberrevolution. Die Aufständischen wollten eine Änderung der Regierungsform erzwingen. An diesem 9. November übernahmen die Befürworter eines parlamentarisch-demokratischen Regierungssystems vom letzten kaiserlich bestellten Reichskanzler Max von Baden die Macht. Gleichzeitig gab es Bestrebungen von Kommunisten und anderen Linksradikalen, ein demokratisches System auf Rätebasis einzuführen. Das führte zu gewalttätigen Auseinandersetzungen um die Macht.

Da der von Friedrich Ebert geführte Rat der Volksbeauftragten über keine militärischen Machtmittel verfügte, verband er sich mit der noch bestehenden Obersten Heeresleitung und wollte mit den zurückzuführenden Fronttruppen die Lage stabilisieren. Allerdings lösten sich die meisten der zurückgeführten Truppen in der Heimat, teilweise unter dem Einfluss revolutionärer Kräfte, schnell auf. Man ging daher dazu über, aus den zurückgeführten Divisionen bis auf die Kader alle Soldaten zu entlassen und sie mit Freiwilligen aufzufüllen. Daneben wurde von meist jüngeren Frontoffizieren, aber auch von Privaten die Aufstellung von Truppenverbänden aus ehemaligen Soldaten und ungedienten Freiwilligen vorangetrieben. Diese Verbände wurden Freikorps genannt.

Diese Freikorps bekämpften im Auftrag des Rates der Volksbeauftragten und der Reichsregierung die linksradikalen Aufstände und sicherten die Grenzen im Osten des Deutschen Reiches. Sie kämpften 1919 auch im Baltikum mit zeitweiliger Unterstützung Großbritanniens gegen vordringende sowjetrussische Truppen sowie gegen die zuerst mit den Deutschen verbündeten Esten und Letten. Von April bis Mai 1919 waren die Freikorps auch maßgeblich an der besonders blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt.

Da jedoch die Vielzahl der verschiedenen militärischen Verbände, die zwar alle den militärischen Kommandobehörden des Reiches unterstanden, in ihrer inneren Gliederung und insbesondere auch in ihrer politischen Grundeinstellung vollkommen verschieden waren, war die militärische Führung bestrebt, eine Vereinheitlichung zu erreichen. Am 6. März 1919 wurde das „Gesetz über die Vorläufige Reichswehr“ verkündet und die bestehenden militärischen Verbände – darunter auch die Freikorps  – nach und nach in die zu bildenden Brigaden der Reichswehr überführt. Die Vorläufige Reichswehr umfasste rund 400.000 Mann. Der Erlass des Reichswehrministers Noske verfügte darüber hinaus am 27. Mai 1919, dass die Verbände, deren Übernahme in die Vorläufige Reichswehr nicht geplant war, von den Militärbehörden zur Dienstleistung nicht mehr herangezogen werden durften. Aufgrund der Bestimmungen des Vertrags von Versailles durfte die Weimarer Republik zum Stichtag 1. Januar 1921 nur noch ein Heer von 100.000 Mann unterhalten. Somit mussten die militärischen Verbände schrittweise abgerüstet werden. Dagegen rührte sich in den Reihen derer, die von Entlassung bedroht waren, Widerstand. Dies und andere Gründe führten Mitte März 1920 zum Kapp-Putsch, der aber infolge eines Generalstreiks und der Weigerung der Beamten, den Anordnungen der Putschisten zu gehorchen, nach 5 Tagen in sich zusammenbrach.

Die Geschichte der Freikorps endete somit im März 1920. Die nicht in die Reichswehr übernommenen Verbände bildeten meist sogenannte Wehrverbände oder fanden ein Unterkommen bei paramilitärischen Verbänden, etwa beim Stahlhelm oder der SA. Die Nachfolgegruppen der Freikorps waren in den Einwohnerwehren aktiv, kämpften etwa im Selbstschutz Oberschlesien während der Oberschlesischen Aufstände und waren in der Weimarer Republik für eine Reihe von politischen Morden verantwortlich. So ermordeten Mitglieder der aufgelösten Marine-Brigade Ehrhardt, die sich in der Organisation Consul formierten, am 26. August 1921 den ehemaligen Finanzminister Matthias Erzberger und am 24. Juni 1922 den amtierenden Reichsaußenminister Walther Rathenau.

Eine Besonderheit stellte die Technische Nothilfe (TN) dar, eine aus der Technischen Abteilung der Garde-Kavallerie-Schützen-Division und ähnlichen technischen Gruppen der Freikorps hervorgegangene halbstaatliche Einrichtung beim Reichsministerium des Innern, die zuerst zur Bekämpfung von Streiks in lebenswichtigen Betrieben und zu deren Funktionieren eingesetzt wurde. Im Gegensatz zu den bewaffneten Freikorps existierte sie weit über das unruhige erste Jahrfünft der Weimarer Republik hinaus bis 1945. Die Arbeitsweise und Organisation der TN waren 1950 Vorbild für das Technische Hilfswerk.

Nicht mit den Freikorps verwechselt werden dürfen militärische oder paramilitärische Verbände der Weimarer Republik, die ihre Aufstellung auf eine andere Grundlage zurückführen:

Auch gehören Verbände wie die Baltische Landeswehr, die Westrussische Befreiungsarmee oder die Deutsche Legion nicht zu den deutschen Freikorps, wenn auch Deutsche als Einzelpersonen oder in geschlossenen Formationen in ihnen aktiv waren.

Bekannte Freikorps[Bearbeiten]

  • Siebenjähriger Krieg
    • Freikorps von Kleist (preußisch)
    • Frei-Regiment Franciscus Le Noble (preußisch)
    • Freikorps von Schony (preußisch)

Bekannte Freikorpsführer und -mitglieder[Bearbeiten]

Deutschritter-Kreuz (Randow-Kreuz)

Freikorpsauszeichnungen[Bearbeiten]

Für die Kämpfer der Freikorps wurden zahlreiche verschiedene Orden und Auszeichnungen verliehen. Nur zwei, das Baltenkreuz und der Schlesische Adler, erhielten eine staatliche Tragegenehmigung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rüdiger Bergien: Republikschützer oder Terroristen? Die Freikorpsbewegung in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. In: Militärgeschichte, Heft 3/2008, MGFA 2008, ISSN 0940-4163.
  • Dieter Dreetz, Klaus Gessner, Heinz Sperlin: Bewaffnete Kämpfe in Deutschland 1918–1923. Berlin (Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik) 1988. ISBN 3-327-00511-7.
  • Ingo G. Haarcke: Katalog der Uniformabzeichen der deutschen Freikorps 1918–1923. Hauschild, Bremen 2011, ISBN 978-3-89757-500-4.
  • Nigel H. Jones: Hitler’s Heralds. The Story of the Freikorps 1918–1923. London 1987
  • Peter Keller: »Die Wehrmacht der Deutschen Republik ist die Reichswehr«. Die deutsche Armee 1918-1921, Paderborn (Schöningh) 2014. ISBN 3-506-77969-9.
  • Hannsjoachim W. Koch: Der deutsche Bürgerkrieg. Eine Geschichte der deutschen und österreichischen Freikorps 1918–1923. Ullstein, Frankfurt a.M. / Berlin 1978, ISBN 3-550-07379-8.
  • Ingo Korzetz: Die Freikorps in der Weimarer Republik. Freiheitskämpfer oder Landsknechthaufen? Aufstellung, Einsatz und Wesen bayerischer Freikorps 1918–1920. Tectum-Verlag, Marburg 2009, ISBN 978-3-8288-9851-6.
  • Gabriele Krüger: Die Brigade Ehrhardt. Hamburg 1971
  • Klaus Theweleit: Männerphantasien. Kiel 1978
  • Hagen Schulze: Freikorps und Republik. Boppard 1969
  • Matthias Sprenger: Landsknechte auf dem Weg ins Dritte Reich? Zu Genese und Wandel des Freikorps-Mythos, Paderborn u.a. (Ferdinand Schöningh) 2008. ISBN 978-3-506-76518-5.
  • Bernhard Sauer: „Auf nach Oberschlesien“. Die Kämpfe der deutschen Freikorps 1921 in Oberschlesien und den anderen ehemaligen deutschen Ostprovinzen. In: ZfG, Band 58, 2010, S. 297–320.
  • Bernhard Sauer: Freikorps und Antisemitismus in der Frühzeit der Weimarer Republik. In: Rundbrief, 2006, 4, S. 25–33.
  • Bernhard Sauer: Vom „Mythos eines ewigen Soldatentums“. Der Feldzug deutscher Freikorps im Baltikum im Jahre 1919. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Band 43, 1995, S. 869–902.
  • Jan Schlürmann: Die „einheimischen“ und „ausländischen“ Freikorps im Erhebungskrieg 1848. In: AufBruch & BürgerKrieg. Schleswig-Holstein 1848–1851. Band 1. Kiel 2012, S. 166–184.
  • Robert Thoms, Stefan Pochanke: Handbuch zur Geschichte der deutschen Freikorps. Bad Soden-Salmünster 2001.
  • Bernhard Sauer: Freikorps und Antisemitismus in der Frühzeit der Weimarer Republik. (PDF, 119 kB) In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 56. Jahrgang 2008, Heft 1
  • Dominique Venner: Söldner ohne Sold. Die deutschen Freikorps 1918−1923 Wien (Neff) 1974 (Übersetzung aus dem Französischen von Baltikum, 1974). 2. Aufl. unter dem Titel Ein deutscher Heldenkampf. Die Geschichte der Freikorps 1918-1923. Söldner ohne Sold, Kiel (Arndt) 1989. ISBN 3-88741-141-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Freikorps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Hintergrund, Aufstellung und Nummerierung nach Bleckwenn 1986 Bd. IV: 82ff