Hottentotten

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Koloniale Darstellung von „Hottentotten“ auf der Jagd

Hottentotten war eine in der Kolonialzeit von den Buren erstmals verwendete Sammelbezeichnung für die in Südafrika und Namibia lebende Völkerfamilie der Khoi Khoi, zu der die Nama, die Korana und Griqua (Orlam und Baster) gehörten. Man geht heute davon aus, dass die holländische Bezeichnung Hottentot seit ihrer Einführung hauptsächlich abwertend rassistisch und diskriminierend verwendet wurde.[1] Außerdem wurde das Wort auf Menschen mit vermeintlich unterlegener Kultur und Mangel an intellektuellen Fähigkeiten übertragen.[2][3]

Etymologie[Bearbeiten]

Ein Erklärungsversuch geht auf eine Eigenart der Khoisan-Sprachen zurück. Er geht von der Tatsache aus, dass diese Sprachen von – für europäische Ohren ungewohnten – Klick- und Schnalzlauten, so genannten ingressiven Verschlusslauten, durchsetzt sind. Diese Laute hätten dann die niederländischen Siedler als Gestotter empfunden und die Khoi somit als Stotterer (im nördlichen Dialekt des Afrikaans: hottentots) bezeichnet.[4]

Es finden sich auch historische Erklärungen, nach denen das Wort Hottentotte auch nordafrikanischen Ursprunges (Hadendoa) sein könnte.[5]

Geschichte des deutschsprachigen Wortgebrauchs[Bearbeiten]

Im Rahmen der deutschen Koloniegründung im heutigen Namibia übernahmen die deutschen Siedler vielfach unreflektiert Sichtweisen und Worte ihrer burischen Nachbarn. Eine Auseinandersetzung mit dem Wort Hottentotten findet sich im Deutschen Kolonial-Lexikon 1920: „Die H. nennen sich selbst Koikoin, was soviel wie Menschen bedeutet. Als Naman fasst man dagegen jetzt am besten alle H.-Stämme von Deutsch-Südwestafrika zusammen, obwohl diese Bezeichnung ursprünglich wohl nur für die vor 1800 dort vorhandenen Hottentotten galt. Das sonderbare Wort ‚Hottentott‘ hat man meist als einen holländischen Spottnamen bezeichnen wollen, …“[6]

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Begriff – bereits seit der Epoche der Aufklärung – in etlichen deutschsprachigen literarischen Werken manifestiert. Bis heute haben sich in Deutschland Redewendungen wie „Hier geht es zu wie bei den Hottentotten!“ erhalten, zum Beispiel nannte Marius Müller-Westernhagen sein 2011er Live-Album „Hottentottenmusik“. Die Wendungen sollen einen Mangel an räumlicher beziehungsweise musikalischer Ordnung zum Ausdruck bringen.

Zusammengesetzte Wörter[Bearbeiten]

Eine Pflanzengattung der Mittagsblumengewächse, Carpobrotus, wird auch als „Hottentottenfeigen“ bezeichnet; eine Art der Kupfergoldmulle aus dem südöstlichen Südafrika heißt Hottentotten-Goldmull (Amblysomus hottentotus), ebenfalls in Afrika beheimatet ist die Hottentottenente (Anas hottentota), eine Meerbrassenart genannt Pachymetopon blochii ist als „Hottentottfisch“ auch im Deutschen bekannt geworden.[7]

Aus dem 19. Jahrhundert, als Wissenschaftler Theorien zur Existenz verschiedener menschlicher Rassen diskutierten, erstellten und unter anderem biologistisch belegen wollten, stammen auch Bezeichnungen wie Hottentottenschürze für vergrößerte Labien und Hottentottensteiß für ein prominentes Gesäß („Steatopygie“). Mit der Zuordnung solcher körperlicher Merkmale zu einem afrikanischen Volk verbanden viele damalige europäische Zeitgenossen ein besonderes Maß an Wollust und Laszivität. Heute ist bekannt, dass die genannten anatomischen Phänomene auch bei anderen genetisch ähnlichen Phänotypen vorkommen.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hottentotte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hrsg.): Afrika und die deutsche Sprache, 2004, ISBN 3-89771-424-8
  2. Eintrag zu „Hottentots“ im Shorter Oxford Dictionary: „one of inferior culture and intellect.“ (Jemand unterlegener Kultur und Intellekts)ISBN 978-0-19-920687-2
  3. Auch das South African Concise Oxford Dictionary bezeichnet das Wort als offensive (d. h. „anstößig, beleidigend, befremdlich, widerwärtig“) ISBN 978-0-19-571804-1
  4. Der Neue Herder, Band II, S. 1744, Herder-Druckerei Freiburg im Breisgau, 1950
  5. Das Deutsche Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 77 ff, ISBN 393910213X, Text des Eintrags auf dem Server der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main
  6. Das Deutsche Kolonial-Lexikon. Band II. 1920, ISBN 393910213X, S. 77ff. (Text des Eintrags auf dem Server der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main).
  7. ZipCodeZoo.com
  8. Weibliche Genitalverstümmelung und die Hottentottenschürze. Ein medizinhistorischer Diskurs des 19. Jahrhunderts von Marion A. Hulverscheidt