Internationalismus

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Internationalismus (Begriffsklärung) aufgeführt.

Der politische Begriff Internationalismus bezeichnet einen Gegensatz zum Nationalismus.

Marxismus[Bearbeiten]

Der Begriff bezeichnet im Marxismus sowohl ein parteipolitisches als auch ein staatliches Organisationsprinzip.

Parteiliche Organisation[Bearbeiten]

Das parteipolitische Organisationsprinzip des Internationalismus sieht vor, dass sich die einzelnen nationalen Parteien mit sozialistischer Ausrichtung in einem Bund zusammenschließen sollen. Dieser Bund, der Internationale oder Weltpartei genannt wird, zeichnet sich dadurch aus, dass die einzelnen Mitgliedsparteien einen Teil ihrer Souveränität an die Internationale abgeben, so dass deren Beschlüsse für alle Mitglieder gültig und verbindlich sind.

Diese Forderung wird durch den Aufruf „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ aus dem Kommunistischen Manifest zum Ausdruck gebracht.

Der Internationalismus als parteipolitisches Organisationsprinzip wurde in seiner ursprünglichen Form von Karl Marx und Friedrich Engels für den Bund der Kommunisten und die Internationale Arbeiterassoziation (1864 – 1876) entwickelt. Die wichtigsten Quellentexte hierzu sind das Manifest der Kommunistischen Partei sowie die Inauguraladresse und die Statuten der Internationalen Arbeiterassoziation.

Nach der Spaltung und Auflösung der Internationalen Arbeiterassoziation in eine anarchistische und eine marxistische Richtung entstanden mehrere Nachfolgeorganisationen.
1889 wurde die Sozialistische Internationale bzw. zweite Internationale gegründet, die 1914 zerbrach, da die wichtigsten Mitgliedsparteien bei Beginn des Ersten Weltkriegs die Beschlüsse der Internationale zur Beilegung des Konflikts nicht ausführten. Die Sozialistische Internationale wurde 1951 wiederhergestellt und fungiert bis heute als Dachorganisation sozialdemokratischer Parteien.
Auf Initiative Lenins wurde 1919 die Kommunistische Internationale bzw. dritte Internationale gegründet. Diese wurde 1943 von Stalin aufgelöst. Als Grund für die Auflösung wird allgemein angenommen, dass Stalin damit den westlichen Alliierten ein Zugeständnis machen wollte, die sich an der faktischen Kontrolle sämtlicher Kommunistischer Parteien in der dritten Internationale durch die sowjetische KP und damit durch Stalin persönlich gestört fühlten.
Als Reaktionen auf die Auflösung der zweiten Internationale und die Stalinisierung der dritten gründeten sich 1932 das Londoner Büro als Zusammenschluss linkssozialistischer Parteien und 1938 die trotzkistische Vierte Internationale. Ob letztere noch heute existiert, nicht mehr existiert oder neu aufgebaut werden müsse, ist bei den verschiedenen trotzkistischen Organisationen umstritten.

Staatliche Organisation[Bearbeiten]

Wappen der UdSSR

Im Sinne des staatlichen Organisationsprinzips ist der marxistische Begriff Internationalismus gleichbedeutend mit dem Weltföderalismus. Lenin konzipierte in diesem Sinne die erste Verfassung der UdSSR, die als Rumpf eines Weltstaates gedacht war, der durch den Beitritt aller zukünftigen kommunistischen Länder zur Union entstehen sollte.

Im Stalinismus wurde diese Vorstellung aufgegeben und die Sowjetunion nunmehr als erweiterter russischer Nationalstaat betrachtet (vgl. „Sozialismus in einem Land“). Jedoch haben sich teilweise bis 1990 Überreste des Leninschen Internationalismus erhalten, z. B. in Form des Wappens der UdSSR, der Verwendung der Internationale als Hymne (nur bis 1943) und im Wahlspruch „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“.

Anarchosyndikalismus[Bearbeiten]

Im Anarchismus bzw. Syndikalismus bezeichnet er das Streben der Arbeiter nach transnationalem Zusammenschluss unter anarchistischen Vorzeichen. Den sozialdemokratischen und kommunistischen Organisationen wird dabei die Integration in den jeweiligen nationalpolitischen Rahmen bzw. die praktisch-politische Orientierung an diesem (gemäß der politischen Strategie des Marxismus von der Eroberung der politischen Macht in den jeweiligen Ländern mittels der Partei) vorgeworfen, diese würde den proletarischen Internationalismus in der Praxis zunehmend hemmen und beschränke sich letztlich auf das ideelle Moment. Der Syndikalismus (insbes. in Form der CGT und der ITF) hielte diesem schleichenden Nationalisierungsprozess ein eigenes Konzept des transnationalen gewerkschaftlichen Kampfes entgegen, konnte sich aber im Konflikt mit Sozialdemokratie und Kommunismus in der Arbeiterbewegung nicht durchsetzen.

US-amerikanische Außenpolitik[Bearbeiten]

Als „bürgerlicher Internationalismus“ firmierte der Begriff ab 1917 in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten als Bezeichnung für das Bestreben, die eigenen liberalen politischen Werte international zu verbreiten. Präsident Woodrow Wilson war der Erste, der 1918 durch das 14-Punkte-Programm die Verbreitung der Demokratie, basierend auf einem liberal-kapitalistischen System, zum politischen Ziel erhob. Dieses außenpolitische Vorgehen setzte sich dann bei der Staatsbildung der Bundesrepublik Deutschland ab 1945 und beispielsweise der heutigen US-amerikanischen Nahost-Politik fort. Diese Form des Internationalismus steht dem insbesondere bis zum Zweiten Weltkrieg präsenten Isolationismus gegenüber.

Neue soziale Bewegungen[Bearbeiten]

In den Neuen Sozialen Bewegungen seit Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre und der ab Ende der 1980er Jahre erstarkten Anti-Globalisierungsbewegung wurde das Schlagwort der Internationalen Solidarität, wie es im Grunde bereits in der frühen sozialistischen Arbeiterbewegung angelegt war, neu aufgegriffen und auf weitere politische Inhalte ausgedehnt. Bei der Informations- und Solidaritätsarbeit mit Gruppen und Menschen, die in verschiedenen Ländern gegen unterschiedliche Formen der Unterdrückung und Ausbeutung kämpfen, kam es zu einer verstärkten Vernetzung. So wurden überparteiliche Organisationen, sogenannte NGOs (Nichtstaatliche Organisationen) gegründet, die mit einem internationalistischen Anspruch auftreten und öffentlich wirksam sind.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Hierlmeier, Internationalismus. Eine Einführung in seine Ideengeschichte – von den Anfängen bis zur Gegenwart, Schmetterling Verlag, 2., aktualis. u. erw. A. 2006, ISBN 3896575945
  • Holger Marcks, Strukturen des Internationalismus. Das Problem der organisatorischen Bedingungen für eine internationalistische Arbeiterbewegung, in: Marcks/Seiffert, Die großen Streiks. Episoden aus dem Klassenkampf, Münster 2008, S. 88–92.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Internationalismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen