Heinz Nixdorf
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Heinz Nixdorf (* 9. April 1925 in Paderborn; † 17. März 1986 in Hannover) war ein deutscher Computerpionier und ein erfolgreicher Unternehmer.
[Bearbeiten] Frühe Kindheit und Jugend
Die Kindheit von Heinz Nixdorf, der neben vier weiteren Geschwistern in Paderborn aufwuchs, war wegen der zeitweiligen Arbeitslosigkeit des Vaters in den 1920er und 1930er Jahren durch materielle Armut geprägt. So schränkte die finanzielle Familiensituation die Wahlmöglichkeiten des überdurchschnittlich begabten Schülers ein: Der Besuch einer höheren Schule und das Ablegen der Abiturprüfung waren zunächst nicht möglich. Von 1939 bis 1942 eröffnete ihm ein Stipendium den Besuch einer Lehrer-Bildungsanstalt; zunächst in Vallendar bei Koblenz, darauf in Boppard am Rhein und schließlich in Alfeld (Leine). Analog zu vielen Familien musste auch die Familie Nixdorf schwere Schicksalsschläge während des Zweiten Weltkrieges hinnehmen. Sein Vater, Walter Nixdorf, ab 1939 in fester Anstellung als Reichseisenbahner, wurde 1944 an der Ostfront getötet. 1943 wurde Nixdorf zum Militärdienst eingezogen, konnte sich aber gegen Ende des Krieges einer Gefangennahme nach der Niederlage seiner Division in der Tschechoslowakei entziehen und kehrte kurz nach Ende des Krieges in das fast vollständig durch massive Luftangriffe zerstörte Paderborn zurück, wo er ein Jahr nach Kriegsende das Abitur am Reismann-Gymnasium nachholen konnte.
[Bearbeiten] Studium
Von 1947 bis 1952 studierte Nixdorf, wiederum durch ein Stipendium gefördert, Physik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Als Werkstudent konnte er 1951 beim amerikanischen Büromaschinenhersteller Remington Rand Corp. eine Anstellung finden, wo er an der Entwicklung einfacher Zählgeräte, sogenannten Multiplikations- und Saldierwerken, mitwirkte. Der Marktwert dieser Maschinen wurde von den Amerikanern aber nicht erkannt, woraufhin diese die Weiterentwicklung einstellten.
[Bearbeiten] Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung
Nixdorf dagegen war vom Siegeszug der Rechenmaschinen überzeugt und überzeugte mit seinem Konzept einer Rechenmaschine auf Röhrenbasis die verantwortlichen Personen in der Buchhaltung der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE AG), die ihn mit einem Entwicklungsauftrag und einem Vorschuss in Höhe von 30.000 D-Mark ausstatteten, so dass er mit diesem Startkapital 1952 das Labor für Impulstechnik (LFI) in Essen gründen konnte.
Die Innovations- und Expansionsphase des Unternehmens verlief in großen Schritten. Vom Produzenten von Rechenmaschinen für die RWE AG entwickelte sich das LFI in den 1950er Jahren schnell zum Zulieferer elektronischer Rechenwerke für bedeutende Büromaschinenhersteller wie die Exacta Büromaschinen GmbH – ab 1963 Wanderer-Werke– in Köln und die Compagnie des Machines Bull in Paris. 1959 verlegte Nixdorf den Firmensitz aufgrund des niedrigeren Lohnniveaus und einem größeren Arbeitskräftereservoir von Essen nach Paderborn.
An dem neuen Standort wurden neue Geräte und neue Unternehmenskonzepte entwickelt. 1965 wurde die Wanderer Logatronic, ab 1967 zum Nixdorf Universalcomputer Nixdorf 820 weiterentwickelt, auf der Hannover Messe vorgestellt. Die nach dem Baukastenprinzip konstruierte Logatronic war der erste auf Halbleitern basierende Kleincomputer und wurde neben den Wanderer-Werken ebenso von der Kienzle-Apparte GmbH in Villingen und der Ruf Buchhaltung in Karlsruhe unter jeweils eigenem Namen deutschlandweit vertrieben. Dieser Kleincomputer begründete Nixdorfs Ruf als Pionier der dezentralen elektronischen Datenverarbeitung. Durch den Erfolg bestärkt, begann Nixdorf 1967 mit dem Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes. Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geriet Nixdorf 1968 mit dem Kauf und der Übernahme des bis dahin größten Kunden, den Wanderer-Werken in Köln. Mit dem Erwerb der Wanderer-Aktien und somit den Wanderer-Werken besaß Nixdorf nun nicht mehr nur leistungsfähige Entwicklungs- und Produktionsabteilungen, sondern er verfügte auf einen Schlag über eine ganz Deutschland abdeckende Vertriebsstruktur. Der Kaufpreis von 17,2 Millionen D-Mark konnte weitgehend aus den zuvor gebildeten Rücklagen entnommen werden. Das von Wanderer übernommene Know-How im feinmechanischen und elektromechanischen Bereich zeigte sich in der Qualität der selbstentwickelten und -gebauten Peripheriegeräte und wirkt in den Produkten der Nachfolgegesellschaften bis heute nach. Mit der Aktienübernahme bei Wanderer im April 1968 erfolgte zum 1. Oktober desselben Jahres der Zusammenschluss zwischen den ehemaligen Wanderer-Werken und dem Labor für Impulstechnik (LFI) zur Nixdorf Computer AG (NCAG) mit Sitz in Paderborn.
Noch 1968 fanden im Rahmen eines 100-Millionen-Mark-Auftrages des amerikanischen Büromaschinenunternehmens Victor Comptometer aus Chicago, welches nach bewährter Wanderer-Manier 1972 ebenfalls übernommen werden sollte, NCAG-Computer aus Paderborn ihren Weg nach Übersee. Neben dem innerdeutschen Ausbau des Vertriebsnetzes war die Nixdorf Computer AG 1972 bereits in 22 Ländern weltweit vertreten. Der Standort Paderborn wurde in der Folgezeit stetig gestärkt. Am ehemals Unteren Frankfurter Weg, heute Heinz-Nixdorf-Ring, entstanden ab 1974 hochmoderne, auch architektonisch bestechende Fertigungsstätten, die beinahe jährlich aufgrund des Unternehmenserfolges ausgebaut werden mussten. Die Hauptverwaltung wurde in den Paderauen – heute Heinz-Nixdorf-Aue – an der Fürstenallee errichtet und 1985 nochmals erweitert.
1970 begann für die Nixdorf Computer AG die wirtschaftlich erfolgreichste Zeit. Sie wurde in den 1970ern Marktführer in Deutschland im Bereich der Mittleren Datentechnik und viertgrößter Computerhersteller in Europa mit Produktionsstätten in Deutschland, Irland, Spanien, USA und Singapur. Ab 1975 brachte die NCAG eine neue Generation der Datenerfassungs- und Datenverarbeitungssysteme heraus: die 88xx-Reihe. Neben dem Datenverarbeitungssektor hatte die NCAG seit 1971 kontinuierlich weitere Marktsektoren erschlossen. Der eine Sektor betraf elektronische Kassensysteme und Bankenterminals. In Schweden konnte das zu der Zeit größte Datenverarbeitungsnetz mit Bankenterminals aus dem Hause Nixdorf realisiert werden. Der andere Sektor war der Bereich der Datenerfassungssysteme, wobei eine Datenspeicherung auf elektromagnetischen Bänden erfolgte und nicht mehr wie zuvor auf Lochkarten. Ein Jahr nach dem 25-jährigen Betriebsjubiläum – im Jahr 1978 – überstieg der Gesamtumsatz erstmals die Milliarden-Mark-Grenze. Weltweit beschäftigte die NCAG zu dem Zeitpunkt über 10.000 Mitarbeiter.
Um die Lehrlinge der NCAG adäquat am Computer auszubilden, richtete Heinz Nixdorf 1969 eine werkseigene Berufsschule ein, aus dessen Trägerverein 1972 das Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe (b.i.b.) hervorging. Des Weiteren war nach einer Direktive von Heinz Nixdorf Sportunterricht für die Auszubildenden Pflicht. Als Ansprechpartner im Bereich Sport stand Kurt Bendlin, Gewinner der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt 1968, zur Verfügung. Um der Belegschaft Möglichkeiten zum Sporttreiben zu geben, errichtete Nixdorf 1984 den Ahorn-Sportpark auf dem Betriebsgelände der NCAG. Der Sportpark stand auch der Paderborner Bürgerschaft zur Verfügung und kann bis heute kostenlos genutzt werden.
1985 stieg der Umsatz auf fast 4 Milliarden D-Mark, der Gewinn belief sich auf 172 Millionen D-Mark. Beschäftigt waren zu diesem Zeitpunkt 23.300 Mitarbeiter in 44 Ländern. Das Folgejahr wurde überschattet durch den Tod des Unternehmensgründers. Am 17. März 1986 erlag Nixdorf den Folgen eines Herzinfarktes auf der Computermesse CeBIT in Hannover.
[Bearbeiten] Entwicklung der Nixdorf Computer AG nach dem Tod des Unternehmensgründers
Die Nachfolge von Nixdorf trat noch im April 1986 Klaus Luft an, der im ersten Jahr nach dem Tod von Nixdorf nochmals Rekorde vermelden konnte. Der Umsatz stieg auf über 5 Milliarden D-Mark und das Unternehmen beschäftigte um die 30.000 Mitarbeiter weltweit. Jedoch konnte die NCAG dem grundlegenden Wandel in der Computer- und Elektronikbranche nicht folgen. Wichtige Markttrends wie der Siegeszug der Personal Computer wurden verpasst und ein rascher Preisverfall kennzeichnete den mittlerweile hart umkämpften Massenmarkt der Mittleren Datentechnik. Darüber hinaus geriet das Unternehmen durch den plötzlichen Tod Nixdorfs in eine Nachfolgekrise. Aus finanziellen Gründen ergab sich die Notwendigkeit, nach einem geeigneten Partner zu suchen, der sich in der Siemens AG fand. Am 1. Oktober 1990 wurde der Zusammenschluss der Nixdorf Computer AG mit dem Bereich der Daten- und Informationstechnik der Siemens AG vollzogen. Zugleich wurde der Name in Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) geändert.
Am 1. Oktober 1999 wurden Teile des Unternehmens SNI aus dem Siemens-Konzern herausgelöst und von den Kapitalbeteiligungsgesellschaften Kohlberg Kravis Roberts und Goldman Sachs Capital Partners übernommen. Dabei wurde der Name in Wincor Nixdorf International GmbH geändert. Seit Mitte 2004 ist das Unternehmen wieder an der Frankfurter Börse notiert und trägt den Namen Wincor Nixdorf AG. Die Geschäftsfelder umfassen Geldautomaten, Kassensysteme und Leergutautomaten. Die ehemalige Computersparte der SNI wird heute von der Fujitsu Technology Solutions fortgeführt.
[Bearbeiten] Konrad Zuse und Heinz Nixdorf
Konrad Zuse war zu Lebzeiten immer wieder in Paderborn bei Nixdorf zu Gast. Das Verhältnis der beiden bedeutendsten deutschen Computerpioniere war von gegenseitigem Respekt und Wohlwollen geprägt. Am Markt waren die beiden Unternehmensinhaber keine Konkurrenten. Zuses Computer wurden in erster Linie im technisch-wissenschaftlichen Bereich - zeitweise auch wirtschaftlich erfolgreich - eingesetzt. Der 15 Jahre jüngere Nixdorf dagegen konzentrierte sich von Anfang an ausschließlich auf den kommerziellen Sektor. Ein Kooperationsvorhaben zwischen den beiden Unternehmen, die Übernahme von Zuse-Software auf Nixdorf-Rechner, scheiterte, weil Nixdorf von Zuse dafür die Abnahme von Nixdorf-Computern verlangte, die bei der Zuse KG einer Jahresproduktion entsprochen hätte.
[Bearbeiten] Auszeichnungen, Ehrungen und Sonstiges
Im Jahr 1983 wurde er als erster Unternehmer von der Ludwig-Erhard-Stiftung mit der Ludwig-Erhard-Medaille für seine Verdienste um die Soziale Marktwirtschaft ausgezeichnet. 1985 wurde er zum Manager des Jahres gewählt. Ebenfalls erhielt Nixdorf 1985 die Konrad-Zuse-Medaille für seine Verdienste der Informatik im Bauwesen.
Die Heinz-Nixdorf-Realschule in Büren (Westfalen) und das Heinz-Nixdorf-Berufskolleg in Essen sind nach ihm benannt.
In der Öffentlichkeit war Heinz Nixdorf als scharfer Kritiker jedweder unnötiger Bürokratie bekannt. Ein prominentes Beispiel ist eine Stellungnahme seinerseits über die Bundespost : „Ich wünsche mir nichts sehnlicher als die Privatisierung dieses 500.000 Personen großen Kolosses, der da rum liegt und nichts tut.“[1]
[Bearbeiten] Stellungnahmen und Einschätzungen über Heinz Nixdorf
Altbundeskanzler Helmut Schmidt befand über Nixdorf: "Er war ein Mann mit vielen Talenten. Er war Zehnkämpfer, er war dynamisch, er war klug. In Paderborn residierte, 1984 war das, immer noch die Primaballerina der europäischen Wirtschaft: Heinz Nixdorf. ... Er war eine Vaterfigur, er war unkonventionell und zugleich bodenständig. Mit fast 30.000 Mitarbeitern weltweit und fast 5 Milliarden D-Mark Jahresumsatz hat Nixdorf das drittgrößte Computerunternehmen in Europa aufgebaut. Er war ein Musterbeispiel für das deutsche Wirtschaftswunder."[2]
Als der "ideenreichste und erfolgreichste Unternehmner der Bundesrepublik" ordnete Altbundespräsident Richard von Weizsäcker Nixdorf ein.[3]
[Bearbeiten] Privat
Aus der 1960 mit Renate Ring geschlossenen Ehe gingen drei Söhne hervor.
[Bearbeiten] Literatur
- Volker Werb: Heinz Nixdorf. Der Sportsmann und der Förderer des Sports. Ein Stück Biographie., Schoeningh Ferdinand GmbH 2007, ISBN 3-506-71330-2
- Broschüre Heinz Nixdorf - Lebensbilder, Copyright Heinz Nixdorf Stiftung 2004, als Druckversion beim Heinz Nixdorf MuseumsForum (Link s.u.) zu beziehen Der knorrige Patriarch der Elektronik PDF-Download
- Ulrich Fritsch: Die neue Dimension. Zukunftsstrategien internationaler Top-Manager, Düsseldorf/Wien, Verlag Eccon 1986, ISBN 3-430-12969-9
- Klaus Kemper: Heinz Nixdorf - eine deutsche Karriere, Landsberg/Lech, Verlag Moderne Industrie 1986, ISBN 3-478-30120-3
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Heinz Nixdorf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Heinz Nixdorf Stiftung/Stiftung Westfalen
- Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn
- Heinz Nixdorf Berufskolleg Schule für Elektrotechnik, Informations- und Telekommunikationstechnik der Stadt Essen
- Heinz Nixdorf MuseumsForum
- Wincor Nixdorf AG
- Fujitsu Siemens Computers Holding
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Pressekonferenz der NCAG auf der Deutschen Industrie-Messe 1985 in Hannover.
- ↑ Helmut Schmidt in: Heinz Nixdorf - Rechner mit Emotionen, Film von Raimund Kusserow (Süddeutscher Rundfunk) 1994 unter Mitarbeit des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
- ↑ Richard von Weizsäcker in: Der Spiegel 13/1986, Unternehmen: Irgendwo ein Leitbild, S.37.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Nixdorf, Heinz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Firmengründer und Wirtschaftsmanager |
| GEBURTSDATUM | 9. April 1925 |
| GEBURTSORT | Paderborn |
| STERBEDATUM | 17. März 1986 |
| STERBEORT | Hannover |

