Helmar Frank

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Helmar Frank (2004)

Helmar Gunter Frank (* 19. Februar 1933 in Waiblingen; † 15. Dezember 2013 in Paderborn[1]) war ein deutscher Mathematiker und Kybernetiker.

Leben[Bearbeiten]

Von 1953 bis 1959 leitete Helmar Frank an der TH Stuttgart einen Arbeitskreis Rhetorik. Frank wurde 1959 mit dem Dissertationsthema Grundlagenprobleme der Informationsästhetik und erste Anwendung auf die mime pure zum Dr. phil. an der Universität Stuttgart promoviert. Anschließend unterrichtete er in Mathematik und Physik an nordwürttembergischen Gymnasien. Von 1961 bis 1963 war Frank wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kybernetik-Forschungsgruppe Lernende Automaten der Technischen Universität Karlsruhe. Mit 30 Jahren besetzte er 1963 als jüngster Professor in Deutschland[2] den Lehrstuhl für Informationswissenschaft (später für Kybernetik) der Pädagogischen Hochschule Berlin und baute dort das Institut für Kybernetik auf. In dieser Zeit definierte er unter anderem den Begriff der Auffälligkeit von Ereignissen.

1969 entschied das Kultusministerium von Nordrhein-Westfalen, dass das Forschungs- und Entwicklungszentrums für objektivierte Lehr- und Lernverfahren (FEoLL), das zusammen mit dem Computerpionier Heinz Nixdorf initiiert wurde, in Paderborn angesiedelt werden sollte. Naben Frank waren auch Miloš Lánský und Walter Schöler Institutsdirektoren des FEoLL[3]. Dies führte 1972 zur Gründung der Universität – Gesamthochschule Paderborn[4], an die Frank als Professor für Kybernetische Pädagogik wechselte und wo er bis 2006 der Lehrtätigkeit auch noch als Emeritus nachging.

Ende der 1970er Jahre leitete er ein internationales Experiment zur Untersuchung des propädeutischen Wertes von Esperanto[5]. Er konnte im weltweit bekannten Paderborner Modell für den Sprachorientierungsuntericht[2] empirisch beweisen, dass durch das Erlernen eines Modells (in diesem Fall die Plansprache Esperanto) der eigentliche Lernstoff (in diesem Fall die Fremdsprache Englisch) leichter zu erlernen ist und die Investitionszeit für das Erlernen des Modells auch aufgeholt wird.[6]

Frank war Honorar- und unbefristeter Gastprofessor der Universitäten Berlin (Technische Universität Berlin), Guangzhou, Nitra, Prag, Rosario und Hermannstadt (Sibiu). Er war Mitbegründer und langjähriger Präsident der Internationalen Akademie der Wissenschaften (AIS) San Marino.

Bis 2007 war Frank Herausgeber der Fachzeitschrift „Grundlagenstudien aus Kybernetik und Geisteswissenschaften“ (grkg Humankybernetik).

Tätigkeitsschwerpunkte[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Helmar Frank u. a.: Kybernetik – Brücke zwischen den Wissenschaften. Umschau Verlag, Frankfurt am Main 1962 (2. Auflage).
  • Helmar Frank: Kybernetische Grundlagen der Pädagogik. Agis-Verlag, Baden-Baden 1962.
  • Brigitte Frank-Böhringer (Hrsg.): Rhetorische Kommunikation. (Entstanden aus dem Arbeitskreis Rhetorik von 1953 bis 1959). Verlag Schnelle, Quickborn 1963.
  • Kybernetische Analysen subjektiver Sachverhalte. Verlag Schnelle, Quickborn 1964.
  • Helmar G. Frank/Brigitte S. Meder: Einführung in die kybernetische Pädagogik. dtv, München 1971.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Forpasis Helmar Frank, Esperanto , abgerufen am 19. Dezember 2013
  2. a b Herausragender Wissenschaftler, Neue Westfälische, 21./22. Dezember 2013
  3. Wie das FEoLL nach Paderborn kam, Westfalen-Blatt, 18. März 1988
  4. Gesellschaft für Kybernetik abgerufen am 2. Januar 2014
  5. Helmar G. Frank: Europa so – oder besser?: Anstöße zu Diagnose und Therapie, Institut f. Kybernetik, 1999 (PDF; 698 kB) ISBN 3-929853-10-8
  6. Nolte, Antonius Der Sprachorientierungsunterricht nach dem Paderborner Modell und seine Auswirkungen auf den Fremdsprachenunterricht in der Sekundarstufe I. in Linguistik und Didaktik, 11 (1980) 43-44, S. 252-256