Kybernetik

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Kybernetik als allgemeine Wissenschaftsdisziplin; für Anwendungen der Kybernetik in Einzelwissenschaften siehe Kybernetik (Begriffsklärung).

Kybernetik wird von seinem Begründer Norbert Wiener definiert als die Wissenschaft der Kommunikation und Kontrolle (Regelung) von lebenden Organismen und Maschinen und wird auch als die Kunst des Steuerns bezeichnet. Die Kybernetik erforscht die grundlegenden Konzepte zur Steuerung und Regulation von Systemen, unabhängig von ihrer Herkunft. Dadurch werden so unterschiedliche Bereiche wie Maschinen, Menschen oder Organisationen vergleichbar. Sie wurde in den 1940er Jahren von Wissenschaftlern unterschiedlichster Disziplinen entwickelt und inspirierte verschiedenste neue Anwendungsfelder.

Ein typisches Rückkopplungsystem ist eine durch einen Thermostat geregelte Heizung. Der Thermostat vergleicht den Istwert eines Thermometers mit einem Sollwert, der als gewünschte Temperatur eingestellt wird. Eine Diskrepanz zwischen diesen beiden Werten veranlasst den Thermostaten dazu, die Heizung so zu regulieren, dass der Ist-Wert den Soll-Wert anstrebt. Die Kybernetik modelliert die Regelung der Körpertemperatur eines Organismus oder das Marktgeschehen einer Gesellschaft auf dieselbe Art und Weise.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte und Entwicklung

Geschichte (Überblick)

Vorläufer:


Grundlegung:


Anwendung:


siehe auch Chronologie der Systemtheorie

In den 1940er Jahren entstanden die Wurzeln der Wissenschaft Kybernetik, als Gemeinsamkeiten und Schnittstellen verschiedener Einzeldisziplinen, die Themen wie menschliches Verhalten, Nachrichtenübertragung, Regelung, Entscheidungs- und Spieltheorie und statistische Mechanik betrachteten, erkannt wurden. Katalysator dieser Entwicklung waren die bahnbrechenden Macy Conferences mit dem Thema „Circular causal, and feedback mechanisms in biological and social systems“, die von 1946 bis 1953 stattfanden. Norbert Wiener hat den Begriff Kybernetik schließlich im Sommer 1947 von dem griechischen kybernétes für „Steuermann“ abgeleitet und damit den nach seiner Einschätzung ersten bedeutenden Artikel über einen Rückkoppelungsmechanismus von James Clerk Maxwell (On Governors, 1867/68) geehrt; dort wird ein Fliehkraftregler beschrieben, der englisch als ‚governor‘ bezeichnet wird. Das Wort ‚governor‘ leitet sich aus dem lateinischen ‚gubernator‘ ab, einer genauen Übersetzung des griechischen Wortes kybernétes. Auf Anregung von Heinz von Foerster wurde die Bezeichnung „cybernetics“ dann als Titel für die Macy Conferences übernommen.

In gedruckter Form wurde der Begriff von Wiener erstmals 1948 in Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine (deutsche Ausgabe: Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine) verwendet. Im gleichen Jahre erschien in der Zeitschrift Scientific American ein grundlegender Übersichtsartikel zur Kybernetik.

Maßgeblich für die Entwicklung der Kybernetik waren die von Heinz von Foerster in den USA herausgegebenen Tagungsbände Cybernetics der Josiah Macy Jr. Foundation (sogenannte Macy-Konferenzen).

In Deutschland wurde, vor dem gleichen wissenschaftshistorischen Hintergrund, die Studie Das Bewußtsein der Maschinen des Philosophen Gotthard Günther einflussreich.

Wichtige Entwicklungen nach den Macy Conferences gehen aus der Geschichte der Anwendungsfelder hervor (siehe rechts).

[Bearbeiten] Aktuelle Entwicklungen

Heute behandelt man die Themen der Kybernetik weiter differenziert in der Systemtheorie, im technischen Bereich unter der Bezeichnung Steuerungs- und Regelungstechnik , in den Geisteswissenschaften unter der Bezeichnung Systemik oder Kybernetik zweiter Ordnung, in den Sozialwissenschaften unter Management-Kybernetik oder Soziokybernetik in den Biowissenschaften unter Biokybernetik.

Das philosophische Interesse für die Kybernetik rührt daher, dass diese die Möglichkeit eröffnet, den Begriff „Zweck“ rekursiv zu begreifen: Der Zweck eines komplexen Systems, etwa auch eines Lebewesens, ist es selbst. Ein Zweck bräuchte keine vom System getrennte Instanz mehr, die ihn setzt. Wenn das auch für menschliche Zwecke gilt, gewinnt die Autonomie der Person und damit ihre Verantwortung für ihre Handlungen sehr stark an Bedeutung.

Im Rahmen der Regelungstechnik steht heute eine spezielle leistungsfähige mathematische Systemtheorie zur Verfügung, mit der das Verhalten von Systemen und Regelkreisen beschrieben und berechnet werden kann.

In der Netzwerktheorie wird nach allgemeinen Prinzipien vernetzter Wirkungsgefüge gesucht.

Die Entscheidungs- und die Spieltheorie, die sich mit Entscheidungsprozessen in teils komplexen Situationen mehrdimensionaler Zielräume befassen, gewinnen eine wachsende Bedeutung insbesondere in Medizin, Militär und Wirtschaft.

[Bearbeiten] Zur Etymologie des Ausdruckes Kybernetik

Der Ausdruck Kybernetik wurde Mitte des 20. Jahrhunderts aus dem englischen "cybernetics" übernommen. Dieser wiederum wurde geprägt zu dem substantivierten griechischen Adjektiv κυβερνητικὴ [τέχνη] mit Bedeutung „Steuermanns-[Kunst]“, zu κυβερνήτης, altgriechisch ausgesprochen kybernétes, „Steuermann“ und κυβέρνησις, kybérnesis, „Leitung“, „Herrschaft“.

In der Antike findet man schon frühe Zeugnisse systemorientierter Denkweisen. Homer schrieb „kybernètès“ und meinte den Steuermann eines Schiffes. Platon benutzte diesen Begriff wenn er vom „Mann am Steuerruder einer Regierung“ sprach. Der Apostel Paulus artikuliert sich mit dem Begriff „kybérnēsis“ im 1. Korinther 12,28, um die „Fähigkeiten zu leiten“ zu thematisieren.

[Bearbeiten] Kernbegriffe der Kybernetik sind

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Spezielle Kybernetik / Anwendungen

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] klassische Literatur

  • Norbert Wiener: Mensch und Menschmaschine. Kybernetik und Gesellschaft. Alfred Metzner Verlag, Frankfurt am Main 1952.
  • William Ross Ashby: Einführung in die Kybernetik. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974.
  • Georg Klaus: Wörterbuch der Kybernetik. Dietz Verlag, Berlin 1968.
  • K. Steinbuch, H. Frank, H. Kretz, H. Meves, K. Küpfmüller, W.D. Keidel, J. Schwartzkopff, R. Feldtkeller, F. Wenzel: Kybernetik – Brücke zwischen den Wissenschaften. Umschau Verlag, Frankfurt am Main 1962.

[Bearbeiten] aktuelle Literatur

[Bearbeiten] Zitate

Ernst von Glasersfeld definiert Kybernetik als

„ein metadisziplinäres (das heißt übergeordnetes) Gebiet, kein interdisziplinäres, da sie Begriffe und Begriffsmuster entwickelt und klärt, die neue Erkenntniswege in einer Vielfalt von Erfahrungsbereichen eröffnen.“

Ernst von Glasersfeld: Die Verbindungen zur Kybernetik in: Radikaler Konstruktivismus, 1995

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

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