Himmelfahrt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Himmelfahrt (Begriffsklärung) aufgeführt.

Der Begriff Himmelfahrt bezeichnet das in Religionen und Mythen weit verbreitete Motiv, bis zu einem höchsten Ziel zu gelangen. Im Judentum, Christentum und im Islam bezieht er sich konkret darauf, dass jemand definitiv und leiblich ins Jenseits gelangt, ohne zu sterben (bzw. ohne einen Leichnam zurückzulassen).

Im deutschen Sprachraum bezieht sich der Begriff Himmelfahrt meist auf die beiden christlichen Feste Christi Himmelfahrt (ein bewegliches Fest, am 40. Tag nach Ostern) und Mariä Aufnahme in den Himmel, volkstümlich „Mariä Himmelfahrt“ genannt, am 15. August.

Schamanen, Griechen und Römer[Bearbeiten]

Bereits die altägyptische Vorstellung vom Himmelsaufstieg oder die Himmelsreisen der Schamanen bringen das Streben zum Ausdruck, zu einem höchsten Ziel zu gelangen, ebenso das Auftreten flugfähiger Wesen (Engel) sowie die göttliche Hilfeleistung (Emndeduranki, Sumer) oder eigenes Geschick (Ikarus). Plato und Plutarch beschreiben Jenseitsreisen. Auch die hellenistischen Mysterienreligionen, wie zum Beispiel der Mithraismus, geben Anweisungen für eine Reise in den Himmel.

Eine Entrückung kommt bereits bei Homer vor (Iphigenia), und die Himmelfahrt ist bereits bei den Griechen und Römern bekannt (Hercules, Romulus). Livius (1,16) und Plutarch (Rom. 28,36) beschreiben, wie Romulus entrückt und in den Himmel gehoben wurde. Man nahm für sogenannte Heroen an, dass sie zu ihren göttlichen Vätern zurückkehren würden.

Altes Testament und Judentum[Bearbeiten]

Das Alte Testament beschreibt die Entrückung des Henoch im Buch Genesis (5,24), nachdem er 365 Jahre auf Erden war (5,23), und die Himmelfahrt des Propheten Elija in einem feurigen Wagen (2. Könige 2,11). Das Judentum kennt die Legenden der Himmelfahrt des Mose, deren Entstehung in das 1. Jahrhundert v. Chr. zurück reicht, sowie die später entstandene von der Himmelfahrt des Jesaja.

Neues Testament und Christentum[Bearbeiten]

Die Himmelfahrt Jesu Christi erwähnt das Neue Testament drei Mal: In Markus 16,19, in Lukas 24,51 sowie in der Apostelgeschichte 1,1-11. Einzig an letzter Stelle ist sie ausführlich beschrieben. Demnach begegnet der auferstandene Christus über vierzig Tage hinweg wiederholt seinen Jüngern und wird dann in den Himmel aufgenommen, wo er mit dem Platz „zur Rechten Gottes“ die Macht über Himmel und Erde erhält. Im Christentum gibt es in der katholischen und orthodoxen Kirche den Glauben an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel, volkstümlich auch als Mariä Himmelfahrt bezeichnet. In den Apokryphen wird auch die Himmelfahrt des Simon Petrus beschrieben.

Koran und Islam[Bearbeiten]

In Sure 4, Vers 157 heißt es, dass Isa bin Maryam (Jesus) keines natürlichen Todes gestorben sei, sondern von Gott zu sich erhoben wurde.

Islamischen Überlieferungen zufolge wurde der Prophet Mohammed durch ein Wunder von Mekka nach Jerusalem versetzt, von wo aus er zum Himmel hinaufstieg. Die al-Aqsa-Moschee (nach Sure 17, Vers 1:„die ferne Kultstätte“), im frühen achten Jahrhundert gebaut, setzte die islamische Koranexegese endgültig mit dieser koranischen fernen Kultstätte gleich und machte sie und das gesamte Gebiet von Jerusalem damit zum drittheiligsten Ort nach Mekka und Medina. Mohammeds Himmelfahrt fand allerdings nicht von der al-Aqsa-Moschee, sondern von demjenigen Felsblock auf dem Tempelberg aus statt, über dem unter den Umayyaden der Felsendom errichtet wurde. Die im 10. Jahrhundert entstandene Literatur mit Lobpreisungen der Vorzüge Jerusalems – faḍāʾil bait al-maqdis – knüpft an diese alte Tradition an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Johannes Hofmann: Die Assumptio Mosis. Studien zur Rezeption massgültiger Überlieferung. Journal for the Study of Judaism, Supplements 67. Brill, Leiden u.a. 2000 ISBN 90-04-11938-8
  • Tobias Nünlist: Himmelfahrt und Heiligkeit im Islam: eine Studie unter besonderer Berücksichtigung von Ibn Sīnās Mi'rāg-nāmeh. Studia religiosa Helvetica, Series altera 6. Lang, Bern u.a. 2002 ISBN 3-906769-23-2
  • M. Mühling: Grundinformation Eschatologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007 ISBN 978-3-525-03619-8, 101–122, bes. 117–119
  • Max Scherberger: Das Mi'ragname. Die Himmel- und Höllenfahrt des Propheten Muhammad in der osttürkischen Überlieferung. Würzburg 2003. (Arbeitsmaterialien zum Orient. Band 14).
  • Stephen J. Shoemaker: Ancient Traditions of the Virgin Mary's Dormition and Assumption. Oxford Early Christian Studies. University Press, Oxford 2002 ISBN 0-19-925075-8
  • Peter Landesmann: Die Himmelfahrt des Elija. Entstehen und Weiterleben einer Legende. Sowie ihre Darstellung in der frühchristlichen Kunst. Böhlau, Wien u.a. 2004 ISBN 3-205-77184-2
  • Moshe Idel: Ascensions on High in Jewish Mysticism. Pillars, Lines, Ladders. Pasts incorporated 2. Central European University Press, Budapest 2005 ISBN 963-7326-03-0 Inhaltsverzeichnis

Weblinks[Bearbeiten]