Illegale Fischerei

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Als Illegale Fischerei (offizieller Terminus in der EU (engl.): Illegal, unreported and unregulated (IUU) fishing, etwa illegale, nicht gemeldete und nicht regulierte Fischerei) wird in der Hochseefischerei der Fischfang durch diejenigen Schiffe und Mannschaften bezeichnet, der gewerblich ohne die erforderliche Lizenz betreiben wird, die in der Lizenz zugestandene Fangquote überschreitet oder bei dem Fangmengen nicht oder falsch angegeben werden.

Internationale Gremien wie G8, EU, Interpol und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen haben illegale Fischerei als Umweltkriminalität anerkannt.[1]

Die Mannschaften und ihre Boote werden in den Medien oft als Piratenfischer bezeichnet, ein Begriff, der insbesondere von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace als Schlagwort verwendet wird.

In der Binnenfischerei ist das Phänomen deutlich geringer ausgeprägt. Beim Hobbyfischfang spricht der Volksmund von Schwarzangeln oder -fischen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Um die Überfischung ihrer Ausschließlichen Wirtschaftszonen (200-Meilen-Zone) zu vermeiden, legen die meisten Staaten mit Küstengewässern Fangquoten fest und weisen einzelnen Bewerbern einen Anteil dieser Quote mittels einer Lizenz zu. Der Fischfang außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszonen ist durch internationale Abkommen geregelt.

Problematik[Bearbeiten]

Die Piratenfischer umgehen internationale Fischereiabkommen, indem sie ihre Fangschiffe in Billigflaggen-Ländern registrieren lassen oder ganz ohne Flagge, Länderkennzeichen und Namenszug fahren. Sie besitzen industrielle Fangschiffe und jagen bevorzugt dort, wo Kontrollen die Ausnahme sind, etwa im Südpolarmeer oder vor Westafrika, wo die Regierungen nicht über die Mittel verfügen, ihre Küstengewässer ausreichend zu kontrollieren.

Die Schiffseigner sitzen vor allem in Europa, Japan, der Volksrepublik China und den USA. Greenpeace schätzt, dass rund 1200 industrielle Fangfahrzeuge illegalen Fischfang betreiben.

Gefahren[Bearbeiten]

Verstöße gegen die Quotenregelung führen zu

  • Überfischung (Hauptproblem)
  • einem Preisverfall durch Überangebot auf dem Fischmarkt und damit zu wirtschaftlichen Einbußen für die lizenzierten Fischer, die ihre Quoten einhalten
  • langfristig zu einem Ruin der Fischereiindustrie in einem Gebiet oder weltweit
  • lokal zur Ausbildung von Piraterie in den betroffenen Gebieten

Politische Auswirkungen illegaler Fischerei[Bearbeiten]

Seit dem Sturz der somalischen Regierung 1991 werden die Hoheitsgewässer vor Somalia nicht mehr überwacht. Seither betreiben ausländische Fischtrawler, insbesondere aus der EU, Russland und Asien illegalen Fischfang in diesen Gewässern. Die Eindringlinge vertrieben die Boote einheimischer Fischer, beschossen deren Insassen mit Wasserkanonen, kappten ihre Netze und nahmen dabei selbst den Verlust von Menschenleben in Kauf. Wie die Organisation East African Seafarers' Assistance Programme (SAP) berichtet, welche in den meisten der Schiffsentführungen vor der somalischen Küste vermittelt, ist das illegale Fischen die Wurzel für die Piraterie, da sich die einheimischen Fischer anfangs bewaffneten und versuchten, die ausländischen Piratenfischer zu vertreiben. Nachdem maritime Milizen zunächst illegal fischende Trawler aufgebracht und "Lizenz-Zahlungen" für deren Schwarzfischerei erhoben haben, wurden später auch Handelsschiffe gekapert.[2] Zwischenzeitlich profitieren die illegalen Fischer vor Somalia von der EU-Operation Atalanta zum Schutz der Seefahrt vor Somalia und die Piraterie vor Somalia ist ein Geschäft des organisierten Verbrechens.[3]

Film[Bearbeiten]

  • Andreas Orth: Duell im Nordmeer. Die Jagd auf Piratenfischer Dokumentationsfilm WDR, 2006

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Banks, D., Davies, C., Gosling, J., Newman, J., Rice, M., Wadley, J., Walravens, F. (2008) Environmental Crime. A threat to our future. Environmental Investigation Agency pdf
  2. Illegale Fischerei profitiert von EU-Einsatz am Horn von Afrika in der Tageszeitung Die Presse vom 21. November 2008.
  3. Annette Weber: Kriege ohne Grenzen und das »erfolgreiche Scheitern« der Staaten am Horn von Afrika (PDF; 472 kB), SWP-Studie 2008/S 26, September 2008, 25 Seiten.

Weblinks[Bearbeiten]