Heinrich Traublinger

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Heinrich Traublinger (2004)

Heinrich Traublinger (* 9. Mai 1943 in München) war bis zur Landtagswahl 2008 ein bayerischer Kommunal- und Landespolitiker (CSU).

Biografie[Bearbeiten]

Heinrich Traublinger machte eine Handwerkslehre als Bäcker, wurde 1960 Bundessieger im Leistungswettbewerb der deutschen Handwerksjugend, bestand 1963 seine Meisterprüfung als Bäcker und 1965 als Konditor. 1967 trat er in den elterlichen Bäckerei-Betrieb in der Rosenheimer Straße 155 in München ein. 1971 ließ er seinen Betrieb in Neuperlach neu aufbauen, weil der alte Standort zu klein geworden war. 1999 ließ er die Produktion des Betriebes aus Kapazitätsgründen nach Heimstetten verlegen.

1964 wurde er Mitglied der CSU. Von 1972 bis 1986 war Traublinger Stadtrat der Landeshauptstadt München. Traublinger war seit Mitte der 1980er Jahre Vorsitzender des Ortsverbandes 30b (Perlach) der CSU München, bevor er im Frühjahr 2001 von einer Gruppe junger CSU-Funktionäre von diesem Posten verdrängt wurde.[1] Hintergrund war der Kampf um sein Landtags-Mandat, das er seit 1986 innehatte.[2] Dem CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber und der designierten Münchner CSU-Bezirkschefin Monika Hohlmeier missfiel dieser parteiinterne „Putsch“ jedoch, weil Traublinger ein wichtiger politischer Repräsentant des Handwerks ist.[3] Deshalb zerstritten sich die jungen CSU-Mitglieder. Ein Teil von ihnen brachte am 5. Februar 2003 durch Stimmenkauf und Urkundenfälschung die Wiederwahl von Traublinger zuwege und löste damit die langjährige „Münchner CSU-Affäre“ aus.[4] Am 13. Februar 2007 endete Traublingers Zeit als Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Perlach, da er für dieses Amt nicht mehr antrat.[5]

Am 12. Oktober 1986 wurde er erstmals für den Stimmkreis München-Ramersdorf in den Bayerischen Landtag gewählt, dem er bis September 2008 ununterbrochen angehörte. Er war Mitglied des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen. Zur Landtagswahl in Bayern 2008 stand er nicht mehr zur Wahl.

Als hoher Funktionär verschiedener Organisationen im Handwerk kritisierte Traublinger immer wieder die Liberalisierung der deutschen Handwerksordnung, die durch die Umsetzung der EU/EWR-Handwerk-Verordnung vom 22. Juni 2004 erfolgte. „Den Kunden kann es teuer zu stehen kommen, wenn Leute am Werk sind, die ihr Handwerk nicht verstehen“,[6] sagte er der Welt am Sonntag zur Beseitigung der Meisterpflicht in 53 Berufen. Den seit 2004 zu verzeichnenden sprunghaften Anstieg derjenigen Handwerksbetriebe, die ihr erstes Firmenjahr nicht überstehen, kommentierte er mit den Worten: „Das zeigt, dass der Meisterbrief ein Garant für mehr Erfolg und Dauerhaftigkeit am Markt ist“.[7]

Im Juni 2012 gab er nach 22 Jahren aus Altersgründen das Amt des Landesinnungsmeisters für das Bayerische Backerhandwerk ab. Er bleibt Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern sowie der Präsident des Bayerischen Handwerkstages.[8]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Heinrich Traublinger ist seit 1994 Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern und wurde am 10. Dezember 2004 zum Vizepräsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) gewählt. Außerdem ist oder war er Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Landesinnungsmeister für das Bayerische Bäckerhandwerk, Vizepräsident des Genossenschaftsverbandes Bayern (Raiffeisen/Schulze-Delitzsch e.V.), Aufsichtsratsvorsitzender der GHM - Gesellschaft für Handwerksmessen mbH sowie der Versicherungsgruppe Münchener Verein und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Münchner Bank eG.

Familie[Bearbeiten]

Heinrich Traublinger ist seit 1964 verheiratet mit Elisabeth Traublinger und hat zwei Kinder. Sohn Heinrich jun. (* 7. Mai 1965) führt seit den 1990er Jahren den Betrieb gemeinsam mit seinen Eltern. Als Hobbys gibt Heinrich Traublinger sen. Lesen, Jagen, Fischen und Fliegen an.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Am 13. Dezember 2006 wurde Heinrich Traublinger vom Landtagspräsidenten Alois Glück die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold verliehen[9] und am 22. Februar 2007 überreichte ihm Ministerpräsident Edmund Stoiber im Kuppelsaal der Bayerischen Staatskanzlei das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Matthias Kristlbauer: Stoiber empört: Junge Union fordert Traublingers Landtagssitz, Münchner Merkur, 23. Oktober 2002
  2. Matthias Kristlbauer: Junge Union im Clinch um Landtagssitz. Parteifreunde als Stimmvieh. - Merkur Online, 5. November 2002
  3. Jan Bielicki: CSU-Affäre: Verdächtige E-Mails und geheimnisvolle Treffen, sueddeutsche.de, 22. Juli 2003 17:38 Uhr
  4. Die Fälschungsaffäre der Münchner CSU (Version vom 4. April 2007 im Internet Archive), Dossier des Bayerischen Rundfunks, 1. August 2005
  5. Traublinger gibt Vorsitz der Perlacher CSU auf, Süddeutsche Zeitung, 14. Februar 2007
  6. Miriam Zerbel: Der Meister als Auslaufmodell?, Welt am Sonntag, 12. Februar 2006
  7. Gespräch zwischen Heinrich Traublinger und Dr. Reinhard Wieczorek, Referent für Arbeit und Wirtschaft der Stadt München (Version vom 26. Mai 2007 im Internet Archive), Deutsche HandwerksZeitung, 23. Juni 2006
  8. Süddeutsche Zeitung: Traublinger gibt Innungsposten ab, 25. Juni 2012. Seite R1
  9. Ehrung durch Landtagspräsident Alois Glück: Verfassungsmedaille in Gold für Heinrich Traublinger, Handwerkskammer München, Pressemitteilung vom 13. Dezember 2006
  10. Ehrung durch Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber: Großes Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens für Traublinger